Vermögen auf vier Rädern

  • Dem Besitzer dieses Peugeot 405 (Jahrgang 1992) wurden 45’000 Franken bar auf die Hand geboten. Der junge Mann will seinen Wagen aber nicht verkaufen. Foto: Oscar Alba

  • Ein Wagen mit schlechtem Ruf, weil man mehr Zeit beim Mechaniker verbringt als auf den Strassen: Fiat Polski (Jahrgang 1987), 7000 Franken. Foto: Oscar Alba

  • Teurer Klassiker: Chevrolet Impala (Jahrgang 1996), Originalzustand und gehütet wie ein Juwel: 60’000 Franken. Foto: Oscar Alba

  • Ford Taunus (Jahrgang 1976), 25’000 Franken. Foto: Oscar Alba

Arsenio hat kürzlich das Geschäft seines Lebens gemacht. Der 54-jährige Arzt für innere Medizin hat seinen Kleinwagen Toyota Yaris (Jahrgang 2005), den er vor fünf Jahren dem Staat Occasion für 5000 Franken abkaufen durfte, für 56’000 Franken verkauft. Magischer Realismus? Nein, Kuba. Die Insel der verkehrten Welt, wo Autos – egal welcher Marke und welchen Jahrgangs – nicht an Wert verlieren, sondern eine Wertsteigerung erfahren, von der Anleger in der freien Marktwirtschaft nur träumen können.

Eigentlich sind Autos in Kuba ein Problem auf vier Rädern: Die meisten sind alt bis uralt, malträtiert von den schlechten Strassen und dem Meersalz in der Luft, ständig geht etwas kaputt, Ersatzteile fehlen, es wird gebastelt und improvisiert, die Autobesitzer verbringen sehr viel Zeit bei Mechanikern und solchen, die sich dafür ausgeben. Trotz allem: Autos sind in Kuba Geldmaschinen.

Probleme im Preis inbegriffen

Eine kleine Auswahl aus dem privaten Occasionsmarkt:

  • Fiat Uno (Jg. 1999), 35’000 Franken
  • Wolga (Jg. 1970), mit einem Hyundai-Motor, 50’000 Franken
  • Seat Altea (Jg. 2009), 75’000 Franken
  • Lada (Jg. 1983), 28’000 Franken
  • Peugeot 405 (Jg. 1992), 45’000 Franken
  • Chevrolet Impala (Jg. 1960), 60’000 Franken.

Die Preise sind völlig losgelöst vom Zustand des Wagens, viele darunter sind optisch kaschierte Flickwerke, Rost und Probleme im Preis inbegriffen. Wie ist ein solch fantastischer Markt möglich?

Kurze Ausfahrt in die neuere Autogeschichte Kubas: 55 Jahre lang (1959–2014) gab es in Kuba keinen Automarkt. Nur verdiente Staatsdiener, Funktionäre, erfolgreiche Künstler und Sportler sowie Ärzte und andere Fachkräfte, die im Ausland «auf Mission» waren, durften Autos vom Staat benutzen oder kaufen – vorwiegend Wagen aus dem Ostblock; Lada, Wolga, Moskovitch, Fiat Polski. Hie und da waren auch europäische oder japanische Modelle darunter, ausgemusterte Mietwagen, die der Staat an treue Genossen veräusserte. Autos auf Lebzeiten, denn der Weiterverkauf war verboten. Die einzigen Autos, die legal den Besitzer wechseln durften, waren die Oldtimer aus der Zeit vor der Revolution, also mit Jahrgang 1959 oder älter.

Die Neureichen bringen ihr Geld nicht zur Bank

Vor vier Jahren änderte die Regierung die Regeln: Alle privaten Autos dürfen seither legal verkauft werden. Doch weil es in Kuba sehr wenig Autos, aber immer mehr Menschen mit Geld gibt, sind die Preise explodiert. Viele Kubaner, die ein kleines, lukratives Privatgeschäft betreiben oder von reichen Angehörigen im Exil mit Devisen überhäuft werden, hüten sich davor, ihr Vermögen auf einer Bank zu deponieren.

Wer zu viel Geld besitzt, gerät rasch ins Visier der Steuerbehörde und der Staatssicherheit. Die kleine Schicht der Neureichen zieht es vor, ihr Bares in Handfestem anzulegen, in einem Haus, einer Wohnung, einem Occasionswagen. Die beim Fiskus deklarierten Preise haben nichts mit den effektiv bezahlten zu tun.

Der Staat wollte mitmischen – und versagte kläglich

Ein Ende des Renditerauschs ist nicht in Sicht. Der Staat hält am Monopol auf Neuwagen fest. Nur er allein darf solche für seine Zwecke importieren – und er importiert sehr wenig, da Autos keine Prioriät sind im klammen Staatshaushalt.

Apropos Staat: Der hatte auch bemerkt, dass man mit Autos viel Geld verdienen könnte. Deshalb versuchte er sich als Direktverkäufer von Neu- und Occasionswagen. Einen neuen Peugeot 508 bot er für absurde 262’000 Franken an, einen gebrauchten Peugeot 206 für 85’000 Franken. Das Volk war perplex, schwankte zwischen Totlachen und Zorneswut. Die staatlichen Verkaufsalons sind längst wieder verschwunden.

Teil 1 über Autos in Kuba lesen Sie hier >>

12 Kommentare zu «Vermögen auf vier Rädern»

  • Margrit Ryssel sagt:

    @ It-Abteilung von „DerBund . ch“
    Hier hockt der bereits beanstandete BUG – hier plus eine Ebene höher versagt das automatische Login!

    mfg -rym
    E-Bundabonnentin + Teilzeit-Sysadmin

    PS Ich browse mit Chrome

  • Max Gerber sagt:

    Guter Bericht! Ich sähe gern mal einen über das Gesundheitswesen wie es heute ist, weil da herrscht offensichtlich doch viel Unwissenheit rsp. die Vorstellung wie es vor 1990 war.

  • Rolf Hefti sagt:

    Einen Meeranschluss und einen Autotransportfähigen Hochseekahn zu haben, wär also schon sehr schön !

  • Hans Ochsner sagt:

    Chevy Impala, Jahrgang 1996?? Wohl kaum 1996! Eher 1956.

  • Markus sagt:

    Ich bin glaube im falschen Business – vámonos a La Habana Cuba (aber ohne das Ernesto Che oder Castro geflöhte).

    Auf der anderen Seite habe ich gerade der andere Tag hier in BuenosAires Preise gesehen von z.B. Porsche 911 Cabriolet Jg. 1985 fuer USD. 260,000.– in einem schäbigen Zustand….

  • Rolf Raess sagt:

    Wohlhabend Herr Fiechter? Ja, ja unter dem von den USA gestützten Diktator Battista waren viele wohlhabend, nämlich ca. 10%. Die hocken heute in den USA (vorwiegend Miami) und wählen Republikanisch…
    In die Schule gingen auch nur die Kinder dieser 10% und der Rest waren Analphabeten und um zu überleben Prostituierte (für die USA Touristen).
    Wollen Sie noch mehr hören?

    • Markus sagt:

      Also machen wir uns nichts vor – nach der „Ernennung des neuen Schatten Präsidenten“ in Cuba sprechen wir hier nun von einer 60 Jährigen Diktatur, die nach dem Zusammenfall der Sowjetunion quasi nur oder noch mehr Unheil in viele Lateinamerikanische Länder brachte. Der Cuba Modus Operandi wie aktuell in Venezuela, Nicaragua, Bolivien, Ecuador unter Correa, Brasilien unter ShoeShine und Petrobrasdilma, Argentinien unter Kirchner u.s.w. könnte das nicht besser zeigen und nun auch in Nicaragua. Die Clans ändern Konstitutionen wenn überhaupt vorhanden oder sind im Amt als Präsident und dürften gar nicht, beuten die Länder aus, sähen Armut, Drogenhandel, Schulden, Instabilität, entzweien ihr Land, Inseguridad bis zum abwinken, die Jugend hat genug von Links oder soll ich noch weiter fahren?

    • Albert Fiechter sagt:

      Selbst wenn man von den 10% ausgeht, die von Ihnen rein erfunden sind, waren die weit mehr, als der Castro-Clan mit seinen devoten A…leckern heute umfasst.

  • Albert Fiechter sagt:

    Man ist erstaunt, wie viele Amerikanerwagen aus den 40er und 50er Jahren in Kuba noch im Verkehr sind. Sie stammen aus einer Zeit, als man in der Schweiz noch mit dem Fahrrad zur Arbeit fuhr. Das ist ein Hinweis, wie wohlhabend Kuba einst war.

    • Peter Halter sagt:

      Da kam schon viel Geld zusammen als die Amerikanische Mafia (Lucky Luciano, Mayer Lansky) de Facto die Insel regierten. Batista, der letzte Präsident Cubas, war so korrupt dass er für Geld zu allem seinen Segen gab. Hotels, Kasinos und Bordelle florierten. Sie waren von amerikanischen Touristen sehr begehrt, bis dass die Revolution dem Treiben ein Ende setzte. Festzuhalten ist jedoch dass das viele Geld nur einer sehr kleinen Bevölkerungsgruppe zugeteilt war. Der Rest der Bevölkerung lebte in sklavenähnlichen Verhältnissen. Davon profitierte u. a. die United Fruit Compagnie, welche billige Bananen in die USA liefern konnte.

Kommentar

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