Beiträge mit dem Schlagwort ‘Verteiltes Rechnen’

Die Spende

Webflaneur am Dienstag den 30. November 2010

«Ich sage euch an den lieben Advent», trällert der Webflaneur. Er drapiert Engelshaar um den Bildschirm des
Notebooks, pappt Sternchenkleber auf die Tasten und schaltet den Bildschirmschoner mit der flackernden Kerze ein. Jetzt fehle bloss noch die obligate Spende, sagt er sich. Und er beschliesst: In diesem Jahr spende er – nebst Geld – auch Rechenleistung.

Das bekannteste Projekt, bei dem man Rechenleistung spenden kann, ist Seti@Home. Die Universität Berkley sucht dabei im kosmischen Rauschen nach Zeichen von Ausserirdischen – statt mit einem teuren Supercomputer mit ganz normalen PC. Die Idee sei bestechend, findet der Webflaneur: Jeder Teilnehmer spendet Leistung des eigenen Computers. Hat dieser gerade nichts anderes zu erledigen, rechnet er fürs Set-Projekt, wird also Teil des verteilten Supercomputers.

Doch irgendwie passe die Suche nach Ausserirdischen nicht wirklich in sein Weihnachtsbild, sagt sich der Webflaneur. Zudem laufen die Server aus technischen Gründen gerade nicht. Er macht sich auf die Suche nach Alternativen. Bald wird er fündig: Wie wäre es etwa mit Einstein@home? In diesem Projekt werden Gravitationswellen gesucht, die von extrem dichten Sternen ausgehen. Oder soll er POEM@HOME des Karlsruher Instituts für Technologie unterstützen, das Proteinstrukturen zu optimieren versucht? Auch Rosetta@home widmet sich den Proteinen: Im Projekt wird versucht, aus einer Aminosäuresequenz Proteinstrukturen vorherzusagen. Dies könnte die Wissenschaft offenbar im Kampf gegen Aids, Krebs, Malaria und Alzheimer voranbringen.

Der Webflaneur ist hin- und hergerissen: Welches Projekt soll er unterstützen? Da stösst er auf World Community Grid. Mit dieser Software kann er in einem Fenster gleich mehrere Projekte verwalten. Er installiert das Programm. Und dann dreht er den Bildschirmschoner mit der Kerze wieder ab. Denn die freie Rechenzeit im Advent will er ganz dem Kampf gegen Krebs spenden.