Ferien auf der Hopfenplantage

Im 19. und 20. Jahrhundert sind Hunderte Familien aus den ärmsten Vierteln Londons in ihren Ferien für die Hopfenernte aufs Land gezogen. 

August 1928: Hopfenpflücker mit Stelzen auf einem Bauernhof in Wateringbury in der englischen Region Kent. (Crouch/Topical Press Agency/Hulton Archive/Getty Images)

Die Blüten der Hopfenpflanze werden seit Jahrhunderten zum Brauen von Bier verwendet. Ursprünglich im 16. Jahrhundert von holländischen Bauern aus Kontinentaleuropa nach Grossbritannien gebracht, wurde Hopfen bald zur wichtigsten Ernte in der südenglischen Region Kent.

Da die Hopfenpflanze auf grossen Plantagen an langen Stangen hoch wächst, sodass sie von den Arbeitern auf riesigen Stelzen gepflegt und geerntet werden musste. Die Ernte von Hopfen war sehr arbeitsintensiv und erforderte mehr Arbeitskräfte, als die örtliche Bevölkerung liefern konnte. Dies führte dazu, dass ganze Familien aus den ärmeren Gegenden Londons zur Erntezeit nach Kent zogen, um bei der Lese zu helfen.

1937: Eine Frau bereitet eine Mahlzeit für die Hopfenpflücker im Hopfenlager Whitbread im Paddock Wood zu. (Fred Morley/Fox Photos/Getty Images)

September 1954: Die Kinder der Hopfenpflücker geniessen eine Fahrt mit dem Pferdewagen, währenddessen ihre Eltern auf der Beltring Farm bei der Ernte helfen. (Terry Fincher/Keystone/Getty Images)

Für die meisten war es eine willkommene Abwechslung, mal von der stickigen Stadtluft und den dreckigen Strassen wegzukommen. Sie konnten es sich nicht leisten, sonst mal aufs Land zu ziehen, und so sahen sie die Erntezeit in der Regel als eine Art Ferien an. Anfangs waren die Bedingungen sehr schlecht, die Menschen schliefen in schäbigen Holzbaracken oder in Zelten, die Hygiene war mangelhaft, und Krankheiten konnten sich schnell ausbreiten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen zwei Priester die Hopfenfelder zu besuchen. Sie setzten sich für bessere Bedingungen ein und gründeten schliesslich die «Society for Employment and Improbed Lodgings» für Hopfenpflücker. Danach wurden die Arbeitsbedingungen besser. Die Arbeiter wurden in sogenannten Hopper Huts, einfachen Holz- oder Ziegelhütten, untergebracht. Ab dem Jahr 1870 wurden Extrazüge eingesetzt, um die Familien von London in die Camps zu transportieren.
Viele sprachen später davon, dass sie während des Sommers sehr gerne auf die Hopfenfelder gingen. Trotz der harten Arbeit hatten die Leute Freude, an der frischen Luft zu sein, während der Ernte Lieder zu singen und die Abende mit befreundeten Familien zu verbringen.

1921: Ein Priester beaufsichtigt eine Gruppe, die bei Paddocks Wood Hopfen pflückt. (Central Press/Getty Images)

Ca. 1935: Mittagspause im Schatten der Bäume. (Seymour Lincoln/Getty Images)

1938: Die Kinder der Hopfenpflücker geniessen ein Glas Milch aus einer Milchbar. (Fred Morley/Fox Photos/Getty Images)

September 1932: Die Hopfenpflücker werden nach Gewicht bezahlt. (Sasha/Getty Images)

April 1933: Die Kinder der Hopfenpflücker sehen einem Franziskanermönch dabei zu, wie er ein Plakat für einen Gottesdienst aufhängt. (Reg Speller/Fox Photos/Getty Images)

Ab den 1950er-Jahren begannen Erntemaschinen die manuelle Arbeit auf den Hopfenfarmen zu ersetzen, und die Tradition des Hopfenpflückens ging langsam zu Ende. Die meisten «Hopper Huts» wurden abgerissen oder in Wohnhäuser umgebaut, wobei einige allerdings erhalten wurden und heute als Museum besichtigt werden können.

1910: Hopfenpflücker in einem Lager in Kent. Die Familien leben in getrennten Hütten, kommen aber abends zum Essen, Spielen und Tanzen zusammen. (Hulton Archive/Getty Images)

Eine Gruppe junger Hopfenpflücker erträgt ihre wöchentliche Waschprozedur. (Topical Press Agency/Getty Images)

August 1937: Junge Frauen verbringen ihre Ferien damit, Hopfen im Paddock Wood in Kent zu pflücken. (Hudson/Topical Press Agency/Hulton Archive/Getty Images)

September 1932: Ein Wegweiser zeigt zum Hopfenpflücker-Camp in Faversham, Kent. (Sasha/Getty Images)

Oktober 1977: Arbeiterinnen sortieren von Hand die frisch gepflückten Hopfenblüten auf der Whitbread Farm in Beltring, wo der grösste Teil der Ernte zu diesem Zeitpunkt maschinell durchgeführt wurde. (Evening Standard/Getty Images)

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