Irre Worte vom crazy Onkel

Representative Louie Gohmert (R-TX) questions U.S. Attorney General Eric Holder in Washington

Texas‘ Abgeordneter mit Verhaltensauffälligkeiten: Louie Gohmert. (Foto: Reuters)

Jede Familie hat einen verrückten Onkel. Er lacht scheppernd und zur falschen Zeit und redet ein Zeug daher, dass sich sämtliche Balken peinlich berührt biegen. Bei Familienfesten wird der crazy Onkel einer diskreten Quarantäne unterzogen: Er sitzt am Kindertisch oder wird sonst wie abgedrängt, bis das Familientreffen und damit die Inkubationszeit für seine idiotischen Spässe und schlüpfrigen Randbemerkungen vorbei ist.

Besonders problematisch ist, wenn ein ganzer Kanton oder Staat einen crazy Onkel hat. Wie beispielsweise Texas. Dessen verrückter Onkel heisst Louis Buller Gohmert. Obschon Buller interessanter klingt, wird er «Louie» Gohmert genannt – Onkel Louie. Als Bühne dient ihm nicht das schummrige Nebenzimmer einer Gastwirtschaft mit nikotingelben Gardinen, sondern der Kongress in Washington. Dort erregt Onkel Louie als Abgeordneter seit 2004 Aufsehen mit allerlei Ausrastern und Aussetzern.

Zwar gibt es im Kongress einige Exzentriker, auch reicht die Bandbreite der politischen Überzeugungen von August Bebel bis Francisco Franco. Onkel Louie aber befindet sich ausserhalb aller Bandbreiten. Er ist mental jenseits des bekannten Universums angesiedelt. Immer wieder fällt er auf, weil ihm irre Worte aus dem Mund kollern und seine Zurechnungsfähigkeit daraufhin thematisiert wird.

Etwa dann, wenn Onkel Louie sagt, ein Oberkommandierender wie Obama dürfe «nicht auf den Rat der Muslimbrüder hören». Er stellt das einfach mal so in den Raum. Schliesslich glaubt er seit Jahren, Obama hätte etwas mit den Muslimbrüdern. Die hätten seine Regierung unterwandert, behauptet er. Und zwar so gründlich, dass «sechs Topberater von Präsident Obama Muslimbrüder sind». Sechs! Top! Berater!

Als noch gefährlicher aber erachtet Onkel Louie, dass hochschwangere muslimische Frauen Amerika heimsuchen, um «Terror-Babys» zur Welt zu bringen. Die Terror-Säuglinge bekommen automatisch einen amerikanischen Pass, weil sie in Amerika geboren wurden. Wenn sie gross sind, reisen sie wieder ein und werfen Bomben – völlig problemlos, da sie ja einen amerikanischen Reisepass besitzen.

(ab 2:10 Minuten: Onkel Louie regt sich auf. Video: Youtube)

Schweifen des Onkels stets wachsame Augen von Mekka an den Rio Grande, gewahren sie erschrocken eine Horde illegaler Latinos mit gefährlichen Krankheitserregern. Wie bei der Invasion in der Normandie 1944 gehe es da zu, sagt Onkel Louie und verlangt markig «den Einsatz aller Mittel, um die Invasion zu stoppen».

Der Onkel liebt Schusswaffen. Nur der liebe Gott, den er inständig verehrt, geht ihm über ein anständiges Schiesseisen. Als im Vorjahr zwölf Menschen von einem Verrückten auf der Marinewerft in Washington erschossen wurden, sagte Onkel Louie: «Wenn man dafür Schusswaffen verantwortlich macht, ist das so, als sage man, das Problem mit der Fettsucht seien zu viele Löffel.» Hahahahaha! Die Löffel! Sie machen Leute fett!

Natürlich glaubt  Onkel Louie nicht an Klimawandel. Alles Schwindel, sagt er. Und geht es um die Homoehe, erscheint ihm Oswald Spengler. Der Untergang des Abendlandes! Schliesslich werde die Homoehe «im Allgemeinen am Ende einer Zivilisation ausprobiert», sagt er. Pipelines für Öl hingegen sind gut für die Zivilisation. Selbst in Naturschutzgebieten in Alaska. «Wenn Karibus ein Rendez-vous wollen, dann treffen sie sich bei der Pipeline», glaubt er. Die warme Pipeline ist der Kopulation förderlich!

Gelegentlich seilt sich Onkel Louie in die tiefsten und dunkelsten Abgründe der menschlichen Seele ab. Dann sagt er zum Justizminister Holder: «Der Justizminister wird keine abfälligen Bemerkungen über meinen Spargel machen.» Einfach so. Wie crazy ist das denn? Mega oder was?

(Der Ursprung der Spargel-Story. Video: «Huffington Post»)

17 Kommentare zu «Irre Worte vom crazy Onkel»

  • Sven sagt:

    Leute die richtig liegen werden als verrückt abgestempelt. Musste Helmut Schmidt auch erfahren als er sich zur Krimkrise äußerte . Dabei war Er der Einzige welcher sich vernünftig zum Thema geäußert hat. Verrückte Zeit…

  • SrdjanM sagt:

    Kennen Sie Alpha House?
    Dort spielt Matt Malloy eine etwas ruhigere und homosexuellere Version von Onkel Louie.
    Aber rein schon die optische Ähnlichkeit ist verblüffend.

  • Matthias Denzler sagt:

    Köstlich! Realsatire vom Feinsten! Am besten noch mehr Republikaner wählen, damit wir etwas zu lachen haben…. 😉

  • John J Feller sagt:

    Mr Kilian hat auch schon Aehnliches als seine Meinung von sich gegeben. Erstaunlichj wie er sich ueber andere aeussert.

    • Komisch, Mr Kilian hackt konsequent auf nicht- Demokraten und vor allem auf Texanern herum. Leidet er unter einer abartigen Art von Verfolgungswahn? Oder stiehlt ihm Mr. Gohmert einfach die Show?

  • Gautier Irgendwo sagt:

    Etwas komisch ist aber schon, das er in diesem Gremium noch so besonders auffällt?

  • Andreas Müller sagt:

    Politiker vom Kaliber eines Louie Gohmert scheinen in den USA gar nicht so selten zu sein
    .
    Sarah Palin fordert z.B. das Tschechen bombardiert werden solle oder setzt sich vehement gegen sexuelle Aufklärung in der Schule ein, hatte aber gleichzeitig eine 16 jährige Teenie-Tochter die schwanger war.

    Michele Bachmann ist der Meinung dass Gott Erdbeben und Hurrikane schickt damit die USA auf ihn aufmerksam werden. Auch wünscht sie sich Frauen die sich gegenüber Männer unterwürfig verhalten – Gott wolle das so.

    Rick Perry veranstaltet in Huston aufgrund der langen Dürre einen “Raindance“ mit 30‘000 Besuchern, um für Regen zu Beten (und zu tanzen). So debil können Politiker sein. Der Regen blieb übrigens trotz Gebeten aus.

    • Mike Cadell sagt:

      Andreas Müller, sie vergessen einige Highlights. hank Johnson glaubt eine Insel könnte umkippen und Jackson Lee wil die Stelle sehen, wo die Amerikaner auf dem Mars gelandet sind. Obama glaubt auch, dass die USA 57 Staaten hat.

  • Charles Neuer sagt:

    Wobei es schon etwas grobfahrlässig ist, Oswald Spengler in einem Atemzug mit Gohmert zu nennen (selbst wenn sich Gohmert auf Spengler berufen haben sollte).
    Gerade die Zyklentheorie der Kulturen von Spengler ist etwas, was eigentlich jeder aufmerksame Beobachter selbst sehen und erleben kann. Und das sich in der heutigen Historikerzunft kaum Fürsprecher Spenglers befinden, hat mehr mit der grassierenden „political correctness“ zu tun, als mit seinem Werk.

  • rascha kocher sagt:

    Wenn fähige Leute abwandern weil mit Vernunft kein weitsichtiger Staat mehr zu machen ist bleibt nunmal der Rest, welcher als Sammelsurium so alles bildet, wo nichts zusammenpasst; dann gilt nur noch wer laut genug oder der Stärkere…

  • Amadio Clute sagt:

    Sagen wir es so, er hat zu 60/70 % recht

    • Mike Cadell sagt:

      Das ist das Problem. Es darf nicht sein, was nicht sein darf. Der schlimmste Schwätzer im Kongress ist er übrigens bei weitem nicht. Aber gegen solche mit einem D schiesst Kilian bekanntermassen nicht.

    • Absolon sagt:

      Ich tippe auf 80/90%.

      • Amadio Clute sagt:

        80/90? Könnte richtig sein

      • Marc Aurel sagt:

        Auch Gomera tippt, wie Sie auch, Mr. Clute und Mr. Absolon. Er tippt ohne Fundament. Getrieben vom Bauchgefühl, mehrheitlich ein Opfer der eigenen Projektionen und darum auch komplett unfähig, seine Behauptungen entweder wirklich zu belegen oder selbstkritisch zu entlarven.
        Ja, so funktionieren auch in unserem Land einige bekannte Politiker und auch diesen wird von ihrer Gefolgschaft per Bauchgefühl-Rätseltipp eine Richtigkeitsrate von 80 bis 90% angedichtet. So werden aus persönlichen Ängsten und Ressentiments plötzlich „wahre Bedrohungen“.

        • Marc Aurel sagt:

          „Gohmert“ heisst der bedauernswerte Mann und das „Gomera“ ist eine Bauchgefühl-Korrektur der Auto-Korrektur…

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