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Bitte keine CD

Webflaneur am Dienstag den 6. Dezember 2011

Der Webflaneur erahnt es schon vor dem Auspacken: Er kriegt eine CD. Betont langsam löst er das bunte Band. Dabei überlegt er hastig: Soll er seinem Unmut freien Lauf lassen? Er werde die CD gerne ins Museum stellen, könnte er sagen. Sollte er fragende Blicke ernten, würde er deutlicher: CDs seien von gestern. Musik digitalisieren, sei umständlich. CDs seien Staubfänger, Symbole für ein überholtes Geschäftsmodell. Früher, so würde er dozieren,
glaubte man Musik besitzen zu müssen. Wobei: Besessen habe man sie auch damals nicht. Man durfte sie bloss abspielen. Und auch dies bloss der Familie und den engsten Freunden.

Der Webflaneur würde sich in Rage reden, bis sein Bruder die Stirn in solch tiefe Falten legte, dass diese selbst im schummrigen Licht der letzten Kerzen klar hervorträten. Dann fragte er, wie man denn heute Musik höre. Online bei Diensten wie Simfy.ch und Spotify.ch, antwortete der Webflaneur. Bei diesen habe man Zugriff auf gigantische Sammlungen. Man könne sich anhören, worauf man Lust habe. Bei Simfy spiele die Musik fünf Stunden pro Monat kostenlos – wenn man zwischen den Songs Werbung in Kauf nehme. Abonniere man die Premium-Version für 7.50 Franken pro Monat, verstumme die Werbung. Und mit «Premium Plus» für 14.50 Franken kriege man die Musik auch aufs Smartphone. Ähnlich bei Spotify: Dort koste das kleine Abo 6.45, das grosse 12.95 Franken. Deshalb brauche er wirklich keine CDs mehr, würde er ausrufen. Dann herrschte betretenes Schweigen. Nur die Schenkerin schluchzte leise.

So weit soll es nicht kommen. Deshalb mimt der Webflaneur Überraschung und Freude, als er die CD ausgepackt hat. Auch in der digitalen Musikwelt, sagt er, gebe es nichts Besseres als eine handfeste CD mit schönem Booklet – und einem angemessenen Batzen für den Künstler.