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Lange Liste

Webflaneur am Dienstag den 18. Oktober 2011

Vor lauter Blättern sehe er den «Wahld» nicht mehr, ruft der Webflaneur aus. Ratlos sitzt er an seinem Pult. Dieses ist übersät mit Flugblättern. Direkt vor ihm liegt der leere Wahlzettel. Der Webflaneur wühlt in den Blättern, liest den einen oder anderen Slogan. Vor allem aber guckt er die Bilder an: Soll er ihn mit der Stirnlocke wählen, sie mit den Lachfältchen oder ihn mit dem Schnauz?

Doch halt, sagt sich der Webflaneur. Die Nationalratswahl ist kein Schönheitswettbewerb. Wer gewählt wird, trifft weitreichende Entscheide. Und diese betreffen auch ihn. Deshalb gilt es Kandidierende zu finden, die mit ihm einer Meinung sind. Doch dabei helfen die Fotos und Slogans auf den Flugblättern wenig.

Der Webflaneur sucht Rat bei Smartvote. Er gedenkt, den Dienst mit einigen eigenen Einschätzungen zu politischen Fragen zu füttern, sodass dieser ihm Kandidierende auflisten kann, die ähnlich denken. Doch das Unterfangen misslingt: Smartvote ist an diesem letzten Sonntag vor den Wahlen überlastet. Kurzentschlossen wechselt der Webflaneur zur Konkurrenz: Bei Vimentis bezieht er 34-mal Stellung – schon erhält er eine Liste mit Kandidierenden präsentiert. Prominent vertreten sind darauf solche von kleineren Parteien. Soll er diesen – trotz marginaler Wahlchancen – wirklich seine Stimme schenken?

Es ist spät geworden. Doch der Webflaneur scheut keinen Aufwand. Er schaut nochmals bei Smartvote vorbei. Mittlerweile sind offenbar diverse Mitbürger zu Bett gegangen. Und so kommt er mit viel Geduld doch noch zu seiner Liste. Als er diese neben jene von Vimentis legt, staunt er nicht schlecht: Der Favorit von der ersten Liste schafft es in der zweiten bloss auf Rang 153. Und umgekehrt sieht es ähnlich aus.

Der Webflaneur ist konsterniert. Schliesslich schustert er eine eigene Liste zusammen – anhand der Vorschläge und der Fotos auf den Flugblättern.

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