Der Programmierer plant eine Party

Webflaneur am Mittwoch, den 18. April 2007

Screenshot Amiando 

«Vergiss es», sagt der Programmierer bestimmt. «Eine Party zu organisieren, ist kein Fest.» Selbst wenn für Speis und Trank gesorgt sei, fehle ihm die Zeit dazu: Zuerst provoziere man eine unendlich lange Terminschlacht. Dann schlage man sich mit Zu- und Absagen herum. Schliesslich vertrödle man eine halbe Ewigkeit damit, den Ortsunkundigen den Weg zu weisen.

«Dafür gibts praktische Helferchen», unterbricht ihn der Webflaneur. Statt Briefe und E-Mails mit Terminvorschlägen zu verschicken und die Antworten mühsam von Hand abzugleichen, könne er eine Liste der möglichen Daten ins Netz stellen. Etwa mit Doodle: Die Geladenen können dann einfach ankreuzen, welcher Termin passt. Mehr Möglichkeiten habe er mit Amiando, wo auch gleich Partyfotos veröffentlicht werden können. Sollen Arbeitskollegen eingeladen werden, könne er die Terminumfrage mit dem Agendaprogramm im Büro machen. Ringe er sich dazu durch, ab und zu ein Fest steigen zu lassen, könne er ein Skript auf seinem Webserver installieren, etwa Termin Genius. «Und wenn du etwas googlest, findest du sicher noch mehr Angebote.»

«Und wie erklärt man Ortsunkundigen, wo die Party steigt?», fragt der Programmierer. Lange Beschreibungen könne er sich ersparen, sagt der Webflaneur, und stattdessen einen Link zur Karte schicken. «Auf der Karte ist die Brätlistelle aber kaum eingezeichnet», frohlockt der Programmierer. «Dann zeichnest du selbst», kontert der Webflaneur. Bei Map.search.ch könne man seit einigen Wochen malen. Und wer registriert ist, könne nun auch bei Maps.google.com zeichnen, schreiben und Fotos einfügen.

Nun gibt der Programmierer klein bei. «Ich überlege es mir nochmals», sagt er. Der Webflaneur grinst. Er hofft fest auf ein Fest.

Ihr Backup

Webflaneur am Mittwoch, den 4. April 2007

Screenshot  

Plötzlich kriegt sie kalte Füsse. Was wäre, sagt sie, wenn der Rucksack geklaut würde – und damit das Notebook? Der Portier passe schon darauf auf, beschwichtigt der Webflaneur. Und für den Fall der Fälle sei sie versichert. Der Rechner sei das eine, die Daten darauf das andere, kontert sie. Sie mache sicher regelmässig Sicherungskopien, sagt er. Wie denn, fragt sie.

Sie könnte die Daten auf CD oder DVD brennen, sagt er. Dabei müsse sie aber wissen, was kopiert werden muss. Bei den E-Mails und Kontaktinfos werde dies bereits knifflig. Deshalb rate er zu einem Backup-Programm. Bei Windows XP sei eines dabei, in ihrer Home-Version aber versteckt auf der CD. Alternativ könne sie eines kostenlos laden: Dir Sync etwa, Backup Slave, Traybackup, Version Backup oder Z-D Backup. Manche Hersteller bündelten Sicherungssoftware zudem mit Festplatten, die das Backup dann automatisch erledigen. Stets müsse die Festplatte, CD oder DVD aber an einem sicheren Ort deponiert werden, damit die Scheibe nicht in Flammen aufgeht, wenn das Feuer wütet, und damit die Festplatte nicht auch weg kommt, wenn ein Dieb beherzt zugreift.

Im Zeitalter der fetten Internetleitungen würden deshalb oft Backups übers Netz gemacht. Für Firmen gebe es längst solche Services – allerdings zu stolzen Preisen. Nun aber komme Bewegung in den Markt: Mit Elephantdrive und Jungledisk etwa könnten sich nun auch Private eine Sicherungskopie auf dem Zentralrechner leisten, doziert der Webflaneur.

Danke, danke, unterbricht sie seinen Redeschwall. Sie setze auf den Elefant. Doch als sie – mitsamt Rucksack wieder zu Hause – beim Backup-Dienst ihre Kreditkartennummer eintippen soll, bricht sie ab und holt CDs. Denn sie kriegt kalte Füsse.

 

Das Backup-Programm von Windows XP Home ist auf der CD oder DVD im Verzeichnis “VALUEADDMSFTNTBACKUP” zu finden. Ein Doppelklick auf die Datei “NTBACKUP.MSI” startet das Programm.

Auf Gadget-Jagd

Webflaneur am Mittwoch, den 21. März 2007

Der Webflaneur flaniert von Halle zu Halle. Er schaut sich an der Technikmesse Cebit an, was er dieses Jahr kaufen könnte. Wie wäre es etwa mit einem schnuckeligen Notebook? Das U1F von Asus ist drei Zentimeter dünn und zwei Pfund leicht. Hätte er dieses Gerätchen, bräuchte er keinen Westentaschencomputer mehr. Wobei: Sonys Vaio UX und Samsungs Q1 Ultra sind auch noch schick…

Zum neuen Rechner könnte er sich gleich noch einen TV-Empfänger kaufen. Von daumengrossen USB-Sticks bis zu Settop-Boxen gibt es hier alles. Oder soll er sich endlich einen richtigen Fernseher leisten? Staunend steht der Webflaneur vor Sharps LCD-Schirm mit der 270-Zentimeter-Diagonalen. Scharf, urteilt er, für sein Stübchen aber gar gross. Egal, denn das Gerät gibts nicht im Handel.

Der Webflaneur beschränkt sich aufs Kleine: Der Musikplayer Wallet-MP3 ist klein und flach wie eine Kreditkarte. Trotzdem sei er «very stable», betont der Verkäufer. Erstaunlich flach ist auch das Handy U100 von Samsung. Nach nunmehr vier Jahren wäre es an der Zeit für ein neues, sinniert der Webflaneur. Eine Digitalkamera bräuchte er auch noch. Wie wäre es mit jener von Tekom mit GPS, damit er immer weiss, wo er die Fotos geknipst hat?

Planlos schlendert der Webflaneur durch die Halle mit den Navigationsgeräten. Bei Merians Scout bleibt er stehen: Ein Navigator mit eingebautem Reiseführer wäre praktisch, findet er. Bei GPS-Auge lässt er sich erklären, wie Disponenten Taxi- und Lastwagenfahrer effizient zu den Kunden lotsen. Bei Magellan entdeckt er die Crossover-Geräte, die sich für die Autofahrt, den Segeltörn und die Wanderung eignen.

Am liebsten würde der Webflaneur gleich alles kaufen. Erst zu Hause kommt er zur Räson. Er leistet sich dieses Jahr ein neues Notebook. Mehr braucht er nicht. Nun gut, vielleicht eine Anlage, um MP3-Surround abzuspielen. Oder wie wäre es endlich mit einer Digitalkamera?

Das Fitnessprogramm

Webflaneur am Mittwoch, den 7. März 2007

 Screenshot GPSies.com

Nun ist genug gebastelt. Der Blog aus der letzten Kolumne läuft. Der gute alte iMac aus der vorletzten wird diese Woche verschenkt. Und der kostenlose Internet-Zugang aus der vorvorvorletzten funktioniert. Nichts geändert hat sich in Sachen Augenringe: Sie hängen weiterhin tief. Und seit mit der Wanderung beim vorvorletzen Mal kurzfristig etwas Bewegung in die Kolumne gekommen ist, sind viele Tage ins Land gezogen.

Der Webflaneur braucht Auslauf. Herz und Muskeln sollen wieder einmal richtig pumpen. Da es mit dem Skifahren dieses Jahr nicht recht geklappt hat, verrennt er sich in neue Vorsätze: Nun will er joggen und wandern, klettern und stemmen, radeln und schwimmen. Und zur Kontrolle will er genau darüber Buch führen.

Aber wie? Zuerst hat er mit «Fusion» von Adidas und Polar geliebäugelt oder mit «Nike+», einem Schrittzähler für den iPod nano. Doch die Trainingsuhr mit Pulsmesser-Shirt war ihm zu teuer, er hat keinen iPod nano und in Sachen Schuhen steht er derzeit auf Asics’ Basics. Gratis wäre hingegen das Programm Jogger. Soll er es installieren? Oder soll er sich auf einer Sport-Website einschreiben? Bei Jogmap und Laufrausch könnte er sich auf Landkarten Parcours zusammenklicken, Statistiken erstellen, ein Lauftagebuch führen. Vorschläge für Wanderungen könnte er bei Gpswandern und Gps-tour holen – und die Routen fürs GPS-Gerät als Wegweiser für unterwegs. Doch eine eigene Plattform für jede Sportart findet selbst der Webflaneur ermüdend. Als er auf seiner Netzpedition Mehrkämpfer entdeckt, atmet er auf: Bei Gpsies und Ttsm könnte er die GPS-Daten der Ausflüge ablegen oder den Weg per Maus einzeichnen und sähe dann, wie weit er gewandert und gesegelt oder wie hoch er geklettert ist. Auch mit Hilfe des Peertrainer könnte er Buch führen – und sich von Sportskollegen anfeuern lassen.

Mit dem iPod, mit einer Software oder via eine Website? Der Webflaneur fragt einen bekannten Läufer, wie er denn seine Trainings auswerte. Er notiere sich die Einheiten ganz einfach in der Tabellenkalkulation, sagt der Profi. Und der Webflaneur fragt Kollege Renner. Doch dieser hebt nur die Augenbraue und pariert mit einer geraden Rechten: «Schalte einfach mal die Kiste aus», sagt er, «und lauf».

Wie sie zu ihrem Blog kam

Webflaneur am Mittwoch, den 21. Februar 2007

«Zu lange Blogs gelesen?», fragt die Lehrerin und zeichnet keck seine Tränensäcke nach. Es tue ihr Leid, fährt sie grinsend fort, «bald wirst du auch noch mein Lernatelier-Tagebuch studieren müssen». Der Webflaneur gähnt. «Keine Kommentare», weist sie ihn zurecht. Dann flötet sie: «Könntest du mir – bitte, bitte – beim Essen zeigen, wie ich zu einem Blog komme?»

Entweder eröffne man einen Blog bei einem der vielen Anbieter, erklärt der Webflaneur während der Vorspeise – etwa bei Blog.ch, Freeflux oder Kaywa, bei Livejournal, Twoday oder Blogger. Oder man reserviere ein Plätzchen auf einem Zentralrechner, installiere darauf die nötige Software. «Genau das will ich», sagt sie. Ein Blog mit einer «richtigen» Internetadresse wirke seriöser. «Ein bisschen etwas zum Netz muss man schon wissen», warnt er. «Deshalb habe ich heute Mittag zum Essen ins Internet-Restaurant geladen», kontert sie, entnimmt der Tasche ein Notebook und einige Blätter. Das Plätzchen auf dem Webserver habe sie bereits reserviert – «fünf Franken pro Monat, nicht schlecht, oder?» – und zusätzlich eine Internetadresse. «Du kannst also loslegen.» In diesem Moment kommt der Kellner. «Vor der Arbeit das Vergnügen», sagt der Webflaneur und isst.

Nach dem Mahl holt der Webflaneur, was er braucht: einen FTP-Client, um Dateien auf den Zentralrechner zu laden – unter Windows nimmt er jeweils Filezilla, auf Macs Cyberduck, auf Linux-PC Gftp – und eine Weblog-Software. Auch hier hat er die Qual der Wahl: Soll er es dieses Mal mit Serendipity probieren, mit Lifetype, Textpattern, Nucleus oder Drupal? Er entscheidet sich wiederum für WordPress, da das Programm einfach zu bedienen ist und anhand einer Anleitung in wenigen Schritten installiert wird: Herunterladen und auspacken, Datenbankname und -passwort eintragen, auf den Zentralrechner kopieren, mit einigen Klicks fertig installieren. Noch bevor sich der Kellner nach Kaffeewünschen erkundigen kann, läuft der Lernblog.

So einfach hat sich der Webflaneur das Essen dann doch nicht verdient: Die Lehrerin wollte Layout-Änderungen. Es gab schliesslich ein frühes Zvieri und trotz Kaffee noch dunklere Augenringe.

Wer will den guten alten iMac?

Webflaneur am Mittwoch, den 7. Februar 2007

Zu verschenken: iMac mit Xubuntu

Wo Jahre lang der bunte iMac gestanden hat, macht sich nun der Flachbildschirm eines PCs breit. Demnächst soll der ausgediente iMac, der abgeschoben auf einer Pultecke wartet, ganz verschwinden. Er wird fehlen. Sie vermisse die Fanfare beim Anschalten, sagt eine Kollegin dem Webflaneur, und das Betriebssystem, das beim Starten so freundlich lächle. Selbst der Webflaneur wird etwas sentimental: Auch ihm ist der iMac mit dem bunten, abgerundeten Plastikgehäuse in den sechs Jahren ans Herz gewachsen. Nun soll er wirklich ausgemustert werden – der erste grosse Wurf von Apples heutigem Chefdesigner Jonathan Ive, mit dem Steve Jobs damals das serbelnde Unternehmen gerettet hat?

Als der Webflaneur liest, er dürfe den alten Rechner mitnehmen, zögert er keine Sekunde – trotz der Warnung, wonach «der Einsatzbereich der alten Geräte limitiert» ist, da es für das Mac Operation System 9 keine aktuelle Software mehr gibt. Nein, so schnell schreibt der Webflaneur seinen guten, alten Rechner nicht ab. Er weiss bereits, was er damit anstellen will: Er will ihn polieren und neu aufsetzen, bis der Alte wieder glänzt und flott läuft.

Der Webflaneur löscht das alte Betriebssystem, denn dafür gibt es tatsächlich keine neuen Programme und vor allem keinen aktuellen Webbrowser mehr. Dann installiert er ein neues: Die Linux-Zusammenstellung Xubuntu braucht ähnlich wenig Ressourcen wie das Mac OS 9, ist ähnlich einfach zu installieren und zu bedienen, kommt aber mit aktueller Software daher: zum Surfen Firefox, zum E-Mailen Thunderbird, zum Schreiben Abiword, zum Rechnen Gnumeric, zur Bildbearbeitung Gimp – oder anderem nach Bedarf.

So kommt der alte Rechner zu einem zweiten Leben – zum Schreiben, E-Mailen und Surfen auf dem Schreibtisch eines Computerneulings. Auf wessen? Das weiss der Webflaneur noch nicht. Aber er verspricht: Wer ihm die beste Geschichte auftischt, dem stellt er ihn gratis und franko aufs Pult, seinen guten alten iMac.

Fotos auf der Karte

Webflaneur am Mittwoch, den 24. Januar 2007

Der Webflaneur wandert. In der Hand hält er eine Digitalkamera, in der Tasche trägt er sein Navigationsgerät. Als sich die anderen Wandervögel abends müde am Stubentisch niederlassen, klappt er sein Notebook auf. Er will die Fotos auf der Kamera mit den Aufzeichnungen des Navigators zusammenführen: In jedem Bild soll stehen, wo genau es gemacht worden ist.

Viele Wege führen zu diesem Ziel. Der einfachste: Man platziert Bild für Bild auf einer Karte, mit Picasa, Panorado Flyer auf den Karten des Online-Atlas’ Google Earth, mit Flickr auf Yahoo Maps, mit Panoramio oder Platial. Der am besten ausgebaute Weg: Man installiert spezialisierte Software, auf Macs etwa Gps Photo Linker oder iPhoto To Google Earth, unter Windows iTag, Jet Photo, Wwmx oder für einige Franken die komfortablen Programme Robogeo und Fodysseus.

Doch wie beim Wandern sind die einfachen und gut ausgebauten Wege selten die spannendsten. Der Webflaneur entscheidet sich für den steinigeren Weg: In einer ersten Etappe kopiert er die Aufzeichnungen des Navigators aufs Notebook und übersetzt sie mit GPS-Babel ins GPX-Format, einem Standard für Navigationsdateien. In der zweiten Etappe installiert er erstmals das Exif Tool – ein Hilfsprogramm, das Metadaten von Bildern verändern kann – und Gps Photo: Dieses Skript liest in der Bilddatei, wann das Foto geschossen worden ist, schaut dann in der Navigationsdatei nach, wo der Empfänger zu dieser Zeit war, und schreibt schliesslich via das Exif Tool die Koordinaten in die Bilddatei. Ein anderer Befehl auf der Kommandozeile exportiert die Fotos stapelweise ins Format von Google Earth.

Die Wandervögel schrecken auf, als der Webflaneur mitsamt Notebook eine Ehrenrunde um den Tisch hüpft. Es habe geklappt, frohlockt er und deutet auf einen kryptischen Befehl. Mit diesem Kommando habe er sämtlichen Fotos die Koordinaten zugewiesen. Die Wandervögel schütteln ihre Köpfe. Der komische Kauz mit dem Navigationsgerät möge sich endlich mit einem Glas zu ihnen gesellen, sagen sie. Und sie fragen, was die Übung mit den Koordinaten denn bringe. Der Webflaneur schweigt. Die Wandervögel sehen es am nächsten Morgen: In der E-Mail liegt ein Link zur Karte mit der Wanderroute und – exakt platziert – den Fotos.

P.s.: Wie der Befehl lautet? Ganz einfach: perl gpsPhoto.pl –dir /verzeichnis-mit-den-fotos-drin/ –gpsfile /hier-liegt/und-so-heisst-die-GPX-Datei.gpx

Das Wohnzimmer-Funknetz

Webflaneur am Mittwoch, den 10. Januar 2007

Screenshot Openwireless.ch

Wolle sie surfen, setze sie sich direkt ans Fenster, erzählt sie. Dort erwische ihr Notebook meist eine Funkwelle. Schon sei sie via ein ungeschütztes Wireless Lan eines Nachbarn im Internet – kostenlos und schneller als über ihren Telefonanschluss. Dafür unbequem, mit wenig Bandbreite und unsicher, kontert der Webflaneur. Es müsste in dieser Gegend bequemer gehen, sagt er, klappt das Notebook auf, schlendert durch ihre Loge. Am Küchenfenster findet er, wonach er sucht: ein Netz von Openwireless.

Was das sei, fragt sie. Ein nicht kommerzielles Stadtnetz, erklärt er: Die Betreiber stellen einfach ihr Zugangsgerät auf den Fenstersims, so dass andere mitsurfen können. Befindet sich ein gleiches Gerät in Funknähe, schliessen sich die beiden zusammen. So versuche Openwireless allmählich ein Stadtnetz zu knüpfen. Vorbild dafür sei Freifunk aus Berlin, doziert der Webflaneur weiter: Als die Telekom in einigen Quartieren keinen DSL-Zugang anbieten konnte, weil sie nach der Wende Glasfasern statt Kupferkabel verlegt hatte, hat sich eine Bürgerbewegung eigene, drahtlose Netze gebaut. Solche entstünden nun auch in der Schweiz, sagt der Webflaneur. Nein, das sei mehr als eine Spinnerei. In Sankt Gallen etwa baue Openwireless zusammen mit Leuten aus dem Informatikamt, aus den Stadtwerken und der Technischen Hochschule Rapperswil sowie mit HSG-Studenten ein Netz auf. Und das sei lange nicht das einzige grössere Projekt von Openwireless. Derweil versuche die spanische Firma Fon Ähnliches: Sie verkaufe vorkonfigurierte Geräte zum Spottpreis. Externe, die via einen solchen «Wohnzimmer-Hotspot» surfen wollen, bezahlten einen Beitrag.

Was es sie koste, bei diesem Openwireless mitzumachen, fragt sie nun. Rund 100 Franken für den Router, sagt der Webflaneur. Ob das wirklich so einfach sei, fragt sie. Fast, sagt er, man brauche dazu einfach ein bestimmtes Gerät: den Linksys WRT54GL – jawohl: unbedingt jenen mit dem L am Schluss. Auf diesen Wireless-Lan-Router werde ein von Freifunk angepasstes Betriebssystem geladen. Das erledige er gerne für sie, sagt er, oder er bitte am Monatstreff ein Openwireless-Mitglied um Hilfe. Gebongt, sagt sie. Und begeistert: Oh ja, nächste Woche surfe sie auf dem Sofa.

Der Stammbaum

Webflaneur am Mittwoch, den 27. Dezember 2006

Screenshot Gramps-Project.org

Ob er vor dem Festmahl mal die Personalien aufnehmen dürfe, fragt der Webflaneur beim Apéro. Oder besser: Ob er vor dem Mahl mal seine Daten eingeben könne, präzisiert er. Schon legt er seinem Cousin das Notebook in den Schoss. Dieser schaut ihn fragend an. Er wolle nun etwas den Stammbaum hegen, erklärt der Webflaneur, und dafür sorgen, dass dieser auch im digitalen Zeitalter Blüten treibe. Da die Datensammlerei aber aufwändig sei, möge er sich doch gleich selbst eintragen, bittet der Webflaneur seinen Cousin – als erster Trieb im Stammbaum-Ast.

Der Webflaneur hat für seinen Ahnenforschungsexkurs das freie Programm Gramps installiert. Er hätte auch eines der vielen anderen nehmen können, die Genealogen im Genealogy-Wiki aufgelistet haben – etwa Genea für Windows-Rechner oder Genealogy-J, das dank Java auf fast jedem System läuft. Er hätte Personal Ancestral File installieren können, das Programm der Ahnenforschungsspezialisten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Er hätte lange in Foren, Verzeichnissen und Listen zur Genealogie wühlen, Software herunterladen und ausprobieren können.

Doch er hat sich fürs erstbeste Programm entschieden. Wichtig war ihm bloss das Dateiformat: Damit die Ahnen in Zukunft nicht vergessen gehen, muss es eines sein, das allfällige Grosskinder, Grossneffen und -nichten mit ihren Programmen auch werden lesen können. Am ehesten werden sie mit Gedcom-Dateien klar kommen – dem Standardformat der Ahnenforscher. Der Webflaneur züchtet den Stammbaum vorerst mal mit «Gramps». Sollte er auf Hilfe angewiesen sein, könnte er die Zweige in Genea-Net oder Gene-Web übernehmen, damit Verwandte und fremde Forscher den Stammbaum per Internet mitpflegen können. Oder er könnte ihn mit PhpGedView auf die eigene Website verpflanzen.

Nun aber fährt der Webflaneur mit Verwandten in die Alpen. Morgen schon werden sich Mutter und Tante hinter den Rechner setzen müssen. Und dann wird der digitale Stammbaum rasch seine Blüten treiben.

Die verschollene Stimme

Webflaneur am Mittwoch, den 13. Dezember 2006

Screenshot Imslp.org

Mit Pauken und Trompeten hat Mozart sein Abendgebet geschrieben. An der Hauptprobe der «Vesperae Solennes de Dominica» spielen aber nur die Trompeten. Dem Webflaneur, engagiert fürs Pauken, sind die Hände gebunden: Die Timpani-Stimme fehlt. So steckt er seine Schläger schliesslich ein und fährt heim, ohne gross auf die Pauke gehauen zu haben.

Anderntags durchstöbert der Dirigent sein Archiv nach dem fehlenden Auszug. Und auch der Webflaneur beginnt zu wirbeln. Mozart müsste im Netz doch zu finden sein, sinniert er, denn Mozart darf kopiert werden: 70 Jahre nach dem Tod eines Komponisten werden dessen Werke gemeinfrei; das Recht der Erben auf Abgaben erlischt. Der Webflaneur startet den Rechner und sucht seine Stimme. Beim International Music Score Library Project findet er viel von Mozart, aber nicht das Gesuchte. In der Free Choral Sheet Music Public Domain Library findet er die Vesper, aber bloss den Chorauszug. Mit Fac-simile durchsucht er mehrere Archive – ohne Erfolg. Auch beim Projekt Projekt Gutenberg, wo nebst Literatur Musik gesammelt wird, wird er nicht fündig. Er sucht bei Mutopia, steigt ins Kantorei- und ins Sheetmusicarchiv und stöbert auf den Classical-sheet-music-Seiten.

Seine Stimme für die «Vesperae Solennes de Dominica» hat er nirgends gefunden, auch nicht bei den paar Notenverkäufern im Netz. Der Dirigent hat sie schliesslich aus der Partitur zusammengeschnipselt. Nach dem Konzert kam dann die Meldung: Das Mozarteum Salzburg veröffentlicht Mozarts Gesamtwerk. Ein Reinfall war die Suche trotzdem nicht: Der Webflaneur hat bei zwei Werken zugeschlagen. Und diese wird er – liebe Verwandte, da müsst ihr durch – mit der Mutter und den Geschwistern unter der Tanne fideln.