Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Die Profis

xirah am Freitag den 29. Dezember 2006

Hackett, Mourinho, Queiroz

Portugal meint es ernst mit Profi-Schiedsrichtern. Anfang Januar findet in Porto ein Seminar («Arbitragem profissional – será possível?»), organisiert von der portugiesischen Liga, statt. Eingeladen sind ausgewiesene Fachleute. So wird Keith Hackett, der Leiter der englischen Profi-Schiedsrichter-Organisation als Hauptreferent auftreten. Englands Unparteiische sind seit 2001 Profis und die Portugiesen wollen von den in England gemachten Erfahrungen profitieren.

Ebenfalls eingeladen zu dieser Veranstaltung sind José Mourinho und Carlos Queiroz.

Einsame Spitze

xirah am Mittwoch den 29. November 2006

Hélder PostigaDer FC Porto ist ganz allein an der Spitze der Superliga. Nach elf Spieltagen haben die Drachen 28 Punkte geholt und liegen damit zwei Punkte vor dem ersten Verfolger Sporting und sogar acht Punkte vor dem drittplatzierten Sporting Braga.

  • Der FC Porto hat bisher von allen Mannschaften am meisten Tore erzielt und am wenigsten erhalten.
  • Sie stellen mit Hélder Postiga den besten Torschützen der Liga.
  • Und nicht zuletzt hat das Team hat am wenigsten Karten erhalten (25 Gelbe).

Damit ist Porto die einzige Mannschaft, die alle Spiele mit elf Spielern auf dem Platz beendet hat. Dies ist darum äusserst bemerkenswert, weil Porto noch in der Saison 04/05 am meisten Karten überhaupt erhielt (115 Karten, davon 9 Rote).

Nicht ohne meine Brille!

Frau B am Donnerstag den 21. September 2006

Fussballspieler dürfen während der Ausübung ihres Sports nichts «Gefährliches» tragen, sagt eine Regel des englischen Fussballverbandes.

Vor zwei Monaten wurde diese Regel in Kraft gesetzt, und sie wurde Daniel Ison beinahe zum Verhängnis. Der Siebenjährige ist Brillenträger und spielt in der U8-Mannschaft von West Pier in der ‹Scarborough and District Minor League›, welche vom Optiker ‹Specsavers› gesponsert wird. Die Trainer befahlen dem Jungen, seine Brille während des Fussballspielens abzunehmen. Aber ohne Brille sieht Daniel den Ball nicht. Also wurde er nach Hause geschickt. «Das ist eine Entscheidung der FA. Ausserdem ist es wirklich eine Gefahr für die Kinder, wenn sie während des Spiels eine Brille tragen», zeigte sich der Sekretär von West Pier unerbittlich.

Daniel war untröstlich. «Schon eineinhalb Stunden bevor das Training begann, zog er jeweils sein Kit an. Seit seinem Ausschluss weint er zum Steinerweichen», erzählte Vater David. Das konnte der Sponsor mit dem Slogan «You should have gone to Specsavers» nicht auf sich sitzen lassen. Specsavers fertigte extra für Daniel eine Schutzbrille an in der Art, wie sie Edgar Davids trägt. Ausserdem hat die Firma Daniel eingeladen, Kontaktlinsen auszuprobieren. «Er ist begeistert», freut sich sein Dad. «Es brach ihm das Herz, als er nicht spielen durfte.»

Schiri bleibt draussen

xirah am Mittwoch den 20. September 2006

João FerreiraDie Schiedsrichterkommission der portugiesischen Liga hat beschlossen, Schiedsrichter João Ferreira eine Pause zu gönnen.

Herr Ferreira war letzten Samstag für die Regeleinhaltung bei Sporting – Paços Ferreira zuständig und hatte nicht gesehen, was alle gesehen haben, nämlich dass Ronny sein Tor mit dem Arm erzielt hatte.

So darf der unglückliche Schiedsrichter den vierten Spieltag zuhause auf dem Sofa verfolgen, ebenso wie sein ihm assistierender Fahnenmann, der für die Proteste Sportings kein Musikgehör hatte.

Die leidige Angelegenheit könnte für die beiden Unparteiischen und auch für den Handtorschützen Ronny noch nicht ausgestanden sein, denn Sporting hat natürlich Beschwerde eingereicht, nachdem Ronny in den Medien verlauten liess, man solle doch nicht auf dem armen Schiedsrichter herumhacken, der sei schliesslich auch nur ein Mensch und könne Fehler machen …

In Portugal werden die Stimmen immer lauter, die eine Professionalisierung des Schiedsrichterwesens fordern, denn Ferreiras Fehlgriff war der letzte in einer langen Reihe von Fehlentscheidungen. Portugals Liga hat ein Schiedsrichterproblem.

I think we kill him

Frans am Montag den 18. September 2006

Auch ein guter Schiedsrichter hat nicht immer seinen Tag. Wer wüsste das besser als José Mourinho?

Nach dem Sieg gegen Liverpool erklärte der Chelsea-Trainer der BBC in leicht gebrochenem Englisch, der sonst gute Schiedsrichter Riley habe nicht seinen besten Tag gehabt:

“If we go from the first to the last minute and analyse Mr Riley’s performance I think we kill him and it’s better to give him a little bit of protection and forget the mistakes.”

Es gibt sie also tatsächlich, die Alternative zum Totschlag. In einer Zeit der zunehmenden Gewaltbereitschaft gebührt solch bedächtig ausgesprochenen Worten der Grosszügigkeit grosse Anerkennung. Respect, José!

Referees in Not

Rrr am Samstag den 16. September 2006

Zum heutigen internationalen Tag des Schiedsrichters stellen wir Ihnen folgende Dokumentation zur Verfügung. Vielen Dank für Ihr Interesse.

Der Videobeweis

Rrr am Samstag den 9. September 2006

Das Materazzi-Urteil macht Schule: Erneut wurde ein Spieler wegen verbaler Entgleisung gesperrt.

Oliver Kahn verpasst heute abend den Cup-Hit auf St. Pauli, weil er im Pokalfinale gegen Frankfurt die gegnerischen Fans als “Wichser” bezeichnet haben soll. Kahn wurde aufgrund von TV-Aufnahmen verurteilt.

Zum Verhängnis wurde ihm eine Hintertor-Kamera des Hessischen Rundfunks, der das Spiel in Berlin aus Frankfurter Sicht dokumentierte.

Wir meinen: Wenn jede verbale Entgleisung dieser Art auf dem Platz geahndet würde, gäbe es sehr, sehr bald weltweit keine Spiele mehr.

Fairplay

Frau B am Dienstag den 22. August 2006

In der englischen Premier League soll in Zukunft der Schiedsrichter entscheiden, ob das Spiel wegen einer Verletzung unterbrochen wird.

Letzte Woche baten die Verantwortlichen der Premier League die Spieler, Trainer und Schiedsrichter, einen alten Zopf abzuschneiden: Sobald ein Spieler verletzt am Boden liegt, wird der Ball gewöhnlich aus dem Feld gekickt. Dieses an sich sehr faire Verhalten basiert auf keiner Regel, sondern ist als ‹Gentleman Agreement› im Lauf der Jahre selbstverständlich geworden.

Der Sprecher der Premier League erklärte, dass in letzter Zeit mit diesem Usus zunehmend Missbrauch betrieben worden sei und es deshalb besser wäre, davon wegzukommen. Einzig und allein der Schiedsrichter soll in Zukunft entscheiden, ob das Spiel unterbrochen werden muss, um einen Spieler zu pflegen.

Nicht nur in der Premier League haben sich Trainer und Spieler vermehrt darüber beschwert, dass Verletzungen vorgetäuscht worden seien, um einen Angriff des Gegners zu unterbrechen und das Spiel zu verzögern. Auch an der Weltmeisterschaft in Deutschland wurde die Fairness des Gegners teilweise arg strapaziert.

In der Premier League ist man sich eigentlich einig (im Gegensatz zu den unteren englischen Ligen). Die meisten Beteiligten befürworten den Wunsch, den Schiedsrichter entscheiden zu lassen. Da es aber keine Regel darüber gibt, hängt die Umsetzung vom Goodwill der Beteiligten ab.

Wundern Sie sich also nicht, wenn sich die englischen Spieler plötzlich ‹unsportlich› verhalten.

Mateus am letzten

xirah am Mittwoch den 2. August 2006

Mateus / Gil vicente Futebol Clube

Nach monatelangem Ringen hat sich die Disziplinarkommission der portugiesischen Liga endlich zu einem Urteil im Fall Mateus durchgerungen:

Gil Vicente Futebol Clube steigt ab in die Liga de Honra und Belenenses verbleibt in der Superliga.

Gil Vicente hatte in der vergangenen Saison den angolanischen Nationalspieler Mateus Galiano da Costa eingesetzt, obwohl dieser gar keinen gültigen Vertrag besass. Ein solch schwerwiegendes disziplinarisches Vergehen muss laut Artikel 63 des Reglements mit Zwangsabstieg bestraft werden.

Belenenses freut sich, während Gil Vicente von einem skandalösen Urteil spricht und dieses bei der letzten sportlichen Instanz «Conselho de Justiça da Federação Portuguesa de Futebol» und — wenn es sein muss — vor einem Zivilgericht anfechten will.

Die Aussichten sind allerdings nicht allzu gut, Gil Vicente könnte einen Herrn Doktor Eichenberger jetzt gut gebrauchen.

Belgisches Fussballverbot

Frans am Montag den 31. Juli 2006

Am Wochenende hat in Belgien die Meisterschaft begonnen.

Für unsere zahlreichen Freunde des belgischen Voetbals hier die kompletten Resultate der ersten Runde der Jupiler League: Sint-Truiden – Anderlecht 2-4; SC Lokeren – Standard Luik 2-1; Westerlo – Roeselare 2-1; Germinal Beerschot – SK Beveren 1-0; Excelsior Moeskroen – Cercle Brugge 2-1; RC Genk – SV Zulte-Waregem 3-1; FC Brussels – Bergen 1-0; Charleroi – Lierse SK 0-0 und Club Brugge – AA Gent 5-0.

Sollten Sie diese Informationen als überflüssig empfinden, so haben Sie in der Tat einen Punkt: Die Runde hätte streng genommen gar nicht stattfinden dürfen, denn nach einer vergilbten Reglementsbestimmung sind Meisterschaftsspiele im Monat Juli verboten – eine originelle Vorschrift, deren Sinn den Verantwortlichen des belgischen Fussballverbandes heute schleierhaft ist.

In der Schweiz hingegen wären ähnliche Bestimmungen durchaus sinnvoll. Dies gilt insbesondere für ein Verbot von Cupfinalspielen im Monat April.

Das Auflaufkind

Frau B am Samstag den 29. Juli 2006

3’000 neue Wörter wurden in die neue, vor wenigen Tagen erschienene 24. Auflage des Rechtschreibdudens aufgenommen. Hier sind die drei wichtigsten:

Auf|lauf|kind
(Fußball Kind, das einen Spieler beim Auflaufen aufs Spielfeld begleitet)

Blog,
das, auch der; -s, -s (kurz für Weblog)

Web|log,
das, auch der; -s, -s (tagebuchartig geführte, öffentlich zugängliche Webseite zu einem bestimmten Thema)

Wanna bet?

xirah am Mittwoch den 19. Juli 2006

Betandwin macht sich breit in Europa. Werder Bremen läuft zwar im Moment wegen einer Unterlassungsverfügung der Stadt Bremen noch ohne Trikot-Werbung des Wettriesen auf, will aber sämtliche Rechtsmittel ausschöpfen, um das staatliche Wettmonopol auszuhebeln.

Top-notch European clubs...In Portugal gibt es ein ähnliches Verbot von Werbung für Wetten und Glücksspiele. Ab dieser Saison darf der Name Betandwin unter Androhung hoher Bussen weder von der Liga, noch von den Vereinen noch von Online-Portalen und-Zeitungen (A Bola, Record, O Jogo, Maisfutebol, etc.) verwendet werden.

Die Superliga hatte schon befürchtet, sich nach einem neuen, finanzkräftigen Sponsor umsehen zu müssen.

Betandwin hat reagiert und beschlossen, sich ab dem ersten August 2006 Bwin zu nennen. Die Namensänderung sei nicht so sehr aufgrund der vielerorts geltenden Werbeverbote zustande gekommen, sondern vielmehr, weil man sich gegenüber der Konkurrenz, die ebenfalls „bet“ im Namen trage, differenzieren wolle und weil der wichtigere Teil des Geschäfts sowieso live Audio- und Videoübertragungen seien.

Wetten, dass mit der Namensänderung und der Fokussierung auf andere Geschäftsbereiche Bwin auch in der Schweiz für den einen oder anderen Verein interessant wird. Schliesslich hat nicht jeder Klub das Glück, einen Biber als Partner zu haben…