Einmal Mehlwurm in Sauce, bitte!

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Gewöhnungsbedürftiger Genuss: Eine Frau isst einen Mehlwurmkeks. Foto: Ed Oudenaarden (AFP)

«Herr Ober – da ist eine Fliege in meiner Suppe», beginnt eine Sketch, den alle Briten lieben. An schlagfertigen Antworten auf diese Klage hat es ja auch nie gefehlt. Nun aber wollen Reformer den Gag für sich nutzen und dabei den Spruch gleich mit reformieren. «Herr Ober – kann ich bitte eine Fliege in meiner Suppe haben?», witzeln sie.

Die neuartige Frage ist einer (zumindest in London) neuartigen Kost gewidmet. Hier und da werden einem in Gaststätten an der Themse jetzt vormals unbekannte Genüsse gereicht. Grille in Creme wird geboten und Mehlwurm in Erdnusssauce. Auch Heuschrecke in Chilischoten findet man auf mancher Speisekarte. Als Dessert bieten sich überbräunte Bienenlarven oder schokoladeüberzogene Käferchen an. Oder Ameise am Stil, in Kandiseis.

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Eine französische Konditorei hat diese Schokolade-Heuschrecken im Angebot. Foto: AFP

Nicht allzu empfindlich dürfen bei diesen Leckereien Gaumen und Magen sein. Zwar gehören laut UNO für zwei Milliarden Menschen Würmer und Insekten zur täglichen Kost. Doch im Westen sind solche Nahrungsmittel bislang eher eine Rarität gewesen. Was da krabbelt, kriecht und brummt, wäre den Briten bisher als Essen kaum in den Sinn gekommen. Wo ihnen ja schon Schnecken und Froschschenkel nie ganz geheuer gewesen sind.

Genau das aber soll sich nun ändern. Bald soll man sogar schon seine Portion Raupen-Risotto oder gebratenen Grashüpfer im Nudelsalat in Londoner Supermärkten kaufen können. Insekten, finden jedenfalls die Vorreiter dieses neuen Trends, seien schliesslich weit mehr als nur eine Bereicherung unserer Speisepalette. Sie seien auch eine äusserst umweltfreundliche Nahrung – mit hohem Proteinanteil, leichtem CO2-Footprint und geringen Herstellungskosten.

«Köstlich wie Mandeln»

Seit ein paar Jahren versuchen Gastro-Pioniere in der Briten-Metropole so, ihren Landsleuten die unkonventionelle Kost näherzubringen. Zu den allerersten gehörten vier Studenten des Royal College of Art, die den Insektenschmaus zum Abschlussprojekt eines Design- und Innovationskurses machten. Bei ihnen gab es «Consommé mit Heuschrecken-Knödel» und «süsses Honigraupen-Medaillon». Der Ton mache die Musik, erklärten sie.

Dann kamen die Experten der Ungeziefer-Vernichtungsfirma Rentokil, die es müde waren, immer nur Schädlinge auszurotten. Die wollten gern mal wissen, wie gewisse Opfer ihrer Arbeit eigentlich so schmeckten. In ihrem «Pestaurant» servierten sie vorigen Sommer Heuschrecken in Salz und Essig, gegrillte Mehlwürmer, Buffalowurm-Eintopf und Skorpion-Lollipos. Leicht fiel es ihnen allerdings nicht, die Kundschaft davon zu überzeugen, dass keins der Tierlein aus ihrer Küche mit ihrer täglichen Arbeit etwas zu tun hatte, sondern alle «eigens für den menschlichen Verzehr gezüchtet» worden waren.

Mittlerweile gibt es Spezialunternehmen wie «Grub» in London, gegründet unter anderem von einem Entwicklungshelfer. Dem wurden in Malawi als Imbiss einmal knusprige limonenbesprengte Termiten zum Bier vorgesetzt – was den Mann auf die Idee brachte, es mit entsprechender Kost daheim zu versuchen.

Dummerweise sind dem Durchschnittsbriten die «Grub»-Produkte bisher aber nur von jenen Reality Shows im Fernsehen bekannt, bei denen hysterische Kontrahenten Mutproben in Ameisenhaufen oder Würmergruben bestehen müssen. Dabei, meinen die «Grub»-Vertreter, schmeckten Buffalowürmer, wenn man erst mal in aller Ruhe mit ihnen am Tisch sitze, «köstlich wie Mandeln» und Grillen «wie pikante Crevetten». Davon werden sie die Beefeater der Insel freilich erst noch überzeugen müssen.


TV-Bericht über Rentokils «Pestaurant» in London

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