Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Juve im Glück

Dr. Eichenberger am Dienstag den 15. März 2005

Über Schiris wird in letzter Zeit viel geredet. Auch in Italien. Einmal mehr siegte am Sonntag Juventus Turin glücklich.

Alle haben es gesehen, nur die Schiedsrichter nicht: das Tor von Chievo, das eines war, aber nicht gegeben wurde. Am Schluss siegte die Juve in Verona 1:0. Damit werden die Diskussionen angeheizt, wonach die Schiris immer für Juve pfeifen. Schon Ronaldo erinnerte sich vor dem Champions League-Spiel gegen Juve in Turin an seine Zeit bei Inter: «Juve hatte immer Unterstützung durch den Schiri». Juve-Trainer Fabio Capello gibt vor zu wissen, wie man der ungerechten Pfeiferei begegnen könnte: «Mit dem neuen Chip-Ball wäre dies nicht passiert.» Wer weiss!

Nur vermeintlich Tor für Chievo. Der Schiri Paparesta und sein Assistent Papi (Bild oben) sahen es anders

Feind des Fussballs!

Frans am Dienstag den 15. März 2005

Aus London hat uns folgende Zuschrift erreicht:

“Dear Weblog. Am Wochenende hat mich der Vorsitzende der Uefa- Schiedsrichter-Kommission, Volker Roth, in einer schwedischen Zeitung wegen des Rücktritts von Schiedsrichter Anders Frisk als “Feind des Fussballs” verunglimpft. Was soll ich nur tun?” J.M. aus L.

Lieber José,

diese völlig unbegründeten Angriffe missgünstiger Funktionäre und schlechter Verlierer an die Adresse eines unbescholtenen, gutherzigen und vorbildlich fairen Fussballtrainers darfst Du Dir nicht bieten lassen. Dieser Volker Roth ist ja ein Wiederholungstäter und hat bereits letztes Jahr die hanebüchene Behauptung aufgestellt, die englischen Medien hätten eine verantwortungslose Kampagne gegen den Schweizer Schiedsrichter Urs Meier geführt.

Noch absurder ist Roths Vermutung, die Bedrohungen gegen Anders Frisk könnten auch nur das Geringste mit den Chelsea-Fans und Deiner völlig berechtigten Kritik an Frisk (bzw. jedem Schiedsrichter, der nicht für Chelsea pfeift und sogar dem gegnerischen Coach die Hand gibt) zu tun haben.

Wir wollten Dir einen guten Tipp geben, aber mittlerweile hast Du es selber gemerkt: Du musst Roth zum Schweigen bringen wie seinerzeit die Liverpool-Fans (oder die englische Presse). Und zwar nicht nur mit einer lustigen Fingergeste, sondern mit Hilfe von Rechtsanwälten. Dass Du Herrn Roth mit einer gerichtlichen Klage drohst, ist wirklich eine tolle Idee. Mit dem Richter drohen ist immer gut. Das hätte schon Dein schnauziger Landsmann tun sollen, als ihn die schweizerische Presse vor der EM 1996 kritisiert hatte.

Birnbaum schmiert Frisk!

Herr Noz am Samstag den 12. März 2005

Anders Frisk hat genug und tritt per sofort zurück.

Offiziell heisst es, der Top-Referee habe genug von den ständigen Drohungen gegen sich und seine Familie. Das Runde Leder aber deckt auf: Erneut steckt Herr Birnbaum mit seinen Plänen zur Abschaffung des Fussballs dahinter.
Der umtriebige Herr Birnbaum hat Herrn Frisk gut infomierten Kreisen zufolge einen Geldbetrag in unbekannter Höhe angeboten.


Anders Frisk (l.) und Herr Birnbaum vereinbaren beim grossen Bärenfelsen das Ende des Fussballs

Im "Cafe do Gol", auf dem Pissoir

Frans am Freitag den 11. März 2005

Zunächst weinte Brasiliens Stürmerdiva Romario über seinen Rauswurf aus dem Kader für die WM 1998. Dann schritt er zur künstlerischen Tat. Im Pissoir des “Cafe do Gol” liess Miteigentümer Romario den damaligen Nationaltrainer Mario Zagallo und seinen Assistenten Zico verewigen: Zico zückt das Klopapier und Zagallo sitzt mit runtergelassenen Hosen auf einer Toilette.

Für diese Frechheit gehört Romario regelrecht der Hintern versohlt, befand die brasilianische Justiz. Auf Klage Zicos wurde er zu einer happigen Entschädigung verurteilt. Und mit seinem Rekurs ist er nach aktuellen brasilianischen Berichten gescheitert. Die “14. Câmara Cível do Tribunal de Justiça do Rio” bestätigte das Schmerzensgeld für Zico (R$ 60 mil – möge umrechnen, wer will).

Recht so! An Pissoirwände gehören nicht freche Karikaturen, sondern primitive Fansprüche.

DFL kills the video star

Frans am Dienstag den 1. März 2005

Erst ein Blick auf den Videoschirm, dann ein Corner. Diesem Motto soll ein deutscher Schiedsrichter gefolgt sein. Die Deutsche Fussball Liga (DFL) droht nun dem Heimclub mit Konsequenzen.

In den höchsten Tönen lobte Leverkusen-Sportdirektor Rudi Völler nach dem Heimspiel gegen Stuttgart (1:1) den pfeifenden Zahnarzt Dr. Franz-Xaver Wack.

Wack hatte zunächst übersehen, dass Stuttgarts Goalie Timo Hildebrand einen Ball berührt hatte und auf Abstoss entschieden. Schiri Wack korrigierte seinen Fehlentscheid – angeblich nach einem Blick auf die Anzeigetafel (was er allerdings nach dem Spiel dementierte).

“Kompliment an die Stadionregie, dass sie die Szene sofort eingespielt hat”, sagte Völler.

Da machte der Ex-Nationaltrainer die Rechnung aber ohne die DFL, die Bayer Leverkusen nun mit Konsequenzen droht. Denn die DFL- “Richtlinien über individuelle Verwertung und Vermarktung medialer Rechte” halten fest, dass die Vereine nur Wiederholungen von Toren auf der Leinwand zeigen dürfen – und dies nur direkt im Anschluss an ein Tor in einer Länge von maximal zehn Sekunden.

Macht eigentlich Sinn. Wer will das Gekicke auf deutschen Plätzen schon zweimal sehen?

Der intelligente Ball

Dr. Eichenberger am Sonntag den 27. Februar 2005

Der farbige Nike-Ball hat bald ausgedient. Dafür kommt der intelligente Fussball von Adidas.

Möglich macht dies unser intelligenter Fifa-Präsident Sepp Blatter. Er hat am Samstag im englischen Cardiff veranlasst, dass die oberste Regel-Instanz im Fussball grünes Licht zur Testphase des so genannten Chip-Balles erteilte. Das neue Spielgerät soll erstmals bei der U17-Weltmeisterschaft im September in Peru getestet werden. «Es ist unsere Pflicht, diese neue Technologie auszuprobieren», sagte Sepp: «Wir müssen nur aufpassen, dass die neue Technik das Regelwerk oder die Autorität der Schiedsrichter nicht beeinflusst.»
Der von Adidas entwickelte Ball ist mit einem Mikrochip ausgestattet und sendet dem Schiedsrichter ein Signal, wenn er die Torlinie überquert hat. Eine Unterbrechung für einen Video-Beweis oder ein Eingreifen eines vierten Schiedsrichters ist somit nicht nötig. Eigentlich schade, dass wir uns künftig nicht mehr jahrelang über Wembley- und andere Tore ereifern dürfen. Ist das das Ende vom Runden Leder?

Geballte Intelligenz: Fifa-Präsident Sepp Blatter mit Ball.

Die gerechte Tabelle

Rrr am Mittwoch den 16. Februar 2005

Servette ist definitiv am Ende. Die Saison 04/05 der Super League wird mit neun Mannschaften zu Ende gespielt.

Aus unerklärlichen Gründen sollen die Spiele, die Servette im Herbst absolvierte, gültig bleiben. Das ist natürlich falsch. Das “Runde Leder” präsentiert die einzig gerechte neue Tabelle ohne Servette-Spiele.

Sie ist etwas bitter für Basel und Xamax, die beide Spiele gegen die Genfer gewonnen haben, aber auch für Thun, Aarau und Zürich, die je 3 Punkte verlieren. YB rückt in der gerechten Tabelle dagegen auf Platz 3 vor.

Alex Frei vor grosser Karriere

Frans am Mittwoch den 16. Februar 2005

Durfte das Schweizer Fernsehen noch vor dem Frankreich-Spiel die Bilder des spuckenden Alex Frei zeigen und damit die imaginären Schweizer Chancen auf eine Viertelfinalqualifikation zerstören? Zu dieser Frage hat die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen heute ihren Entscheid publiziert. Wir zitieren:

“In noch fussballbegeisterteren Ländern wie etwa in Italien hätte ein entsprechendes Verhalten des gebührenfinanzierten Veranstalters wohl eine Staatsaffäre heraufbeschworen.”

Und in der Schweiz? Ist es nicht rechtswidrig, wenn SF DRS den Wert des schweizerischen Fussballs nicht nur durch seine Kommentatorenleistungen schmälert, sondern auch durch enthüllende Bilder? Die UBI in ihrer 15 Seiten dicken Urteilsbegründung, Erwägung 4.5:

“Der Beschwerdeführer misst offensichtlich der Wahrung möglichst aller noch vorhandenen Chancen der Fussballnationalmannschaft zur Qualifikation in die nächste Runde mehr Bedeutung bei als einer sachgerechten Berichterstattung über das damals die Medien beherrschende Thema. Andere Fussballfans mögen diesen Standpunkt teilen. Programmrechtlich ist dieses Anliegen aber irrelevant.”

Aus journalistischer Sicht habe es sich geradezu aufgedrängt, die Bilder zu zeigen. Und auch Freis Menschenwürde wurde nach Ansicht der UBI nicht verletzt.

Abgesehen davon haben die TV-Bilder der Karriere des Ex-Servette-Spielers keineswegs geschadet. Ganz im Gegenteil, wie ein Fachmann (der Basler Schnitzelbänggler Pierrot) herausgefunden hat:

Em Alex Frei, däm Spugger-Star,
sy bruefligi Zuekunft schynt glaub klar.

Sin syni Libbe bis denn nit dichter
wird dä sicher Bundesrichter.

P.S.: Gegen den Entscheid der UBI kann Verwaltungsgerichtsbeschwerde beim Bundesgericht eingereicht werden. Gegen den Schnitzelbangg besteht kein Rechtsmittel.

Her mit der Torsirene!

Rrr am Freitag den 11. Februar 2005

Bayern-Manager Uli Hoeness hat genug von falschen Tor-Entscheiden: Er fordert die Einführung der Torsirene.

“Beim Tennis ertönt ein Laut, wenn der Aufschlag nicht im Feld war. Und auch beim Eishockey gibt es ein akustisches Signal, wenn der Puck hinter der Linie ist”, sagte Hoeness in einem Interview mit der Münchner tz.

Für den Schiedsrichter sei es oft fast nicht möglich “zu erkennen, ob ein Ball jetzt im Tor war oder nicht. Und der Linienrichter hat meistens den Pfosten im Weg, der den Blick verdeckt. Das mit menschlichem Auge zu erkennen, ist sehr schwierig.” Hoeness schlägt vor, einen Mini-Sensor in den Ball integrieren, der bei einem Tor das Signal auslöst.

Klagen aus Klagenfurt

Dr. Eichenberger am Freitag den 11. Februar 2005

Nicht nur die Zürcher tun sich schwer mit ihrem Stadion-Neubau, auch die Österreicher haben ihren Stadion-Skandal. Der seit Monaten heftig diskutierte Neubau des Klagenfurter EM-Stadions wird endgültig zum Juristenfutter.

Bei der Auschreibung zum Neubau des EM-Stadions in Klagenfurt ist offenbar einiges nicht sauber gelaufen. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft und das Innenministerium gegen zwei Personen, die verdächtigt werden, «wettbewerbsbeschränkende Absprachen getätigt zu haben». Ganz oben auf der Liste der Verdächtigten steht laut dem «Standard» Franz Widrich. Er ist Mitglied der Vergabekommission und ehemaliger Mitarbeiter im Büro des Landeshauptmanns Jörg Haider (FPÖ). Widrich soll Unterlagen über die Details der Einreichungen einer Kärntner Wochenzeitung weitergegeben haben.
Zu Klagen Anlass gibt auch, dass es bei der Ausschreibung zum Bau des Klagenfurter Stadions offenbar Absprachen zwischen zwei Bieterkonsortien (Porr-Alpine auf der einen, die STRABAG-Siemens-HBM auf der anderen Seite) gegeben hat – und zwar auf Wunsch von Haider persönlich, wie der «Standard» schreibt.
Die vorzeitige Veröffentlichung der Eingaben für den Neubau ist gemäss dem österreichischen Gesetz ein Verstoss gegen die Vergabeordnung. Das Verfahren müsste daher widerrufen werden. Der Paragraf 34, Absatz 7 des Bundesvergabegesetzes schreibt nämlich vor: «Die Anzahl und die Namen der zur Angebotsabgabe aufgeforderten Unternehmer sind bis zur Bekanntgabe der Zuschlagsentscheidung geheim zu halten.» Voilà!


Geheim zu halten: Stadionprojekt in Klagenfurt.

Grünes Licht für Pandiani-Transfer

Frau B am Mittwoch den 9. Februar 2005

Birmingham City wurde definitiv vom Vorwurf befreit, den Transfer von Walter Pandiani nicht rechtzeitig abgewickelt zu haben.

Debütant PandianiAngeblich soll das Fax mit der Registrierung des uruguayischen Stürmers zu spät auf der Geschäftsstelle der Premier League angekommen sein. Darauf wurde der Club am Freitag nach Transferschluss von einer englischen Sonntagszeitung aufmerksam gemacht – auf Grund eines Hinweises von Deportivo La Coruña.

Tatsächlich meldete die Website der Premier League als letzten Transfer im Januar-Fenster Tottenham-Hotspur-Verteidiger Michael Dawson, registriert am Montag (31. Januar) um 23:58 Uhr.

Der englische Fussballverband jedoch akzeptierte Birmingham Citys Erklärung für die Verspätung: Das Faxgerät der Premier League war schlicht und einfach überlastet – wie so oft bei solchen Gelegenheiten.

Eine Nachfrage bei der Premier League ergab, dass alles in Ordnung sei und Pandiani am Mittwoch spielberechtigt gewesen war. Er schoss bei seinem Debüt ein Tor und verhalf Birmingham zum 2:1-Sieg gegen Southampton.

Premier-League-Pressesprecher Philip French bestätigte: „Die Registrierung traf kurz nach Mitternacht bei uns ein, aber das geschah wegen eines Datenstaus im Faxgerät. Wir haben dies dem Fussballverband erklärt und der Transfer wurde bestätigt.“

Servette will in die Verlängerung

Frans am Freitag den 4. Februar 2005

Während die nationalen und internationalen Medien schon “C’est fini!” titeln, sieht man es in Genf nicht so eng. Auf der Servette-Website schreibt Advokat Alain Marti (auf obigem Bild links) frohgemut:

“Servette a subi un revers, mais ne baisse pas les bras.”

Von der üblichen journalistischen Schwarzmalerei lässt man sich in Genf nämlich nicht anstecken. Das muntere Spiel mit der Genfer Justiz soll in die Verlängerung! Rekurs gegen den heutigen Konkursentscheid, heisst die Devise. Was soll denn in diesem Rekurs stehen, den die Medien vorschnell als hoffnungslos abgestempelt haben? Über die juristische Argumentationslinie werden in diesen Minuten in Genf bereits bereits intensive Gruppendiskussionen geführt, wie ein weiteres Bild aus Genf zeigt:

Eine klare Botschaft von Anwalt Marti an Fritz und Franz und ihre Gattinnen: Der 20. April ist noch nicht fussballfrei gegeben.

Äs chunnt scho guet!