Je dicker, umso depressiver?

Das deutsche «The Curvy Magazine» zeigt erfolgreich coole Mode an dicken Models. (Foto: Facebook)

Auch wer dick ist, kann schön sein. Die Kleidergrösse sagt nichts über die Attraktivität eines Menschen aus. Und wer übergewichtig ist, muss sich dafür nicht schämen, sondern soll mit einem gesunden Selbstbewusstsein dazu stehen. Das sind die zentralen Botschaften der Body-Positivity-Bewegung. Die modisch gekleideten, attraktiven Frauen mit ausladenden Formen sind in den sozialen Medien wie Instagram zu Vorbildern ihrer zahlreichen weiblichen Followern geworden. Auch das deutsche «The Curvy Magazine», das sich an kurvige Frauen richtet, ist erfolgreich und deckt ein echtes Bedürfnis ab.

Was mir allerdings auffällt: Sieht man mollige oder übergewichtige Models, entdeckt man selten ein Gesicht, das nicht lächelt oder fröhlich erscheint. Dies fällt darum auf, weil schlanke oder dünne Models meist ziemlich uninteressiert in die Kamera blicken. Und je hochpreisiger die Produkte sind, die sie verkaufen sollen, desto unterkühlter wirken sie. Ist diese Lebensfreude, die übergewichtige oder dicke Frauen vermitteln, echt? Ja, teilweise ist das sicher so, und somit ist dies eine erfreuliche Entwicklung. Ein Blick auf aktuelle Studien lässt mich allerdings zweifeln, ob die Bewegung rund um Body-Positivity auch bei der Mehrzahl der übergewichtigen Frauen ankommt.

Je dicker, desto grösser das Depressionsrisiko

Dass die beiden Krankheiten Depressionen und Adipositas, also krankhafte Fettleibigkeit, zusammenhängen, wiesen Wissenschaftler bereits früher nach. «Wer adipös ist, hat ein höheres Risiko dafür, depressiv zu werden», fasst das Deutsche Gesundheits-Portal (DGP) den Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, «und eine Depression wiederum ist ein anerkannter Risikofaktor für Adipositas.» Eine britische Studie ging der Frage nach, ob das Ausmass der Fettleibigkeit einen Einfluss auf das Risiko hat, depressiv zu werden. Die Resultate der Kohortenstudie mit über 363’000 adipösen Teilnehmern sind eindeutig: Je dicker, desto grösser das Depressionsrisiko. Mehr als ein Viertel der Studienteilnehmer war nicht nur adipös, sondern auch depressiv. Und je höher der BMI, umso grösser der Anteil der Depressiven. Bei Personen mit einem BMI zwischen 35 und 40 lag das Depressionsrisiko 20 Prozent über dem der Menschen mit einem BMI von 30 bis 35. Der BMI gilt zwar heute nicht mehr als das Mass aller Dinge, aber wer einen BMI von 25 bis 30 hat, gilt als übergewichtig, ab 30 als adipös.

Wer adipös und depressiv ist, hat zudem mehr Mühe abzunehmen als nicht depressive Adipöse. Eine amerikanische Studie zeigte, dass Probanden mit depressiven Symptomen beim Abnehmen erfolglos waren. Dies insbesondere, weil sie es mit untauglichen Mitteln versuchten wie Mahlzeiten auslassen, Diätprodukten, Diätpillen und Abführmitteln. Eine definitive Bilanz lässt sich zwar auch nach der Auswertung vieler Studien nicht ziehen. Doch offenbar steigt mit zunehmendem Übergewicht auch das Risiko, an einer Depression zu erkranken.

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