Lässt Fast Food das Gehirn schrumpfen?

KF

Verzehr auf eigene Gefahr: Fast Food ist noch schädlicher als bisher angenommen. Foto: Matt Cardy (Getty Images)

Die Schlagzeilen klingen dramatisch: «Demenzforscher: ‹Menschen essen sich ihr Gehirn weg›» und «Ernährung und Demenz: Fast Food lässt das Gehirn schrumpfen» konnte man lesen. «Australische Forscher warnen: Fast Food löst Demenz aus» klang da schon zurückhaltend, und Bild.de, sonst ziemlich unzimperlich, titelte sachlich: «Studie zeigt: Fast Food kann Demenz verursachen». Diese Meldungen entspringen nicht einer boulevardmässigen «Zuspitzung», wie sie Journalisten oft anwenden, um ihre Artikel besser zu verkaufen, sondern sind das Ergebnis aktueller und gross angelegter Studien.

Tatsächlich braucht Professor Nicholas Cherbuin vom Centre for Research on Ageing, Health and Wellbeing der Australian National University (ANU) drastische Worte, um seine Erkenntnisse zusammenzufassen: «Mit einer schlechten Fast-Food-Ernährung und wenig bis keiner Bewegung fressen sich die Menschen ihr Gehirn weg», wird er in einer Pressemitteilung der ANU zitiert. «Wir haben starke Beweise dafür gefunden, dass die ungesunden Ernährungsgewohnheiten und der Mangel an Bewegung über einen längeren Zeitraum hinweg ein ernsthaftes Risiko für die Entwicklung von Diabetes Typ 2 und für deutliche Abnahmen der Hirnfunktion wie Demenz und Gehirnschwund darstellen.»

Demenz umfasst mehr als 100 verschiedene Krankheiten

Demenz ist eine Erkrankung des Gehirns, bei der das Gedächtnis mehr und mehr schwindet. Demenz umfasst laut der Organisation Alzheimer Schweiz mehr als 100 verschiedene Krankheiten, von denen Alzheimer die bekannteste und häufigste ist. Es gibt einzelne Formen von Demenz, die heilbar sind, doch mehrheitlich ist die Krankheit weder heilbar noch aufzuhalten.

Für seine aktuelle Studie, die kürzlich in der wissenschaftlichen Fachpublikation «Frontiers in Neuroendocrinology» veröffentlicht wurde, untersuchte Nicholas Cherbuin mit seinem Team die Ergebnisse von rund 200 internationalen Studien, darunter eines Projektes, das die Gehirngesundheit und das Altern von mehr als 7000 Menschen in Australien verfolgte. Der Zusammenhang zwischen Diabetes Typ 2 und einer schnellen Verschlechterung der Hirnfunktion sei wissenschaftlich schon gut belegt, erklärt Professor Cherbuin, «aber unsere Arbeit zeigt, dass die Neurodegeneration oder der Verlust der Funktionen von Neuronen viel, viel früher anfängt – wir haben einen klaren Zusammenhang zwischen diesen Verschlechterungen der Gehirnfunktionen und einem ungesunden Lebenswandel gefunden».

Besonders dramatisch ist dabei, dass der Schaden weitgehend irreversibel sei, wenn eine betroffene Person die Lebensmitte erreicht hat. «Wir ermahnen darum alle, sich so früh wie möglich gesund zu ernähren und sich in Form zu halten – am besten schon in der Kindheit, aber sicher ab dem frühen Erwachsenenalter», betont Cherbuin.

Mit 60 ist es zu spät

Rund 30 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung gelten als übergewichtig oder fettleibig. Und man rechnet damit, dass bis im Jahr 2030 mehr als 10 Prozent aller Erwachsener an Diabetes Typ 2 leiden. Schuld daran ist in erster Linie eine ungesunde Ernährung. Die australischen Forscher rechnen vor, dass ein Standard-Fast-Food-Menü, bestehend aus einem Burger, Pommes frites und einem Süssgetränk, rund 650 Kilokalorien habe. Das entspreche ungefähr der Menge an Kalorien, die die Menschen weltweit heute mehr konsumieren als 1970. Es handelt sich um etwa ein Viertel des empfohlenen täglichen Bedarfs bei Männern und ein Drittel bei Frauen.

«Diese zusätzliche Kalorienmenge, die die Menschen im Vergleich zu vor 50 Jahren konsumieren, bedeutet, dass sich die Menschen nicht gesund ernähren», sagt Cherbuin. Und das grosse Problem dabei sei, dass die Kalorien zumeist von ungesunder Ernährung kommen.

Die Ratschläge, wie man durch eine Umstellung der Ernährung den Verschlechterungen der Hirnfunktionen entgegenwirken kann, kämen meist viel zu spät, meistens erst wenn die Betroffenen 60 oder älter seien, also wenn die Möglichkeit einer rechtzeitigen Prävention längst vorbei sei. «Viele Menschen, die an Demenz und anderen kognitiven Dysfunktionen leiden, darunter eine Schrumpfung des Gehirns, haben ihr Risiko im Lauf des Lebens erhöht, indem sie zu viel schlechtes Essen zu sich nahmen und sich zu wenig bewegten», erklärt Nicholas Cherbuin. «Der beste Weg, Gehirnprobleme zu vermeiden, ist, von klein auf gut zu essen und Sport zu treiben.»