Archiv für die Kategorie ‘Randregionen’

Beneidenswerte Benennung

Herr Maldini am Dienstag den 4. Januar 2022

Neues Jahr, neues Glück.

Und zwar in der Stadt Copiapó in Chile. Dort wurden am 1. Januar um 21:09 Teodora Pacaje und ihr Gatte, dessen Name dem Runden Leder leider nicht bekannt ist, Eltern eines Jungen, 3.064 Gramm schwer und 50 Zentimeter gross.

Frau Pacaje und ihr Gatte, beide bolivianischer Herkunft und in Chile lebend, sind grosse Fussballfans. Der Vater durfte den ersten Vornamen spendieren, die Mutter den zweiten, und weil es sich bei den Idolen der beiden um Antoine Griezmann und Kylian Mbappé handelt, wird ihr Sohn künftig auf den Namen Griezmann Mbappé Chambi Pacaje hören.

Manipuliertes Malta

Herr Maldini am Dienstag den 28. Dezember 2021

Die Insel hat ein Problem mit Spielmanipulationen.

Bildquelle: 11km.de.

Das berichtete gestern die Lokalzeitung Malta Independent, die wir selbstverständlich auch über die Festtage konsultieren. Demnach hätten mehr als 2 von 10 Fussballspielern angegeben, im Zusammenhang mit Spielmanipulationen kontaktiert worden zu sein. Befragt wurden Spieler der höchsten drei maltesischen Ligen.

Die Studie mit dem äusserst komplizierten englischen Namen Combating Match Fixing in Club Football Non-Competitive Matches wurde von der Universität Nikosia durchgeführt und untersuchte Malta, Zypern und Griechenland. 114 in Malta tätige Fussballer hatten die Umfrage ausgefüllt.

Spielmanipulationen haben in Malta eine gewisse Tradition, bereits 2015 und 2018 war es nachweislich zu Vorfällen gekommen.

Ob da auch bereits 2 von 10 Fussballern davon gewusst hatten oder vielleicht doch nur 1 von 5, entzieht sich leider unserer Kenntnis.

Mit Stück Stoff im Streusand stochern

Herr Maldini am Dienstag den 7. Dezember 2021

Obacht: Tromsø IL geht neue Wege.

Malcolm Bidali im brandneuen Trikot. Bildquelle: Instagram von Tromsø IL.

Der angeblich am nördlichsten beheimatete Profifussballverein von allen bringt ein Trikot im Look eines QR-Codes heraus. Das soll aber nicht einfach flippig oder cool oder modern oder so sein, nein, mit dem Trikot kommt auch eine Botschaft: Tromsø IL will damit auf Sportswashing und die angeblich desolate Menschenrechtslage in Katar aufmerksam machen.

Der Verein, der laut eigenen Aussagen angeblich als erster aller weltweiten Vereine die Menschenrechtslage in Katar kritisierte, spannte hierfür mit der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und Malcolm Bidali zusammen. Der frühere Gastarbeiter Bidali hatte über die Missstände in Katar gebloggt und wurde deswegen ins Gefängnis gesteckt. Er war am 4. Mai 2021 von den katarischen Behörden entführt und einen Monat lang in Isolationshaft gehalten worden. Im August konnte er das Emirat endlich verlassen.

Hinter dem QR-Code auf dem Shirt verbergen sich interessante Informationen zum Thema, so Tromsø IL. “Das ist brilliant”, sagt Midali. Hauptsponsor von Tromsø IL ist übrigens SpareBank 1, ein Zusammenschluss norwegischer Geld- und Kreditinstitute.

Sieben Schlussmänner

Briger am Montag den 6. Dezember 2021

Oder: Fleissiges rotieren in Sion.

Sagen Ihnen die Namen Alexandros Safarikas, Nathan Aymon, David De Kalbermatten, Noah Vaudan, Luca Campagnani, Shaban Kuquku und Vitus Rodrigo Williner etwas? Vermutlich nicht, ausser Sie sind ein Liebhaber der Promotion League und des FC Sion U21 im Speziellen.

Alexandros Safarikas, hier noch im Trikot des FC Chiasso. Bild via sport.ch

Nun, der dritte Torwart des FC Sion, Alexandros Safarikas, ist im Sommer aus Chiasso geholt worden, um ihn vornehmlich in der U21 einsetzen zu können. Dummerweise hat er sich bald einmal verletzt und so kommt er bislang auf 8 Einsätze in dieser Saison. Seine beiden Stellvertreter Kuquku (20) und Willinier (17) sind aber mutmasslich ebenfalls verletzt, wobei das bei Kuquku auf die Schnelle nicht in Erfahrung zu bringen gewesen ist, und so muss der vierte U21-Torwart Nathan Aymon (19) ran.

Bild via fcsion.ch

Er spielt dort auch regelmässig, fehlt aber gegen die U21 des FCZ im Oktober. Sein Stellvertreter David De Kalbermatten (17) aus der U18 fliegt mit einer roten Karte vom Platz, ein weiterer Torwart aus der U18, Noah Vaudan (16) ersetzt ihn für den Rest des Spiels und auch eine Woche später gegen Breitenrain steht der 16-jährige im Tor. Bei der 3:7-Niederlage gibt es unter anderem ein Gegentor von hinter der Mittellinie. Drei der nächsten vier Spiele absolviert dann wieder Aymon, bis dieser im Spiel gegen die Black Stars vom Platz fliegt. Nun muss der 16-jährige Luca Campagnani ran, mit ihm im Tor verspielt der Nachwuchs der Sittener die 2:0-Führung in den letzten 20 Minuten noch.

Bild via fcsion.ch

Glück für den FC Sion II, das Spiel gegen Bavois vom Wochenende wurde verschoben. Mit 13 Punkten aus 17 Partien liegt der Nachwuchs der Walliser auf dem zweitletzten Platz.

Bodenloses Bordeauxfass

Herr Maldini am Dienstag den 30. November 2021

Wie läuft es eigentlich in Bordeaux?

Nun, es läuft eher beschissen, um ganz ehrlich zu sein. Das vom berühmten Vladimir Petkovic trainierte Männerteam dümpelt in der hintersten Tabellenregion herum (unser Funkbild).

G. Bordeaux nur einen Punkt vor dem Tabellenschlusslicht. Foto: Screenshot Internet.

Umso wichtiger also, dass der Verein neben dem Rasen ein gutes Bild abgibt. Auch das ist aktuell etwas schwierig, Besitzer Gerard Lopéz ist auf der Suche nach Geld, offenbar ist man gerade etwas klamm. Logisch also, hat der luxemburgisch-spanische Unternehmer, Geschäftsmann, Automobilrennfahrer, Fussballfunktionär und ehemalige Formel-1-Rennstall-Besitzer seinem Club einen Sparkurs auferlegt.

Dieser gilt wo immer möglich, gespart werden sollte auch beim Weihnachtsessen der Frauschaft (Tabellenplatz 6), 20 € sollte jede Spielerin beisteuern (Lose verkaufen und Sandwiches standen offenbar nicht zur Debatte). Das berichtete der französische Journalist und Autor Romain Molina kürzlich.

Stimmt natürlich alles nicht, beschwichtigte der Verein umgehend. Am 15.12. gebe es auch für die Frauen ein ordentliches Weihnachtsmahl. Die finanziellen Probleme sind Medienberichten zufolge trotzdem existenziell, gesucht wird dringend eine Investorin oder ein Investor – die Lösung aller Probleme.

“Entschuldigung, sind Sie nicht der Trainer?”

Herr Maldini am Dienstag den 16. November 2021

Doch, natürlich ist er das.

Aber beginnen wir von vorne: Was könnte ein Zweitligatrainer in der Länderspielpause anstellen? Klar: Fussball spielen.

Robert Klauß, hier als Trainer. Foto: Keystone.

Robert Klauß, Übungsleiter beim 1. FC Nürnberg, dem aktuell Sechstplatzierten der 2. Bundesliga, lief letzte Woche im sächsischen Landespokal auf. In der 76. Minute wurde er eingwechselt, sein SSV Markranstädt verlor trotzdem (und zwar 0:3). Dem Trainer, äh Stürmer, gelang leider kein Tor.

Für gewöhnlich spielt der SSV Markranstädt in der Sachsenliga, eine der sechsthöchsten Spielklassen Deutschlands. Als aktiver Fussballer schaffte es der heute 36-jährige Klauß bis in die Oberliga Nordost und spielte unter anderem für Leipzig.

2015 unterlag er zudem bei Schlag den Raab Stefan Raab. Das war aber in Köln, nicht in Leipzig und auch nicht in Nürnberg.

Punktuell putzige Pumas

Herr Maldini am Dienstag den 9. November 2021

12 Meistertitel, 7 Pokalsiege: Heute lernen wir einen Erfolgsverein aus Kuppenheim in Baden-Württemberg kennen.

Gelbschwarz als Clubfarben – kein Wunder führt der MSC Puma Kuppenheim aktuell die Tabelle der Bundesliga Süd an. Drei Punkte beträgt das Polster zum zweitplatzierten MSC Taifun Mörsch, obwohl die letzte Partie auswärts in Ubstadt-Weiher  mit 7-8 verloren gegangen war (was das für ein Spektakel gewesen sein muss!).

Zu jedem Heimspiel gibt Puma Kuppenheim sein Stadionheft “Bläddl” heraus, was die jeweils mehr Zuschauer als sie bei GC aufkreuzen sicher sehr fest freut. Aber sehen Sie selbst:

Der Ball ist 40 cm gross und 1200 g schwer, zum Tore schiessen dürfen beide Füsse, das Vorderrad und das Hinterrad benutzt werden.

Falsche ferrophile Freunde

Herr Shearer am Donnerstag den 4. November 2021

Soeben erreicht uns folgende Anfrage:

“Lieber Herr Dr. Rüdisühli, Wussten Sie schon, dass es ein “YB”-Eisenbahnunternehmen gibt? Ich jedenfalls nicht, bis ich heute dieses Bild im “Bahn Report” entdeckt habe. Jetzt will ich da unbedingt hin und mit denen fahren. Haben Sie mir nähere Informationen zu dieser löblichen Bahn? Um rasche Antwort wird gebeten, J. aus B.”.

Bild: Screenshot lok-report.de

Lieber Herr Jean, wir müssen Sie leider enttäuschen. Sie mögen da YB lesen, dummerweise handelt es sich hier um ein Logo in kyrillischer Schrift. Umfangreiche riskante Recherchen unsererseits in der offenen Eisenbähnlerszene brachten uns zum Schluss, dass es sich hier um die ukrainische Staatseisenbahn Українські залізниці УЗ (Ukrajinski Salisnyzi, AbkürzungUZ) handelt, welche diesen schönen Schriftzug an ihren Fahrzeugen anbringt. Trotzdem ist eine Fahrt mit dieser löblichen, wenn auch nicht ganz so modernen Eisenbahn dringend zu empfehlen, vor allem die Abschnitte in den Karpaten. Da ist man übrigens ruckzuck, Nachtzug nach Budapest, dann ein paar Stunden durch Ungarn (da müssen Sie durch!) und zack! sind Sie in Chop und somit schon quasi mittendrin im Vergnügen.

Eine Eisenbahn, die sich YB abkürzt, gibt es daneben tatsächlich. Die Youngstown Belt Railroad in den USA bedient die Region nordwestlich ebendieser Industriestadt, über die Bruce Springsteen nicht nur Gutes zu singen hat. Wenn Sie da mitfahren möchten, sollten Sie das möglichst klandestin tun, denn Personenzüge verkehren auf dieser Strecke keine. Aber so eine Hobo-Trip, das ist sicher auch ganz spannend und sicher genau so gemütlich, wie eine mehrstündige Fahrt in der Holzklasse einer ungeheizten ukrainischen “Elektritschka” im Winter von Lviv nach Ushorod.

Hier geht es um 13:00 weiter, dann ausnahmsweise zum Thema “Fussball”.

Reisen auf Geleisen (2)

Herr Winfried am Mittwoch den 3. November 2021

Hier folgt ein Reisebericht aus Vila-Real. 

Auch auf der Rückfahrt reise ich nicht mit dem Pöbel, das Runde Leder lässt konsequent 1. Klasse fahren. Da diese auch mal an ein Coworking Space erinnert, hatte ich die Gelegenheit, den Besuch in Vila-Real zusammenzufassen.

Das Städtchen war tagsüber ziemlich ausgestorben und die wenigen wo draussen waren trugen Maske. Die Berner Gäste wurden allseits kritisch beäugt – beim Zmittag (Tortilla de Patatas, Huevo Revuelto) erfuhr ich auch wieso. In der Lokalpresse war nämlich zu lesen, dass 400 “möglicherweise radikale” Supporter aus der Schweiz anreisen würden. Die Behörden hatten die Begegnung als Hochrisikospiel eingestuft.

Was das bedeutet, zeigte sich später beim allgemeinen Treffpunkt, wo reichlich Bier und Sangría ausgeschenkt wurde. Die Präsenz der Uniformierten nahm laufend zu. Der gelbschwarze Pulk wurde eng begleitet. Man akzeptierte sich aber gegenseitig einigermassen, zu Szenen wie damals in Rotterdam kam es nicht.

Befürchtungen im Vorfeld drehten sich eher um den Alkoholpegel. Wer zu besoffen sei, komme nicht ins Stadion, hiess es. Herr Winfried wurde jedoch trotz sehr anständigem Durst reingelassen.

Auch nach dem Spiel waren die Wirtshäuser rund um das “Cerámica” offen und empfänglich. Nur gegnerische Fans sahen wir kaum. Die waren offenbar frühzeitig nach Hause  anderswo Znachtessen gegangen.

Die Fotos entnehmen Sie direkt dem Live-Blog von gestern.

Gallenbitter

Herr Noz am Samstag den 30. Oktober 2021

Ein entschlossen auftretender FC St. Gallen empfängt den Meister aus Bern zuhause im “Kybunpark”. Die Partie beginnt für die Gäste bitter, und es geht dann auch ziemlich bitter weiter. Am Schluss steht es 3:1.

Bei den Young Boys ist seit der Länderspielpause ein Wurm drin. Immerhin fällt die Belastung durch den Cup weg, das schont die Ressourcen und lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken.

(Keystone)

Liebeskummer des Tages: Es ist noch nicht vorbei: Die St. Galler Fans lieben ihren Ex Silvan immer noch sehr heftig. Man kann es gut spüren.

Tor des Tages: YBs Nummer 2 Guillaume Faivre lässt sich beim 2:0 unvorteilhaft irritieren.

Frisur des Tages: Lawrence Ati Zigi. Stilikone Hilfsausdruck.

Frage des Tages: Kann Zeidler seinem Hüppi nun endlich den Görtler aus dem Keller suttern? Es bleibt spannend.

Karitative Katarer

Herr Maldini am Dienstag den 26. Oktober 2021

Die Saudis sind gut, die Saudis sind böse, die Katarer sind böse, die Katarer sind gut. Unser Kolumnist Adebowalé Bachofner kommt nicht mehr draus.

Aus der Redaktion des Runden Leders, das ich selten mal lese, wurde mir folgendes zugetragen: Sonderbar euphorisch habe sich in den letzten Tagen Herr Shearer verhalten. Er und viele Gleichgesinnte haben die neuen saudischen Besitzer vom FC in Newcastle mit offenen Armen empfangen! Die Fans eines gegnerischen Teams jedoch hätten sich am Wochenende darüber lustig gemacht. Das finde ich gemein, aber irgendwie auch verständlich.

Super heikel hingegen sind gewisse Bayern-Fans, das weiss ich von einem Kollegen von der Tankstelle beim Dorfeingang. Diese wollen an der Jahresversammlung mit ihrem Verein über die Verbindungen zu Katar diskutieren. Ich kann es ein wenig verstehen, es geht irgendwie um Menschenrechtsverletzungen und Korruption. Wobei, wenn man künftig mit Manchester City, PSG und Barcelona mithalten will, braucht man halt viel Geld, habe ich mir überlegt.

Es ist doch so: Am Ende muss man das Geld von dort nehmen, wo es hersprudelt. Vielleicht zwar nicht gerade von Katar und so, das stimmt schon. Wusstet ihr, dass David Beckham, den fand ich immer super, in den nächsten Jahren etwas Werbung für die WM in Katar machen und dafür 150 Millionen Pfund erhalten wird? Das stand im Blick. 150 Millionen Pfund, das ist schon noch viel! Ganz so viel kriege ich leider nicht, wenn ich in einem Jahr diese WM schauen werde, hehe.

Markante Markierung

Herr Shearer am Donnerstag den 14. Oktober 2021

Soeben erreichte uns diese Postkarte aus dem Wallis.

Unser Leser Herr W. verbrachte die fussballfreie Woche unter anderem mit einer Wanderung auf der schönen Fafleralp. Unterwegs sind ihm diese wunderbar gestalteten Wegmarkierungen aufgefallen. Auch wir auf der Redaktion waren sehr begeistert – aber nur kurz. Denn diese Art der Wanderwegmarkierung ist leider nicht reglementskonform.

Die Signaletik auf Wanderwegen ist in der Schweiz glücklicherweise klar reglementiert – in Feld, Wald und Wiese kann also niemand einfach Wegweiser aufstellen oder aufmalen, wie es ihm oder ihr gerade lustig ist. Ein schwarzer Kontraststreifen mag vielleicht die Erkennbarkeit bei schlechten Sichtverhältnissen verbessern, ist nach dem gültigen Regelwerk nach unserer Auffassung allerdings nicht vorgesehen. Aber schöner ist es auf jeden Fall! Wir danken Herrn W. für die hübsche Postkarte und wünschen weiterhin erholsame Herbstferien!