Beiträge mit dem Schlagwort ‘Linux’

Zwei in einem

Webflaneur am Dienstag den 1. Mai 2012

Er möchte zwei Betriebssysteme miteinander vergleichen, sagt ein experimentierfreudiger Kollege. «Kein Problem», antwortet der Webflaneur: Entweder installiere er die beiden Systeme gleichwertig nebeneinander. Oder aber: Er installiere eines in einer virtuellen Maschine im anderen drin. Der Kollege runzelt die Stirn. «Was ist der Unterschied?» In der praktischen Arbeit gebe es einen grossen, sagt der Webflaneur: Bei der Parallelinstallation müsse er den Rechner jeweils neu starten, wenn er das andere System benötige. Anders bei der Virtualisierung: Dabei arbeite er mit dem normalen System – und starte bei Bedarf kurzerhand in einem Fenster das zweite. «Stark», sagt der Kollege. «Aber ist das nicht zu kompliziert?» – «Nicht mehr», antwortet der Webflaneur. Trotzdem warnt er, dass man bei solchen Übungen erheblichen Schaden anrichten könne, wenn man nicht wisse, was man tue. Und so ist der Kollege sehr dankbar, als der Webflaneur ihm Hilfe anbietet.

Etwas später sitzen die beiden am Computer. Am Anfang müsse eine Einstellung vorgenommen werden, doziert der Webflaneur: Im Bios sei einzutragen, dass Virtualiserungen O.K. seien. Er startet den PC. Als auf dem Bildschirm der Bios-Hinweis eingeblendet wird, drückt er flugs die genannte Taste und passt die Einstellung an. «Stark», findet der Kollege. Dann startet der Webflaneur den PC normal. Zuerst legt er das Nötige bereit: die Software Virtual Box und das zweite Betriebssystem. Dann installiert und startet er die Virtualisierungssoftware. Schliesslich klickt er an, welches System installiert werden soll. Und er kontrolliert, ob die Software alles richtig eingestellt hat. Sie hat. Kurz darauf rattert im Fenster die Installationsroutine des neuen Betriebssystem durch.

«Stark», sagt der Kollege, als das System wirklich startet. Wenig später nervt er sich trotzdem darüber, nicht parallel installiert zu haben. Denn um zwei Systeme gleichzeitig auf Trab zu halten, ist sein PC offensichtlich etwas zu schwach.

Das Upgrade

Webflaneur am Dienstag den 27. April 2010

Sie lese vor dem Schlafengehen noch einige Seiten, sagt sie. Er müsse noch etwas ausharren, sagt der Webflaneur. Der Computer aktualisiere gerade sein Betriebssystem. Und dabei dürfe man ihn unter keinen Umständen unterbrechen. «Warum muss das spätabends sein?», fragt sie im Weggehen. Die Antwort ist einfach: Der Webflaneur kann nicht länger warten. Er will wissen, was das neue Ubuntu-Linux bringt – und zwar sofort, auch wenn die «Lucid Lynx» oder «klarer Luchs» genannte Version erst am Donnerstag in die freie Wildbahn entlassen wird. Und warum nicht abends? System-Upgrades sind bei Linux keine grosse Sache.

Etwas später ist die Aktualisierung abgeschlossen. Der Computer startet neu. Der Webflaneur packt sein Notebook und flätzt sich zu ihr aufs Sofa. Sie blättert in einer Modezeitschrift. Der grosse Moment sei gekommen, sagt er: Das sei das brandneue Ubuntu. Sie wirft einen flüchtigen Blick auf den Monitor. Was daran anders sei, fragt sie. «Vieles», sagt er. Zum einen sei das System optisch überarbeitet worden. «Das in Brauntönen gehaltene Kleid wurde abgestreift. Neue Modefarbe ist Aubergine.» Auch die Symbole seien eleganter. «Seit wann legst du Wert auf Äusserlichkeiten?», fragt sie. Wichtiger seien natürlich die neuen Funktionen, fährt der Webflaneur fort: So sei im aktuellen Ubuntu ein Musikshop, in dem die internationalen Hits zu finden seien, direkt eingebunden. Gekaufte Songs würden übrigens, wie auch die Adressdaten, als Sicherheitskopie auf einem Server abgelegt. Dank besserer Integration ins Menü behalte man zudem den Überblick über die Chats und die Statusmeldungen aus Twitter, Facebook und Co. Noch wichtiger seien indes die vielen Änderungen unter der Haube.

«Und wenn dieses Ubuntu doch etwas nicht kann?», fragt sie. «Dann kanns sicher die nächste Version, die in einem halben Jahr erscheint», sagt der Webflaneur und grinst. «Ich mag schon fast nicht mehr warten.»

Laptop auf dem Speicherstick

Webflaneur am Mittwoch den 6. Mai 2009

Was er von diesem 100-Dollar-Laptop halte, will die Lehrerin wissen. Er finde das Projekt, bei dem Laptops an Schulkinder in Schwellenländern abgegeben werden, sehr spannend, sagt der Webflaneur. «Apropos, ich schenke dir einen dieser sogenannten OLPC», sagt er. Er wühlt im Hosensack, zieht einen Speicherstick heraus und überreicht ihn ihr mit ausladender Geste. «Du darfst ihn behalten.» Die Lehrerin guckt verdutzt auf den Ministick auf ihrer Handfläche. Das hier sei natürlich bloss ein USB-Speicher, beeilt sich der Webflaneur zu erklären. Darauf befinde sich aber die Essenz des Kinder-Computers OLPC: das Betriebssystem. Dieses könne man neu auch in einer Version für Speichersticks beim Entwicklerlabor herunterladen. Und wie zur Entschuldigung fügt er an: Er habe das natürlich ausprobieren müssen.

«Schön und gut», sagt die Lehrerin. «Aber was mache ich damit?» Sie stöpsle den Speicher einfach an einen PC an, so der Webflaneur. Während des Aufstartens müsse sie dann eine bestimmte Taste drücken – je nach Computer Escape oder eine der F-Tasten. Der Computer starte dann vom Minispeicher statt der Festplatte. Dass dies nicht ganz bei allen PC klappt, verschweigt er gefliessentlich. Stattdessen sagt er: «Schon kannst du ausprobieren, ob der Kinderlaptop für deinen Unterricht geeignet ist.» Die Lehrerin schaut ihn skeptisch an. Doch der Webflaneur kommt erst richtig in Fahrt. Sie könne dann jedem Schulkind einen Speicherstick machen – damit diese stets auf ihrem gewohnten, kindergerechten System lernen und arbeiten könnten, auch wenn sie keinen eigenen Laptop haben. «Und du hast keine Probleme mit Viren oder mit PC, an denen etwas verstellt worden ist.»

Die Lehrerin hats ausprobiert. Doch das Aufstart-Prozedere war ihr zu kompliziert. Und das Kinder-Betriebssystem schien ihr zu wenig auf die hiesigen Verhältnisse angepasst zu sein. Noch zu wenig, wie sie später sagt. Vielleicht ändere sich das. Sie habe den Stick jedenfalls mal einem Didaktik-Studenten geschenkt.