Kauft meine Fotos!

Webflaneur am Mittwoch, den 8. März 2006

Screenshot Fotolia.de

«Machen wir ein Foto?», fragt sie. Und ohne abzuwarten, wirft sie sich in Pose, legt den einen Arm um seine Schultern. In der Hand des ausgestreckten zweiten hält sie eine Kamera. Der Berner Zeitungsblogger grinst etwas verlegen in die Linse. Sie drückt, der Blitz blitzt, sie guckt aufs Display. «Cool», sagt sie. Und: «Darauf stossen wir an». Nun erhascht auch der Zeitungsblogger einen Blick auf den Monitor. Er faselt etwas von «doofes Grinsen», stösst dann aber trotzdem mit ihr an. Gerade als sie weiter will, um sich mit dem nächsten Partygast abzulichten, fügt er bewundernd hinzu: «Gute Kamera – gehört sie dir?» Ja, die Kamera sei ganz neu, sagt sie – acht Megapixel und Objektiv zum Wechseln. Sie sei jetzt Fotografin. Sie mache Fotos und verkaufe sie übers Internet. «Aber verkauf bitte nicht unseren Helgen», fleht er. Nein, kontert sie. So etwas kaufe eh niemand. Gefragt seien Symbol- und Kunstfotos. «Und davon lebst du?», fragt er. «Nee», sagte sie, «aber längerfristig vielleicht». Online-Agenturen würden die Medien- und Werbebranche umkrempeln, orakelt sie. Und etwas leiser fügt sie an: Bislang habe sie erst drei Bilder verkauft. Immerhin hätten einige hundert Leute ihre Arbeiten angeschaut. Ob er fotografiere, fragt sie den Zeitungsblogger. Und sie rät ihm, seine Fotos auch zu verkaufen. Sie schicke ihm den Link.

Einige Tage später schickt sie gleich eine Linkliste. Es gebe viele Webseiten, über die man auch als Amateur Fotos verkaufen könne, schreibt sie – von 123rf, Areaimage und Bigstockphoto über Canstockphoto, Crestock, Dreamstime sowie Gimmestock, Istockphoto bis hin zu Microstockphoto, Scanstockphoto, Shutterstock und Stockxpert. Sie persönlich bevorzuge Fotolia. Dort setze sie den Preis ihrer Bilder selbst fest. Sie bestimme, wofür die Fotos gebraucht werden dürfen. Sie behalte alle Rechte – die Agentur kriege bloss eine Provision pro verkauftes Bild. Zudem sei die Agentur länderübergreifend. Und Suchanfragen würden automatisch in mehrere Sprachen übersetzt.

Auch der Berner Zeitungsblogger schreibt sich bei Fotolia ein. Er borgt sich eine Digitalkamera und macht sich auf die Jagd nach Sujets. Seine Bilder wird er dann auf die Website laden. Er wird sie fein säuberlich beschriften. Er wird festlegen, wie viel sein Foto kostet und was Käufer damit anstellen dürfen. Er wird bei abgebildeten Personen ihr schriftliches Einverständnis einholen. Und bereits heute rührt er kräftig die Werbetrommel. «Kauft meine Pix», schreibt er und reimt – unbeholfen, aber immerhin –: «Sie kosten fast nix.»

(via Sunfleps)

Auf Nummer sicher

Webflaneur am Mittwoch, den 22. Februar 2006

Enigmail

Es war am Treffen der Computerfreaks: «Merci fürs Passwort», frohlockt der Tischnachbar. Der Berner Zeitungsblogger schaut ihn verdattert an, als dieser leise eine kryptische Buchstaben-Zahlen-Kombination vom Monitor seines Notebooks abliest. «Woher hast du mein Passwort?», zischt der Zeitungsblogger. Ob er nicht eben E-Mails gelesen habe, fragt der Nachbar. Doch, antwortet der Zeitungsblogger. Er erwarte eine wichtige. Deshalb habe er übers Funknetzwerk den elektronischen Briefkasten geleert. «Und ich habe aufgezeichnet, was durch die Luft schwirrte», erklärt der Nachbar. Er könne fast alles mitlesen, was die Leute hier übermittelten. Das funktioniere übrigens auch zuhause. Allein aus seiner Wohnung könne er sich in vier Netze einklinken – und etwa die E-Mails lesen, die seine Nachbarn verschicken.

«Und wie verhindere ich, dass du meine E-Mail liest?», fragt der Zeitungsblogger. Falls er ein Funknetz habe, müsse er es sicher machen, sagt der Tischnachbar: «Broadcast abschalten, Mac-Verschlüsselung aktivieren, Passwort abändern». Wie das gemacht werde, stehe in der Anleitung. «Und wenn ich im Restaurant ins Netz gehe?», fragt der Zeitungsblogger. Dann baue er einen «Tunnel» und schicke die Daten hindurch. Ein «Virtual Private Network» nenne man das. Er solle sich mal beim Arbeitgeber oder dem Provider danach erkundigen. «Dann kann kein Hacker mehr mitlesen?», fragt der Zeitungsblogger. «Dann ist es bloss schwieriger», sagt der Tischnachbar. Eine E-Mail werde von Server zu Server weitergereicht, bis sie im Postfach des Empfängers lande. Wer Zugang zu einem dieser Rechner habe, könne mitlesen. Deshalb verschlüssele er wichtige E-Mails.

Der Zeitungsblogger hat daraufhin den Gnu Privacy Guard installiert und die Schlüssel seiner Kollegen importiert. Ganz simpel war das nicht. Mit dem kostenpflichtigen Pretty Good Privacy wäre es einfacher gewesen. Auch nicht allzu kompliziert ist es mit dem E-Mailprogramm Thunderbird und der Enigmail-Erweiterung.

Am nächsten Treffen der Computerfreaks: Der Berner Zeitungsblogger baut – stolz auf seine Sicherheitsmassnahmen – einen «Tunnel» zur Uni, verschickt verschlüsselte E-Mails – und kriegt zu seinem Entsetzen wieder das Passwort vorgelesen. Doch dann grinst der Hacker frech und sagt: «Und nun nimmst du noch das Post-It mit dem Passwort von der Tastatur…»

Lesen und schreiben

Webflaneur am Mittwoch, den 8. Februar 2006

Audacity

Sie spricht, als sei sie sein schlechtes Gewissen. Ob er denn Zeit für solche Scherze habe, stichelt sie. Und kopfschüttelnd fragt sie, was «die Übung» denn bringe. Wohin das Projekt Podcast führe, wisse er noch nicht, kontert der Berner Zeitungsblogger – und bereut bereits, ihr vorher die Geschichte erzählt zu haben: Vor 14 Tagen habe er einen Podcast angekündigt, hat er ihr erzählt, das «Weblog» als Tondatei zum Herunterladen. «Versprochen ist versprochen», habe er sich gesagt, ein Studio gemietet, gelesen und sich natürlich x-mal versprochen. Er habe repetiert und experimentiert, bis er heiser und die Studiozeit um war. Zu Hause habe er die Aufnahme mit dem Gratis-Programm Audacity zurecht geschnipselt.

Zugegeben: Das Projekt habe viel Zeit in Anspruch genommen. «Aber eben: Versprochen ist versprochen», hält er dem schlechten Gewissen vis-à-vis fast trotzig entgegen. Und was der Zeitungsblogger in die Zeitung blogge, ziehe er durch. Im Übrigen gehöre es heute zum guten Ton, Kolumnen vorzulesen. Fact sei: Linus Reichlin mache das. Van Huisseling versuche Gelesenes sogar auf CD zu verkaufen. «Wer in aller Welt bezahlt Schreiber fürs Lesen?», wirft sie schnippisch ein. Das frage er sich auch, sagt der Zeitungsblogger. Die Weltwoche tue gut daran, die paar Artikel, die sie als Tondatei anbietet, von Profis lesen zu lassen. Aber für solches fehle ihm das Budget. Und im Übrigen mache ein richtiger Blogger eh alles selbst.

Doch sie lässt ihm keine Ruhe. Ob er sich nicht besser den akademischen Schreibereien widmete, fragt sie. Doch, gesteht der Zeitungsblogger ein. Demnächst beginne er mit den Vorarbeiten: Er werde sich eine Dokumentenvorlage für die Textverarbeitung basteln – mit den richtigen Seitenköpfen, Schriften und einer Titelhierarchie. Nebenbei: Diese Arbeit könne er beim Vorlagen-Wettbewerb von Openoffice.org einreichen. Das schlechte Gewissen schüttelt den Kopf. «Komm schon», sagt sie, «such dir keine neuen Projekte, leg los». Und dann tischt sie nochmals die alte Geschichte vom Französischlehrer auf, der den eigenhändig programmierten Vokabeltrainer zwar gelobt, dem Schüler aber dringend auch das Vokabel-Lernen ans Herz gelegt hat. Es sei fast wie früher, seufzt der Zeitungsblogger und schaut sein schlechtes Gewissen mit grossen Augen an. Bloss werde er für seinen Podcast nicht gelobt.

Alle casten Pod

Webflaneur am Dienstag, den 24. Januar 2006

iTunes

Freund Tonjäger ist kaum noch zu bremsen. Er zieht die Tastatur zu sich. «Melanie C», tippt er im Adlersystem, drückt auf den Suchknopf, spielt den Hit an – jene paar Sekunden, die er anhören kann, bevor er zur Kasse gebeten wird. «Gwen Stefani» tippt er, «Mary J Blige» und «Fanta 4». Hätte der Berner Zeitungsblogger dem Freund Tonjäger nicht zackig die Tasten unter den zuckenden Fingern weggezogen – er hätte den halben Musikshop leer gekauft. Er sei nicht zum Shoppen da, gibt der Zeitungsblogger nun den Ton an. Er sei da, um den Rechner auf Vordermann zu bringen, und dem Tonjäger ein Update zu geben. Und nun wolle er ihm einen Podcast zeigen.

«Einen Podwas?», fragt der Tonjäger. Ein Podcast sei – grob gesagt – eine abonnierbare Radiosendung, doziert der Zeitungsblogger. «Und was bringt das?», unterbricht ihn der Tonjäger. Für ihn als Pendler seien Podcasts praktisch, fährt der Zeitungsblogger fort: Bevor er aus dem Haus gehe, stöpsle er den Musikplayer an den Rechner. Die abonnierte Sendungen würden dann automatisch darauf kopiert. «Ist das kompliziert?», fragt der Tonjäger. «Das schaffst auch du», kontert der Zeitungsblogger.

In iTunes – der Software, die er soeben installiert habe – könne er Podcasts ganz einfach abonnieren. Mit Progrämmchen wie RSS-Owl, Juice oder jPodder sei es kaum komplizierter. «Schau», sagt er – und abonniert rasch das Echo der Zeit.

Freund Tonjäger ist begeistert. Er schnappt sich das Keyboard, abonniert den Podcast aus der Bundesrats-WG von Radio 24, und den nigelnagelneuen von Capital.fm. Er hätte auch gleich International und Heute Morgen von Radio DRS abonniert, und vom Fernsehen die Kassensturz– und MTW-Videos. Er hätte sich bei der BBC Reportagen der Korrespondenten geholt, bei CNN die News, bei NPR den Hintergrund und bei RFI das «Journal en français facile». Er hätte sich Weltwoche-Artikel vorlesen lassen, den Künstlergesprächen auf Artcast gelauscht. Irgendwann hätte er die Musik auf Netzlabels wie Starfrosch entdeckt. Und dann hätte der Zeitungsblogger plötzlich nichts mehr gehört von Freund Tonjäger. Deshalb nimmt er die Maus wieder selbst in die Hand und sagt: «Und nun zeige ich dir, wie du übers Internet telefonieren kannst.»

Doch auch dem Zeitungsblogger lassen die Podcasts keine Ruhe. Alle casten Pod, sinniert er beim Heimpedalen, bloss er tippe Textchen. Das müsse sich ändern, beschliesst er. Und deshalb macht er nun auch einen Podcast.

Berns erste Strasse

Webflaneur am Mittwoch, den 11. Januar 2006

Screenshot Openstreetmap.org

«Gestatten Sie: B. Z., der Erbauer von Bern.» So könnte er sich nun inskünftig vorstellen, sinniert der Berner Zeitungsblogger. Er hat sein Notebook eingeschläfert und sich hingelegt. Schlafen kann er aber nicht. Er ist noch ganz aus dem Häuschen. Denn er hat eben gerade seine erste Strasse gebaut – die erste Strasse in der Stadt Bern überhaupt.

Doch der Reihe nach: Der Berner Zeitungsblogger hat jüngst mit einem Navigationsgerät herum gespielt. Irgendwann hat er entdeckt, dass er seinen Magellan vom Navigator zum Routenplaner befördern kann, wenn er ihm ein Speicherkärtchen unterschiebt. Bloss: Günstig sind solche Kärtchen mit Kärtchen nicht. Deshalb hat er einen Plan ausgeheckt: Würden viele Nutzer die Koordinaten, die ihre Geräte aufzeichnen, zusammenlegen, entstünde eine Karte. Weshalb sollte bei Strassenkarten nicht auf funktionieren, was mit der Wikipedia bei Enzyklopädien klappt? Doch dann hat er entdeckt: Andere hatten die selbe Idee schon, in Deutschland etwa Opengeodb und Gpspunkte. Auf dem besten Weg ist aber das Community-Projekt Openstreetmap, urteilte er.

Es war am Nachmittag: Der Zeitungsblogger kurvte auf seinem quietschenden Velo durch die Stadt. Magellan sass festgezurrt auf dem Lenker und sammelte eifrig Daten. Wieder zuhause brachte der Zeitungsblogger die gesammelten Koordinaten mit dem Hilfsprogramm, das er auf GPS-Babel aufgestöbert hatte, in die richtige Form. Dann kopierte er sie auf den Rechner von Openstreetmap. Wenig später war das Satellitenbild der Stadt Bern mit gelben Punkten übersäht – dort, wo der Zeitungsblogger durchgekurvt war. Zwei Punkte verband er zu einer Strasse und gab ihr ihren Namen. Zugegeben: Das Prozedere ist etwas gar umständlich und die Website nicht ganz ausgereift. Aber sein Plan funktionierte. Die Londoner haben auf diese Weise bereits eine erstaunlich detaillierte Strassenkarte aufgezeichnet.

Nun ist also auch in Bern der erste Pflasterstein gelegt, sinniert der Berner Zeitungsblogger. Dann döst er ein. Und er träumt von seinen vielen, vielen bunten Punkten, die nun zu Strassen verbunden werden können – von irgendwem.

43 gute Vorsätze

Webflaneur am Mittwoch, den 28. Dezember 2005

43 Ziele

All die guten Vorsätze sind vergessen gegangen. Der Berner Zeitungsblogger zieht ernüchtert Bilanz: Im Studium ist er kaum einen Strich weiter gekommen. Der Kontrabass dient weiterhin vorab der Dekoration. Das Wechselduschen hat er auf einen kurzen, kalten Schauer nach langer Aufwärmphase reduziert. Vorsätze bringen nichts, wenn du sie um 5 vor 12 ausheckst und nach dem Anstossen gleich wieder vergisst, liest er sich selbst die Leviten. Er beschliesst: Dieses Mal schreibt er nieder, was er wie erreichen will. Wo, weiss er schon: auf 43things.com. Dort stückeln sich Nutzer ihre Ziele zusammen und feuern sich gegenseitig an. Der Berner Zeitungsblogger schmökert in den Sachen, die Andere in Zukunft vielleicht machen: 5271 wollen abnehmen, 4252 ein Buch schreiben, 3885 möchten sich verlieben. 3572 wollen glücklich werden, 3141 mehr Wasser trinken, 3059 mehr Fotos machen. 2950 wollen heiraten, 2841 ein Tattoo, 2785 ohne festen Plan auf einen Roadtrip.

Klar: Es ist nicht jedermanns Sache, hehre Vorsätze in alle Welt hinaus zu posaunen. Aufschreiben sollte man sie aber, rät Ralf Senftleben von Zeit zu Leben – und bietet ein ausgefeiltes Formular zum Herunterladen an. Professor Knoblauch hingegen hat auf Neujahrsvorsätze.de ein Formular online gestellt – und verspricht, Nutzer regelmässig per E-Mail an ihre Vorsätze zu erinnern. Spassiger ist Pläne schmieden aber mit 43things.com, findet der Berner Zeitungsblogger. Links gemeinsam mit Del.icio.us zu sammeln sei ja auch interessanter als alleine, genauso fotografieren mit Flickr.com, Musik hören mit Last.fm, ausgehen mit Upcoming.org.

2727 wollen die Nordlichter sehen, 2626 die Welt bereisen, 1520 einen Marathon laufen. 1318 wollen mit Passion leben, 1206 nicht mehr Nägel kauen, 1496 ein Geschäft eröffnen. Doch fertig jetzt, nimmt sich der Berner Zeitungsblogger bei der Nase. Dann haut er in die Tasten. Er wolle das Studium abschliessen, schreibt er. Er wolle sein Französisch und Englisch aufpolieren, Kontrabass spielen lernen. Viel weiter kommt er nicht, dann schweift er wieder ab. 933 wollen tanzen lernen, 738 ein Baby, 397 sich flach legen lassen. 25 wollen unter einem Wasserfall duschen, 122 mit den Delfinen schwimmen und 189 den Stamm einer Tomate mit der Zunge ausreissen. Die Allermeisten – 5417 Leute – haben sich vorgenommen, mit dem ewigen Zaudern aufzuhören. Auch der Berner Zeitungsblogger klickt nun auch auf «Stop procrastinating». Er hört auf zu zaudern, abzuwägen, Listen zu machen – und macht.

Oh, du fröhliche

Webflaneur am Mittwoch, den 14. Dezember 2005

Gut gekleidet ins Geschäft

Läden lassen Lichtlein leuchten, Glitter glänzen, Weihnachtsmänner winken. Und die Kinderlein kommen und bringen Mami und Papi und Gotti und Götti mit deren Plastikkarten mit. Und auch die anderen kommen und kaufen und hasten und bugsieren. Ausser dem Zeitungsblogger: Dieser stösst sich am Gedrängel in den Konsumtempeln. Eine geschlagene halbe Stunde lang ist er neulich ums Shoppyland gekurvt. Dann hat er aufgegeben. Nein, in dieses Getümmel stürzt er sich nicht mehr. Er brüht sich stattdessen ein Glas Glühwein, setzt sich vor seinen Rechner und kauft von zu Hause aus ein.

Eine CD für die kleine Schwester? Der Zeitungsblogger sucht in einem der vielen Musikshops eine passende aus. Ein Buch für die Mutter und eines für den Vater? Der Zeitungsblogger klickt sich durch Klappentexte und Kritiken in OnlineBuchhandlungen und stöbert in Antiquariaten – per Suchmaschine in vielen gleichzeitig. Ein Lexikon für die Schwester? Der Zeitungsblogger schaut sich die Wikipedia-DVD genauer an. Die Verwandten hingegen beglückte er mit Selbstgemachtem: eigenen Fotos in Büchern oder Kalendern, wie sie von vielen Labors angeboten werden. Wie wärs mit einem Gutschein vom Filmverleiher DVD One für den Kollegen Kinogänger? Freute sich der Mitsänger an einem iTunes.ch-Gutschein und sein Mitstudent über freien Eintritt per Museumspass? Würde der Single mit einer Lizenz zum Flirten warm? Wie wäre es mit Präsenten ab Geschenkabo.ch: Für den Bruder, der nur noch schick gekleidet ins Geschäft kommt, bestellte er ein Socken- oder Krawattenabo. Nähme ihm der Kumpel, dessen Freundin sich jüngst zu später Stunde abschätzig über das Unter-der-Gürtellinie geäussert hat, ein Unterhosenabo wohl übel?

Schliesslich bestellt der Berner Zeitungsblogger noch, was er im Festmahl verkochen und in seinen Christstollen verbacken will: Sowohl Migros als auch Coop liefern den Einkauf nach Hause. Das ist ihm die paar Extra-Franken wert. Zufrieden lehnt sich der Zeitungsblogger nun zurück. Der Glühwein ist ausgetrunken, der Weihnachtseinkauf erledigt. Doch da fällt ihm noch etwas ein: Er schaut bei Lindt vorbei und bestellt ein Paket mit Pralinées – für den Pösteler.

Auf Schatzsuche

Webflaneur am Mittwoch, den 30. November 2005

Geocaches

Irgendwo hier muss er sein. Wo aber genau ist der Schatz: dort drüben beim knorrigen Baum, bei der Strassenlampe oder in den Büschen? Der Berner Zeitungsblogger irrt mit Navigationsgerät und Taschenlampe in den klammen Händen durchs Schneetreiben. Er spielt Geocaching, eine moderne Schnitzeljagd. Er hat dem Gerät Koordinaten eines Verstecks gefüttert, das er via Swissgeocache.ch auf Geocaching.com entdeckt hat. Und nun soll ihn der Navigator zum «Schatz» führen – einem Kistchen oder Tupperware mit Kleinmaterial darin. Dann darf er etwas heraus nehmen, sofern er Anderes hinein legt.

Hätte er sich nur früher auf den Weg gemacht, sinniert der Zeitungsblogger, als er vom knorrigen Baum zur Lampe schreitet, schliesslich gar zu den Büschen hinauf kraxelt und – zack – auf dem Hosenboden wieder hinunter schlittert. Aber eben: Zuerst meckerte das Gerät über die Koordinaten, die er eingetippt hatte. Dann ist er beim Lesen stecken geblieben, hat gestaunt, was die Leute mit ihren GPS-Geräten so alles anstellen: Manche verstecken also Tupperwares, die andere dann suchen. Über 1500 solcher «Schätze» gebe es in der Schweiz, steht auf Geocache.ch. Andere wandern, schwimmen, klettern dort hin, wo sich Längen- und Breitengrade kreuzen, und machen Fotos für Confluence.org. Andere spulen laut Gpsdrawing.com Routen ab, die, übertragen auf den PC, zu «selbst erfahrenen Bildern» werden. Weitere wandern, trekken und biken anhand der Wegmarken, wie sie Gps-tour.info sammelt. Brandneu ist Travelblog.ch, wo Reiseberichte direkt mit dem aktuellen Standort des Globetrotters ergänzt werden. Stationäre Blogger tragen ihre Koordinaten bei Geourl.org ein, damit sie auf einer Weblog-Karte zu finden sind. Der Zeitungsblogger hat das auch gemacht. Und so ist es spät geworden.

Das Schneegestöber wird dichter. Der Berner Zeitungsblogger gibt auf. Es ist zu dunkel für die Schatzsuche, brummelt er vor sich hin, und zu kalt. Und überhaupt: Wie ist er nur auf die abwegige Idee gekommen, zu dieser Jahreszeit Schätze zu jagen? Aber eben: Er muss das GPS-Testgerät bald zurück schicken. Doch zuvor will er den Schatz noch heben, beschliesst er daheim in der warmen Stube. Das GPS-Fieber hat ihn gepackt. Und für später wünscht er sich nun ein Navigationsgerät unter dem Weihnachtsbaum.

Musik, Links, Partys

Webflaneur am Mittwoch, den 16. November 2005

Upcoming.org

Zugegeben: Besonders trendy ist diese Sammlung nicht. Etwas hilflos steht der Zeitungsblogger vor seinem CD-Regal. Die David-Hasselhoff-Kassette – «I’m crazy for you» – hat er zwar längst in die Gerümpelkiste verbannt, wo die drei Eugsters und die Kuschelrocker ruhen, wie auch die Schlagerparaden aus den Jugendtagen. Einige angestaubte Jazzer, Mundartrocker, Liedermacher und Klassiker – nein, besonders Innovative stehen nicht im Regal. Das reiche nicht einmal für ein «Back to the roots»-Fest, brummelt der Zeitungsblogger. Er will Neues entdecken, eröffnet ein Konto bei Last.fm, lädt dort ein Progrämmchen herunter. Wann immer er nun am PC Musik hört, teilt ihm Last.fm mit, worauf sonst noch steht, wer das gleiche hört. Groovy, findet der Zeitungsblogger – und stockt seine Sammlung auf.

Auch seine Links stellt der Zeitungsblogger nun online: Entdeckt er eine spannende Website, trägt er sie bei Del.icio.us ein. Sofort sieht er, wer das betreffende Örtchen gerne frequentiert. Ab und zu findet er über diese Person weitere gute Links. Freigeister haben sich die Freiheit genommen, diese Idee auf De.lirio.us zu kopieren. Andere haben Ähnliches gebaut: Isländer mit Spurl, US-Unternehmen mit Blinklist, Rawsugar und Furl. Der Zeitungsblogger bleibt vorerst lieber beim Buchzeichenklassiker. Ausser für Wissenschaftliches: Sollte er sich tatsächlich endlich seiner akademischen Arbeiten annehmen, benutzte er Citeulike. Stolperte er dann im Netz über einen Text, nähme er ihn per Klick in seine virtuelle Bibliothek auf – und ersparte sich so das mühsame Tippen einer Bibliographie.

Manchmal stellt der Zeitungsblogger gar seine Pläne für den Ausgang online: Entdeckt er eine spannende Veranstaltung, trägt er sie bei Upcoming ein – und wartet, ob sich seine Online-Gspänli ihm anschliessen. Das tut er demnächst auch mit seiner Party – jener, an der seine neue Musik laufen wird.

Das begehrte Stativ

Webflaneur am Mittwoch, den 2. November 2005

Flickr.com

Kollege Schreiber hat noch nicht einmal die Bürotür hinter sich geschlossen – schon nimmt ihn der Zeitungsblogger in Beschlag. Ob er das alte Stativ noch habe, fragt er. Er kaufe es ihm ab: Stativ gegen Bares, am besten schon morgen. Er brauche unbedingt so ein Stativ, denn er wolle nun auch solch ein Foto schiessen. «Ganz ruhig», sagt Kollege Schreiber, hängt erstmals seine Jacke an den Hacken, startet die Kaffeemaschine. «Was für Fotos willst du machen?»

Also, legt der Zeitungsblogger los, am Wochenende sei er am Flickr-Treffen gewesen. Schreiber hebt die linke Braue. Nein, wiegelt der Blogger ab, Flickr – so heisse die Website, wo er Fotos ausstelle. Klar, das könne er auch bei Heypix, Ourpictures, Hello und Slide, aber mit weniger Community-Features. Schreiber sieht ihn fragend an. Bei Flickr könne er Fotos anderer Fotografen angucken, beschriften, diskutieren. Und er könne Andere in seinen Freundeskreis aufnehmen. Kurz und gut: Flickr sei eine Fotokommune. Er flickre nun seit Wochen und sei ganz begeistert davon. Gestern habe er die Fotos ab der Plattform nun auch in sein Weblog eingebaut.

Schreiber hört ruhig zu. Der Zeitungsblogger, sonst eher ein Stiller, plaudert munter weiter: Ob er ihm eigentlich schon einmal vom Blogger-Bräteln im Sommer erzählt habe?, fragt er. Er habe sich damals auf Blog.ch eingeschrieben und vermerkt, er werde auf dem Drahtesel hinreiten. Dann habe ihn Habi gefragt, ob sie zusammen pedalen wollten. Ja, habe er geantwortet und sich auf ein ruhiges Fährtchen mit einigen sportfeindlichen Computerbuben gefreut. Doch als er eingetrudelt sei, hätten dort gewartet: Urs, der Fahrradblogger; Habi, der bloggende Velokurier; Hannes, der ehemalige Kurier. Diese hätten ihn bald abgehängt.

Doch das nur nebenbei, sagt der Zeitungsblogger, der Sommer sei ja vorbei und eigentlich habe er vom Flickr-Treffen erzählen wollen, wo auch einige Blogger dabei waren. Am Samstag hätten sich die Fotografen also zum Essen und Bummeln getroffen – und natürlich zum Fotografieren. Schau diese Pix, sagt er und zerrt den Kollegen Schreiber vor seinen Computer. Eine Nachtaufnahme des Zytglogge wie jene von Mark, eine solche wolle er auch schiessen. Deshalb kaufe er ihm das Stativ ab – morgen und gegen Bares. Kollege Schreiber wendet den Blick nicht vom Bildschirm ab, als er sagt: «Das Stativ? Sorry, das brauche ich nun selber…»