So wichtig ist Vitamin D

Vitamin-D-Präparate werden gerade in den düsteren Wintermonaten immer populärer. Doch bringen sie auch etwas?

Ob Tröpfchen oder Tabletten: Schweizer setzen im Herbst und im Winter zunehmend auf Vitamin D. Foto: iStock

Vitamin D gilt als Universalvitamin, das für viele lebenswichtige Vorgänge in unserem Körper mitverantwortlich ist. Wenn wir von Vitamin D reden, ist in der Regel Vitamin D3 gemeint. Dieses wird im menschlichen Körper gebildet, während D1, D2, D4 und D5 künstlich hergestellte Vitamine sind. Bei D3 handelt es sich um ein natürliches Hormon, das in erster Linie durch die UV-B-Strahlung in der Haut gebildet wird und unter anderem dafür sorgt, dass unser Knochenbau und unsere Muskulatur gestärkt werden. Oder, dass eine Wundheilung gut verläuft.

In den letzten Jahren wurde der Zusammenhang zwischen einem zu tiefen Vitamin-D-Spiegel und der Winterdepression (Seasonal Affective Disorder, SAD) erforscht. Dies, weil wir im Herbst und im Winter im wahrsten Sinne des Wortes unterbelichtet sind. Inzwischen mehren sich wissenschaftliche Daten, die zeigen, dass Vitamin-D-Mangel ein unabhängiger Risikofaktor für verschiedenste Krankheiten ist, unter anderem auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bei Störungen des Immunsystems. Aber auch bei Krebserkrankungen weisen Studienergebnisse darauf hin, dass eine gute Vitamin-D-Versorgung vor Rückfällen schützen kann. «Es gibt unzählige Studien zum positiven Effekt des Vitamins D», bestätigt Philipp Katumba, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin in Zürich. «Beispielsweise wurde 2014 entdeckt, dass bei Patienten, die wegen eines B-Zell-Lymphoms behandelt wurden, eine Subgruppe mit höheren Vitamin-D-Spiegeln einen signifikant besseren Krankheitsverlauf hatte.»

Vitamin D ja, aber wie viel?

Da die Produktion von Vitamin D also vom UV-B-Sonnenlichtanteil abhängig ist, ist dieser Spiegel in den dunklen Herbst- und Wintermonaten bei vielen Menschen zu tief. «Zwar können wir 5 bis 20 Prozent des Vitamin-D-Bedarfs durch unsere Ernährung aufnehmen, zum Beispiel über fetten Fisch, Eier oder Milchprodukte, aber um die fehlende Sonnenbestrahlung und damit die Versorgung unseres Körpers mit Vitamin D auszugleichen, reicht das nicht», sagt Katumba. Vor allem bei Menschen, die wenig an die frische Luft kommen, die tagsüber im Büro sitzen, sei dies der Fall. Untersuchungen belegen, dass über die Hälfte der Erwachsenen in der Schweiz nicht auf die wünschenswerte Tageszufuhr von 800 Internationalen Einheiten (IE) kommen. Das belegt auch eine vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Studie von Wissenschaftlern der Universität Lausanne.

In den letzten Jahren ist der Konsum von Vitamin D in Form von Tropfen oder Tabletten vor allem in unseren eher düsteren Winterverhältnissen immer populärer geworden. Wie hoch die Vitamin-D-Konzentration sein soll, ist aus medizinischer Sicht allerdings umstritten. Es gibt Untersuchungen, die belegen wollen, dass eine sehr hohe Dosis an Vitamin D bei einigen Erkrankungen des Bewegungsapparates wie bei Rheuma oder beim Chronic Fatigue Syndrom eine sehr gute Wirkung haben soll. Welche Wirkung Vitamin D auf unseren Körper hat und wo und in welcher Konzentration es angewendet werden sollte, ist aktuell Bestandteil vieler grosser Studien – und kann darum zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschliessend geklärt werden.

Nie eigenhändig therapieren!

Unbestritten ist allerdings, dass es bei einer Unterversorgung von Vitamin D nötig ist, diese auszugleichen. Um festzustellen, ob man davon betroffen ist, sollte ein Arzt den Vitamin-D3-Spiegel über einen Bluttest bestimmen. Abzuraten ist von einer eigenhändigen Dosierung durch Tabletten oder Tropfen, wie man sie in der Apotheke ohne Rezept bekommt. «Eine Überdosierung von Vitamin D3 kann zu einer Calciumstoffwechselstörung und Nierenfunktionsstörungen führen. Denn Vitamin D erhöht die Resorption von Kalzium», warnt Katumba. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen sollten sich darum nie eigenhändig therapieren. Dies gilt nicht nur für Vitamin D, sondern für alle frei erhältlichen Vitamin- und Mineralstoffe. Denn vielfach sind diese unnötig, wenn man sich nährstoffreich ernährt, sich regelmässig an der frischen Luft bewegt, aufs Rauchen verzichtet und moderat Alkohol trinkt.

Es werde Licht! Am Mittwoch erschien zu diesem Thema: «Gute Laune trotz Lichtmangel»

Am Samstag lesen Sie an dieser Stelle, wie wirksam eine Lichtlampe bei einer Saisonalen Depression (SAD) sein kann.