Archiv für die Kategorie ‘Regelrecht’

Deftige Demütigung

Rrr am Samstag den 25. Juni 2022

Vor 35 Jahren: Mini Jakobsens Tor, das wegen Torheit kein Tor war.

In der zweiten Runde des norwegischen Pokals traf Mo Idrettslag am 24. Juni 1987 auf Bodø/Glimt. Bei den Gästen spielte im Sturm ein kleiner Wirbelwind namens Mini Jakobsen. Das Spiel war längst entschieden, als der 22-jährige Mini von einem Missverständnis von Goalie und Mitspieler beim Gegner profitierte und allein aufs leere Tor stürmen konnte. Mini wurde übermütig.

Auf der Torlinie stoppte er, kniete nieder und bugsierte den Ball seelenruhig mit dem Kopf über die Linie.

Toooooor! Nein, der Schiedsrichter annullierte den Treffer und zeigte Mini die gelbe Karte.

Zurecht, wie ein Blick ins Regelwerk zeigt: Sogenannte “Verhöhungstore” gelten als Unsportlichkeit. Wir haben leider keine Bewegtbilder von Minis aberkanntem Treffer zur Hand, aber vor einigen Jahren gab es ja im französischen Cup im Match zwischen US Concarneau und Voltigeurs de Chateaubriand eine fast identische Szene, Sie erinnern sich sicher. Und auch da wurde das Tor aberkannt.

Mini Jakobsen machte später Karriere unter anderem beim BSC Young Boys Bern (1990-1993). Dass sein Tor seinerzeit nicht zählte, hat er inzwischen verkraftet. Er habe damals aber nicht den Gegner verhöhnen, sondern einfach dem Publikum ein bisschen Spektakel bieten wollen, erklärte er neulich in der norwegischen Presse.

(Foto: Twitter)

Verheerende Verunstaltungen

Rrr am Mittwoch den 22. Juni 2022

Das Runde Leder deckt auf: Vandalismus im Nordquartier!

News-Scout H. N. aus B. (er möchte unbedingt anonym bleiben) traute seinen Augen nicht, als er neulich mit seinem Labrador Retriever unter den Bäumen der Winkelriedstrasse Gassi ging. “Zahlreiche YB-Verteilkästen waren verschandelt, versprayt, mit Plakaten überklebt. Es sah wirklich schlimm aus. Wer macht so was?”

H. N. griff spontan zu seiner Leica und fotografierte alles. “So was gehört ganz klar an den Internet-Pranger. Da gibt sich das ewb so viel Mühe, alle Stromverteilkästen gelbschwarz anzumalen, und dann kommen Vandalen und machen alles kaputt. Wo leben wir eigentlich?”

Klicken Sie sich nun durch unsere Bildergalerie (18.98.-/Klick).

  • Foto: Herr Newfield

  • Foto: Herr Newfield

  • Foto: Herr Newfield

  • Foto: Herr Newfield

  • Foto: Herr Newfield

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Bittere Varheit

Rrr am Montag den 13. Juni 2022

Belgiens Trainer hat ein Gewitter im Auge. Aber alles der Reihe der nach.

In Wales reichte es Belgien am Samstag nur zu einem 1:1. Die Waliser glichen in der 86. Minute aus. Johnson traf auf Vorarbeit von Ramsey.

Das kommt Ihnen irgendwie spanisch vor? Belgiens Trainer Roberto Martínez auch. Wir zitieren aus der belgischen Tageszeitung “Le Soir”:

In der Erinnerung eines Nationalmannschaftsbeobachters hat sich der Trainer noch nie so stark von seiner sonst fast stoischen Ruhe verabschiedet. Kurz nach seinen Fernsehinterviews hat sich das Schwarz seiner Augen innert kürzester Zeit in ein Gewitter gewandelt, als er auf seinem Stuhl für die Pressekonferenz Platz genommen hatte. “Die UEFA als Verband schuldet dem belgischen Verband eine Erklärung in Bezug auf die Ziehung dieser Linie, das Computerprogramm, das diese kalibrierte Linie zieht, muss überarbeitet werden. Wir sind in einem milliardenschweren Geschäft und bekommen lächerliche Bilder zu sehen, die beweisen, dass diese Linie nicht parallel zu der des Rechtecks verläuft. Diese zufällige Linienführung kostet uns die Punkte eines Sieges. Das ist nicht seriös. Es ist sogar schockierend!”

Hat Martínez recht? Der Experte von “Le Soir” sah es anders: Martinez sei womöglich Opfer einer optischen Täuschung geworden. “So sehen wir ja manchmal, wie sich Zugsgleise, die parallel verlaufen in der Ferne am Horizont treffen oder der Parthenon-Tempel in Athen, bei dem die Stützen leicht gebogen gebaut wurden, damit das menschliche Auge sie als gerade sieht.”

Pih pah poh, findet Martínez. “Es ist offside. Der Linienrichter hat einen guten Job gemacht und seine Fahne gehoben. Aber ihm ist man nicht gefolgt.” Nun gut, das mit dem Linienrichter ist aus den TV-Bildern nicht ersichtlich. Die ganze VARheit bleibt wohl schleierhaft.

(Screenshots: SRF / Le Soir)

Schädliche Schallwellen

Herr Shearer am Donnerstag den 7. April 2022

Was wäre der Fussball ohne die ehrenamtlichen Helfer*innen allenthalben?

Bei allen Kontroversen um exzessive Gehälter, Sponsoringdeals und Übertragungsgebühren in den Top-Ligen darf doch nicht vergessen werden, dass die allerallermeisten Fussballspiele immer noch auf Amateurniveau stattfinden, wo niemand auch nur einen Batzen verdient, sondern im Gegenteil auch noch seine ganze Ausrüstung und Spesen selbst finanzieren muss. Auch Unparteiische braucht es überall, und das ist definitiv nicht die beliebteste Rolle im Fussball.

Pierre Hackler wird sich in Zukunft allerdings gut überlegen, ob er weiterhin seine Wochenenden auf Hessens Kreisliga-Plätzen verbringen will. Herr Hackler steht diese Woche vor Gericht, die Anklage lautet auf Körperverletzung, obwohl er im Spiel zwischen der SpVgg Sonnenberg und dem SC Klarenthal selbst gar nicht handgreiflich wurde. Nein, nach einer Rudelbildung wollte er  die Situation beruhigen und blies kräftig in seine Pfeife. Sehr kräftig allerdings und auch nur dreissig Zentimeter vom Ohr eines Spielers entfernt. Der klagte danach über einen Tinnitus (was wirklich nicht lustig ist) und verklagte den Schiri. Das Strafgericht brummte ihm 80 Sozialstunden auf. Das reichte dem Spieler allerdings nicht, er fordert 5000 Euro Schmerzensgeld und zog den Fall an die nächste Instanz weiter. Der Beschuldigte ist darob verständlicherweise fassungslos: “Das ist ein Präzedenzfall in Deutschland. Das Problem ist ja, dass jeder Schiedsrichter, der einen Pfiff auslöst während des Spiels, angezeigt werden kann.“

Die Redaktion des Runden Leders hat beschlossen, dass für Herrn Hackler doch schon eher die Unschuldsvermutung gelten sollte.

Bild: Imago

Penetrante Petarden

Herr Winfried am Mittwoch den 30. März 2022

Aus der Leser:innenschaft: Es brennt lichterloh im Schweizer Fussball!

Der Rechtsstaat, der Demokratie höchstes Gut, ist wieder einmal in seinen Grundfesten erschüttert. Nebulöse Gesetzestexte verhindern es, dass in den Schweizer Fussballstadien Recht und Ordnung herrscht. Massnahmen über Massnahmen, doch den Durchblick hat kaum eine:r. Sehen und den Überblick behalten ist schliesslich ein Menschenrecht. Oder wie meint das Herr Matter aus Langenthal  genau?

Bei all dem Rauch merkt ja auch kein Mensch, dass in den Hinterzimmern der Fansektoren reichlich Schnee liegen bleibt. Noch so ein grober Verstoss.

Betörende Bildbetrachtung

Rrr am Sonntag den 27. Februar 2022

Grosser Psychotest: Was geht Ihnen beim Betrachten dieses Bildes spontan durch den Kopf?

Ein Klick aufs Bild intensiviert das Seherlebnis.

➊ Die Gelbschwarzen sind glaubs YB. Die anderen – puh, schwierig. Real Madrid?

➋ Was macht Bob Dylans Man in the Long Black Coat in der Coaching Zone?

➌ Die socios-Bandenwerbung macht mich richtig spitz auf eine KrYBto-Wurst.

➍ Moment, steht Siebatcheu nicht im Abseits?

Auflösung nach dem Klick.

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Tricky Tor

Rrr am Dienstag den 18. Januar 2022

Willkommen zum dienstäglichen Regeltalk.

Heutige Frage: Erlaubt oder nicht erlaubt?

Geordnete Gefühle

Rrr am Dienstag den 11. Januar 2022

Emotionen kontrollieren mit Seko Fofana. Es ist ganz einfach!

Der Kapitän von Lens war der Held im Cupspiel gegen Lille. Ihm gelang der Ausgleich zum 2:2, das Lens die Verlängerung sicherte. Die Freude war gross, und Seko Fofana entledigte sich zwecks Jubel seines Trikots. Dafür sah er natürlich Gelb.

Die Entscheidung fiel dann im Penaltyschiessen. Zum letzten Elfmeter trat … Seko Fofana an.

Der begab sich erst einmal zu Schiedsrichter Willy Delajod und fragte ihn, ob er im Fall eines Treffers sein Trikot erneut ausziehen dürfe oder ob das dann Gelbrot zur Folge hätte, obwohl das Spiel ja dann beendet wäre. Der Referee beschied ihm, dass er da keine Gnade kennen würde. Fofana versenkte den Penalty und jubelte regelkonform mit Trikot.

“Herr Fofana ist ein Vorbild für uns alle”, sagte Herr Rrr heute mittag an der Redaktionssitzung des Runden Leders. “Man kann seine Emotionen auch angekleidet ausleben, gerade am Arbeitsplatz. Ich hoffe, dass sich daran künftig alle Redakteure halten werden. Ich danke Ihnen.”

Abu Fani an der Fahne

Rrr am Mittwoch den 5. Januar 2022

BREAKING NEWS: YB sagt wegen Corona das Trainingslager in Spanien ab

Erleben Sie nun die zwei langweiligsten Minuten Ihres Fussballfan-Lebens.

Maccabi Haifa (grünweiss) führt im israelischen Spitzenspiel gegen Maccabi Tel Aviv mit 3:2. Wir stehen tief in der Nachspielzeit, und nun lernen Sie Mohammad Abu Fani kennen. Der schafft es, mit regulärem Zeitspiel an der Cornerfahne volle zwei Minuten von der Uhr zu nehmen.

Zeitspiel kann der Schiedsrichter ja leider nur in einem Fall ahnden, wenn der Ball im Spiel ist: Wenn der Goalie den Ball länger als sechs Sekunden mit den Händen kontrolliert. Dann ist ein indirekter Freistoss fällig.

Maccabi Haifa gewann das Spiel (nach 0:2-Rückstand) mit 3:2 und bleibt im Meisterrennen, zwei Punkte hinter Leader Happoel Beer Sheva. Deutlich zurück liegt hingegen der 23-fache Meister Maccabi Tel Aviv mit nunmehr 15 Punkten Rückstand.

Komplexe Prognose

Rrr am Dienstag den 30. November 2021

Herzlich willkommen zum grossen Monats-Tippspiel!

Vier Heimspiele dürfen die Young Boys im Dezember austragen. Aber unter welchen Voraussetzungen? Raten Sie jetzt!

Formular ausdrucken, zutreffende Felder ankreuzen, abschicken an Rundes Leder Redaktion, JP Nsame Allee 1898, Bern. Erster Preis: Ein Gratis-Selbsttest. Zweiter Preis: Impfberatung bei Herrn der Ama. Dritter Preis: Einladung ans virtuelle Weihnachtsessens des Runden Leders.

Zu ihrer Inspiration noch ein Blick nach Europa: Geisterspiele in den Niederlanden, Österreich und Teilen Deutschlands (Ausweitung heute im Gespräch). 2G in Italien plus Möglichkeit von Zuschauerzahlbegrenzungen. Keine Einschränkungen in England.

Der Preis von Scheiss

Rrr am Donnerstag den 25. November 2021

Die UEFA verdonnert YB zu einer Geldstrafe, weil sie sich von den YB-Fans beleidigt fühlt.

Das berichtet Martin Endemann, Projektmanager bei der Vereinigung europäischen Fussballfans (FSE), auf Twitter: “Man liest nicht jeden Tag eine Urteilsbegründung, in der sich die UEFA und ein Champions-League-Verein über die tiefere semantische Bedeutung des Wortes Scheisse streiten.”

YB-Fans sangen während des Champions-League-Playoffs am 18. August gegen Ferencvaros zweimal “Scheiss UEFA” und sollen damit gegen Artikel 16, Absatz 2, Buchstabe e der Rechtspflegeverordnung verstossen haben. Vereine können demnach gebüsst werden, wenn ihre Fans “provokative, einer Sportveranstaltung unangemessene Botschaften” verbreiten.

YB wehrte sich gegen die Strafe: Erstens hätten die Fans nicht “Fuck UEFA” gesungen, wie dies die UEFA behauptet hatte, sondern “Scheiss UEFA”, “which means Shit UEFA”. “Shit” bedeute “Scheisse” und sei im Schweizerdeutschen nicht zwingend eine Beleidigung, sondern könnte auch Ausdruck von Enttäuschung sein.

Für diese Argumentation hatte die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer kein Gehör. Mit den “Scheiss UEFA”-Rufen würde keine Auseinandersetzung zu einem bestimmten Thema angestossen. So etwas gehöre sich einfach nicht an einem Champions-League-Match. YB wurde zu einer Strafe von 10’000 Euro verurteilt und bekam auch sonst noch allerhand aufgebrummt.

Herr Endemann weist auf den etwas schwammigen Artikel 16 hin und schlägt den YB-Fans vor, ihre Gesänge in Zukunft zu differenzieren. Straffrei wäre wohl “Scheiss UEFA, wir sind sehr enttäuscht über bestimmte Themen, wie CL Reform, Geldverteilung, Kollektivstrafen, Stehplatzverbot, lasst mal konstruktiv drüber reden!” Jetzt brauche es einfach noch eine passende Melodie.

Das ganze Urteil zum Geniessen gibts hier. Dringende Leseempfehlung.

Wichtiges Wort

Rrr am Dienstag den 9. November 2021

Montpellier hat ein Zauberwort. Sehr praktisch.

Canal+ strahlte am Wochenende einen Dokfilm über den Ligue-1-Klub aus und zeigte dabei eine Szene aus dem Heimspiel gegen Marseille (3:3) vom April. Montpelliers Junior Sambia wälzt sich nach einem groben Foul am Boden, der Physiotherapeut Olivier Megel eilt zu ihm.

Dann raunt ihm Junior Sambia das Zauberwort zu. Was für eins? “Na, das kennt jeder bei uns”, sagt Megel. “Es ist ein Wort aus dem Süden. Wenn es ein Spieler ausspricht, weiss ich, dass er nicht ernsthaft verletzt ist.”

Megel ist beruhigt und rät Junior Sambia, noch ein bisschen liegen zu bleiben und sich behandeln zu lassen. “Es ist ein kleines Spiel”, lacht der Physiotherapeut.

Marseilles Verteidiger Duje Caleta-Car sah für das Foul die rote Karte, OM musste die letzte halbe Stunde in Unterzahl spielen und kassierte in der Nachspielzeit noch den Ausgleichstreffer.