Beiträge mit dem Schlagwort ‘Suchmaschine’

Auf der Suche

Webflaneur am Dienstag den 5. Juli 2011

Es müsse nicht immer Google sein, sagt der Webflaneur. «Es gibt aber kaum Alternativen», behauptet der Kollege. «Doch», kontert der Webflaneur. Der wichtigste Mitbewerber sei Microsoft mit der Suchmaschine Bing. Das Angebot von Yahoo wiederum sei in den USA beliebt. Einige wenige Prozent der Suchabfragen lieferten Ask und Teoma aus. Mit anderen wie Baido und Sogou, die in Asien beliebt seien, könne er wegen seiner sprachlichen Inkompetenz leider nichts anfangen. Um Wissensfragen zu klären, benutze er aber ab und zu Wolframalpha.

Er könne noch lange Suchmaschinen aufzählen, fällt ihm der Kollege ins Wort. «Das ändert nichts daran: Google ist extrem dominant.» Das finde er auch, sagt der Webflaneur. Und gerade deshalb probiere er von Zeit zu Zeit etwas anderes aus. Diese Woche setze er auf Einheimisches: auf Horizobu, die Suchmaschine eines Schweizer Start-ups. Er klaubt sein Notebook hervor, klappt es auf und surft bei der besagten Suchmaschine vorbei. «Schlichtes Design», lobt der Kollege, der dem Webflaneur über die Schulter guckt, während dieser einen Suchbegriff eingibt. Horizobu präsentiert vorerst sechs Resultate – und darüber eine Reihe Begriffe, mit denen weiter gefiltert werden kann.

Horizobu setze stark auf das Ordnungsprinzip Mensch, erklärt der Webflaneur: Als wichtige Quelle analysiere sie die von Menschen strukturierten Wikipedia-Artikel. Daraus leite der Algorithmus ab, welche weiteren Stichworte relevant seien. «Doch das ist nicht alles», sagt der Webflaneur. Er packt einen der hilfreichen Links in den Resultaten, zieht ihn nach rechts und legt ihn in der Auswahl ab. Einen unpassenden hingegen klickt er weg. «So stelle ich eine Liste mit guten Seiten zusammen – und die Suchmaschine lernt dazu.»

Der Kollege und der Webflaneur spielen noch eine ganze Weile mit Horizobu. Doch als es nächstes Mal wieder ernst gilt, werfen sie beide doch wieder Googles Maschine an – aus lauter Gewohnheit.

Das Cookie

Webflaneur am Dienstag den 24. Mai 2011

Vielleicht suche er nicht dasselbe wie sie, sagt der Webflaneur. Sie schaut ihn fragend an. «Vielleicht fahre ich auf anderes ab», versucht er zu erklären. Deshalb mache es wenig Sinn, dass Suchmaschinen wie Google oder Bing auf sämtliche Anfragen mit derselben Trefferliste antworteten. Da sie ihn immer noch schief anguckt, versucht er es anhand eines Beispiels. Er nimmt einen der selbst gebackenen Kekse aus der Schale, die sie aufgetischt hat. «Was erwartest du, wenn du der Suchmaschine den Begriff ‹Cookie› fütterst?», fragt er. «Dass diese ein gutes Rezept ausspuckt», antwortet sie. «Ich nicht», sagt der Webflaneur. Er erwarte Angaben zu Cookies, wie sie im Web zur Erkennung von Seitenbesuchern gesetzt würden.

Die Suchmaschinenbetreiber rüsteten derzeit auf, sagt er: Google etwa führe den Dienst Social Search in weiteren Sprachen ein. Dieser wertet die Empfehlungen von Freunden auf sozialen Netzwerken wie Twitter aus – und alles andere, was sich aus öffentlich zugänglichen Quellen, den bei Google gespeicherten Kontakten oder den abonnierten Inhalten im Reader herauslesen lasse. Auch Googles grosser Konkurrent arbeite an Ähnlichem: Microsoft habe gerade – vorerst im englischsprachigen Angebot – die Suchmaschine Bing mit Facebook verknüpft.

Bald schon dürften Inhalte, die Freunde und Bekannte veröffentlicht haben, weiter oben in der Trefferliste erscheinen als solche von Unbekannten, doziert er weiter. «Suchen wir nach ‹Bärenpark›, kommen wir an den Fotos des befreundeten Hobbyfotografen nicht mehr vorbei.» Zudem werde unter den Treffern eingeblendet, wenn Freunde einen Link empföhlen.

«Doch was passiert», unterbricht sie den Redefluss des Webflaneurs, «wenn ich als deine Facebook-Freundin nach ‹Cookie› suche?» Dann kriege sie wohl auch eine gehörige Portion technischer Dokumentationen ab, antwortet der Webflaneur. Und er beisst herzhaft in ein Cookie, ein süsses.

Auf der Suche

Webflaneur am Dienstag den 16. November 2010

Nun heisst es warten, sagt sich der Webflaneur. Er lehnt sich zurück und nimmt einen Schluck Kaffee. Da trabt eine Kollegin an. Ob er eine Minute Zeit habe, fragt sie. Und ohne seine Antwort abzuwarten, schiesst sie gleich los: Sie sei auf der Suche nach einem Dokument, sagt sie. Irgendwo auf ihrem Computer müsse es noch liegen. Allerdings habe sie keine Ahnung wo. Den Dokumentname habe sie leider längst vergessen. Sie könne sich bloss noch an einige Stichworte aus dem Text erinnern. «Aber das hilft wohl wenig», sagt sie.
«Doch, das kann reichen», sagt der Webflaneur. Was sie brauche, sei eine sogenannte Desktop-Suchmaschine. Damit könne sie den Datenberg auf der Festplatte ihres Computers in kürzester Zeit durchsuchen. Diese Programme fänden auch einzelne Begriffe innerhalb von Dokumenten – in einer Textdatei etwa, in einer E-Mail oder sogar in den Metainformationen von Fotos. Einige der Programme merkten sogar, wenn ein Begriff geringfügig anders geschrieben worden sei.

Damit der Webflaneur nicht allzu lange über technische Spitzfindigkeiten schwärmt, unterbricht sie ihn jetzt: «Wo kriege ich solch eine Desktop-Suche her?», fragt die Kollegin. Sie brauche kein Geld in die Finger zu nehmen, sagt der Webflaneur. Bei vielen aktuellen Betriebssystemen sei eine solche Suchfunktion bereits eingebaut. Und die eingebaute Suche müsse nicht schlecht sein: Jene von Windows 7 etwa schneide in Tests gut ab. Und natürlich liessen sich auch Suchprogramme nachinstallieren. Sie solle doch einfach mal nach «Desktop-Suche» suchen.

«Dann mache ich mich sofort auf die Suche», sagt die Kollegin. «Entschuldige, dass ich dich versäumt habe.» – «Warte», sagt der Webflaneur. Bevor die Datenberge durchkämmt werden können, müsse ihr Rechner einen Dateikatalog erstellen. Und dies könne dauern. Der Webflaneur deutet auf den eigenen PC. «Meiner indexiert noch ein Stündchen. Ich suche uns dann mal einen Kaffee.»

Bing, Wolfram und Co.

Webflaneur am Donnerstag den 18. Juni 2009

Wie wird das Wetter in den nächsten Tagen? Der Webflaneur, noch immer in Paris, setzt sich an den Computer. Schon will er aus lauter Gewohnheit Googles Suchmaschine anwerfen. Doch halt, sagt er sich. Mit Wolfram Alpha und Bing gebe es wieder ernst zu nehmende Konkurrenten. Und diese wolle er nun mal kurz ausprobieren.

Der Webflaneur schaut zuerst bei Bing.com vorbei, der nigelnagelneuen Suchmaschine von Microsoft. Sie begrüsst ihn mit einer malerischen Landschaftsfoto – Microsoft will sich damit offensichtlich vom Konkurrenten Google absetzen. Mal schauen, ob der Konzern dank der teuren Maschine Google wieder das Wasser reichen kann, denkt sich der Webflaneur. Er tippt «weather forecast Paris» ein. Die Maschine spuckt eine grafisch aufbereitete Prognose aus, und darunter eine Liste weiterer Treffer. Bing erkennt erstaunlich gut, welche Wortbedeutung gemeint ist, merkt der Webflaneur beim Pröbeln. Die Maschine kann mehr als nur Gefundenes auflisten. Tippt der Webflaneur eine Flugnummer ein, kriegt er die Abflugs- und Ankunftszeiten geliefert. Stellt er eine Rechenaufgabe, präsentiert ihm die Suchmaschine die Lösung.

Apropos: Wie schlägt sich Wolframalpha.com, die Suchmaschine des «Mathematica»-Erfinders? Der Webflaneur tippt auch dort «weather forecast Paris» ein. Die Maschine zeigt ihm eigens aufbereitete Statistiken und Grafiken – inklusive der Temperaturwerte dieses Datums in den letzten 40 Jahren. Der Webflaneur ist begeistert. Was aber passiert, wenn er sein Geburtsdatum eingibt? Wolfram errechnet flugs, dass es sich um den 333.Tag des betreffenden Jahres gehandelt hat und dass seither 12245 Tage vergangen sind. Der Webflaneur löchert Wolfram mit weiteren Fragen. Schliesslich weiss er, dass am Geburtstag Wolken über Bern gehangen haben und die Durchschnittstemperatur bei 9 Grad lag. Solange der Webflaneur nach Fakten fragt, versteht ihn Wolfram gut. Sind die Fragen abstrakter, muss er klein beigeben.

Es müsse nicht immer Google sein, sagt sich der Webflaneur und nimmt beide neuen Suchmaschinen in die Lesezeichen seines Browsers auf. Dann schaut er doch noch beim Suchgiganten vorbei – und findet den Prototyp von Squared.google.com. Das Besondere an der neuen Suche sind die Antworten: Google stellt dabei Fakten ab diversen Websites übersichtlich in einer Tabelle zusammen.

Plötzlich schreckt der Webflaneur auf. Mit der Sucherei ist schon der halbe Tag vorbei. Er müsste dringend noch anderes erledigen. Denn bis zum Sonnenuntergang – in Paris um 21.53 Uhr – dauerts nur noch 4 Stunden 13 Minuten. Das sagt Wolfram.