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Laptop auf dem Speicherstick

Webflaneur am Mittwoch den 6. Mai 2009

Was er von diesem 100-Dollar-Laptop halte, will die Lehrerin wissen. Er finde das Projekt, bei dem Laptops an Schulkinder in Schwellenländern abgegeben werden, sehr spannend, sagt der Webflaneur. «Apropos, ich schenke dir einen dieser sogenannten OLPC», sagt er. Er wühlt im Hosensack, zieht einen Speicherstick heraus und überreicht ihn ihr mit ausladender Geste. «Du darfst ihn behalten.» Die Lehrerin guckt verdutzt auf den Ministick auf ihrer Handfläche. Das hier sei natürlich bloss ein USB-Speicher, beeilt sich der Webflaneur zu erklären. Darauf befinde sich aber die Essenz des Kinder-Computers OLPC: das Betriebssystem. Dieses könne man neu auch in einer Version für Speichersticks beim Entwicklerlabor herunterladen. Und wie zur Entschuldigung fügt er an: Er habe das natürlich ausprobieren müssen.

«Schön und gut», sagt die Lehrerin. «Aber was mache ich damit?» Sie stöpsle den Speicher einfach an einen PC an, so der Webflaneur. Während des Aufstartens müsse sie dann eine bestimmte Taste drücken – je nach Computer Escape oder eine der F-Tasten. Der Computer starte dann vom Minispeicher statt der Festplatte. Dass dies nicht ganz bei allen PC klappt, verschweigt er gefliessentlich. Stattdessen sagt er: «Schon kannst du ausprobieren, ob der Kinderlaptop für deinen Unterricht geeignet ist.» Die Lehrerin schaut ihn skeptisch an. Doch der Webflaneur kommt erst richtig in Fahrt. Sie könne dann jedem Schulkind einen Speicherstick machen – damit diese stets auf ihrem gewohnten, kindergerechten System lernen und arbeiten könnten, auch wenn sie keinen eigenen Laptop haben. «Und du hast keine Probleme mit Viren oder mit PC, an denen etwas verstellt worden ist.»

Die Lehrerin hats ausprobiert. Doch das Aufstart-Prozedere war ihr zu kompliziert. Und das Kinder-Betriebssystem schien ihr zu wenig auf die hiesigen Verhältnisse angepasst zu sein. Noch zu wenig, wie sie später sagt. Vielleicht ändere sich das. Sie habe den Stick jedenfalls mal einem Didaktik-Studenten geschenkt.