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Die Webbrowserwahl

Webflaneur am Dienstag den 2. März 2010

Der Webflaneur hört sie bereits klagen: «Was soll dieses Fenster?», werden einige Bekannte, die mit Computern wenig am Hut haben, in den kommenden Wochen wissen wollen. Sie werden ein Fenster beschreiben, das plötzlich aufpoppt und das eine Liste mit Webbrowsern beinhaltet. Der eine oder die andere wird wohl sogar die Befürchtung äussern, Opfer eines Computervirus geworden zu sein.

Der Webflaneur wird die Fragenden beruhigen. Und er wird erklären: Microsoft habe mit Windows lange ein Fast-Monopol bei Betriebssystemen gehabt. Als der Konzern mit dem System auch gleich noch den eigenen Webbrowser – den Internet Explorer – installiert habe, sei dies den Konkurrenten sauer aufgestossen: Der Softwaregigant nutze sein Monopol aus, wetterten sie. Microsoft hingegen verteidigte den Internet Explorer als integralen Bestandteil des Systems. So wogte der Streit hin und her. Schliesslich sprachen die Wettbewerbshüter der Europäischen Union ein Machtwort. Microsoft zauberte daraufhin eine andere Lösung aus dem Hut: Der Internet Explorer bleibt vorinstalliert, die Anwender können aber auf einfache Weise auswählen, welchen Browser sie nutzen möchten. Und das werde nun gemacht, wird der Webflaneur sagen: Wer Windows XP, Vista oder ein Windows 7 installiert habe, erhalte nach einem Update eine Liste mit 12 zufällig angeordneten Browsern angezeigt – vom Internet Explorer über die Konkurrenten Firefox, Opera, Safari und Chrome bis zu unbekannter Surfsoftware wie Flock, Flash Peak und dem Green Browser. Ein Klick auf das Symbol, schon werde der Webbrowser der Wahl automatisch installiert.

So wird es der Webflaneur den verunsicherten Bekannten erklären. Oder er wird ihnen diesen Text schicken.

Aufgebretzelter Browser

Webflaneur am Freitag den 13. November 2009

Sie legt den Laptop auf ihren Schoss. Dann klickt sie auf das Symbol mit dem runden, blauen e. Der Webflaneur, der neben ihr auf dem Sofa sitzt, ist gespannt: Wie sieht er aus, der Frauen-Webbrowser, den die Zeitschrift «Annabelle» mit Microsoft entwickelt hat? Wurde der Browser in ein hübsches Kleidchen gesteckt, um ihn optisch zur «Internet-Explorerin» aufzubretzeln? Hat diese abgerundete Fensterecken und sanft fliessende Menüs? Hat Microsoft alles nicht Nötige – auf das vorab funktionsbesessene Männer bestehen – aus den Leisten und Menüs gekippt? Konnte in empirischen Studien gar gezeigt werden, dass Frauen anders surfen als Männer – also einer Benutzerinnenoberfläche bedürfen?

«Und jetzt?», holt sie den Webflaneur jäh aus den Tagträumen zurück. «Was ist anders?» Auf den ersten Blick unterscheidet sich die «Internet-Explorerin» kaum vom normalen Browser. Erst auf den zweiten Blick entdecken die beiden drei dynamische Lesezeichen – in männlicher Terminologie Webslices genannt: Sie verlinken zu einer «Annabelle»-Kolumne, zum Horoskop und «Schnäppchen der Woche». In den Lesezeichen finden sich weitere Links, gruppiert in Bereiche wie News, Shopping, Kochen und Männersachen. Darunter sind nebst Links zu Shoppingseiten auch Verweise auf «Annabelle»- und Microsoft.

Sie schüttelt den Kopf. Damit würden Frauen für blöd verkauft, sagt sie. Und der Webflaneur sinniert, dass sich die automatische, mit zwei Neustarts aber aufwändige Installation nicht gelohnt habe. Ausser für «Annabelle» und Microsoft: Die Medien berichten über den Frauen-Webbrowser. Und dank des Browser-Gags hat die eine oder andere Frau endlich den alten Internet-Explorer – der Graus der Webentwickler – durch den aktuellen ersetzt.