Beiträge mit dem Schlagwort ‘Sicherheit’

Streng geheimes Passwort

Webflaneur am Dienstag den 13. August 2013

Nein, das würde er natürlich nicht tun, sagt der Webflaneur: «Ich drücke keinem Fremden einfach so den Hausschlüssel in die Hand.» Der Kollege antwortet: «In der virtuellen Welt tust dus aber.» Der Webflaneur kapiert nichts. «Wem habe ich den Hausschlüssel gegeben?», fragt er. Der Kollege sieht sich um. Dann raunt er ihm zu: «Google – und dem US-Geheimdienst.»

Erst nach weiteren Erklärungen begreift der Webflaneur, worauf er hinauswill: Wer ein Android- Smartphone hat, kann Backups der Geräteeinstellungen in der Datenwolke ablegen lassen. Das ist praktisch, lässt sich doch auf diese Weise das Smartphone etwa nach einem Update wieder in den aktuellen Zustand versetzen. Beim Backup werden standardmässig die Passwörter zu allen benutzten Wireless-Lan-Netzwerken gesichert. Diese werden vorgängig nicht verschlüsselt, wie ein US-Bürgerrechtler kürzlich moniert hat. «Heikel, ganz heikel», sagt der Kollege. Google vergleiche das WLAN-Passwort in einer Anleitung sogar selbst als «Schlüssel zur eigenen Wohnung», den man nicht jedermann geben solle. Der Geheimdienst könnte das Passwort anfordern, fährt der Kollege fort, um dann mitzulesen, was in seinem Netzwerk übermittelt wird.

«Du und deine Verschwörungsphantasien», stichelt der Webflaneur. Und er versucht den Kollegen zu beruhigen: Wer nichts zu verstecken habe, brauche auch nichts zu befürchten, sagt er etwa. Kein Agent werde nach Bern fliegen und sich vor seiner Wohnung auf eine Parkbank setzen, um belanglose E-Mails mitzulesen. Und eine systematische Überwachung sei auf diesem Weg nicht möglich. Der Kollege lässt sich nicht beruhigen. Kopfschüttelnd macht sich der Webflaneur schliesslich auf den Heimweg. Unterwegs deaktiviert er – nur so zur Sicherheit – die Backupfunktion. Und zu Hause setzt er flugs ein neues WLAN-Passwort.

Gut gegen Böse

Webflaneur am Dienstag den 21. Juni 2011

Irgendetwas stimmt mit diesem Computer nicht: Er rattert und rattert – und kommt doch keinen Schritt weiter. Nach einigen Klicks und langer Warterei stellt der Webflaneur fest: Auf dem Computer des Kollegen wütet ein Virus. Das Antivirenprogramm lässt sich in nützlicher Frist nicht starten. Mit dem normalen Windows und den installierten Programmen ist dem Virus nicht mehr beizukommen. Deshalb zieht der Webflaneur dem Rechner erst mal den Stecker. Nun braucht er eine Rettungs-CD mit Antivirenprogramm. Der Trick: Anstelle des verseuchten Betriebssystems will er ein sauberes ab CD starten. So könnte er den Schädling von aussen effizient bekämpfen. Viele Hersteller liefern solche CDs beim Kauf eines Antivirenpakets mit. Doch auf dem Stapel neben dem Computer des Kollegen liegt keine.

Deshalb sucht der Webflaneur eine entsprechende Software im Internet – und findet gleich mehrere: Soll er den kostenlosen System Sweeper herunterladen, die neue Rettungssoftware von Microsoft? Sie basiert auf einem abgespeckten Windows und nutzt Microsofts eigenes Antivirenprogramm. Oder setzt er besser aufs kostenlose AntiVir Rescue System von Avira, auf die F-Secure Rescue– oder die BitDefender Rescue CD? Eine Alternative dazu ist Desinfec’t: Diese CD wird von den Machern des Computermagazins «c’t» herausgegeben und beinhaltet mehrere Analyse- und Antivirenprogramme. Allerdings kann das Paket, das als CD der Ausgabe 8 des Magazins beiliegt, aus Lizenzgründen nicht einfach heruntergeladen werden.

Der Webflaneur entscheidet sich für eine Software, lädt sie herunter und brennt sie auf eine CD. Dann steckt er den verseuchten Computer wieder ein, startet ihn ein erstes Mal, um die CD einzulegen, und dann ein zweites Mal ab CD. Schliesslich kann der Webflaneur das Virus entfernen. Das Gute siegt also doch noch. Und der Webflaneur freut sich teuflisch.

Ferienarbeit

Webflaneur am Dienstag den 27. Oktober 2009

Der Webflaneur ist in den Ferien. Doch plötzlich ruft die Arbeit. Technisch gesehen ist dies kein Problem, denn der Webflaneur hat vorgesorgt: Er hat die nötigen Daten auf einem Speicherplatz im Internet abgelegt. Er kann also von überall, wo es einen Internetanschluss gibt, darauf zugreifen. Genau das hat er nun vor.

Er tippt seinen Nutzernamen ein und ins nächste Feld das Passwort. Doch der Speicherdienst meckert. Wahrscheinlich habe er sich vertippt, murmelt der Webflaneur und probiert es nochmals. Oder hat er das falsche Passwort genommen? Eines nach dem anderen probiert er aus. Ohne Erfolg: Was immer er tippt, der Speicherdienst lässt ihn nicht an seine Daten heran. Zurücksetzen kann er das Passwort nicht, da der Dienst dies aus Sicherheitsgründen nicht zulässt. Schliesslich bleibt dem Webflaneur keine andere Wahl, als ohne die Grundlagendaten in die Tasten zu greifen. Es geht auch so. Eines nimmt sich der Webflaneur aber vor: Vor den nächsten Ferien wird er die Passwörter in einen digitalen Tresor legen. Natürlich wird er darauf achten, dass die Daten gut verschlüsselt übertragen und gespeichert werden. Und er wird nachlesen, ob der Tresorbesitzer vertrauenswürdig ist. Einige Adressen hat er schon zur Hand: Bei Passpack könnte er die Codes einzeln eintippen. Mit Xmarks könnte er jene, die er in seinem Webbrowser abgespeichert hat, einfach mit dem Netbook synchronisieren, das er in die nächsten Ferien mitzunehmen gedenkt. Oder er könnte ein spezielles Tresorprogramm installieren, etwa jenes von Keepass.

Der Webflaneur schüttelt ob seines Passwortlapsus den Kopf. Doch dann sagt er sich, das müsse so sein: Ferien sind erst richtig Ferien, wenn man das eine oder andere Passwort vergisst.