Archiv für die Kategorie ‘Kunst und Kultur’

Gutes Geschäft

Val der Ama am Freitag den 3. Mai 2019

Stilvoll stuhlen mit dem Runden Leder.

24 x 150 Blätter, also 3600 Mal sauber ausputzen und dies für nicht mal acht Franken – was für ein Topangebot! Das hochwertige Toilettenpapier im trendigen Fussball-Style gibts aktuell beim Fachspezialisten Denner und selbstverständlich haben wir zugeschlagen. Nach einer kurzen Bildinformation unser Testbericht.

Die Rollen kommen in einer klassischen 6-6-6-6-Formation daher und wie erwähnt: die Ablösesumme ist lächerlich klein. Das Papier selbst wirkt robust und kompakt, alle Einzelblätter haben die gleiche Höhe. Einzig die taktischen Anweisungen, die sind nicht allzu klar.

Aber item, dem Herr Rrr, zum Beispiel, dem ist das egal: “Ich war ja zuerst skeptisch und habe mich gefragt, wie die Performance unter starkem Druck sein wird. Aber nun, nach einer nervenaufreibenden Partie inklusive Nachspielzeit, kann ich vermelden, dass ich das Packing jederzeit im Griff hatte.”

Herr Shearer urteilt ähnlich: “Ich bin bereits nach kurzem Pressing in den Abschluss gegangen und habe kurz darauf treffsicher gescort. Aber auch hier: Hin- und Rückrunde bleiben stabil, auch im Falle einer Viererkette.”

Oder noch besser:  “Die Einwechslung hat mich voll überzeugt, weil das Papier ein jederzeit sauberes Handspiel ermöglicht. Egal ob Doppelpack oder auch nur Dropkick: So wird jeder Schuss zum Ehrentreffer,” meint ein begeisterter Herr Maldini.

Unserem Toilettenreinigungspraktikanten Herrn Briger gebührt die Schlussphrase: “Ein sauberer Abstauber. Zeitspiel ist kein Problem, mit diesem Papier gehe ich auch nach längerem Stuhlgang gerne in die Verlängerung.”

Aus diesen und anderen Gründen empfielt das Runde Leder: Zuschlagen.

Kicker kopieren Klassiker

Herr Shearer am Donnerstag den 6. Dezember 2018

Aus unserer losen Serie “Fussballer stellen berühmte Fotografien nach”: Raising the Flag on Iwo Jima.

Als Sie neulich beim Klassiker zwischen Arsenal und Tottenham diese Szene gesehen haben…

Bild: Getty Images

…da haben Sie sicher auch dieses Bild im Kopf gehabt:

Bild: National Geographic

Richtig, “Raising the Flag on Iwo Jima” des amerikanischen Fotografen Jim Rosenthal. Aufgenommen wurde es am 23. Februar 1945, als amerikanische Truppen die Insel Iwo Jima von der japanischen Armee erobern konnte. Es wurde zwei Tage später in der amerikanischen Sonntagspresse zum ersten Mal veröffentlicht und gewann noch im gleichen Jahr den Pulitzer-Preis für die beste Fotografie. Alles weitere erfahren Sie auf Wikipedia.

Obwohl, bei genauer Betrachtung müssen wir doch diverse Stellungsfehler bei den Arsenal-Spielern monieren…

Dubioses Déjà-vu

Val der Ama am Donnerstag den 1. November 2018

Heute Geschichte!

Zahlreiche Leserinnen und Leser haben uns diese Woche auf die Ereignisse im Central’nyj Stadion Astrakhan’gazprom während des Klassikers Volgar Astrakhan – Spartak Vladikavkaz aufmerksam gemacht. “Irgendwie spooky und so kurz vor Halloween auch”, formulierte Leserin U.W. Oder der Herr A. aus B. meinte: “Ich habe meinen Augen kaum getraut, genau wie damals vor sieben Jahren!”

Es ist wirklich total unheimlich. Aber von vorn, weil nicht alle von Ihnen schauen ja fern: Es war diesen Sonntag und in der 17. Minute des Spiels versenkte Verteidiger Roman Loktionov von Volgar Astrakhan einen Freistoss direkt. Jetzt aber: Vor sieben Jahren hat derselbe Spieler in demselben Station gegen denselben Gegner in der derselben Minute auch das 1:0 erzeilt. Ja, auf die genau gleich Art, schauen Sie:

Kleine Poetik des Fussballs

Frau Götti am Montag den 29. Oktober 2018

Kürzlich hat mir mein geschätzter Kollega Claus-Theodor Waageprecht, ausgewiesener Sprachphilosoph mit Schwergebiet Ballistik, zur Lektüre dieses schöne Büchlein ans Herz gelegt. Da mich das kühne Wortspiel im Titel (springender Punkt/Ball) doch einigermaßen neugierig machte und da der kleine, in hübschem Grün gehaltene Einband im traditionsreichen Verlag Duden erschienen ist, machte ich mich flugs ans Studium desselben. Lassen Sie mich einige Worte dazu verlieren. Nach einer kurzen und wertvollen Einführung in die Geschichte der Fußballsprache kommt der Autor mit dem klingenden Namen Marx gleich in medias res mit den spezifischen Eigenschaften dieser besonderen Sprache. Vordringlich unterstreicht er deren reiche Bildhaftigkeit, so etwa mit deren vielen Ausflügen in die Tierwelt und Natur („Bananenflanke“, „sterbender Schwan“, „Schwalbe“, „Gurkenspiel“). Besonders interessant finde ich als Germanistin natürlich das Hyperbolische dieser Sprache mit Ausdrücken wie „mutterseelenallein im Strafraum“ (was für eine berührende Ästhetisierung!) oder „um Haarespitzenbreite am Tor vorbei“. Ganz im Gegensatz dazu weist diese hochpoetische Sprache auch unglaublich dichte und präzise Verkürzungen auf. Pharadebeispiel hierzu ist sicher der „Elfer“. Zur Klärung dieser für mich nicht gleich einsichtlichen Wendung musste ich Hilfsassistent Maldini beiziehen, der mir erläuterte, dass im Fußball gewisse illegitime Handlungen geächtet werden, indem eine Person aus der geprellten Mannschaft aus 11 (warum wohl gerade 11? Zahlenmystischer Hintergrund?) Metern Distanz auf das Tor schießen dürfe, um zu versuchen, den durch die illegitime Handlung entstandenen Nachteil wieder auszugleichen. Auf diesen Umstand weist also der Begriff gleichsam elliptisch hin.
Der zweite Teil des Bandes ist ganz sprechakttheoretisch den sprechenden Akteuren im Fussball gewidmet. Marx unterstreicht hier insbesondere die der Fussballsprache innewohnenden Alogismen. Lassen Sie mich hier für einmal jegliches Theoretisieren seitan stellen und stattdessen lediglich drei besonders bedeutsame Zitate herausgreifen, die, wie mich dünkt, exemplarisch die ganze komplexe Thematik umreißen:
Die Realität sieht anders aus als die Wirklichkeit.“ (Berti Vogts)
Und das habe ich ihm dann auch verbal gesagt.“ (Mario Basler)
Vom Feeling her hab ich ein gutes Gefühl“ (Andy Möller)
Abschließend kann ich Ihnen diese gehaltvolle kleine Politik des Fussballs sehr empfehlen. Sie schließt eine bis anhin klaffende Lücke in der Theorie des runden Leders.

Brett statt Ball

Herr Shearer am Donnerstag den 25. Oktober 2018

Fussballer spielen in ihrer Freizeit am liebsten mit der Playstation oder sie gehen zum Coiffeur. Falsch, nicht alle.

Manche befassen sich auch neben dem Fussballplatz mit Taktik. Trent Alexander-Arnold zum Beispiel. Von Liverpools Jungstar tauchte neulich ein Hochkant-Handyfilm auf, der ihn und Kollege Henderson zeigt, wie sie während einem Zusammenzug der “Three Lions” eine Partie Schach spielen. Einige Tage später durfte er sogar eine Partie gegen den amtierenden Weltmeister Magnus Carlsen austragen. Diese Begegnung dauerte allerdings nicht lange: nach fünf Minuten und 17 Zügen von Carlsen war der Sieger bestimmt. Gar nicht so schlecht, Bill Gates musste sich gegen den gleichen Gegner nach nur neun Zügen bereits geschlagen geben. Trent-Arnold hat angekündigt, seine Fähigkeiten am Schachbrett weiter zu trainieren: “vielleicht gibt es ja eine Revanche-Partie”.

Fussball und Schach, das haben schon andere verbunden:

  • YB-Fans werden sich vielleicht noch an Baykal Kulaksızoğlu erinnern. Der Bümplizer war in seiner Jugend ein sehr talentiertes Schach-Nachwuchstalent.
  • Ossie Ardiles, der 1978 mit Argentinien Weltmeister wurde, beschreibt sich selbst als Schach-Fanatiker, der sich zehn Stunden am Tag mit Schach-Strategien befassen könne.
  • Am bekanntesten dürfte Simen Agdestein sein. Der Stürmer von Lyn Oslo spielte auch in der norwegischen Nationalmannschaft und lehnte einst einen Wechsel zu Fenerbahce ab, weil er lieber sein Niveau im Schach verbessern wollte. Er war bereits mit 15 Jahren Landesmeister, mit 18 wurde er Grossmeister. Ein Jahr darauf wurde er Zweiter an der Jugend-Schachweltmeisterschaft. Nach einer schweren Knieverletzung musste er 1992 seine Karriere auf dem Rasen beenden, seither sitzt er am Brett.


Foto: chessbase.com

Und bei uns auf der Redaktion? Vergessen Sie es, da kann kaum einer jassen.

Pittoreske Piemontreise

Baresi am Freitag den 28. September 2018

Ihre Mannschaft spielt in der Champions League. Eine gute Gelegenheit also für den Besuch eines Auswärtsspiels und einem verlängerten Wochenende im Umland des Spielorts. Der Sympathiewert des Gegners zweifelhaft, das Rahmenprogramm dafür umso erfreulicher. Sie kennen das.

Zum Beispiel dank einem Abendessen in der Osteria dei Sognatori in Alba. Im hintersten Raum unter dem hervorragenden Ölporträt von Gigi Meroni. Dem italienischen Pendant zu George Best in den 60er Jahren. Sie erinnern sich.

Selbstverständlich können Sie auch einen Tisch im mittleren Raum auf der linken Seite unter dem schwarz weiss Foto des jungen Maradona bei Napoli oder rechts unter der von Johan Cruyff original unterschriebenen Autogrammkarte reservieren. Sie sind so schlau.

Wichtig ist einfach, dass es Ihnen gelingt, Ihre Begleitung am grossformatigen Foto von Massimo Troisi als Il Postino im ersten Raum vorbei zu lotsen. Sie unterschätzen es.

Das Essen? Hervorragend. Sie fragen nicht.

Osteria dei Sognatori, Via Macrino 8, 12051, Alba, Tel. +39 070 334 0048

Schwungvoller Strich

Herr Shearer am Donnerstag den 23. August 2018

Das Runde Leder stellt Ihnen auch heute wieder ein Werk eines aufstrebenden jungen Künstlers vor.

Michael Frey – Zürcher Südkurve, Kugelschreiber auf Papier, 2018. (Instagram)

Der aus Münsingen stammende Künstler Michael Frey (*1994) lebt und arbeitet nach Stationen in Bern, Lille und Luzern derzeit in Zürich, in absehbarer Zeit möchte er aber ein weiteres Werkjahr im Ausland verbringen. Was Untergründe und Zeichentechniken betrifft setzt er sich keine Grenzen und experimentiert gerne mit verschiedenen Medien. Sein Schaffen mag vordergründig trivial wirken, bei genauerem Hinsehen erkennt man die Vorliebe des Künstlers, gesellschaftliche Phänomene zu reflektieren und dabei auch Grenzbereiche der Erotik auszuloten. Michael Frey wird von der Agentur Giallanza vertreten, seine Werke können nur noch für kurze Zeit in der Galerie Canepa & Canepa in Zürich betrachtet werden.

Badges & Beats

Herr Shearer am Donnerstag den 16. August 2018

Sport und Musik, eine schöne Symbiose.

Das haben wir Ihnen ja schon gestern zu vermitteln versucht. Weil es so schön war, folgt hier und heute eine weitere gelungene Verschmelzung von zeitgenössischer Musik und zeitlosem Fussball. Der oder die Inhaber des Twitter-Accounts Bands FC mögen offensichtlich beides so sehr, dass sie die Wappen von mehr oder weniger bekannten Fussballklubs in solche von Musikern und Bands umwandeln. Was soll man sagen, alle kommen auf ihre Kosten! Hier eine spontane Auswahl, die den Verfasser dieses Artikels begeistern konnte (Reihenfolge zufällig):

Folgen Sie diesem Twitter-Kanal nun umgehend, denn ausserdem werden Sie auf diese Weise auch über die Resultate der englischen Premier League auf dem Laufenden gehalten. Nach einer Runde führen übrigens die guten alten Echo and the Bunnymen die Tabelle an – da kann niemand etwas dagegen haben.

Allerdings, wenn wir genau überlegen – erfunden wurde diese Symbiose schon etwas früher im schönen Bern, wie dieses Bild beweist:

Bild: Facebook / Tequila Boys

Besten Dank an unseren A+++-Leser Herrn Häck für den Hinweis!

Keiner kann’s feiner

Herr Shearer am Donnerstag den 2. August 2018

Die Hand Gottes  muss ein Engländer sein.

Bild: The Sun

Graham Short ist Graveur, und zwar nicht irgendeiner, sondern der wohl weltbeste seines Fachs. Der 72-jährige führt eine Familientradition nicht nur fort, er hat sie zur Perfektion gebracht. Sein Meisterstück: das Vaterunser auf einen Nadelkopf zu schreiben, der im Durchmesser gerade mal zwei Milimeter misst. Ansonsten hat der Mann aus Birmingham allerlei Sachen im Auftrag des Königshauses und verschiedener Luxusmarken mit seiner Kunst veredelt.

Sein neuster Streich: sechs Fünfpfund-Noten, in die er – für das Auge kaum sichtbar – das Porträt des WM-Torschützenkönigs Harry Kane eingestochen hat. Der Wert einer einzelnen Note mit diesem mikroskopischen Kunstwerk wird auf 50’000 Pfund geschätzt. Wenn Sie also demnächst auf die schönste aller Inseln in die Ferien fahren, sollten Sie das Wechselgeld gut überprüfen: Sie finden Kane’s Kopf neben dem Bild des Big Ben. Oder in den allermeisten Fällen dann halt eben nicht. Achtung, von den sechs Noten sind nur noch deren vier in den normalen Geldumlauf gelangt, denn eine hat Herr Short direkt an sein Modell abgegeben, eine weitere dem englischen Fussballverband, der FA. Die restlichen vier hat er über das ganze vereinigte Königreich unauffällig eingeschleust: eine im Dorf Meriden in den Midlands, eine in Edinburgh, eine in Merthyr Tydfil in Wales, die letzte schliesslich in Nordirland.

Bild: Twitter / @TheSTMagazine

Wir wünschen Ihnen viel Glück bei der Suche!

Besondere Begrüssungsgeschenke

Herr Shearer am Donnerstag den 19. Juli 2018

Was machen eigentlich Fernando Torres und Andres Iniesta?

Beide sind vor kurzem in Japan gelandet, wo sie sich ihr Gnadenbrot bei einheimischen Vereinen verdienen dürfen – Torres bei Sagan Tosu, Iniesta bei Vissel Kobe. Gemeinsam haben sie auch, dass sie bei ihrer Ankunft von einem der wichtigsten Manga-Künstler geehrt wurden. Yoichi Takahashi scheint offenbar so begeistert von den Transfers der Alt-Stars zu sein, dass er beide zeichnete und ihnen ihr Porträt aushändigte. Dass er Torres dabei noch im rot-weissen Shirt von Atlético Madrid belassen hat, dürfte auf die Unattraktivität des Sagan Tosu-Dresses zurückzuführen sein..

Foto: marca.es

Yoichi Takanashi ist übrigens der Schöpfer der sehr berühmten Manga-Serie Captain Tsubasa aus den Achtzigerjahren, die Sie sicher alle noch kennen. Schliesslich geht es darin um nichts weniger als Fussball, und verfilmt wurden diese Comics vor über zehn Jahren auch noch. Geniessen Sie jetzt also kurz die Highlights aus dem legendären Spiel Japan gegen Deutschland. Keine Angst: Sie können der Handlung auch ohne Japanischkenntnisse mehr oder weniger problemlos folgen. Film ab!

Dynamische Darbietung

Herr Maldini am Dienstag den 26. Juni 2018

Heute wieder: Rundes-Leder-Redakteure zum Anfassen.

Sie möchten den heutigen Fussballabend in einigermassen angenehmer Gesellschaft verbringen? Dann haben wir hier etwas für Sie. Kommen Sie gegen 20:00 Uhr in die Kunsthalle Bar, schauen sie peripher die beiden WM-Paarungen Nigeria-Argentinien und Island-Kroatien und lauschen Sie den Herren briger und Shearer.

Herr briger (l.) und Herr Shearer.

Ich konnte Herrn briger exklusiv erreichen und ihn zum Programm von heute Abend befragen.

Guten Abend Herr briger. Was erwartet uns?

Guten Abend. Wir machen etwas mit Statistik. Mit Powerpoint.

Können Sie uns eventuell noch etwas mehr verraten?

Vielleicht machen wir es auch mit Prezi.

Petzi?

Prezi. Etwas ähnliches wie Powerpoint.

Aha.

Es werden beide Spiele gezeigt. Wir greifen in der Pause und nach den Spielen ein.

Was?! Und während der Partien??

Da machen wir nichts. Das reicht nach Ihrem debakulösen Auftritt.

Sie machen es sich ein wenig einfach.

Ihr Format “Schnapschat” war einfach. Wir machen etwas fürs Gemüt.

Ich trank eine halbe Flasche Wodka, das war auch fürs Gemüt.

Bei Peru-Dänemark gab es aber nur ein Tor. Gemäss Schnapschat-Reglement dürften Sie höchstens pro Tor einen…

… Sie sind doch nur neidisch, weil ich mich mit dem Segen des Chefs betrinken durfte. Herzlichen Dank für das Gespräch. Vielleicht komme ich vorbei.

Heute, 20:00, Kunsthalle Bar Bern, Nigeria-Argentinien und Island-Kroatien mit Herrn briger und Herrn Shearer vom Runden Leder.

Kurze Kunstsoiree

Rrr am Samstag den 23. Juni 2018

“Verletzter Brasilianer”, 640×360 px.