Unwirkliche Wirklichkeit

Für seine Serie «Under the Sun» spazierte Freddy Perez zwei Jahre durch die Autostadt Los Angeles.

Man könnte sie auch die Stadt des Lichts nennen: Los Angeles. Bei Freddy Perez grellt es auf Autohauben, Hotdogstände, Häuser mit verschlossenen Fensterläden und frisch manikürte Hecken. Doch etwas fehlt, und darin liegt der Reiz dieser Bilder: die Menschen.
Freddy Perez, hinter dem sich der Berner Künstler Marius Lüscher verbirgt, hat die Autostadt Los Angeles zwei Jahre lang zu Fuss erkundet. Die Stadt, deren Antlitz von weitem so glatt wie die Oberfläche eines Pools erscheint, offenbart auf diese Weise ihre Furchen.

Wo sich andere Künstler wie etwa Balthasar Burkhard mit seinen berühmten Luftbildern der architektonischen Endlosigkeit gewidmet haben, setzt Perez in «Under the Sun» auf das Spiel von Licht, Schatten und vor allem: Farben. Das Rot knallt von Wänden und Werbetafeln, das Gelb von Parkhäusern, und überall dieser blaue Himmel, vor dem die Dinge immer etwas unwirklich erscheinen.
So rückt die Fotografie in die Nähe der abstrakten Malerei – des Feldes, auf dem sich Lüscher hauptsächlich als bildender Künstler bewegt. Alle seine Bilder haben das gleiche Format, begrenzt durch den Sucher seiner Kamera, nicht beschnitten.
«Jegliches Storytelling liegt mir fern», sagt er. Und doch erzählen diese Bilder durch ihre Ästhetik viel über die Gegensätze in der Sonnenstadt. Denn auch Palmen werfen lange Schatten.

Freddy Perez: «Under the Sun»

Snoecks-Verlags­gesellschaft, 2019
160 S.

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