Alte Brexit-Tassen? Ins Museum damit!

Keep cool and drink tea: Chef-Brexiteer Nigel Farage. Foto: Suzanne Plunkett (Reuters)

Kein Jahr mehr bis zum Brexit – und die Brexiteers beginnen an die Zukunft zu denken. Nicht mit neuen, bestechenden Plänen für die Existenz ausserhalb der EU. Sondern mit der Errichtung eines Denkmals für ihre Grosstat. Mit einer Stätte, die alles Vergangene feiert, das zum Brexit geführt hat. Gedacht ist an ein neues nationales Brexit-Museum. Genauer gesagt: An ein stolzes britisches «Museum der Souveränität».

Auf die Idee gekommen ist eine Gruppe von Brexit-Hardlinern, vor allem aus dem Umkreis der Unabhängigkeitspartei Ukip. Souvernirs aller Art, Texte wichtiger Reden, Meinungsknöpfe, Fotos, Zeitungsausschnitte, Krawatten und Aufkleber aus der Brexit-Kampagne sollen gesammelt werden, «bevor die Nation ihrer verlustig geht».

Diese Woche sind die ersten Sammelstellen für entsprechendes Material bekannt gegeben worden. Wenn es dann im März nächsten Jahres so weit ist mit dem Austritt, soll die Brexit-Geschichte für alle Zeit dokumentiert und möglichst auch fest behaust sein im Vereinigten Königreich.

Geschichte in Farages Garage

Nicht nur an die erfolgreiche Brexit-Kampagne von 2016 aber soll das Museum künftige Generationen von Briten erinnern. Sondern an die ganze ruhmreiche «Geschichte des Kampfes um Unabhängigkeit», seit Grossbritannien 1973 der EWG beitrat.

Alles, was sich bei den Veteranen dieser Widerstandsbewegung daheim auf dem Speicher angesammelt hat, soll zum höheren Nutzen der Nation jetzt ausgekramt werden. Allein Nigel Farage, Ukips früherer Parteichef, habe bestimmt «15 Jahre Ukip-Geschichte in seiner Garage sitzen», meint Ukips Ex-Pressechef Gawain Towler, einer der Urheber der Museumsidee.

Er selbst, fügt Towler hinzu, wolle gern seine gesamte Privatsammlung an Anti-EU-Bechern «aus den letzten zwanzig Jahren» stiften. Im Übrigen seien aber auch Proeuropäer willkommen, etwas aus ihrem Erinnerungsschatz beisteuern. Zum Beispiel fänden die Museumsgründer, dass sich «einer von Ted Heaths Hüten» gut machen würde in der Gedenkstätte. Sir Edward Heath hatte die Briten ja in die EU geführt.

Bisher hat der Aufruf seinen Initiatoren freilich vor allem Spott eingetragen. Der frühere Vizepremier Nick Clegg etwa hat die Ansicht geäussert, das Brexit-Museum müsse schon in der Eingangshalle eine leere Leinwand enthalten – als Sinnbild für das Wahlprogramm der Brexiteers.

Boris Johnsons «Grosser roter Lügenbus»

Ausserdem, meint Clegg, müsse man auf jeden Fall die beiden berühmten, simultan geschriebenen Kolumnenentwürfe Boris Johnsons für den «Daily Telegraph» vom Frühjahr 2016 nebeneinander an die Wand hängen. Im einen Entwurf hatte sich Johnson für und im anderen gegen Brexit ausgesprochen (als er sich kurz vorm Referendum seiner Überzeugung noch ungewiss war).

Leider, hämt auch die Anti-Brexit-Organisation Open Britain, seien manche Stücke schon jetzt für die Nachwelt verloren – wie Boris Johnsons «moralischer Kompass», der schlicht nirgends zu finden sei.

Andere Anregungen gehen dahin, den notorischen Wahlkampfbus in die Sammlung aufzunehmen, mit dem Johnson durch die Lande tingelte, und dessen Parolen dem nationalen Gesundheitswesen 350 Millionen Pfund extra pro Woche versprachen. Der Bus, an dessen Erwerb die Museumsinitiatoren übrigens wirklich denken, ist als «Grosser roter Lügenbus» in die Geschichte eingegangen.

Unterdessen würden die Ukip-Leute in ihrem «Museum der Souveränität» gern auch ihrem Helden Nigel Farage ein Denkmal setzen – «vielleicht mit einem Aschenbecher oder einem leeren Pint-Glas», wie Gawain Taylor spasseshalber vorschlägt. Clegg, der ewige Proeuropäer, hat dagegen die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich vorm März nächsten Jahres noch ein politisches Wunder ereignet: Dass bis dahin noch der ganze Brexit abgeblasen und zum wunderlichen Museumsstück wird.

3 Kommentare zu «Alte Brexit-Tassen? Ins Museum damit!»

  • T Kirk sagt:

    Wann gibt Nigel Farage (und dito Marine LePen) eigentlich seinen gut bezahlen Sitz im Europaparlament auf? Mit der EU will er ja nichts zu tun haben. Dann sollte doch wohl ein erster Schritt sein, sich von dort nicht mehr aushalten zu lassen. Mit jemandem für Geld im Bett zu sein, den man nicht mag, erweckt sonst ein bisschen zu sehr den Eindruck der Prostitution.

  • Margrit Ryssel sagt:

    Die könnten architektonisch das Bostoner Tea Party Museum als Vorbild nehmen. Scheint den Bildern nach ein günstiges Modell gewesen zu sein. Dann bleibt mehr Geld übrig, um die Kosten des Brexits abzudämpfen.

  • Jessas Neiau sagt:

    Bloss weil die EU untergeht scheint es, als würde Grossbritannien aufsteigen. Aber sowenig wie jemand ein untergehendes Schiff besteigt, sowenig wird Grossbritannien in die EU zurückkehren. Solches können nur Wahnsinnige befürworten – vermutlich aus „Solidarität“ mit den Untergehenden.

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