Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Aus der Traum

Frau B am Freitag den 30. Juni 2006

Der englische Schiedsrichter Graham Poll zieht sich vom internationalen Fussball zurück.

Poll ist einer der vierzehn Schiedsrichter, welche die FIFA bereits von der Weltmeisterschaft nach Hause geschickt hat. Damit hat er den Preis für seine schlechte Leistung im Spiel Australien gegen Kroatien bezahlt, wo er Josip Simunic dreimal Gelb gezeigt hatte, bevor er ihn vom Platz stellte.

Er habe bei der zweiten Verwarnung versehentlich Australiens Nummer drei Craig Moore anstelle von Simunic notiert, erklärte Poll. «Natürlich bedauere ich meinen Fehler zutiefst, er ist unentschuldbar.» Und er hat seinen Traum zerstört.

Vor dem Turnier wurde der 42-Jährige noch als möglicher Kandidat für den Final gehandelt. Poll war nach dem Spiel so enttäuscht, dass er daran dachte, ganz zurückzutreten. Der englischen Premier League wird er aber erhalten bleiben. «Fünf Wochen Pause werden mir gut tun. Zum Saisonstart bin ich wieder fit. Aber es ist Zeit, mich vom internationalen Level zurückzuziehen und meinen Platz einem anderen englischen Schiedsrichter zu überlassen.»

Nachhilfe

Frau B am Donnerstag den 29. Juni 2006

Englands Nationalteam hat vor dem Viertelfinal gegen Portugal die Regeln repetiert.

Zwei ehemalige Schiedsrichter besuchten die Spieler in ihrem Hotel, um ihnen die neuen FIFA-Regeln noch einmal zu erläutern. «Es ging um die diversen Neu-Interpretationen», erklärte England-Coach Sven-Goran Eriksson. «Es braucht viel weniger für eine gelbe oder rote Karte.»

Verteidiger Rio Ferdinand glaubt, dass zu rasch verwarnt wird: «Die Schiedsrichter sind zu streng. Aber es ist nun einmal so und wir müssen es akzeptieren. Das Team, das am besten damit umgehen kann, wird am Schluss als Sieger dastehen.» [Also England.]

Bereits 25 Spieler haben die rote Karte gesehen; die gelbe wurde 290-mal gezeigt. Einige der Verwarnungen hätten unter den Spielern Erstaunen oder gar Belustigung ausgelöst, sagte Owen Hargreaves. «Manche Entscheidungen können wir kaum nachvollziehen. Man kann nur hoffen, dass der Schiedsrichter einen guten Tag erwischt und das Spiel laufen lässt, denn es ist sehr schwierig, wenn es alle 30 Sekunden unterbrochen wird.»

«Schiri an Assistent, bitte kommen …»

Frau B am Freitag den 26. Mai 2006

Ab der nächsten Saison werden die Schiedsrichter in der englischen Premier League mit Funksprechanlagen ausgerüstet.

Das neue System erlaubt es dem Schiedsrichter, mit seinen Assistenten über ein Mikrofon Kontakt aufzunehmen. Es wird auch an der Weltmeisterschaft eingesetzt werden.

«Diese technische Hilfe wird bessere Schiedsrichterleistungen bringen», meinte Keith Hackett vom ‹Professional Game Match Officials Board›. «Der Schiedsrichter hat ein offenes Mikrofon. Die beiden Linienrichter und der vierte Offizielle können hören, was er sagt, und so dem Spielgeschehen besser folgen. Ausserdem kann der Schiedsrichter seinen Assistenten Fragen stellen.»

Graham Poll und seine Assistenten Philip Sharp und Glenn Turner testeten das neue System in der Premier League und der Champions League und sind des Lobes voll.

Zubi? Welcher Zubi?

Dr. Rüdisühli am Samstag den 20. Mai 2006

Auch aus dem Berner Oberland erhalten wir Leserpost.

“Liebes Rundes Leder Web Blog,
ich bin zwar Thun-Fan* und ausserdem begeisterter Hobbysportler und Fallschirmspringer, aber ich war beim Spiel von Young Boys gegen Basel im Stade de Suisse und habe mich über diesen Zubi sehr geärgert. Beim Eckball von YB hat er die Basler Fans angeheizt* und sie aufgefordert, den Spieler Yakin zu bewerfen*. Gegen solche Sachen muss doch der Klub etwas unternehmen!* So geht das doch nicht!* Sind das die Vorbilder, die unsere Jugend braucht?
Vielen Dank für Ihre Antwort, Ihr A. A. aus S. (52)”

Lieber Adrian,
wir haben zwar keine Ahnung, an welchem Spiel du warst, aber mit der neuen Hooligandatenbank werden Rowdys wie Zubi künftig frühzeitig erfasst und ohne lästige Rechtsstaatsachen weggeräumt. Und wenn immer alle so genau hinschauen wie du, müssen unbescholtene Matchbesucher natürlich auch keine Angst haben, ebenfalls in dieser Datenbank zu landen.
Beste Grüsse, dein Dr. Rüdisühli

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* Sinngemässe Aussagen aus der Sendung “Arena” des Schweizer Fernsehens vom 19. Mai 2006.

Kyros zu Gast bei Freunden

Frans am Sonntag den 2. April 2006

Die ersten 23 WM-Teilnehmer stehen fest: Dazu gehört auch ein Schweizer.

Fitnesstest, psychologischer Test und Einzelgespräch: Die FIFA überlässt bei der Wahl der Unparteiischen für die WM 2006 nichts dem Zufall. “Das 33. WM-Team, die 23 Spielleiter, die nun in Deutschland zum Einsatz gelangen, sind die gegenwärtig besten Unparteiischen der Welt”, verkündete FIFA-Präsi und Regelexperte Joseph S. Blatter mit Fug und Recht.

Und hier sind die 23 Weltbesten (Herr Batres und Herr De Bleeckere müssen allerdings noch zum Fitnesstest):

ABD EL FATAH Essam (Ägypten), AMARILLA Carlos (Paraguay), ARCHUNDIA Benito (Mexiko), BATRES* Carlos (Guatemala), BUSACCA Massimo (Schweiz), CODJIA Coffi (Benin), DE BLEECKERE* Frank (Belgien), DE SANTIS Massimo (Italien), ELIZONDO Horacio (Argentinien), IVANOV Valentin (Russland), KAMIKAWA Toru (Japan), LARRIONDA Jorge (Uruguay), MAIDIN Shamsul (Singapur), MEJUTO GONZALEZ Manuel (Spanien), MERK Markus (Deutschland), MICHEL Lubos (Slowakei), POLL Graham (England), POULAT Eric (Frankreich), PRENDERGAST Peter (Jamaika), RUIZ Oscar (Kolumbien), SHIELD Mark (Australien), SIMON Carlos (Brasilien), VASSARAS Kyros (Griechenland).

Da wir gegen chauvinistische Wallungen immun sind, freuen wir uns weniger über die schweizerische Beteiligung als darüber, dass auf diese Weise auch exotische Fussballnationen aus allen Kontinenten zu einem verdienten Auftritt an der WM kommen: Benin, Singapur, Guatemala, Jamaika und Griechenland.

Herr der Regelkunde

Frans am Montag den 20. Februar 2006

Man muss die Fussballregeln nicht unbedingt kennen. Aber es hilft.

Beim gestrigen Challenge-Knüller Lausanne-Lugano knallte Guastavino in der 78. Minute einen Penalty an die Latte. Geistes-gegenwärtig setzte Guastavino (auf dem Bildli im weissen Dress) nach und köpfte den Abpraller direkt ins Tor.

Das Föteli belegt, dass eine entfesselte Horde von Lausanne-Spielern den Nachschuss zu verhindern versuchte – und dass Stéphane Chapuisat nicht dazu gehörte. Dies nicht etwa, weil er sich noch von den Strapazen seines Treffers in der 25. Minute hätte erholen müssen. Vielmehr wies Regelkenner Chappi den Schiri Meier auf FIFA-Regel Nr. 14-5 hin. Und das Spiel ging mit einem indirekten Freistoss für Lausanne weiter.

Fussball ist eben doch ein Spiel für Menschen mit Grips.

Peinlichkeiten

Frau B am Mittwoch den 7. September 2005

Das schottische U-21-Team verliert leichtfertig Punkte in der EM-Qualifikation.

Im Spiel gegen Leader Italien erreichte der schottische Nachwuchs ein schönes 2:2. Die Freude währte aber nicht lange, denn die UEFA verwandelte das Ergebnis kurzerhand in einen 3:0-Sieg für Italien. Grund war der Einsatz des gesperrten Steven Whittaker, welcher in den letzten beiden Spielen verwarnt worden war. Der schottische Fussballverband SFA sucht nun nach dem Schuldigen, und man spricht bereits vom Rücktritt des Trainers Rainer Bonhof. „Ich weiss nicht, ob es mein Fehler war, aber jemand muss die Verantwortung dafür übernehmen“, sagte Bonhof. Und das, obwohl Schottland auch mit dem Unentschieden keine Chance gehabt hätte, sich für die U21-Europameisterschaft zu qualifizieren.

Es war übrigens der zweite Fauxpas der SFA innerhalb eines Monats. Das Flugzeug, das der Verband kürzlich für eine Reise nach Österreich gechartert hatte, war zu klein für die ganze Team-Ausrüstung.

Play It Again, Sepp

Rrr am Dienstag den 6. September 2005

Peinliche Panne: Wegen eines Schiedsrichter-Fehlers muss der WM-Hit Usbekistan-Bahrain wiederholt werden.

Schiedsrichter Toshimitsu Yoshida hatte einen verwandelten Elfmeter des Usbeken Djeparow annulliert, weil ein anderer Usbeke zu früh in den Strafraum lief. Anstatt den Penalty zu wiederholen, entschied der Schiedsrichter auf Freistoss für Bahrain.

Jetzt muss das Hinspiel der beliebten Asien-Relegation wiederholt werden. Der Sieger dieser Barrage hat übrigens noch kein Deutschland-Ticket in der Tasche, sondern muss anschliessend gegen den Vierten der CONCACAF-Grupppe antreten. Das wird vermutlich Costa Rica, Guatemala oder Trinidad und Tobago sein.

Schlusspfiff

Frau B am Dienstag den 30. August 2005

Der italienische Schiedsrichter Pierluigi Collina ist gestern zurückgetreten.

Der 45-Jährige wurde vom italienischen Fussball-Verband FIGC eines Interessenkonflikts beschuldigt, weil er einen Sponsorvertrag mit Opel abgeschlossen hatte. Opel ist ebenfalls Sponsor der AC Milan. Der Verband wollte Collina deshalb nur noch erlauben, Serie-B-Partien zu pfeifen.

„Nach 28 Jahren habe ich beschlossen zurückzutreten“, erklärte Collina. „Ich habe in den letzten paar Nächten weniger geschlafen als vor dem WM-Final. Das Problem ist für mich nicht, Spiele in der Serie B zu leiten. Aber entweder die FIGC hat Vertrauen in uns Schiedsrichter oder nicht. Falls nicht, müssen wir gehen.“ Auch einen Wechsel in eine andere europäische Liga – England stand zur Diskussion – hat Collina abgelehnt.

Aus Rot wird Gelb

Frau B am Donnerstag den 25. August 2005

Schon drei rote Karten wurden in der Premier League seit Saisonbeginn nachträglich in gelbe umgewandelt.

West Hams Paul Konchesky, Sunderlands Andy Welsh und Newcastles Jermaine Jenas sind die drei Spieler, die zu Unrecht des Platzes verwiesen wurden. Ihre Clubs legten Berufung ein. Mit Erfolg: das Disziplinarkomitee der Football Association kam nach einer Videoanalyse zum Schluss, dass die Sanktionen übertrieben waren und wandelte die roten Karten kurzerhand in gelbe um.

Das macht natürlich Mut. Der neueste Fall hat sich am Dienstagabend zugetragen: Aston Villas Nolberto Solano wurde im Spiel gegen Portsmouth nach 10 Minuten vom Platz gestellt, da er gegen Richard Hughes gewaltsam seinen Ellbogen eingesetzt haben soll. Villa-Trainer David O’Leary betitelte die Schiedsrichterentscheidung als „Witz“ und will Berufung einlegen. „Die bisherigen Entscheidungen des Komitees waren richtig. Ich hoffe, unser Fall wird ebenso beurteilt. Solano hat Hughes nicht einmal berührt, und wir mussten 80 Minuten zu zehnt spielen.“ Abgesehen davon droht dem peruanischen Stürmer eine Spielsperre von drei Spielen.

Collina und der Opel

Frans am Dienstag den 9. August 2005

Für Uhren, Adidas und tiefgekühlte asiatische Fischgerichte darf Italiens Schiri-Star Pierluigi Collina werben, nicht aber für deutsche Kraftfahrzeuge der Marke Opel.

Nach einem Bericht der “Gazzetta dello Sport” ist der italienische Fussballverband (FICG) gegen Collinas Werbeauftritt für den Konzern Opel-General Motors, der auch die Trikots der AC Milan sponsert.

Das Veto des Verbandes gegen den angeblich mit rund einer Million Euro dotierten Werbevertrag ist verständlich, fahren echte Italiener doch Fiat, Ferrari, Lamborghini oder Lambretta.

Eigentlich weiss das ja auch der pfiffige Herr Collina: Vor wenigen Jahren sprach er noch all jenen sein tief empfundenes Beileid aus, die in diesem Gefährt durch die Gegend kurven müssen.

Gnadenfrist für Collina

Frau B am Dienstag den 28. Juni 2005

Pierluigi Collina darf vermutlich noch eine Saison anhängen.

Der italienische Fussballverband hat beantragt, das Rücktrittsalter der Schiedsrichter von 45 auf 46 Jahre zu erhöhen. Das würde bedeuten, dass Collina noch eine Saison weitermachen könnte.

Eine Kommission des Verbandes wird im Juli über den Vorschlag entscheiden. Falls er gutgeheissen wird, darf Collina noch bis zum 30. Juni 2006 pfeifen. Er würde Spiele in der italienischen Liga, in der Champions League und im UEFA-Cup pfeifen, aber nicht an der Weltmeisterschaft.