Archiv für die Kategorie ‘Zlatanistan’

Étape 1: Hallunda

Herr Maldini am Mittwoch den 1. Juli 2015

HerrEriksson

 


Die erste Etappe der Tour de Suède startet in Hallunda, einem Vorort im Süden von Stockholm.

In den Jahren 1965-1974 verfolgte die Regierung Schwedens eine Vision: Während knapp 10 Jahren sollten für die Bevölkerung 1 Million neue Wohnungen gebaut werden. Der Stil war funktionalistisch, dies ist in Gebieten wie Tensta, Rosengård oder Hallunda noch heute sichtbar. Leider waren aber viele dieser neuen Stadtteile zu teuer, die Architektur zu einseitig – und je nach politischer Einstellung solche Vororte ein Faktor, der die Segregation zwischen arm und reich zementierte, wenn nicht gar vergrösserte.

hallunda
Nun gehts aber um den Fussball: In Hallunda beginnt heute die Tour de Suède, eine Reise, die den schwedischen Fussball in verschiedenen Ligen und Teilen des Landes untersuchen soll. Der bestplatzierte Verein hier heisst Arameiska Syrianska IF, spielt in der 2. Liga und hat heute Derby gegen Syrianska IF Kerburan aus Västerås.

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Schwatzhafter Schwede

Herr Shearer am Dienstag den 30. Juni 2015

Bescheidenheit ist eine Zier, doch leichter geht es ohne ihr.

Neulich in Tschechien: in der U21-Europameisterschaft haben die Schweden soeben Dänemark mit 4:1 aus dem Wettbewerb gehauen. Anschliessend tritt John Guidetti, im normalen Leben bei Manchester City angestellt, zum Interview an. Film ab!

Vergessen Sie nicht, in der Befehlsleiste unten die Untertitel einzuschalten, falls Ihr Schulschwedisch auch schon ein bisschen eingerostet ist.

Lundh vs. Schmidt

Herr Maldini am Montag den 1. Juni 2015

AKTUELL: Der HSV entgeht dem Abstieg aus der Bundesliga – 2:1-Sieg nach Verlängerung in Karlsruhe

HerrEriksson

 


Wenn in Stockholm Derbyzeit ist, dann fliegen die Fetzen: Berichterstattung vom Kellerderby in der höchsten Spielklasse des schwedischen Frauenfussballs, AIK FF – Hammarby IF DFF.

Lundh und Schmidt

Lundh und Schmidt.

Derbys sind immer besondere Angelegenheiten. Egal, welches Team wo in der Tabelle steht, es geht um die (reelle oder imaginäre) Vorherrschaft in der Stadt, um Stolz und darum, den andern eins auszuwischen. Beim Derby AIK gegen Hammarby ist die Ausgangslage äusserst ungewiss: Während bei AIK Formkurve sowohl von Verein als auch von Starspielerin Emma Lundh steil nach oben zeigt, ist bei Hammarby das Gegenteil der Fall, denn man wartet seit dem ersten Spieltag auf einen Sieg, und der Star des Teams Katrin Schmidt ist soeben von einer Verletzungspause zurückgekehrt.

Solna gilt nicht gerade als einer der schöneren Stadtteile Stockholms, aber was es an Architekturcharme vermisst, macht es an Beton mehr als wett. Ziemlich gemütlich ist jedoch das AIK-Stadion, Skytteholms IP. Vom Baujahr 1957 zeugt nur noch das Dach der Haupttribüne, denn Skytteholm wurde auf diese Saison hin renoviert und besitzt nun, ähnlich wie Zinkensdamm und Friends Arena, einen Kunstrasen.

Nachdem der Einmarsch-Pyro-Rauch das Stadion verlassen hat, ist das Spiel leider schnell zusammengefasst; man merkt, dass beide Teams dringend drei Punkte benötigen und eine punktemässige Nullnummer strengstens verboten ist. Lundh wird von der Hammarby-Verteidigung auf Schritt und Tritt bewacht, es ist stattdessen Sturmkollegin Sarah Storck, die das 1:0 für AIK erzielt. Nur neun Minuten später kann Hammarby ausgleichen: Emma Jansson trifft nach einem herrlichen Solo durch die Mitte. Katrin Schmidt beweist eindrücklich, dass sie nicht zu Unrecht als beste defensive Mittelfeldspielerin gilt, denn wenn sie am Ball ist, herrscht bei AIK höchste Alarmstufe.

Oben
Kurz nach dem Seitenwechsel hat Schmidt jedoch Feierabend – Trainer Pär Lagerström nimmt sie vorsichtshalber nach nur 65 Minuten aus dem Spiel, das für Hammarby zwar noch zwei Schüsse ans Gehäuse bedeutet, aber schliesslich 1:1 endet. “Wir spielten okay, nicht besonders gut”, konstatiert Katrin Schmidt nüchtern, “wir sollten jedoch so ein Spiel gewinnen und die drei Punkte mitnehmen. Wir müssen im Strafraum aggressiver spielen und halt unsere Chancen besser nützen.” Woran es gelegen hat, dass es nicht für mehr gereicht hat? “Am Tore schiessen.”

Unten
Herrn Eriksson ist langweilig, deshalb macht er eine Tour de Suède. Falls Sie besondere Wünsche an unseren Schwedenkorrespondenten haben, so tun Sie dies bitte in den Kommentaren kund. 

 

Jauch zahlt den Rauch – Teil 2

Herr Maldini am Samstag den 23. Mai 2015

HerrEriksson

 


Im Browser-Game “Hattrick” gibt es klare Vorschriften: Wenn ihr Verein während mehr als zwei Wochen ein Minus von über einer Million Franken aufweist, dann ist Ende Feuer. Ähnlich war es im Mai 2014 in Tyresö, einem Vorort von Stockholm.

Stellen Sie sich folgendes vor: Real Madrid besiegt Juventus mit 3-0, steht im Final der Champions League – und am darauffolgenden Tag kommt die Gemeindeverwaltung zum Schluss, Real habe ein zu grosses Loch in der Kasse und werde rechtlich für Bankrott erklärt.

Ähnlich absurd war die Situation in Stockholm: Tyresö FF, ein neureicher Verein aus dem südlichen Vorort mit demselben Namen, hatte während Jahren die ganz grossen Namen im Frauenfussball in die schwedische Hauptstadt gelockt. Marta, Caroline Seger, Christen Press, Verónica Boquete, Lisa Dahlkvist, Whitney Engen, Carola Söberg – die Liste mit Nationalspielerinnen war zeitweise so lang, dass einige an andere Vereine der Liga ausgeliehen wurden. Man bot ihnen gute Verträge an (Marta erhielt beispielsweise einen Bonus von 80’000 € für den Fall, dass es der Verein in den CL-Final schafft), und eine Zeit lang wurde geglaubt, schon nur das Zusammenbringen all dieser Ausnahmetalente würde Tyresö zu einem Silicon Valley des Frauenfussballs machen.

Marta und Seger.

Fertig lustig: Marta und Caroline Seger.

“Mängs, wo vo wytem gross usgseht, u guldig glänzt mit Schyn, isch vo nöchem aagluegt nume trüeb u chly”, singt Büne Huber, eine Textzeile, die zu 100% auf Tyresö zutrifft. Denn auch in Schweden sind die Unterschiede zwischen Frauen- und Herrenfussball nach wie vor gross, und als den Spielerinnen von Tyresö Anfang Februar mitgeteilt wurde, die Löhne könnten zur Zeit leider nicht ausbezahlt werden, schien das Ganze nicht mehr so goldig zu glänzen. Das Management versuchte zu beruhigen: Es werde gerade um neue Sponsoringverträge verhandelt, das Minus in der Kasse sei nur temporär, das Stadion werde vielleicht noch etwas ausgebaut.

Doch wer ohne Lohn arbeiten muss, der sucht sich schnell mal einen bezahlten Job. Das gilt auch für Spielerinnen von Nationalmannschaften.

Ende Mai, Tyresö hatte trotz 2-0 und 3-2-Führung den Final der Champions League noch 3-4 gegen Wolfsburg verloren, war der Verein definitiv pleite und die Stars verliessen ihn. Marta spielt nun bei Rosengård in Malmö, Caroline Seger beim PSG, Christen Press bei den Chicago Red Stars. Tyresö DFF, der aus den Scherben des CL-Zweiten neu gegründete Verein, ist neu in der 2. Regionalliga. Nur noch die Grösse des Stadions erinnert an die Tage, die “golden glänzten mit Schein.”

Jauch zahlt den Rauch – Teil 1

Herr Maldini am Mittwoch den 20. Mai 2015

HerrEriksson

 

Wenns zu einem längeren Aufenthalt in der obersten Liga reichen soll, dann braucht es jemanden, der den ganzen Spass bezahlen will. Herr Eriksson hat deshalb die Sponsorentaktik des Schwedischen Fussballs untersucht.

DSC_2000Früher, als der Jauch noch was zu sagen hatte bei YB, da wurden Aufkleber mit dem “Anti-Jauch” verteilt, die Ostkurve johlte “Jauch muss weg!” und auf den Tifos stand “Jauch zahlt den Rauch”, wenn die vorsichtig reingeschmuggelten Pyros abgebrannt wurden. Dies lässt mich ungezwungen die Frage stellen: Wenn der Jauch den Rauch bezahlt, wer bezahlt dann den Rest?

In Schweden heisst die oberste Fussballiga der Männer Allsvenskan, die der Frauen Damallsvenskan. Bei den Männern sind es 16 Vereine, die um den Titel spielen, bei den Frauen deren 12. Um die Recherchen in einem angemessenen Rahmen zu halten, verbleibe ich im Stockholmsgebiet, wo die folgenden Vereine aktiv sind:
Skärmavbild
Die Recherchen zeigen eindeutig, wie die Sponsoren zu den Vereinen passen: AIK ist bekannt als der Verein mit den pöbelwütigsten Fans, der “Black Army”. AIK ist im Norden von Stockholm stationiert, in einem Vorort namens Solna. AIK hat Schwedens grösstes Stadion, die Friends Arena (hätte eigentlich Swedbank Arena heissen sollen, aber die Banker bekamen kalte Füsse). AIK hat Åbro, eine Bierbrauerei (ähnlich wie Cardinal, so quasi. Feldschlösschen wäre dann Spendrups), als Hauptsponsor. “Natürlich passt das zum Vereinsbild,” erklärt ein Fan, der anonym bleiben möchte, aber auf den Namen Arwid hört, “AIK hat die Schreihälse und das Bier. Passt wie die Hand in den Handschuh.” Arwid arbeitet mit Finanzforschung, erklärt er mir, als ich ihn in der Pizzeria antreffe. Arwid mag laut eigener Aussage Bier, Pizza und Fussball. Herr Eriksson kann bestätigen, dass AIK die Schreihälse hat, sowohl im Männer- wie im Frauenfussball. Und dass Arwid Bier mag, stimmt auch. Sehr sogar.

Djurgården ist ursprünglich jenes Gebiet in Stockholm, wo der König sein privates Jagdgebiet hatte. Fans findet man in allen Ecken und Winkel der Stadt, aber hauptsächlich unter den reichen Plebejern – der frühere Staatsminister (≈Präsident) Schwedens, der CEO von H&M sowie Schwedens einziger Astronaut lassen sich ab und zu in der VIP-Loge blicken. Djurgården hat ein Finanzberatungsinstitut als Haupsponsor, und der anonyme Arwid findet dazu folgendes: “Wer die reichen als Fans haben will, kann ja nicht ein Bier auf dem Leibchen tragen. Letzte Saison hatten sie Kaffeknappen als Sponsor, wo es guten Espresso und teuren Latte Macchiato gibt. Prioritet Finans passt aber besser.” Warum? “Darum geht es hier doch nicht”, meint Arwid und widmet sich wieder dem Bier.

Hammarby aber, der Verein, der in den Hoods von Herrn Eriksson zu Hause Ohne Titelist, hat verschiedene Sponsoren – bei den Männern sponsert der Dachdecker LW, bei den Frauen sind es drei Firmen, die auf der Vorderseite des Trikots stehen wollen: Elektro-, Bau- und Fitnessgewerbe buhlen um die Gunst der Zuschauer. Wie kommentiert der Arwid dies? “Die Männer haben einen Dachschaden, und die Frauen sind topfit und elektrisch geladen”, lallt er zum Schluss.

Herr Maldini distanziert sich ausdrücklich von den Recherchearbeiten des Schwedenkorrespondenten.

Das Runde muss ins Eckige (II)

Herr Maldini am Mittwoch den 13. Mai 2015

HerrEriksson

 


Die erste Hälfte endete ohne Tore, heute berichtet Herr Eriksson, ob es zwischen Hammarby und Linköping doch noch einen Sieger gab.

Nach dem Pfiff gibt es Pausentee, die Aussentemperatur sinkt, der Kaffee ist langsam kalt und die Fans johlen noch immer. “Das sind tolle Leute, die geben uns Energie für das Spiel”, meint Verteidigerin Eke. Aber irgendwie scheint es auch den Champions-Leaguern aus Linköping zu helfen, denn Hammarby hat zusehends Mühe. Ein ums andere Mal kommen sie zu Chancen, ballern aber das Runde neben das Eckige – sehr zur Freude von Eke. Den Stürmerinnen Johansson und Markstedt gehen die Ideen aus, Trainer Lagerstöm nimmt sie vom Platz und bringt stattdessen die Rookies Hedell und Jansson.

Ohne Titel

Der Regenbogen ist weg, nun ist es nur noch kalt. Linköping schiesst immer wieder aus grosser Entfernung, doch auch wenn Goalie Lundgren einmal sonstwo im Tor steht, findet sich immer wieder ein Kopf oder Fuss im Weg. Gerade als ich schreiben will, Hammarby hätte das Spiel wieder im Griff, starten sie eine Ballstafette, in der kaum ein Ball richtig gelingen will. Die einzige Deutsche Hammarbys, Katrin Schmidt, verleidet das langsam, und sie beginnt einen Sturmlauf, der sogar Forest Gump neidisch machen würde. Doch nun hat auch Linköping begriffen, dass grätschen auf einem nassen Kunstrasen eigentlich ganz lustig ist, besonders im Strafraum. Deshalb bleibt Schmidt der Torjubel verwehrt.

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Olga Ekblom und Helen Eke.

In der Nachspielzeit gibt es fast noch ein Tor; Hammarby-Goalie Lundgren kann den Ball gerade noch behändigen. Sie sieht, dass der Ball nicht von einer Mitspielerin kommt, sondern vom Schienbein der Linköping-Angreiferin Blackstanius. Wieder Endstation.

Nun wird es auch der Ref zu bunt, sie erlöst uns von diesem torlosen Gekicke. An der Pressekonferenz im (geheizten!) Glassaal des dritten Stockes machen die meisten – Trainer wie Spielerinnen – einen eher müden Eindruck. Zufrieden sind aber sowohl Eke wie Ekblom – denn Hammarby ist im Toreschiessen noch immer drei Mal so gut wie Linköping.

Das Runde muss ins Eckige (I)

Herr Maldini am Dienstag den 12. Mai 2015

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Auslandkorrespondent Herr Eriksson besuchte ein Spiel der Damallsvenskan. Das ist die höchste Spielklasse im schwedischen Frauenfussball. Lesen Sie heute die erste Halbzeit.

Da hatte doch alles so gut angefangen. Man kommt frühzeitig ins Stadion, kriegt Presseausweis und Kekse, und dann verleidet es den Spielerinnen schon nach fünf Minuten – ein gutgezielter Schlenzer knallt mir fast den Compi vom Pressetisch.

Hammarby IF DFF – Linköping FC, Stockholm, Schweden. Im altehrwürdigen Stadion Zinkensdamm empfängt Aufsteiger Hammarby die Champions-League-Teilnehmerinnen aus Linköping. Auf Schweizer Verhältnisse übersetzt ist das etwa, wie wenn der FC Basel in Vaduz gastiert. Das Stadion – es mit allergiefreudlichem Kunstrasen ausgestattet – hat für jeden Geschmack etwas: Wer Neufeldgefühl will, kann unter freiem Himmel stehen; wer Pausenwürstchen will, kann sie bei Zoltan kaufen; und wer kampfbetonten Frauenfussball mag, für den gibt es noch Rugbytore.

Hammarby ist ein Verein, an dem man einfach Freude haben muss, denn die Leibchen sind farbmässig dem Rasen angepasst, der Alternativmusiker Kenta (in gewissen Kreisen würde man ihn wohl als Drögeler beschimpfen) singt uns die Klubhymne vor, und Hammarbys Captain Olga Ekblom singt mit strahlenden Augen mit.

Ohne Titel

Danach gehts los, die Fans johlen, die Spielerinnen rennen von der einen Seite zur anderen, aber richtig gefährliche Abschlüsse sind in der Anfangsphase nicht auszumachen (abgesehen von der RL-Attacke – Blogger leben eben gefährlich). “Von wegen Niveauunterschied”, sagt Olga, “diese Saftsäcke haben erst ein Tor geschossen diese Saison, da sind wir drei mal so gut!”

Es beginnt zu regnen. Der Neufeldteil des Publikums rümpft die Nase und geht zu den Wankdörflern unters Dach. Ähnlich metaphorisch könnte man das Spiel beschreiben: Es plätschert ein bisschen vor sich hin, aber wirkliche Torgefahr kommt nicht auf. Die Sonne kommt zurück, es bildet sich ein Regenbogen. Wo er auf die Erde trifft, ist nicht auszumachen, aber nicht in einem der Tore, nein, nicht einmal im Stadion. Helen Eke pfeffert einen Ball in Richtung Linköpingtor, das Runde sucht sich ins Eckige, die Fans johlen etwas lauter – aber nur temporär. Der Ball landete im Rugby-Eckigen, und für solche Tore (auch wenn sie aus tollen Angriffen resultieren) gibts im Fussball keine Punkte, auch in Schweden nicht. Die Schiedsrichterin hat die Nase voll und pfeift die erste Halbzeit ab.

Ob es in der zweiten Halbzeit noch ein reguläres Tor gab, erfahren Sie morgen, wenn Ihnen Herr Eriksson die zweite Halbzeit präsentiert.

Schwedisch für Fussballfans

Herr Maldini am Montag den 4. Mai 2015

HerrEriksson

 


Wer schon einmal an der Uni gearbeitet hat und sich an Peer-Reviews vorbeizuzwängen versuchte, der weiss: Wenns zum Sieg reichen soll, dann braucht es in jedem Fall ein paar gute Sprüche.

Und zwar nicht solche Materazzi-Dinger, die keiner hört, sondern solche, die ein ganzes Stadion füllen und den Spielern die Freude am Fussball wiederschenken (falls sie verloren gegangen ist).

Stockholm hat viele Vereine, aber Hammarby (kontinentale Fans nennen den Verein ”Bajen”) ist zweifelsohne derjenige, der in Sachen Fangesang und Spruchphilosophie einsame Spitze ist. ”Lite tjack i venen sätter fart på benen” (Ein Bisschen Amphetamin in den Venen treibt die Beine an) wird beispielsweise kurz vor dem Anpfiff gejohlt, ”Bira, Braj, Hammarbaj” (Bier, Gras, Hammarby) gehört in jede Spielpause wie das Schoggistängeli zum Weggli oder die Wurst zum YB-Match, ebenso ”Bärs och thinner, Bajen vinner, olé olé, socialgrupp 3” (Bier und Lösungsmittel, Bajen gewinnt, olé olé, Arbeiterklasse!). Und wie von den richtigen Fussballfans in der Schweiz, so wird auch hier die letzte Viertelstunde lautstark angekündigt: ”10-9-8-7-6-5-4-3-2-1-0 Öka takten, sista kvarten Tidaholm!” (Gas geben, letztes Viertel, Tidaholm!) [In Tidaholm steht Schwedens grösstes Hochsicherheitsgefängnis, Anm. d. Red.].

Wer das ganze in Action sehen will, dem ist hier geholfen:

Herr Eriksson ist neuer Schweden-Korrespondent des Runden Leders und berichtet in loser Folge aus Zlatans Heimat. Als Nächstes wird er eine Partie der höchsten Spielklasse im schwedischen Frauenfussball besuchen.