Schwere Beine – und was dagegen hilft

Gerade bei heissen Temperaturen können Beine und Füsse unangenehm anschwellen. Meist ist das nicht krankhaft und gut behandelbar.

Es muss nicht gleich ein See sein: Wassertreten kann man auch in der Badewanne. Foto: iStock

«Kein Tropfen Regen steigt zum Himmel. Kein Fluss strömt bergauf. Nur in unseren Venen fliesst alles von unten nach oben. 7000 Liter Blut pumpen die Adern im Lauf eines Tages zum Herzen zurück. Da ist es kein Wunder, dass sie manchmal nicht mehr mögen.»

Dieser Vergleich ist mir bei der Recherche zu diesem Beitrag begegnet – und ich fand ihn total schlüssig. Am Morgen nach dem Aufstehen haben Beine noch ihren gewohnten Umfang. Doch im Laufe des Tages schwellen sie immer stärker an. Und je länger der Tag dauert, desto stärker wird, vor allem bei Frauen, der Wunsch, aus den Schuhen zu schlüpfen und die Beine hochzulegen.

Warum aber leiden wir unter schweren Beinen? Rund sechs Liter Blut zirkulieren ständig durch unsere Venen. Vor allem bei heissem und schwülem Wetter muss unser Kreislauf Schwerstarbeit leisten. Um nicht zu überhitzen, gibt unser Körper ständig Wärme ab. Dadurch verlangsamt sich die Blutzirkulation, und die Blutgefässe erweitern sich. Es wird mehr Flüssigkeit ins Gewebe abgegeben, die allerdings schlecht abtransportiert werden kann. Frauen leiden stärker unter geschwollenen Beinen und Füssen. Dies, weil ihr Bindegewebe schwächer ist als jenes der Männer und ihre Venen so weniger gestützt sind.

Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten

Geschwollene Beine und Füsse sind unangenehm und auch optisch kein Highlight. Aber sie sind in der Regel nicht krankhaft. Vor allem dann, wenn die Beschwerden in erster Linie bei heissen Sommertemperaturen auftreten. Falls die Beine allerdings über längere Zeit schmerzen, auch im Ruhezustand kribbeln, oder auch die Knöchel ständig geschwollen sind, könnte auch eine Venenschwäche hinter den Beschwerden stecken.

Bei unerklärlich starken Schmerzen, einer Schwellung, die nur in einem Bein auftritt, und bei roten oder bläulichen Verfärbungen könnte eine Thrombose die Ursache sein. Dann sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen, denn eine Thrombose kann einen lebensgefährlichen Verlauf nehmen. Wenn die Beine unverhältnismässig dick sind und sich dies auch durch Sport oder eine Ernährungsumstellung nicht verbessert, dann könnte ein Lip- oder Lymphödem schuld sein. Lesen Sie dazu meine früheren Beiträge.

Um schweren Beinen vorzubeugen oder die Beschwerden zu lindern, gibt es einige Methoden. Viele sind simpel. Aber langfristigen Erfolg bringen sie nur, wenn man sie regelmässig ausführt.

1. Alleskönner Wasser

Wechselduschen: Es mag zwar etwas Überwindung kosten, aber die bettwarmen Beine kalt abzuduschen lohnt sich, weil auf diese Weise die Venentätigkeit angeregt wird. Noch besser können Ganzkörper-Wechselduschen wirken. Wer sich abwechselnd warm und kalt abduscht, regt die Durchblutung an. Dies, weil sich durch die Wärme die Gefässe weiten und durch die anschliessende Kälte wieder zusammenziehen. Wechselduschen aktivieren nicht nur den Kreislauf, sie können auch die Venenwände der Beine stärken.

Wassertreten: Eine der bekanntesten Kneipp-Übungen. In die Badewanne so viel kaltes Wasser einfüllen, bis die Unterschenkel etwa zur Hälfte eingetaucht sind. Dann die Beine abwechselnd anheben und auf der Stelle treten, wobei die Zehen nach unten zeigen. Wichtig: Nur auf einer rutschfesten Unterlage machen!

Salzbaden: Um Schwellungen in den Beinen zu reduzieren, kann ein Bad mit Bitter- und/oder Meersalz helfen. Ein Salzbad macht nicht nur die Haut weich, es hilft unter anderem auch bei schmerzenden Beinen, Gicht und Rheuma.

Aqua-Walking: Kräftigt die Beine und kann einen ziemlich ausser Atem bringen. Darum ist es eine Superübung für das Schwimmbad oder den Pool. Das Wasser sollte bis ungefähr zur Brust reichen. Dann in kräftigen Schritten parallel zum Beckenrand gehen. Klingt einfacher als es ist. Ist aber sehr effektiv für die Stärkung der Venenwände.

2. Immer in Bewegung bleiben

Vorsorgen: Couchpotatos neigen dazu, sich bei heissen Temperaturen noch weniger zu bewegen als sonst. Dabei würde gerade Bewegung die Blutzirkulation im Körper verbessern. Ganz schlecht, wenn es um geschwollene Beine geht, ist das lange Sitzen und Stehen. Es kann dazu führen, dass sich das Blut in den unteren Extremitäten «sammelt». Darum ist es wichtig, bei Berufen, in denen man viel sitzt, oder bei längeren Reisen – vor allem auch im Flugzeug – immer wieder Bewegungsphasen einzulegen. Bei längeren Flügen sollten empfindliche Frauen immer Kompressionsstrümpfe tragen, um Thrombosen zu vermeiden.

Ein Morgenspaziergang im Park – das tut gut! Foto: Getty Images

Ankurbeln: Auch wenn die Hitze einen tagsüber lähmt, bringt es gesundheitlich gar nichts, sich deswegen nicht mehr zu bewegen. Also lieber am Morgen eine halbe Stunde früher aufstehen und die Frische des Morgens für einen flotten Spaziergang oder für Morgengymnastik nutzen. Auch Schwimmen oder Velofahren kurbeln den Venenfluss an.

3. Massagen tun gut

Abschwellend: Glücklich ist, wer eine Massage von seinen Liebsten bekommt. Aber es geht auch allein. Am besten mit etwas Körperöl oder einer pflegenden Lotion. Mit Vorteil startet man mit einem leichten Kneten bei den Zehen und arbeitet sich über die Fusssohlen und die Knöchel hinauf zu den Waden. Wichtig: Die streichenden Bewegungen immer in Richtung des Herzens machen. Wer bei sommerlichen Temperaturen zu Schwellungen in den Beinen neigt, sollte sich regelmässige Lymphdrainagen bei einem ausgebildeten Therapeuten leisten. Sie können Schwellungen in den Beinen abbauen und sind eine Wohltat. Allerdings hilft auch hier nur die regelmässige Anwendung.

4. Cremen und Befeuchten

Kühlend: In den letzten Jahren sind immer mehr kühlende Produkte und venenstärkende Präparate auf den Markt gekommen, die man auch unterwegs auftragen kann. Rosskastanienextrakte, Lavendel und rotes Weinlaub in Tablettenform oder als Dragees sind besonders beliebt, um die Waden zu entstauen. Sie lassen sich auch unterwegs anwenden, wenn Spannungen spürbar werden. Wichtig ist es, diese Produkte bereits am Morgen zu benutzen und nicht erst bei Schwellungen. Eine besonders gute Wirkung haben Sprays und Lotionen, wenn man sie im Kühlschrank aufbewahrt.

5. Immer schön luftig kleiden

Bequem: Dass Skinny-Jeans, hautenge Kleider und enge Shirts im Sommer suboptimal sind, ist nichts Neues. Aber auch bei den Schuhen sollte bei heissen Temperaturen Bequemlichkeit Trumpf sein. Wer unter Stauungen in den Beinen leidet, sollte die hohen Absätze besser im Schrank lassen oder sie nur punktuell, zum Beispiel beim Ausgehen, tragen.

Mit hohen Absätzen tun Sie Ihren Füssen keinen Gefallen. Foto: Getty Images

6. Über den Durst trinken

Entwässern: Die meisten Menschen haben im Hochsommer weniger Appetit. Leichte Mahlzeiten, die sogenannte Mittelmeer-Ernährung, viel Flüssigkeit und wenig Alkohol haben auch einen positiven Einfluss auf unsere Beine. Auch wenn es paradox tönt: Man muss Wasser trinken, um Wasser auszuschwemmen. Bei heissem Wetter sollten es minimal zwei Liter sein. Wer Sport treibt und viel schwitzt, sollte noch mehr trinken.

Viele Frauen haben Bedenken, dass Wasser im Gewebe gestaut wird, wenn sie viel trinken, und sie darum zunehmen. Das kann unter hormonellem Einfluss, zum Beispiel beim prämenstruellen Syndrom (PMS) kurz vor der Periode, durchaus vorkommen. Aber normalerweise ist der Organismus in der Lage, den Körper in Balance zu halten. Entwässernd wirken Brennnessel-, Birkenblätter-, Schachtelhalm- und Ingwertee.