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Nicht normal

Herr Pelocorto am Samstag den 10. Juli 2010

Im FIFA World Cup International Broadcast Centre Control Room

Zuerst sehe ich die Reaktion in ihren Gesichtern. Ein leichtes Rümpfen der Nase oder ein feines Heben der Brauen. Dann wiederholen sie es. Du hast wirklich alle Spiele gesehen? Ja, klar, es ist schliesslich Weltmeisterschaft. Und arbeiten musst du nicht? Nein; ich habe Ferien genommen. Aha, sagen sie und im Tonfall höre ich ein feines “nicht normal” heraus.

Dann wechseln sie sanft das Thema. Gehst du ans Zürich-Fest? Am Bellevue haben sie scheint’s ein Public-Viewing eingerichtet, das wäre doch etwas für dich?
Nein danke, interessiert mich beides nicht; ich möchte in Ruhe die Viertelfinals sehen.

Schliesslich ist eine Fussballweltmeisterschaft kein Buffet, wo man sich da und dort ein Häppchen auf den Teller legt, sondern ein Fünfgänger, bestehend aus Gruppenspielen und vier K.O.-Runden, der schön der Reihe nach genossen werden will. Sie essen ja auch nicht nur die Suppe und das Dessert und lassen den Rest weg.

Ich will alles sehen.

Ich will sehen, wie Neuseeland gegen die Slowakei durch ein Tor im allerletzten Moment den ersten WM-Punkt holt, wie die Nordkoreaner gegen Brasilien den Anschlusstreffer erzielen und die Seleçao nochmals zittern lassen oder wie der Däne Bendtner im Spiel gegen Japan vor seiner Einwechslung mit einem Filzstift das weisse Tape an seinen roten Socken einfärben muss. Ich will sehen, mit welcher Taktik die vermeintlich kleinen gegen die angeblich grossen Mannschaften spielen, wie die südamerikanischen Mannschaften abschneiden und wie sich die afrikanischen Teams schlagen. Deshalb verpasse ich sicher kein Spiel beim Turnier der besten Nationalmannschaften aller Kontinente.

Das ist nicht normal?

Ach was. Nicht normal ist es, als Fussballfan an einer Fussballweltmeisterschaft nicht alle Spiele sehen zu wollen.

Bildquelle: Shine 2010

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17 Kommentare zu “Nicht normal”

  1. Tom Bombadil sagt:

    Guten Morgen. Was ist schon normal? Bleiben sie wie sie sind Herr Pelocorto! Kompetent, zuvorkomment, anständig, direkt… ach einfach so wie sie sind.

  2. Rrr sagt:

    Tami, ich habe die erste Halbzeit von Paraguay-Italien verpasst. Ich bin nicht normal!

  3. JimBobIII sagt:

    Polka spielen lässt keine Ferien zu, darum werde ich Morgen wohl das letzte Spiel verpassen, aber da geht es ja um nichts mehr, oder?

    Guten Morgen allerseits.

  4. newfield sagt:

    Dieser Herr Pelocorto ist normal, das ist nicht normal. Willkommen zurück!

    Über öffentliches Schauen müssen wir nicht diskutieren, aber hier für Sie mein WM-Halbprivat-Public-Viewing-Lieblings-Foto:

    Shoeshiners (C and R) watch on a TV the second half time of the FIFA World Cup South Africa 2010 Group G football match between Brazil and North Korea at a stall near the Sao Paulo Stock Exchange (Bovespa) building, in downtown Sao Paulo, Brazil, on June 15, 2010. Brazil won 2-1.
    AFP PHOTO/Mauricio LIMA (Photo credit should read MAURICIO LIMA/AFP/Getty Images)

    (Hervorhebungen berichtsbezogen)

  5. Rrr sagt:

    * überleg *

    Wie haben Sie eigentlich das Parallelspielproblem gelöst?

  6. newfield sagt:

    Film ab:

    Ein leichtes Rümpfen der Nase oder ein feines Heben der Brauen. Nein.

  7. Herr Shearer sagt:

    Guten Morgen. Herzlich willkommen zurück, Herr Pelocorto. Sie haben uns sehr gefehlt auf der Redaktion.

    Image and video hosting by TinyPic

    Hauptsächlich, weil sich sonst niemand so richtig für die Altglasentsorgung zuständig fühlte…

  8. tinel grantig sagt:

    hier für Sie mein WM-Halbprivat-Public-Viewing-Lieblings-Foto:
    das hätte edward hopper in öl nicht besser hingekriegt!

  9. Je sagt:

    Parallelsehen
    Für irgendetwas müssen ja diese Stereobrillen gut sein.
    Sehr poetischer Beitrag, Herr Pelocorto. Darüber denke ich jetzt den ganzen heissen Tag im Brigerbad nach, wo ich übrigens die Halbfinals per Radioreportage mitverfolgt habe, was übrigens ausserdem auch eine Variante für Parallelspiele darstellt: an jedem Ohr ein Radio…

  10. Herr Shearer sagt:

    Herr Shearer, Sie sollten also wirklich besser auf dem Laufenden sein.

    Das Feriengesuch von Herrn Wölfli wurde uns vorgängig nicht vorgelegt. Wie soll man da auf dem Laufenden sein, Herr Zuffi?

  11. Je sagt:

    Im Nachhinein betrachtet möchte das zweite “übrigens” lieber ein “ausserdem” sein.
    Es ist wohl die Hitze.

  12. hitzfield sagt:

    Für Sie immer, Herr Je.

  13. Lars: L sagt:

    Hallo Herr Pelocorto. Ihr altes Büro ist jetzt halt von mir besetzt, aber sie können ja die Rumpelkammer benutzen, wo dieser newfield sein Fotoarchiv hat.

  14. Je sagt:

    Hitzigen Dank.

  15. JimBobIII sagt:

    Ach so, Herr De la Penã, jetzt lese ich doch dass wir eigentlich gegen uns selber spielen Morgen Abend, dann können wir das in dem Fall ganz ruhig angehen, oder?

  16. JimBobIII sagt:

    Sodeli, jetzt nehme ich mal wieder einen Orangensaft, mann muss ja dran bleiben.