Die Erleuchtung des Donald Trump

Republican U.S. presidential candidate Donald Trump speaks during a campaign rally at the Treasure Island Hotel & Casino in Las Vegas, Nevada June 18, 2016. REUTERS/David Becker/Files - RTX2IRRV

Bekehrt sein heisst nicht ruhig sein: Donald Trump. Foto: Reuters

Donald Trump befand sich auf dem Weg nach Damaskus. Plötzlich wurde es hell um ihn herum, und Jesus meldete sich. Prompt bekehrte sich Trump. Entschuldigung, wie dumm: Saulus, nicht Trump, war auf dem Weg nach Damaskus. Aber vor kurzem hatte Trump ebenfalls ein Bekehrungserlebnis. Nämlich in New York, wo er die Spitzen der evangelikalen amerikanischen Christenheit traf. Danach war er wie Paulus. Oder Augustinus.

Das jedenfalls behauptete Pastor James Dobson. Er ist ein berühmter evangelikaler Gottesmann auf dem rechten Flügel des amerikanischen Christentums. Seine Worte wiegen schwer. Er wisse nicht genau, wann Trump erleuchtet worden sei, «es ist jedoch nicht lange her», vertraute Dobson seinem Interviewer, dem Pastor Michael Anthony, an.

Trump wie einst Augustinus?

«Ich glaube, er hat ein Bekenntnis abgelegt, aber er ist ein Baby-Christ», sagte Pastor Dobson. Man müsse nun für ihn beten, da er doch der nächste Präsident sein könnte. Denn Trump sei zwar «offen, aber er kennt unsere Sprache nicht». Wie auch? Trump ist ja ein «Baby-Christ». Pastor Anthony sorgte sich freilich nicht: «Saul hat die Sprache ja auch nicht gekannt, als er Paul wurde», tröstete er Pastor Dobson. Natürlich, erwiderte dieser, müsse man Trump «etwas Spielraum» geben: «Er ist nicht wie wir aufgewachsen, aber es gibt Hoffnung für ihn und Hoffnung für uns.»

Copies of "Family Man", the biography of Dr. James Dobson, founder of Focus on the Family, are seen in the bookstore at the Focus headquarters in Colorado Springs, Colorado July 20, 2007. Focus on the Family, a Christian non-profit ministry, says they are the world's largest dedicated to supporting families. Picture taken July 20, 2007. REUTERS/Rick Wilking (UNITED STATES) - RTR1S4CX

«Trump ist viel netter, als man denkt»: James Dobson über den Präsidentschaftskandidaten. Foto: Reuters

Hatte während der Bekehrung eine Stimme Trump wie einst dem Augustinus anbefohlen, eine gewisse Stelle in der Bibel zu lesen? War es die gleiche Stelle aus dem Römerbrief des Paulus? «Lasset uns ehrbar wandeln als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Wollust und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern ziehet an den Herren Jesus Christus und wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde», hiess es dort. Hatte Trump dies gelesen? Und sich bekehrt? Auf dass die amerikanische Christenheit froh-ho-locken konnte? War die Szene in New York ähnlich derjenigen in Mailand im August 386, als Augustinus umkehrte und fortan auf jeglichen Beischlaf verzichtete?

Die trübe Quelle der Erkenntnis

Wunderbar und gleich einem Mirakel stelzte die Überlieferung des Pastors Dobson von der Bekehrung des Donald daher, doch schlichen sich bald Zweifel ein. Wirklich sicher sei er sich nicht, sagte Pastor Dobson vor wenigen Tagen. Dann gab er die Quelle seines Wissens preis: Es sei die Televangelistin Paula White gewesen, bekannte er. Umgehend winkten viele Gläubige müde ab. Denn Paula White gilt in ihren Kreisen als Scharlatan. Sie beging anscheinend Ehebruch. Ausserdem ist sie eine Anhängerin des Wohlstandsevangeliums. Und obendrein hatte sie Trump in ihrer TV-Show zu Gast. Sie ist so schlecht beleumundet, dass Trumps angebliches Bekehrungserlebnis wie eine Seifenblase zerplatzte.


Paula White betet für Donald Trump. Quelle: Christian News / Youtube

Natürlich verstanden alle, dass es dieser Tage gefährlich ist, nach Damaskus zu wandeln. Und dass Trump deshalb nicht auf dem Weg dorthin war. In Mailand war er gleichfalls nicht. Das muss aber keineswegs bedeuten, dass Donald Trump nicht aus seinen christlichen Babyschuhen herauswachsen könnte. Die Aussicht auf die Präsidentschaft hat schon bei manchem amerikanischen Politico profunde theologische Eruptionen ausgelöst. Wieso nicht auch bei Trump? «Er ist viel netter, als man denkt», sagte Pastor Dobson über ihn.

6 Kommentare zu «Die Erleuchtung des Donald Trump»

  • 1-800-CallGary sagt:

    Sieht man sich die Liste der bisherigen Präsidenten an, kann man davon ausgehen, dass die US of A auch Trump wegstecken werden.
    Ganz sicher wird es unterhaltsamer als mit zwei, drei und 44zig.
    Scharlatine?!

  • HP Korn sagt:

    Dafür, wo das enden wird, sehe ich zwei Alternativen:
    ENTWEDER merken die Stimmberechtigten diese Hirngespinste und Verhetzungen und derartige Figuren haben keine Chance in demokratischen Staaten
    ODER solche Figuren finden zunehmend Anklang und die Demokratien verwandeln sich in von Volkstrubunen beherrschten Volkdiktaturen – und danach in autoritäre Staaten.
    Ein Modellfall dazu ist Deutschland ab 1933…

    • Martin sagt:

      @HP Korn: Muss es immer dieser WWII Vergleich sein? Sind Sie wirklich so borniert? Haben Sie sich wirklich mal ernsthaft mit dem Thema WWII auseinander gesetzt? Wahrscheinlich nicht! Sie sind genau so doof, wie die ganzen anderen Leute, die jedes Statement eines Politikers gleich als rassistisch einstufen. Vor dem WWII war D praktisch pleite. Niemand wollte mehr mit D Geschäfte tätigen. Die Leute hatten keine Arbeit usw., ansonsten wären die Deutschen niemals einem Hitler hinterher marschiert. Illegale Einwanderer auszuschaffen ist eben auch kein Rassismus. Nur sehen das die wenigsten. Die Leute glauben lieber, dass ein US-Präsident ein Rassist ist, als anderen Argumenten Glauben zu schenken.

  • Ulrich Suter sagt:

    Trump wird dasselbe Schicksal erleiden wie es Sarah Palin bereits erlitt. Er kann nur Aufmerksamkeit erhaschen indem er seine Basis weiter mit Verschwoerungstheorien, mit Luegen und mit Hass eindeckt. Unentschlossene wird er damit nicht ueberzeugen. Auch die Bernie Supporter werden, seit Warren bei Clinton fuer Stimmung sorgt, nicht bei ihm landen.

    Trump muss zuerst den Parteitag in Cleveland ueberstehen – dort wird er, so wie die Stadt selbst, noch einiges erleben!

    Mit einem Gingrich oder einem Christie als VP und einem bisschen Folter, Mauer bauen und 12 Mio Latinos ausschaffen im Programm gewinnt man in den USA keine Wahlen – ausser Trump laesst sich einen Heiligenschein wachsen…

  • Rolf Rothacher sagt:

    Wieder ein sinnfreier Artikel, abgeschrieben aus einem amerikanischen Blatt, ein Geschreibsel, das zwar bloss über einen Pastor berichtet, der Dummheiten verbreitet, das jedoch einzig Donald Trump denunzieren soll. Darum an dieser Stelle auch von mir eine kleine Geschichte:
    „Journalist Bernie Miller hat mir gesteckt, dass er Martin Kilian jeden Tag im Café Alegro sitzen sieht, stundenlang. Er hätte ihn angesprochen und Kilian hätte ihm gesagt, er warte stets auf eine Erleuchtung für einen neuen Zeitungsartikel. Die Serviererin Betty hat Miller später gesteckt, Kilian erhielte diese Erleuchtung tatsächlich immer pünktlich, in Form einer alten Tageszeitung.“

    • Ulrich Suter sagt:

      @Rothacher – wo hat Kilian abgeschrieben? Fuer einen Journalisten ist dies so ziemlich der schlimmste Vorwurf und ich hoffe Sie koennen uns die Quelle des Originaltexts angeben.

      Bezueglich Denunzierung von Donald Trump – ist denn irgendein Detail dieses Artikels falsch? Wurde irgendetwas erfunden oder erlogen?

      Ich denke der groesste Denunziant von Donald Trumpp ist Donald Trump selbst. Dies, da er es immer wieder aufs Neue versteht noch einmal etwas auf die Muehle des beinahe Unertraeglichen draufzulegen. Einmal ist es ein wenig mehr Folter, ein anderes Mal sind es eventuell Mexikanische Flugzeuge welche ueber Amerika fliegen und diese denn angreifen werden.

      Wo wird dies enden?

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