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Jauch zahlt den Rauch – Teil 2

Herr Maldini am Samstag den 23. Mai 2015

HerrEriksson

 


Im Browser-Game “Hattrick” gibt es klare Vorschriften: Wenn ihr Verein während mehr als zwei Wochen ein Minus von über einer Million Franken aufweist, dann ist Ende Feuer. Ähnlich war es im Mai 2014 in Tyresö, einem Vorort von Stockholm.

Stellen Sie sich folgendes vor: Real Madrid besiegt Juventus mit 3-0, steht im Final der Champions League – und am darauffolgenden Tag kommt die Gemeindeverwaltung zum Schluss, Real habe ein zu grosses Loch in der Kasse und werde rechtlich für Bankrott erklärt.

Ähnlich absurd war die Situation in Stockholm: Tyresö FF, ein neureicher Verein aus dem südlichen Vorort mit demselben Namen, hatte während Jahren die ganz grossen Namen im Frauenfussball in die schwedische Hauptstadt gelockt. Marta, Caroline Seger, Christen Press, Verónica Boquete, Lisa Dahlkvist, Whitney Engen, Carola Söberg – die Liste mit Nationalspielerinnen war zeitweise so lang, dass einige an andere Vereine der Liga ausgeliehen wurden. Man bot ihnen gute Verträge an (Marta erhielt beispielsweise einen Bonus von 80’000 € für den Fall, dass es der Verein in den CL-Final schafft), und eine Zeit lang wurde geglaubt, schon nur das Zusammenbringen all dieser Ausnahmetalente würde Tyresö zu einem Silicon Valley des Frauenfussballs machen.

Marta und Seger.

Fertig lustig: Marta und Caroline Seger.

“Mängs, wo vo wytem gross usgseht, u guldig glänzt mit Schyn, isch vo nöchem aagluegt nume trüeb u chly”, singt Büne Huber, eine Textzeile, die zu 100% auf Tyresö zutrifft. Denn auch in Schweden sind die Unterschiede zwischen Frauen- und Herrenfussball nach wie vor gross, und als den Spielerinnen von Tyresö Anfang Februar mitgeteilt wurde, die Löhne könnten zur Zeit leider nicht ausbezahlt werden, schien das Ganze nicht mehr so goldig zu glänzen. Das Management versuchte zu beruhigen: Es werde gerade um neue Sponsoringverträge verhandelt, das Minus in der Kasse sei nur temporär, das Stadion werde vielleicht noch etwas ausgebaut.

Doch wer ohne Lohn arbeiten muss, der sucht sich schnell mal einen bezahlten Job. Das gilt auch für Spielerinnen von Nationalmannschaften.

Ende Mai, Tyresö hatte trotz 2-0 und 3-2-Führung den Final der Champions League noch 3-4 gegen Wolfsburg verloren, war der Verein definitiv pleite und die Stars verliessen ihn. Marta spielt nun bei Rosengård in Malmö, Caroline Seger beim PSG, Christen Press bei den Chicago Red Stars. Tyresö DFF, der aus den Scherben des CL-Zweiten neu gegründete Verein, ist neu in der 2. Regionalliga. Nur noch die Grösse des Stadions erinnert an die Tage, die “golden glänzten mit Schein.”

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12 Kommentare zu “Jauch zahlt den Rauch – Teil 2”

  1. Lars: L sagt:

    “Mängs, wo vo wytem gross usgseht, u guldig glänzt mit Schyn, isch vo nöchem aagluegt nume trüeb u chly”

    Endlich, ein Büne-Huber-Blog!

  2. Max Power sagt:

    Impressionen aus Leith.

    <img src="” width=”620″ / >
    http://rangers.co.uk/images/Matches/s1415/2015_05_23_Hibernian/22_230515_fans.JPG

  3. Max Power sagt:

  4. Briger sagt:

    Paderborn nervt. MM.

  5. Natischer sagt:

    “Mängs, wo vo wytem gross usgseht, u guldig glänzt mit Schyn, isch vo nöchem aagluegt nume trüeb u chly”

    Tami, jetzt ist dieser nässende Ausschlag am Ellbogen zurück.

  6. Natischer sagt:

    Möglicherweise hat Herr Bürki Pavel Krmaš inzwischen schon gekläpft.

  7. Briger sagt:

    In der 2. Liga gibt’s beim SC immerhin besser Chancen auf Tickets. Aber das diese Stuttgarter drin bleiben, geht gar nicht.

  8. zuffi sagt:

    Liebe Bundesligaexperten:
    Die Gefahr, dass R. Bürki bald wieder in der Super League zu sehen ist, ist sehr klein, oder?

  9. Briger sagt:

    Wahrscheinlich schon. Dortmund wird wohl einen neuen Torhüter brauchen und andere Vereine könnten Ihn wohl auch brauchen.

  10. Khathran sagt:

    So Relegation ist ja keine grosse Sache. MM

  11. Alleswisser sagt:

    Der Ausgang des Abstiegskampfes in der Bundesliiga widerspiegelt nur bedingt die Goalieleistungen in den involvierten Vereinen.

    Aus Goaliesichicht wäre passender gewesen:

    18. Paderborn (kenne diesen Goalie immer noch nicht, habe aber wohl nichts verpasst)
    17. Stuttgart (Goalie mit Schwächen, zudem Kurzarm)
    16. Berlin (mag diesen Goalie nicht)
    15. Hamburg (zwei gute Goalies, Adler am Schluss als echter Leistungsträger)
    14. Freiburg (Bürki hat sein grosses Talent auch in Bundesliga bestätigt)
    13. Hannover (Weltmeister-(Kader)-Goalie sollte nichts mit Abstieg zu tun haben)

    Sportschau ohne Kenntnisse der Resultate hat übrigens Spass gemacht.

  12. Hängespitze sagt:

    Sehr guter Artikel. Aber mich stört, dass der Frauenfussball hier so unattraktiv bebildert wird. Eine sexistische Diskriminierung ist das, und des RL unwürdig.