Platznot macht erfinderisch

Geht es ums Wäsche trocknen, ist den Bewohnern der Sonderverwaltungszone Hongkong vieles recht.

Eigentlich ist es ja illegal, was sie machen. Doch das stört die Hongkonger nicht, denn was trocknen muss, das muss eben trocknen. Da wird das nette kleine Bäumchen in der Fussgängerzone handkehrum zum Stewi und das Treppengeländer zur Wäscheleine. Was für Aussenstehende auf den ersten Blick wie Kunst anmuten mag, ist für die Bewohner pure Notwendigkeit. Hier lebt man in riesigen Komplexen derart dicht an dicht, dass dem Einzelnen verschwindend wenig Wohnraum bleibt.

Der Fotograf Jimmi Ho hat festgehalten, wie seine Mitbürger auf teils raffinierte Weise den öffentlichen Raum für sich beanspruchen. Dabei ist ihm das Kunststück gelungen, die sonst so wuselige Millionenmetropole völlig ausgestorben zu zeigen. Und so wähnt man sich beim Betrachten der Bilder in einer Postapokalypse, in der vom Menschen nichts übrig geblieben ist ausser einer feuchten Unterhose.

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Jimmi Ho ist 1993 in Guangzhou geboren und lebt aktuell in Hongkong, wo er sein Fotografie-Studium an der OUHK mit dem Bachelortitel abgeschlossen hat. In seinen Arbeiten beschäftigt sich Ho vorwiegend mit dem Thema Urbanität. Er hat mehrere internationale Preise gewonnen, unter anderem beim Wettbewerb National Geographic Travel Photographer of the Year 2016.

Weitere Informationen und Bilder finden Sie auf seiner Website.

2 Kommentare zu «Platznot macht erfinderisch»

  • Martin Roth sagt:

    Mir gefiel Hongkong gar nicht. Zwar sauber, aber ein Hochhaus am andern, die Jugend total auf Konsum – kann die touristische Begeisterung nicht nachvollziehen.

  • Michael sagt:

    In der Schweiz kaum anders. Meine Duschstange dient als Wäscheleine, weil die 2-3 Familien im Haus ihre Wäsche (eine Hausfrau wäscht auch für Leute die gar nicht hier wohnen) tagelang in den drei Trockenräumen liegen lassen und wir anderen Mieter keinen Platz mehr haben.

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