Logo

«Mein Internet»

Webflaneur am Mittwoch den 19. April 2006

Screenshot Writely.com

Sie brauche Hilfe, sagt sie ihm: «Mein Internet ist kaputt». Sie könne keine Mails mehr verschicken. Sie könne nicht mehr surfen. Und überhaupt: Diese blöde Kiste mache nicht, was sie wolle, sagt sie, und sie wäre sehr dankbar, wenn er sich darum kümmern könnte. Der Berner Zeitungsblogger kümmert sich zuerst um sie. «Du hast gar kein Internet», sagt er. «Klar habe ich eines», ruft sie aus. «Nein», doziert er altklug, «du hast einen Internetzugang; das Netz der Netze jedoch gehört dir nicht.» Das sei Wortklauberei, pariert sie genervt. «Déformation Professionelle», entschuldigt sich der Zeitungsblogger, während er sich durch die Netzwerk-Einstellungen klickt.

Das Problem ist rasch behoben. Sie glaubt sich noch etwas mit ihm unterhalten zu müssen, ringt nach Themen und erkundigt sich schliesslich nach «Trends aus dem Internet». «Ajax», sagt der Zeitungsblogger. «Das Waschmittel?», fragt sie. Die eingängige Abkürzung stehe für Asynchronous Javascript and XML, sagt er. «Zu kompliziert», wimmelt sie ab. «Stimmt», sagt er. Aber er werde ihr zeigen, zu was das tauge. Der Zeitungsblogger surft zu Ajaxlaunch.com. Ein Klick auf Ajax Write – und sein Webbrowser verwandelt sich in ein Textverarbeitungsprogramm. Er schreibt, formatiert und speichert. «Damit brauche ich kein Schreibprogramm mehr», sagt sie. «Doch, derzeit schon noch», sagt der Zeitungsblogger – obwohl Michael Robertson, der Gründer von MP3.com und ehemals Geschäftsführer von Linspire, bereits «Bye Bye Microsoft Word, Hello Ajax Write» in die Welt hinaus posaunt hat. Mit Ajax XLS habe Robertson auch eine einfache Tabellenkalkulation, mit Ajax Sketch ein Zeichnungsprogramm, mit Eye Spot einen simplen Videomixer und mit Ajax Tunes einen Musikplayer online gestellt. Andere arbeiteten an Ähnlichem: Auch bei Writely.com, kürzlich von Google aufgekauft, könne online getextet werden – sogar von mehreren Autoren gemeinsam. Eben gerade habe Google auch eine Agenda aufgeschaltet, die wohl Microsofts Outlook Konkurrenz machen soll.

«Ich muss keine neuen Programme mehr auf meiner Kiste installieren?», fragt sie. Zumindest einige könnten in Zukunft auf einem Zentralrechner laufen, sagt der Zeitungsblogger. Sie grinst und sagt: «Bloss – was soll ich dann machen, wenn ‹mein Internet› kaputt ist?»

« Zur Übersicht

Kommentarfunktion geschlossen.