Masken gegen die Krise

Junge Zürcher Designer trotzen der Krise mit stylishen Masken, welche nicht nur Schutz, sondern vor allem auch ein Statement für Solidarität, Stil und Lebensfreude sind.

Julian Zigerli. Der erfolgreiche Zürcher Fashion-Designer erlitt grosse Umsatzeinbussen, nachdem er seinen Flagship-Store im Niederdorf aufgrund des Lockdown schliessen musste. Auf die Idee mit den Masken brachten ihn seine Praktikanten. «Erst glaubte ich kaum, dass sich Stoffmasken verkaufen, jetzt sind sie unsere Rettung», sagt er. Foto: Christian Bobst

Die vorliegende Porträtserie zeigt Zürcher Textilmasken-Designer der ersten Stunde, jede und jeder mit einer Maske, die ihren persönlichen Stil repräsentiert. Sie alle haben durch den Lockdown ihre Arbeit verloren oder starke Einbussen erlitten. Doch sie haben aus der Not kurzerhand eine Tugend gemacht, aus einer Windel fürs Gesicht ein trendiges Kleidungsstück.

Der Erfolg ist überwältigend, die meisten kommen mit der Produktion der Bestellungen kaum noch nach. Zwar bieten die Masken nach Aussagen von Experten nur einen 65-prozentigen Schutz, sie sind aber vor allem auch ein Statement und Symbol.

Servia Sahoua. Mode und Nähen waren stets eine Leidenschaft der Ivorerin, die seit vielen Jahren in der Schweiz lebt. Sie arbeitete temporär in einem Restaurant im Seefeld, welches sie wegen des Lockdown nicht mehr beschäftigen kann. Dank den Masken kann sie nun weiterhin ein Einkommen erwirtschaften und auch noch ein Kinderheim in der Elfenbeinküste unterstützen. Foto: Christian Bobst

Adrienne Purkert und ihr Mann führen das Unternehmen Tiger Swiss, welches Tigerli-Finken und neuerdings auch Schutzmasken mit wasserabweisender Nano-Beschichtung herstellt. Auch Tiger Swiss erlitt durch die Schliessung der Läden seit dem Lockdown einen massiven Umsatzeinbruch. Mit dem Ausliefern der Maskenbestellungen kommen sie jetzt dafür kaum noch nach. Foto: Christian Bobst

Nadia Francioso führt neben einem Kommunikations-Teilzeitjob einen Onlineshop mit handgemachten Mode-Accessoires aus St. Galler Stickereien. Als sie von einer möglichen Maskenpflicht hörte, sagte sie sich, wenn schon eine Maske, dann eine mit Stil. Nachdem die Nachfrage im Onlineshop innert sieben Tagen explodierte, hat sie am Wochenende eine Serienproduktion aufgebaut. Foto: Christian Bobst

Javier Alsamendi ist Modedesigner und hat erst vor kurzem im Kreis 4 eine kleine Boutique mit Nähatelier aufgemacht. Dann kam der Lockdown. Javier realisierte, dass es viel zu wenig Masken gab, und nahm ein Video auf, um den Leuten zu zeigen, wie man selber Masken nähen kann. Für jene, die nicht selber nähen wollen, verkauft er handgenähte Masken, zum Teil mit passender Kleidung. Foto: Christian Bobst

Sunita Kusanthia betreibt eine Boutique für Herren Massanzüge im Kreis 2. Als erfolgreiche Schneiderin und Geschäftsfrau realisierte die Tochter eines Inders und einer Thailänderin als eine der Ersten, dass elegante Stoffmasken sehr schnell in Mode kommen würden. Sunitas Masken lassen sich zwar nicht in einem Online-Shop bestellen, in ihrem Geschäft kann man diese dafür genau wie die Anzüge nach Mass herstellen lassen. sunitasuits.ch Foto: Christian Bobst

Gerade weil das Studio nicht mein Revier ist, war es mir wichtig, den fotojournalistischen Grundsätzen treu zu bleiben, welche die Inszenierung von Porträts erlauben, den Einsatz von Retuschewerkzeugen jedoch nicht. Freundlicherweise hat sich Regula Zürrer bereit erklärt, sich mit Maske und Handschuhen ausgestattet um Haare und Make-up der Protagonisten zu kümmern.

Portrait Christian Bobst bwn

Christian Bobst (* 1971 in der Schweiz) studierte ursprünglich Grafikdesign. Fast 15 Jahre lang arbeitete er für Werbeagenturen in der Schweiz und in Deutschland. 2010 machte er sich selbstständig und begann als freiberuflicher Dokumentarfotograf zu arbeiten. Christian Bobst gewann zahlreiche Awards im In- und Ausland, unter anderem 2020 beim Swiss Press Photo Award, POYi, zuvor beim World Press Photo Award sowie mehrmals beim vfg Swiss Photo Award. Christian Bobst lebt in Zürich und ist Mitglied der Fotoagentur Laif.

Mehr zum Fotografen auf christianbobstphotography.com

Die Bilder werden im Rahmen eines Fotografie-Projekts zum Thema Covid-19 zusammen mit den Arbeiten weiterer Schweizer Fotografen auf der Website der PhotoSchweiz zu sehen sein: www.photo-schweiz.ch