Beiträge mit dem Schlagwort ‘Windows’

Der neue Computer

Webflaneur am Dienstag den 15. Januar 2013

Sie hat neulich ein Notebook gekauft. Zu Beginn freute sie sich übers neue schnuckelige Gerät sowie den attraktiven Preis. Aber nicht lange. Denn plötzlich wurde der Bildschirm schwarz. Zwar strahlte er sie nach einem Neustart wieder an, als wäre nichts gewesen. Aber nur kurz: bis zum nächsten Blackout. Enerviert stürmte sie daraufhin das Verkaufsgeschäft. Und konsterniert kam sie wieder heraus. Natürlich stottere die Maschine, hatte ihr der Verkäufer beschieden – bei all den Programmen, die sie darauf installiert habe. Er tadelte sie: Nächstes Mal lasse sie diese besser vom Fachmann installieren, wie ihr das beim Kauf geraten worden sei. Und er bot an, das Problem zu beheben – für 340 Franken.

So erzählt es die Kollegin dem Webflaneur. Sie klagt: Sie werde das Gerät wohl doch flicken lassen müssen. Ob er einen Blick darauf werfen dürfe, fragt der Webflaneur. «Klar», sagt sie, holt das Notebook und startet es.

Nun staunt auch der Webflaneur über die vielen Programme. Aber nicht über die paar wenigen, die seine Kollegin installiert hat. Sondern über all jene, die bereits vorinstalliert waren: Da breitet zum einen Microsoft das eigene Sortiment aus. So liegt etwa eine wenig nützliche Testversion von Office bereit, die einen nach kurzer Zeit bereits zur Kasse lotst. Weitaus mühsamer findet der Webflaneur die übrigen Zugaben: die auf dem Desktop abgelegten Games etwa, den daneben platzierten Direktlink zum Versandhändler oder die Toolbar im Browser. «Ein hoher Haufen Schrott», kommentiert er, während er ein Programm nach dem anderen vom PC kickt. «Crapware» nenne man solche Zugaben: Die Firmen bezahlten den Händler dafür, dass dieser ihre Produkte prominent platziert.

Eine halbe Stunde dauert es, bis der Webflaneur die Zugaben weggeputzt hat. Als besonders resistent erweist sich dabei das Antivirenprogramm. Dieses lässt sich nur mit einem Programm deinstallieren, das von der Website der Sicherheitsfirma heruntergeladen werden muss. Doch der Aufwand lohnt sich. Denn offenbar war der Virenscanner verantwortlich für die Blackouts. Jetzt läuft ein anderer. Einer, der nicht vorinstalliert war. Ein kostenloser.

Zwei in einem

Webflaneur am Dienstag den 1. Mai 2012

Er möchte zwei Betriebssysteme miteinander vergleichen, sagt ein experimentierfreudiger Kollege. «Kein Problem», antwortet der Webflaneur: Entweder installiere er die beiden Systeme gleichwertig nebeneinander. Oder aber: Er installiere eines in einer virtuellen Maschine im anderen drin. Der Kollege runzelt die Stirn. «Was ist der Unterschied?» In der praktischen Arbeit gebe es einen grossen, sagt der Webflaneur: Bei der Parallelinstallation müsse er den Rechner jeweils neu starten, wenn er das andere System benötige. Anders bei der Virtualisierung: Dabei arbeite er mit dem normalen System – und starte bei Bedarf kurzerhand in einem Fenster das zweite. «Stark», sagt der Kollege. «Aber ist das nicht zu kompliziert?» – «Nicht mehr», antwortet der Webflaneur. Trotzdem warnt er, dass man bei solchen Übungen erheblichen Schaden anrichten könne, wenn man nicht wisse, was man tue. Und so ist der Kollege sehr dankbar, als der Webflaneur ihm Hilfe anbietet.

Etwas später sitzen die beiden am Computer. Am Anfang müsse eine Einstellung vorgenommen werden, doziert der Webflaneur: Im Bios sei einzutragen, dass Virtualiserungen O.K. seien. Er startet den PC. Als auf dem Bildschirm der Bios-Hinweis eingeblendet wird, drückt er flugs die genannte Taste und passt die Einstellung an. «Stark», findet der Kollege. Dann startet der Webflaneur den PC normal. Zuerst legt er das Nötige bereit: die Software Virtual Box und das zweite Betriebssystem. Dann installiert und startet er die Virtualisierungssoftware. Schliesslich klickt er an, welches System installiert werden soll. Und er kontrolliert, ob die Software alles richtig eingestellt hat. Sie hat. Kurz darauf rattert im Fenster die Installationsroutine des neuen Betriebssystem durch.

«Stark», sagt der Kollege, als das System wirklich startet. Wenig später nervt er sich trotzdem darüber, nicht parallel installiert zu haben. Denn um zwei Systeme gleichzeitig auf Trab zu halten, ist sein PC offensichtlich etwas zu schwach.

Schnellstart

Webflaneur am Dienstag den 29. Juni 2010

Sie sei nicht allein. So versucht der Webflaneur sie zu trösten. Bereits viele Leute hätten ihm geklagt, dass ihre Computer lange brauchen, bis sie auf Touren kommen, erzählt er. Er habe jeweils geraten, nicht zu viele Miniprogramme automatisch starten zu lassen. Sie hätten ihn daraufhin gefragt, welche sie entfernen dürften und wie man das mache. Das müsste man im Einzelfall prüfen, habe er geantwortet. Viele hätten sich dann wohl oder übel mit der langen Startdauer arrangiert – und schalteten bis heute nach dem Knopfdruck eine Kaffeepause ein.

«Henusode», sagt sie, während sie den Knopf ihres Notebooks drückt. «Ich mache mir mal eine Tasse Kaffee.» – «Warte», sagt nun der Webflaneur. Er habe etwas ganz Neues entdeckt. Wenn sie ihm eine Tasse Kaffee bringe, helfe er ihrem Windows auf die Sprünge. Sie willigt ein.

Der Webflaneur lädt den Startbeschleuniger von Soluto herunter. Die Installation dauert volle zwei Kaffeetassen lang. Dann verlangt das Programm nach einem Neustart. «Nicht schon wieder Kaffee», ruft sie aus. Nach dem Start präsentiert das Programm eine Zeitstatistik. Und es trumpft mit Lösungsvorschlägen auf. Werde auf den Java-Schnellstarter verzichtet, gewinne man 19 Sekunden. Dieser sei nicht nötig, Probleme nach dem Entfernen seien keine bekannt. Ein Klick, und weg ist er! Der Schnellstarter für iTunes muss ebenso dran glauben wie der Google-Helper (je eine Sekunde) und zahlreiche weitere Miniprogramme. Und das rechnet sich wirklich: Als der Webflaneur den Computer nach den ersten Änderungen neu startet, braucht dieser bereits einen Drittel weniger lange. Mit gespielt tiefem Bedauern sagt sie nun: «Sorry, das reicht in Zukunft wohl nicht mehr für den Kaffee.»