Italiens schlechtester Weinjahrgang?

Die Hitze tut den Reben nicht immer gut: Ein Anwesen nördlich von Florenz. Foto: Max Rossi (Reuters)

Luzifer hat sich endlich verzogen, zurück bleibt die Sorge vor seiner Hinterlassenschaft. «Lucifero», so nannten die Italiener die Welle von extremer Hitze und langer Trockenheit, die ihren Sommer überzog. Selten passte ein Fantasiename besser, und sollte sich der Klimawandel fortsetzen, muss man sich wohl an den Teufel gewöhnen. Besonders bange ist es den italienischen Weinbauern.

Eine unglückliche Kette meteorologischer Phänomene sorgte dafür, dass dieser Jahrgang der ertragsärmste seit dem Zweiten Weltkrieg sein wird – minus 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Jammer. Darüber tröstet auch der Umstand nicht hinweg, dass es den Franzosen und den Spaniern, den Rivalen im Weingeschäft, nicht besser geht. Der Winter war vielerorts in Italien so warm gewesen, dass die Reben zu früh zu spriessen begannen. Im Frühjahr wurde das zarte Leben dann vom Frost erschreckt, der plötzlich einsetzte und tagelang anhielt. Und im Sommer kam die grosse Hitze.

Wie im Sport

Mehr Unglück geht eigentlich gar nicht. Oder ist am Ende alles ganz anders und der Teufel eine gute Fee? Die Zeitung «La Repubblica» schreibt: «Hitze und trockene Böden bekommen dem Wein.» Pfeift auf die Quantität, hofft auf die Qualität. Zu erwarten sei ein «memorabler Jahrgang», so viel lasse sich voraussagen, ein ganz prägnanter. Die Trauben seien zwar klein und robust geraten, doch ihr Fleisch sei umso aromatischer, süsser, sonnentrunken gewissermassen. Und wenn der hohe Alkoholgehalt nicht zu dominant ausfalle, dann werde man noch lange von dieser «annata» reden, von diesem 2017. «Jahrgang des Jahrhunderts», war auch schon zu hören.

Nun muss man dazu sagen, dass die tollen Prognosen von den Weinproduzenten selbst stammen, und die müssen nun mal optimistisch sein. Sie wollen ja verkaufen; wenn schon nicht viel, dann wenigstens teuer. Etwas nüchterner gibt sich Riccardo

2006 war die Traubenernte noch prall und gesund. Foto: Daniele La Monaca (Reuters)

Cotarella, der Präsident des Verbands italienischer Önologen. Cotarella hält den Optimismus für verfrüht. Die Trauben, sagt er, hätten unter den extremen klimatischen Bedingungen gelitten. Es sei da wie im Sport: «Wer stark leidet, der bringt keine guten Leistungen.»

Schon im August geerntet

Die Ernte wird nun in vielen Regionen um Wochen vorgezogen. Mancherorts ist schon im August geerntet worden, mit Stirnlampen in der Nacht, wenn es ein paar Grad kühler war, damit sich der Prozess der Oxidation nicht allzu stark beschleunigte. Wärme wirkt da wie ein Treiber. Es gibt Winzer, die deshalb mit teuren Kühlbehältern zur Ernte fahren. Das «verrückt gewordene Klima», wie «La Stampa» es nennt, verschiebt eben viele Gewissheiten.

Im Labor sucht man unterdessen nach Rebsorten, die resistenter sind gegen Hitze und Trockenheit. Es wird auch immer höher angebaut, in der Toskana und im Trentino etwa, am Ätna schon bis auf 1000 Meter. Zusehends nördlicher verläuft übrigens die geografische Lebenslinie des Olivenbaums, dieses Identitätsstifters des Südens. Im lombardischen Sondrio, am Fuss der Alpen gelegen, haben sie schon 10’000 Bäume gepflanzt. Vor zehn Jahren gab es da noch gar keine. Dafür weiten sie in Sizilien die Plantagen für Bananen und Avocados aus. Alles etwas verrückt, teuflisch und exotisch.

8 Kommentare zu «Italiens schlechtester Weinjahrgang?»

  • Waldi Noellmer sagt:

    Hitze und Trockenheit bekommt dem Wein? Wer behauptet einen solchen Unsinn. Wenn die Rebpflanze Trockenstress erleidet, schadet das den Trauben und somit auch dem Wein, der aus diesen Trauben hergestellt wird, dann gibt es sehr unangenehme Geschmacks- und Geruchsstoffe im Wein. Wer das als positiv empfindet, der hat längst seine Geruchs- und Geschmackssinne verloren, wie Coca-Cola-Trinker und Fertignahrung-Verzehrer.

    • Michael sagt:

      Was soll dieser Seitenhieb hier ? Ich trinke gerne ab und an mal Cola und ich esse ab und an ein TK Schlemmerfilet Bordelaise. Deshalb habe ich meinen Geschmackssinn noch lange nicht eingebüsst !

      • Waldi Noellmer sagt:

        Woher wissen Sie das? Haben sie schon mal einen Test mitgemacht? Menschen merken das leider (oder Gott sei Dank?) doch gar nicht, wie ihre Geschmackssinne degenerieren.

        • Rudolf Wildberger sagt:

          Der Geschmacksinn ist doch gar nicht mehr notwendig. Dafür ist das Ablaufdatum auf der Fertigpizza und dem Joghurt zuständig. Ob man Junkfood oder nicht verfuttert steht auf der Etikette in den Angaben zu Fett und Zucker. Was Gesund ist verkünden die TV-Werbespots. Weil auf den Weinflaschen keine Zahlen zu Kalorien und Fetthehalt stehen, weicht man besser auf Coca Cola und Redbull aus.
          Prost und en Guete.

    • Hans Hasler sagt:

      Ohne spezielle Kenntnisse im Weinbau zu haben: Es scheint aber schon so zu sein, dass sich die Länder, die berühmt sind für den Weinanbau durchaus durch Hitze und Trockenheit auszeichnen.
      Wein aus kalten Sumpfgebieten gibt es nicht. Wird wohl eine Frage des Ausmasses sein…

  • Arthur Grob sagt:

    Verrückt ist vor allem, dass auf politischer Eben, weder national noch international, bei Weitem nicht genügend getan wird, um den Klimawandel bzw. den Klimazusammenbruch, dessen Folgen hier beschrieben werden, in Grenzen zu halten.

    • Waldi Noellmer sagt:

      Ja, Klimawandel, den gibt es schon und auch schon solange es die Erde gibt. Inwieweit der Mensch den Klimawandel verhindern, verlangsamen oder gar stoppen kann, das weiß niemand, zumal auch noch alle Vorhersagen lediglich auf „Annahmen“ beruhen und vor allem die Ursachen für den Klimawandel nicht ausreichend bekannt sind. Aber „Klimazusammenbruch“, was ist denn das schon wieder für eine neue Phantasievorstellung? Man stelle sich mal vor, das Klima bricht zusammen. Wie soll das vonstatten gehen?

      • fufi sagt:

        Klar hat’s den „Klimawandel“ schon immer gegeben, und das wird auch fürderhin so bleiben, ganz „natürlich“.
        Aber es wäre vielleicht nicht ganz blöd, wenn „die Menschheit“ diese Entwicklungen nicht noch zusätzlich ins Extreme verstärken würde.

Kommentar

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