Beiträge mit dem Schlagwort ‘Spracherkennung’

Das Löchersieb

Webflaneur am Dienstag den 26. März 2013

Das werde er sich merken, sagt der Webflaneur. Sie kichert. «Mit diesem Löchersieb?», fragt sie und tippt ihm an die Stirn. Der Webflaneur ignoriert ihre Provokation. Stattdessen sagt er: «Ich notiere es mir einfach.» Und während er am Smartphone herumfingert, schiebt er nach: «Hier drin bewahre ich auf, was nicht vergessen gehen soll.» – «Evernote?», fragt sie? «Fast», antwortet er. Derzeit probiere er ein neues Angebot aus: Keep von Google, erhältlich seit letzter Woche in einer Android– und einer Webbrowserversion. Der Dienst sei einfacher gehalten als der Klassiker Evernote oder Onenote von Microsoft, funktioniere aber ähnlich: Man notiert, was man nicht vergessen soll. Auch Fotos lassen sich anhängen. «Und wie bei Evernote kann man auch Kurztexte diktieren», sagt er.

Das glaube sie ihm erst, wenn sies mit eigenen Augen gesehen habe, sagt sie. Und so probieren es die beiden aus: «Google Keep besitzt eine Diktierfunktion», diktiert der Webflaneur. «Mal schauen, ob sie funktioniert.» Sekunden später liefert die App das Transkript: «Google Cheat besitzt eine Diktierfunktion mal schauen ob sie funktioniert.» «Nicht schlecht», sagt der Webflaneur. «Mit dem eigenen Namen und der Interpunktion harzt es noch», moniert die Begleiterin. Nun wiederholen die beiden das Prozedere mit Evernote. Heraus kommt: «Auch immer Nord eine Diktierfunktion schauen ob sie funktioniert.»

Die automatische Transkription bei Google sei jedenfalls besser, als er es erwartet habe, zieht der Webflaneur ein Fazit. Wirklich brauchbar sei sie nicht, kritisiert seine Begleiterin. «Nun ist aber fertig gespielt», sagt sie. «Eigentlich wolltest du doch bloss einen Merkzettel erstellen.» – «Genau», sagt der Webflaneur und nimmt das Smartphone zur Hand. «Weisst du noch, was ich notieren wollte?»

Fenster schliessen!

Webflaneur am Dienstag den 18. August 2009

Es geht gegen Mitternacht. «Fenster schliessen», bittet der Webflaneur. Nichts passiert. Er sagts nochmals, dieses Mal mit mehr Nachdruck. Doch der Computer tut, als hätte er nichts gehört. Der Webflaneur probierts weiter. Schliesslich rutscht ihm sogar ein mit Ausfälligkeiten ergänztes «FENSTER SCHLIESSEN!» über die Lippen. Doch das Fenster bleibt, wo es war: offen auf dem Desktop.

Schon will der Webflaneur frustriert die Maus nehmen, um das Fenster von Hand zuzuknallen. Doch halt, sagt er sich, so schnell gebe er nicht auf. Im Internet findet er eine Erklärung, warum die Spracherkennung schlecht funktioniert: Da jeder Mensch anders spreche, brauche es flexible Erkennungsmodelle. Um solche zu generieren, seien Daten von vielen Sprecherinnen und Sprechern nötig. Diese aber kosteten ein Vermögen – es sei denn, man produziere sie selbst. Und dies könne man bei Voxforge.org tun.

Der Webflaneur probierts aus. Er wählt «Deutsch», klickt auf «männlich», «erwachsen» und bei der Aussprachevarietät auf «Schweiz». Nun werden Sätze eingeblendet, die er vorlesen soll. «Wann erlischt das Schuldverhältnis im engeren Sinne?», liest er. Und: «Aus dem Schuldverhältnis im weiteren Sinne können auch Kündigungsrechte abgeleitet werden.»

Da plötzlich steht sie in der Türe. «Was faselst du da?», fragt sie. Er bringe dem Computer Wörter bei, damit dieser in Zukunft auf Sprachbefehl etwa Fenster schliessen könne, antwortet er. Und mit den Schultern zuckend, fügt er an: «Der Rechner und ich verstehen uns schlecht.» Sie schaut auf die Uhr. «Fenster schliessen», sagt sie mahnend zum Webflaneur. Und der Computer tuts.