Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

So ein Seich

Briger am Mittwoch den 28. März 2018

Erneute Pinkelposse in der Serie D.

Foto via: oe24 sport

Ältere Leser werden sich erinnern. In dieser Saison wurde mit Giovanni Liberti bereits einmal ein Spieler der Serie D bestraft, weil er seine menschlichen Bedürfnisse nicht unter Kontrolle gehabt haben soll. Armando Prisco, der Ersatztorwart von Messina kam im Serie D-Derby zwischen der Associazione Sportiva Dilettantistica Igea Virtus Barcellona und der Associazione Calcio Rilancio Messina Società Sportiva Dilettantistica a r.l zum Einsatz. Im regendurchnässten Stadio Carlo Stagno d’Alcontres musste der Torwart dann in der 85. Minute mal kurz für kleine Jungs. Das Spiel fand gerade vor dem anderen Tor statt und da war die Gelegenheit günstig, dachte zumindest Prisco. Er hatte die Rechnung ohne den Schiedsrichter der Partie gemacht, der ihn bemerkte und sofort vom Platz stellte.

Zu sehen ist die rote Karte bei 00:39, die Pinkelszene wurde leider nicht übermittelt.

Nach dem Spiel äusserte sich der Torwart des früheren Serie A Clubs, der seit dem Abstieg 2007 bereits zweimal Konkurs ging, wie folgt:
“Ich machte eine Geste, die so aussehen sollte, als würde ich mich dehnen. Ich wusste, da waren Leute um mich und ich wollte nicht, dass man denkt, ich würde urinieren. Er (der Schiedsrichter) nahm es etwas zu persönlich. Ich war ehrlich genug, zu beichten, was ich getan hatte. Ich denke nicht, dass es sonst wer bemerkte. Ich werde es nicht mehr tun. Ich werde versuchen das Bedürfnis zu unterdrücken. Ich bin 21 und nicht inkontinent.” Der Innenverteidiger, der anschliessend ins Tor musste, hielt seinen Kasten sauber und so konnte Messina zumindest einen Punkt nach Hause nehmen. Prisco schaut die nächsten drei Spiele von der Tribüne aus zu.

Letzte Kontrolle

Rrr am Montag den 26. März 2018

Das historische Bild zum Wochenstart.

Mai 1966: Schiedsrichter Tofik Bachramow kontrolliert das Gewicht des Fussballs, der gemäss FIFA-Vorgabe bei Spielbeginn zwischen 410 und 450 Gramm schwer sein muss.

Berühmt wurde der Aserbaidschaner Bachramow kurze Zeit später als Linienrichter des WM-Finals 1966 (Wembley-Tor).

(Foto: Sputnik)

Rustikales Rencontre

Rrr am Sonntag den 18. März 2018

In unserer Serie “Foul oder nicht Foul?” zeigen wir Ihnen heute eine knifflige Situation aus dem deutschen Amateurfussball.

(twitter.com/CollinasErben)

Solider Sicherheitscheck

Dr. Rüdisühli am Mittwoch den 7. März 2018

Ist Ihr Cupfinal-Ticket echt? Unser Experte weiss Rat.

Werte Mitbürgerinnen und Mitbürger, es ist traurig aber wahr – das sogenannte Fussballfest vom 27. Mai wirft bereits seine Schatten voraus. Es sind gefälschte Tickets im Umlauf, wie 20 Minuten berichtet. Die Young Boys warnen ebenfalls vor Viagogo&Co. Doch wie erkennen arglose Käufer den Schwindel?

Eines vorweg: Seit Eintrittsbillette existieren, gibt es auch Fälscher. Um das Fälschen der Tickets möglichst zu verhindern, stattet der SFV diese mit sechs Sicherheitsmerkmalen aus. Ich zeige Ihnen das am Beispiel dieses selbstverständlich echten Tickets, das ich gestern über sichere Kanäle im Umfeld des FCZ ergattern konnte.

Die sechs Sicherheitsmerkmale sind:

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Ohne Schuh im Bernabeu

Rrr am Sonntag den 24. Dezember 2017

Lionel Messi gibt barfuss den Pass zum 3:0.

In der Nachspielzeit des Clasicos gewann Messi einen Zweikampf gegen Reals Verteidiger Marcelo, verlor dabei aber den rechten Schuh. Das hinderte ihn nicht daran, den Ball mit dem linken Fuss in den Strafraum zu spielen – wo ihn Alexis Vidal zum 3:0 für Barca verwertete.

Ein reguläres Tor? Durchaus, sagen die Schiedsrichter-Experten von Collinas Erben: “Der Treffer ist regulär, wenn das Spiel seit dem Verlust des Schuhs nicht unterbrochen war. So sieht die Regel seit Sommer 2016 aus.”

Mal abgesehen davon: Weisse Socken geht natürlich gar nicht.

Pieros Problem

Herr Shearer am Donnerstag den 21. Dezember 2017

Ein grosses Übel des Internet-Zeitalters: falsche Identitäten. Heute lernen Sie Jack O’Melly kennen.

Jack O’Melly seinerseits hat in den letzten Tagen die Lazio-Fans kennengelernt, und das war sicher keine sehr angenehme Erfahrung. Das liegt weniger daran, dass Herr O’Melly eine Bar betreibt, sondern damit, dass er auch noch als Schiedsrichter in der italienischen Serie A amtet. Vor allem aber damit, dass er unter seinem richtigen Namen Piero Giacomelli neulich den Match zwischen Lazio und Torino (ver)pfiff. Er schickte nicht nur Lazio-Stürmer Ciro Immobile nach der Hälfte der Partie überhart per roter Karte unter die Dusche, sondern unterschlug den Laziali auch noch einen klaren Penalty. Torino gewann im Stadio Olimpico mit 3:1.

Zuviel für die heissblütigen Tifosi aus Rom. Die überhäuften die Tripadvisor-Seite der Bar Giacomellis nicht nur mit Verrissen, sondern fanden eben auch noch die Facebook-Seite von diesem Jack O’Melly und konnten nachweisen, wer eigentlich hinter diesem Pseudonym steckt. Denn auf der fraglichen Seite wird sofort klar, für welchen Klub das Herz des Betreibers schlägt: auf dem Titelbild prangt Totti, dahinter ist in der Unschärfe Giacomelli zu erkennen. Kein Wunder, rauchen die Lazio-Fans nun vor Wut.

Seither hat der Referee spielfrei und zünftig Ärger mit dem Fussballverband. Der verbietet es den Unparteiischen ausdrücklich, sich unter falschem Namen in sozialen Medien herumzutreiben und dort sportlich Partei zu ergreifen. Damit nicht genug – nun folgt auch noch eine Sammelklage gegen Giacomelli und Marco Di Bello, den Video-Assistenten im fraglichen Spiel. Die Anwaltskanzlei Previti vertritt mehrere Lazio-Fans, die sich auf ihr Recht berufen wollen, ihre sportliche Leidenschaft ohne Beeinträchtigung durch illegale Tätigkeiten von Offiziellen ausleben zu dürfen.

Sehen Sie, genau wegen solchen Leuten ist es strikt verboten, die Beiträge in diesem Fachforum unter falschen Namen zu kommentieren.

Fotos: Alfredo Falcone (LaPresse) / iltempo.it

Ein harter Hund

Rrr am Samstag den 18. November 2017

Foul oder nicht Foul? Zum Glück gibts den Videobeweis.

Wie Sie sehen, wurde der fehlbare Akteur völlig zurecht des Platzes verwiesen, feierte später ein unverhofftes Comeback und wurde erneut vom Feld verbannt (ab 00:50).

Natürlich wollen Sie vor allem eins wissen, nämlich wie das Spiel in der dritthöchsten argentinischen Liga endete. Nun denn, Central Cordoba – das Team in Schwarzweiss – siegte 1:0 gegen Sportivo Las Parejas.

Torwarttölpel

Briger am Montag den 13. November 2017

Katars U19-Nationalelf qualifiziert sich trotz Fehlverhalten des eigenen Schlussmannes für die AFC-Meisterschaft 2018.

(Foto via dailymail.co.uk)

Letzte Woche fanden in Doha die Qualifikationsspiele der Gruppe C statt. Nachdem im Startspiel der Libanon vor 50 Zuschauern gegen den Irak mit 0:2 verlor, gewann Katar zwei Tage später vor 2’500 Zuschauern mit demselben Resultat gegen den Libanon. Nun stand das alles entscheidende dritte Qualifikationsspiel zwischen dem Irak und Katar auf dem Programm. Vor 3’100 Zuschauern im Grand Hamad Stadium in Doha, trennten sich die beiden Teams mit 1:1. Da aufgrund der unterschiedlichen Gruppengrössen nur die fünf besten Gruppenzweiten ans Turnier nach Indonesien im nächsten Herbst fahren durften, musste eine Entscheidung in Form eines Elfmeterschiessens her.

Nach vier Schützen führten die Katari mit 3:2, als Muntadhir Mohammed zum fünften Penalty für die Iraker antrat. Torwart Shehab Mamdouh parierte, die Freude bei den Jungen aus dem Emirat am persischen Golf kannte keine Grenzen. Doch einer hatte etwas dagegen, Schiedsrichter Aziz Asimov aus Usbekistan ahndete zu recht das zu frühe von der Linie springen des Torwarts. Dummerweise hatte der während des Spiels schon gelb gesehen und folglich durfte er jetzt mit warem Wasser duschen. Katars Kapitän Nasser Abdulsalam Al Alahrak musste für seinen Kollegen einspringen. Natürlich kam es, wie es kommen musste, Al Alahrak brachte irgendwie einen Fuss hinter den Ball und so war Katar Gruppensieger. Aber auch der Irak konnte sich freuen, als einer der fünf besten Gruppenzweiten fahren auch die Iraker nächsten Herbst nach Indonesien.
Sterng genommen, hätte auch dieser Penalty nochmals wiederholt werden müssen, denn der “Spielertorwart” trug noch sein Feldspielertrikot. Geniessen Sie nun nochmals die entscheidende Szene des Penaltyschiessens in Bewegtbildern:

Jung und fähig

Rrr am Freitag den 27. Oktober 2017

Karolina Bojars Leidenschaft für das Schiedsrichten wurde von ihrem Grossvater geerbt.

Eine junge und fähige Referee aus Krakau führt die Junioren oder regionalen Ligen bis in die Gegenwart. Alles daran, dass sowohl auf dem Feld als auch ausserhalb beeindruckt!

Anfangs die einzige Frau, wischte sie anscheinend die Trails ab, weil der Eintritt in die Industrie von immer mehr Vertretern des Geschlechts beschlossen wurde. Die 20-Jährige ist perfekt in der Umgebung gelegen und wird dank der Kenntnis der Regeln sogar als Referent für verschiedene Vorträge eingeladen.

Bojar war ein Champion von Junior-Junioren im Langlauf für dreitausend Meter. Heute studiert sie Jura an der Jagiellonen-Universität und unterstützt den FC Barcelona privat, sagen polski Media.

Werden wir sehen, dass sie das LOTTO Ekstraklasa Spiel führt? Wir wollen sie und wir wollen sie. Anschluss kann ihr Spektakel zum Vorhandensein beitragen.

Zur Optimierung unserer Kostenstruktur hat das Runde Leder eine Aussenstelle in Polen eröffnet. Die dort ansässigen Kollegen liefern künftig regelmässig spannende Beiträge zu attraktiven Preisen. Das entlastet unser Budget und gibt Ihnen wertvolle Einblicke in den osteuropäischen Fussball. Besten Dank für die Kenntnisnahme.

Pinkelpause

Briger am Montag den 23. Oktober 2017

Giovanni Liberti von Turris Calcio aus der italienischen Serie D hat Ärger am Hals.

Foto: www.vesuviolive.it

Der Spieler der Mannschaft aus Torre del Greco soll am 15. Oktober beim 3:3 seines Teams gegen Sarnese in Richtung der gegnerischen Fans uriniert haben. Dafür wurde Liberti nun für fünf Spiele gesperrt, in der Begründung des Sportgerichts heisst es “…per avere a gioco fermo, urinato in direzione della tribuna ospite, rivolgendo nell’occasione gesti osceni e triviali esibendo l’organo genitale”. Er hat also in Richtung der Gästefans uriniert und dabei unanständige Gesten mit seinem Genital vollführt oder so ähnlich.
Turris Präsident Antonio Colantonio wird dagegen Protest einlegen, denn es soll sich alles ganz anders zugetragen haben:

“Unglücklicherweise sehen wir uns einmal mehr mit einer Ungerechtigkeit konfrontiert. Unser Spieler Liberti hat überhaupt nicht getan, was ihm vorgeworfen wird. Dort wo sich die Spieler einlaufen, steht ein Brunnen in der Nähe der Mauer. Liberti, bereit für die Einwechslung trank dort und richtete sein Shirt, welches gemäss Regelwerk in den Hosen sein muss. Der Gastclub hat mir bestätigt, dass Liberti nichts dergleichen gemacht hat, was ihm vorgeworfen wird.”

Neue Spielsituationen

Dr. Rüdisühli am Samstag den 21. Oktober 2017

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

Werter Dr. Rüdisühli, mich beschäftigte die Frage schon öfters in ähnlichen Situationen, beim 1:1 von Dynamo Kiew gegen YB tauchte sie wieder auf. Ich hab sie versucht darzustellen. Ich habe ein kurzes PDF gestaltet.

Kurz: Beim Querpass steht nr 70 von Kiew (Dieumerci Mbokani) nicht abseits. Er steht allerdings dort, weil er vorher im Abseits war, er kommt quasi aus dem Abseits … wird also beim Pass von 11 auf den Stürmer (der dann den Querpass spielt) eine neue Spielsituation? Ich glaube nicht aber ev. sind die Regeln da anders. UAwg, M.P., B.

Lieber Max, Sie greifen wichtige philosophische Fragestellungen auf, die jeden von uns angehen. Zum Beispiel: Kommen wir nicht alle manchmal aus dem Abseits? Und wenn ja, wie landeten wir eigentlich dort? Aber auch, und das denken wir doch alle, wenn wir am Montagmorgen im Tram auf dem Weg zur Arbeit sitzen: Ist das nun eine neue Spielsituation?

Sie glauben das eher nicht, aber Ihr Glaube ist das eine und das Regelwerk etwas anderes. Leider ist beides oft nicht deckungsgleich. Mit besten Grüssen, Dr. Rüdisühli

(PS: Ihre Frage wird auf Seite 209 unten des Spielregel-Buches der IFAB geklärt: kein Vergehen, da nur die erste Ballabgabe massgeblich, wo die Abseitsstellung nicht strafbar ist, weil “kein Gegner beeinflusst” wird. Das Ganze läuft unter dem irreführenden Titel “aus seiner Position einen Vorteil ziehen”. Nichtsdestotrotz: Vorausgesetzt, dass Torschütze Mbokani beim zweiten Zuspiel nicht vor dem Ball stand, lagen die finnischen Schiedsrichter bei dieser Situation richtig. So fiel übrigens auch Michi Freys 0:1 in Thun am letzten Sonntag, wo aber sein Passgeber seinerseits klar im ungeahndeten Abseits stand.)

Neulich in Indien

Rrr am Samstag den 21. Oktober 2017

Heute grosser Schiedsrichter-Tag im Runden Leder!

Teil 1 führt uns nach Indien. Wir wissen nicht genau, was vorgefallen ist, würden die Szene aber doch dahingehend interpretieren, dass sich die Spieler der einen Mannschaft mit einer Entscheidung des Schiedsrichters eher schwer tun.