Beiträge mit dem Schlagwort ‘Weihnachten’

Oh du Fröhliche

Webflaneur am Mittwoch den 15. Dezember 2010

«Alle Jahre wieder packt der Flaneur die Flöte aus, bläst unterm Baum ein Liedchen, zu der Verwandten Graus.» Das trällert der Webflaneur – lustig, lustig tralalala – vor sich hin, während dem er im Estrich eine Kiste nach der alten Blockflöte durchwühlt. Als er sie doch noch findet, ist seine Heiterkeit indes verflogen. Ein weiteres Jahr habe er nie darauf gespielt, sinniert er. Und er fragt sich, ob er in der heiligen Zeit nicht Barmherzigkeit walten lassen und auf die Tortur verzichten sollte. Wobei: Das Weihnachtsspiel hat Tradition. Und wenn er verzichtet, darf er auch keine Wunderkerze abfackeln. Es sei denn, er bietet etwas anderes. Doch was? Soll er ein Gedicht rezitieren? Bei seinem Löchersieb, fürwahr, übt er daran ein ganzes Jahr. Soll er etwas vorlesen? «Es begab sich aber zu der Zeit», setzt er mit sonorer Stimme an.

Doch da hat er eine Erleuchtung: Viel intensiver als mit jedem Instrument habe er dieses Jahr mit dem Computer gespielt, sagt er sich. Und gesungen habe er ja auch. Könnte er nicht seinen Rechner zur Loop-Maschine aufrüsten, dann Spur für Spur zum weihnächtlichen Soundgebilde zusammenbauen? Harmonischer als sein Gedudel sei dies allemal. Er legt die Flöte beiseite und eilt ins Büro.

Viel Geld wolle er für die einmalige Performance nicht in die Hand nehmen, beschliesst er. Deshalb macht er einen Bogen um die ausgereiften Programme, welche die Musiker am Laufen haben, sucht einfache Alternativen und wird fündig: Möbius läuft unter Windows und auf Macs, Sooper Looper ist ein Programm für Mac und Linux-PC.

Der Webflaneur stülpt sich das Headset über und legt los: Er erfindet eine Bassspur, legt die Begleitstimme darüber und singt schliesslich die Melodie ein. Doch bald stellt er fest: Einfach ist es nicht. Die Stimmen laufen nicht synchron! Fleissig übt der Webflaneur weiter. Ob er es bis Weihnacht schafft, weiss er noch nicht. Lasst euch überraschen, liebe Verwandte.

Schenken 2.0

Webflaneur am Dienstag den 8. Dezember 2009

Es begab sich jeweils zur Adventszeit, dass an der Schule über alle Klassen- und Promotionsgrenzen hinweg gewichtelt wurde. Der Webflaneur erinnert sich gut an einige fantasievolle, auf Treppenstufen drapierte Präsente. Das Treppenhaus, wo alle durchmussten, war der ideale Umschlagplatz für Geschenke. Und Treppensteigen war nie spannender als in den paar Wochen vor Weihnachten: Wer bekommt diese handgezogene Kerze? Wer trägt heute die Büchse mit den Güezi mit sich herum? Und steckt hinter dem Päckli mit der liebevoll verzierten Karte nicht vielleicht doch mehr als bloss das Geschenk eines Wichtels? Tritt für Tritt galt es zu lesen, für wen das Präsent bestimmt war. Tritt für Tritt rätselte man, wer der Wichtel sein könnte. Und Tritt für Tritt verglich man insgeheim die fremden mit den eigenen Präsenten.

Daran erinnert sich der Webflaneur, als er auf der Mikroblogplattform Twitter über die jüngste Aktion stolpert: Die Nutzerinnen und Nutzer sind am Wichteln – beziehungsweise am Twichteln, wie sie es nennen. Sie haben sich auf Twichteln.ch angemeldet und jemanden zugewiesen erhalten, den oder die sie zu beschenken haben. Natürlich nicht mit Materiellem wie Kerzen, Güezi und Schokolade. Das Twichtel-Motto heisst: Freude machen in 140 Zeichen. Oder: Schenken 2.0. Entsprechend werden vorab Weblinks verschickt: zu einem lustigen Video etwa, einem leckeren Rezept, einem spannenden Artikel, einem schönen Foto. 250 Leute haben bei der ersten Runde mitgemacht. Heute beginnt die zweite. Und wer nächste Woche twichteln will, kann sich bis Sonntag einschreiben.

Der Webflaneur füttert die Twittersuche mit #twichtelnCH. Er schaut, was andere geschenkt erhalten haben und wer vom Twichtel enttäuscht worden ist. Und das ist fast so spannend wie früher der Gang durchs Treppenhaus seiner Schule.