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Am Computer mitten in Paris

Webflaneur am Sonntag den 24. Mai 2009

Webflaneurs wohnen während weniger Wochen in Paris. Eben sind sie angekommen. Nun haben sie Hunger. Doch wo sollen sie speisen? Nicht zu teuer soll das Lokal sein, aber doch speziell. Und vor allem: Es muss in der Nähe liegen. Sie blättert im Insider-Reiseführer, den sie in ihrer Loge gefunden hat. Dieses Resto töne superbe, ruft sie nun aus. Wo denn dieser Gourmettempel für knappe Budgets liege, fragt der Webflaneur. «Zumindest in unserem Arrondissement», sagt sie und liest eine Adresse vor.

Er setzt sich an den Rechner, tippt diese bei Google Maps ein. Tatsächlich, das Restaurant liegt fast um die Ecke. Er vergrössert die Karte – und steht plötzlich mitten auf der Strasse. Er schaut sich um. Rechts und links sind kleine Ladenlokale. Vor ihm schlendern einige Passanten übers Kopfsteinpflaster. «Dort oben muss es sein», murmelt er. Was er denn nun wieder mache, holt sie ihn von der Strasse vor den Computer zurück. Das sei «Streetview», sagt er. Er kundschafte bloss rasch den Weg aus. «Streetview» gebe es übrigens demnächst auch in der Schweiz. Zumindest lasse Google derzeit kamerabepackte Autos durch die Städte kurven.

«Das sieht hübsch aus», ruft sie und deutet auf ein blau lackiertes Lokal auf der rechten Strassenseite. Klick für Klick gehts dann weiter durch die virtuelle Strasse bis zum gesuchten Lokal. «Lass uns einen Blick auf die Karte werfen», schlägt sie vor. Er vergrössert das Schild neben dem Eingang. Doch lesen können sie es nicht: Die Schrift ist verwischt – wie auch die Nummernschilder der Autos und die Gesichter der Menschen.

Webflaneurs finden den richtigen Weg dann ohne Probleme. Doch seit der Aufnahme ist aus dem Restaurant offensichtlich eine Bar geworden. Und so speisen die beiden schliesslich woanders, im blauen Lokal weiter unten an der Strasse. Dort war das Essen vielleicht etwas weniger gut. Dafür assen sie für einen guten Zweck.

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