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Korrupte Platte

Webflaneur am Donnerstag den 25. Oktober 2012

Der Kollege Lehrer ist verzweifelt. «Auf jener Festplatte», sagt er und zeigt auf ein kleines Kästchen, das vor ihm auf dem Tisch liegt, «auf jener Festplatte liegt, was ich in jahrelanger Arbeit geschaffen habe». Er erzählt von aufwendig gestalteten Arbeitsblättern, von detailliert nachgeführten Tabellen und Fotogalerien, in denen er Schulprojekte und Familienausflüge dokumentiert hat. «Es ist eine Tragödie, wenn das alles weg ist», raunt er und rauft sich die spärlich gewordenen Haare.

«Ganz ruhig», sagt der Webflaneur. Und er fragt, was genau passiert sei. «Keine Ahnung», sagt der Lehrer. Neulich habe er die Festplatte, die er sicher im Schrank aufbewahre, wieder mal an seinen Computer angeschlossen. Doch kein Fenster habe sich geöffnet, kein neues Laufwerk sei eingebunden worden. «Zeig mal her», sagt der Webflaneur. Er ergreift die Platte und holt dann das eigene Notebook aus dem Rucksack. Erklärend fügt er hinzu: Er probiere die Platte mal an einem anderen PC aus. Doch auch bei ihm tut sich nichts. «Die Harddisk ist tatsächlich defekt», sagt er. «Das darf doch nicht wahr sein!», ruft der Lehrer aus. Bevor er sein Klagelied anstimmen kann, sagt der Webflaneur: «Meist kann man die Daten aber retten.»

So einfach gehts leider nicht, wie der Webflaneur zu Hause feststellen muss. Er googelt viel. Er probiert jeden erdenklichen Weg aus. Schon will er die Rettungsaktion abbrechen – da gelingt sie doch noch. Geholfen hat in diesem speziellen Fall Folgendes: Der Webflaneur hat den Inhalt der Platte mit dem Linux-Klonprogramm Ddrescue auf eine funktionierende Festplatte gespiegelt. Dieses kann bei Bedarf auch ab einer Live CD wie dem Ubuntu Rescue Remix gestartet werden. Anschliessend hat er die Kopie mit dem Programm Testdisk vergeblich zu flicken versucht. Deshalb hat er das Programm Photorec zu Hilfe genommen. Dieses hat eine Nacht durchgerechnet. Am Morgen lagen die Dateien fein säuberlich auf der Platte, zwar unter neuen, kryptischen Namen, aber immerhin.

Ganz voll

Webflaneur am Mittwoch den 5. Mai 2010

Die Festplatte des Notebooks rotierte auf Hochtouren. Und trotzdem arbeitete es langsamer denn je: Nach jedem Tastendruck und jedem Mausklick vergingen lange, bange Sekunden ohne jegliche Reaktion. Dem Webflaneur schwante Böses: Er hatte sich doch hoffentlich kein Virus eingefangen! Sofort machte er sich auf die Jagd nach dem Übeltäter. Bald stellte er fest: Es war kein Virus, das den Rechner blockierte. Dieser kämpfte damit, dass die Festplatte übervoll war.

Der Webflaneur liess alles liegen. Denn er wusste: Eine volle Festplatte bremst Computer nicht nur aus, sondern kann mitunter zum Absturz und Datenverlust führen. Er tat, was er in solchen Situationen immer tut: den Abfalleimer packen und schwungvoll leeren. Zudem liess er die Software zur Datenträgerbereinigung alles Unnötige über Bord kippen.

Der Computer rechnete nun wieder flotter. Doch der freie Speicherplatz war noch immer knapp. Der Webflaneur durchsuchte die Festplatte nach fetten Files. Er stiess auf einen Stapel gigantisch grosser Fotos sowie auf besonders platzfressende Video- und Tonaufnahmen. Löschen wollte er diese nicht. Aber er könnte sie in ein platzsparenderes Format umwandeln. Es gibt viele kostenpflichtige und einige kostenlose Software zum Konvertieren von Bild- und Tondateien. Viel brauche er zum Konvertieren nicht, sinnierte der Webflaneur. Für Fotos genüge ein einfaches Image Magick. Für die Ton- und Videodateien setze er auf Ffmpeg beziehungsweise WinFF.

Einige wenige Klicks – schon konvertierte der Computer die Dateien stapelweise in platzsparendere Formate. Und das rechnete sich: Bald war auf der Festplatte wieder gigabyteweise Speicher frei. So geht das.