René Burri ganz privat

Das Musée de l’Elysée in Lausanne zeigt unveröffentlichte Dokumente des weltbekannten Fotografen.

El Che, nach 2005. Karton gemalt von der Retrospektive 2005-2010 in Rotterdam

Der in Zürich geborene Fotograf René Burri (1933-2014) führte ein Leben am Puls der Weltgeschichte. Er war seit 1955 für Magnum Photos tätig, 1959 wurde er Mitglied. Jahrzehntelang bereiste er ganz Europa, den Nahen Osten, Nord- und Südamerika sowie Japan und China und berichtete mit Scharfblick über nahezu alle einschneidenden Ereignisse der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Nächste Woche eröffnet das Musée de l’Elysée in Lausanne eine Ausstellung über Burris Schaffen. Deren Ziel ist es, der vielseitigen Arbeit des Fotografen mit einem ganz neuen Blick zu begegnen. So sind auch bisher zumeist unbekannte Dokumente – wie Kontaktbögen, Probeabzüge, Filme, Buchentwürfe, Ausstellungsprojekte, Notizhefte, Collagen, Aquarelle und Zeichnungen – zu sehen, welche die privateste Seite des weltbekannten Fotoberichterstatters zeigen.

René Burri, Selbstporträt, New Mexiko, USA, 1973/1983

René Burri, Brasília, 1960

René Burri, Brasilien, 2004

René Burri, Gesundheitsministerium, Rio de Janeiro, Brasilien, 1960

René Burri, Collage aus der Serie «Culture à l’étranger», 1997-1998

René Burri, getrocknete Lotusblumen am Kunming-See, Sommerpalast in Peking, 1964

René Burri, Havanna, 2006

René Burri, Juf, das höchste Dorf der Schweiz, 1967

René Burri, Mexiko, 1982

René Burri, Xerox, Los Angeles, USA, 1971

René Burri, Paris, Frankreich, ca. 1953

René Burri. Im Fernseher in einem Hotelzimmer in Shanghai laufen die Prozesse gegen die Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz, China, 1989

René Burri, Vier Männer auf dem Dach, São Paulo, Brasilien, 1960

Im Musée de l’Elysée in Lausanne können diese und weitere Bilder besichtigt werden. Die Ausstellung «René Burri – Explosion des Sehens» ist vom 29. Januar bis 3. Mai 2020 geöffnet.

1 Kommentar zu «René Burri ganz privat»

  • Damaris Betancourt sagt:

    Ich traf René Burri 92 in meinem Haus in Havanna, als er für die Ausgabe der „Du“ das Thema „Los Cubanos“ fotografierte. Er war sehr freundlich, humorvoll, unermüdlich, neugierig und sanft. Grossartiger Fotograf. Für mich war es unglaublich, in seiner Gesellschaft zu sein. Ich, damals 21jährig, begann davon zu träumen, eine Fotografin zu werden.

    Sein 1963 in Kuba entstandenes Porträt von Ernesto Guevara de la Serna ist ausgezeichnet. Es wurde Tausende, Hunderttausende Male veröffentlicht, und das nicht nur in Kuba, wo ich aufgewachsen bin und jeden Morgen gezwungen war, einen Eid zu leisten, und zu sagen: Wir werden wie Che! Ich möchte, dass Sie wissen, dass in Kuba seit 61 Jahren eine Tyrannei herrscht. Ernesto Guevara de la Serna ist auch nach seinem Tod einer deren Hauptarchitekten.

    Ernesto Guevara de la Serna befleckte seine Hände mit dem Blut tausender willkürlich erschossener Kubaner und unterzeichnete die Hinrichtungsbefehle nach sehr summarischen und voreingenommenen Gerichtsverfahren bereits 1959. Derjenige, dem dieses Bild von Burri eine humanistische und messianische Aura verleihen soll, sprach von „Hass als Faktor des Kampfes; unnachgiebiger Hass auf den Feind, der ihn über die natürlichen Grenzen des Menschen hinaus treibt und ihn in eine effektive, gewalttätige, selektive und kalte Tötungsmaschine verwandelt. Unsere Soldaten müssen so sein; ein Volk ohne Hass kann nicht über einen brutalen Feind triumphieren“.

    Ernesto Guevara de la Serna wird weiterhin als Ikone eines grossen Betrugs benutzt, der grössten Katastrophe, die die kubanische Nation unter dem Namen „Revolution“ erlitten hat. Diese „Revolution“ hat uns Kubaner dazu gebracht, en masse an jeden beliebigen Ort auszuwandern, weil ein würdiges Leben innerhalb Kubas für uns unmöglich ist, nicht wegen einer Hungersnot, nicht wegen Naturkatastrophen, nicht wegen einer Dürre. Nein! Nur und nur wegen der Tyrannei.

    Vor zwei Tagen starben in Kuba drei Mädchen im Alter von 10 bis 11 Jahren, Opfer derselben Tyrannei, die ein Volk dazu zwingt, ungerechtfertigt im Elend zu leben, während es mit ausländischem Geld Geschäfte macht, ohne sich um das Leben seiner Bevölkerung zu kümmern. Diejenigen von uns, die fliehen konnten, werden weiterhin ausgebeutet, bedroht und erpresst, mit unseren Familien und mit unserem inhärenten Recht, Kubaner zu sein und in unserem Land sein zu können, wann und wie lange wir wollen.

    Ich ahne, dass Sie mir sagen werden, dass es hier um den dokumentarischen, historischen und ästhetischen Wert dieses Bildes geht, und dass es über Guevaras Handeln hinausgeht. Aber als Kubanerin sehe ich mich in der Pflicht, dies zu klären, denn obwohl das Ignorieren von etwas dem Individuum nicht von der Verantwortung für seine Taten entbindet, ist es viel besser zu wissen, was getan wird und welche Folgen es hat, bevor man völlig gewissenlos handelt. Guevara verdient keinen Cover, keinen Poster, ebenso wie auch nicht ein Castro, ein Hitler oder ein Pinochet.

    Für uns Kubaner, für die Angehörigen der Erschossenen, für die Hunderte und Aberhunderte von politischen Gefangenen, die in Kuba wegen ihrer politischen Meinung gesessen haben, ist Guevara ein Symbol des Leidens, des Schmerzes einer Nation, die seit 61 Jahren geteilt, ruiniert und gedemütigt ist. Wenn Sie meinen Kommentar gelesen haben, dann wissen Sie es jetzt wahrscheinlich. Ich danke Ihnen sehr.

    Damaris Betancourt

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