Botox als Wohlfühl-Elixier?

Kleine Eingriffe, grosse Wirkung auf Körper und Psyche? (Foto: iStock)

Noch nie haben sich so viele Menschen minimalinvasiven Eingriffen wie Botox- oder Hyaluron-Injektionen unterzogen. Und die Menschen, welche sich auch rasch mal über Mittag die Zornesfalten zwischen der Stirn aufspritzen lassen, werden immer jünger. Gleichzeitig hat auch das Angebot der Schönheitspraxen in den letzten fünf Jahren sprunghaft zugenommen. Ein interessanter Aspekt bei diesen Verschönerungen ist, dass es bei den Menschen im mittleren Alterssegment darum geht, auf möglichst diskrete Art das Aussehen zu «reparieren». Dagegen setzen viele junge Frauen auf einen eher künstlichen Look.

Die jüngste Selfmade-Milliardärin der Welt: Kylie Jenner. (Foto: Getty Images)

Eines der begehrtesten Vorbilder ist TV-Sternchen und Unternehmerin Kylie Jenner. Sie schmunzeln jetzt, wenn ich die 21-jährige Schwester von Kim Kardashian als erfolgreiche Businessfrau bezeichne? Dann könnte Ihnen das Lachen im Hals stecken bleiben, denn das jüngste Mitglied des Kardashians-Clans wurde vom US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» zur jüngsten Selfmade-Milliardärin gekürt. Mit ihren verschiedenen Beauty-Linien begeistert sie ihre rund 128 Millionen Fans auf Instagram. Und Kylie ist mit ihrem puppenhaften Aussehen, den aufgespritzten Lippen, den Augenbrauen im Tattoo-Look und den glamourösen Wimpern der Prototyp der künstlichen Schönheit.

Aber was sind bei den Menschen im mittleren Alter die Faktoren, die dazu führen, dass man solche Eingriffe wirklich in Betracht zieht und sie auch machen lässt? Diese Frage trieb Forscher der Northwestern University im US-Bundesstaat Illinois um. Im Rahmen einer Beobachtungsstudie, deren Ergebnisse in der Fachpublikation «Jama Dermatology» publiziert wurden, befragten sie 511 Patienten, die sich einer oder mehreren solchen Behandlungen unterzogen hatten.

Botox soll glücklich und selbstbewusst machen

Es waren mehrheitlich Frauen (86 Prozent), 56 Prozent von ihnen 45 Jahre oder älter – und die meisten von ihnen sehr gebildet: 92 Prozent waren Hochschulabsolventinnen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) hatte schon zwei oder mehr Behandlungen gemacht. Neben dem allgemeinen Wunsch nach einem ästhetischen Erscheinungsbild, nach schöner Haut und einem jugendlichen, attraktiven Aussehen, wurden vor allem auch Motive im Zusammenhang mit körperlicher und psychischer Gesundheit genannt. So erwähnten 53 Prozent das Vermeiden einer Verschlechterung des körperlichen Zustandes als Grund für Schönheitseingriffe.

Faktoren des psychosozialen Wohlbefindens, etwa der Wunsch, «sich glücklicher und selbstbewusster zu fühlen oder die gesamte Lebensqualität zu verbessern», wie es in der Studienzusammenfassung heisst, nannten 67 Prozent der Befragten. Es ist denn auch nicht ungewöhnlich, dass Botox auch von Psychiatern verwendet wird, um depressiven Patienten zu einem besseren Selbstwertgefühl zu verhelfen. Und 55 Prozent nannten als Grund für die Eingriffe auch, dass sie im Job gut aussehen wollen. Und sich so mehr Erfolg versprechen.

Eine Tendenz, die in der Schweiz (noch) nicht spürbar sei, sagt Schönheitschirurgin Gertrude Beer. «Ich habe den letzten Sommer über meine Patienten befragt, warum sie sich Botox injizieren lassen. Niemand bei uns nannte das Geschäftsleben als primären Grund, alle sagten, sie würden es machen, damit sie sich persönlich besser fühlen.» Am stärksten sind auch laut dem Fazit der amerikanischen Forscher ganz persönliche Motive: Man will nicht unbedingt anderen besser gefallen, sondern vor allem sich selber.

23 Kommentare zu «Botox als Wohlfühl-Elixier?»

  • sepp z. sagt:

    Botox-Hysterie: Toxische Weiblichkeit, ist man geneigt anzumerken. Und zwar ziemlich toxisch.

  • Heidi Herrmann sagt:

    @ maia: Botulinumtoxin, genannt Botox ist ein gemisch von Eiweissen, die von bestimmten Bakterien (Clostridium botulinum) hergestellt werden. Die Bakterien werden gezüchtet, produzieren das Botox und werden abgetötet. Dann wird das Nervengift von den toten Bakterien getrennt und gereinigt. Weil die Wirkstärke deshalb immer wieder anders ist, und nicht zuverlässig im Labor gemessen werden kann, muss jede einzelne Charge Botox an Mäusen ausprobiert werden. Konkret heisst das, dass das Gift gespritzt wird und dann beobachtet wird innert welcher Zeit wie viele Tiere daran sterben. Mit sterben ist bei vollem Bewusstsein langsam an Atemlähmung ersticken gemeint. Wer sich Botox spritzen lässt ist deshalb mitschuldig an Tausenden erlendiglich erstickten Tieren.

    • Maria Müller sagt:

      Danke für diesen Hinweis, Frau Herrmann. Noch ein Grund, und ein sehr gewichtiger, auf Botox komplett zu verzichten. Aber leider dürfte das Leiden der Tiere vielen völlig egal sein. Botox im Gesicht, Pelzmantel am Körper und Schosshündchen im Arm (manche, wie die verstorbene Lys Assia, kleiden dann die Hundchen passend ebenfalls in Pelz – würg). Geht es noch heuchlerischer?

    • maia sagt:

      Danke Frau Herrmann. Ich selber weiss das auch und gerade deshalb ist für mich unverständlich, wie ein Artikel über Botox erscheinen kann, ohne dass dies erwähnt wird.
      Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemanden glücklich und selbstbewusst macht, wenn er (oder vorallem sie) weiss wie Botox hergestellt wird.

    • Nina sagt:

      Erzählen Sie nicht so einen Schmarren. Die Firma Allergan hat den Snap25 Test entwickelt. Dabei wird Botox an Entymen getestet. Keine Tiere kommen zu Schaden. Botox braucht man zudem auch für medizinische Zwecke. ZB. bei Spastik.

      • Bianca sagt:

        Und wieviele Ärzte verwenden Botox mit Test von Allergan? 1 Prozent? Die Mäuse dürften billiger sein und „etablierter“ für die Hersteller.

      • Nina sagt:

        Wenn Sie Arme und Beine nicht mehr bewegen können, dann sind Ihnen die Mäuse völlig egal.

      • maia sagt:

        In diesem Artikel geht es aber nicht um medizinische Zwecke – und ich glaube nicht, dass allen, die Arme und Beine nicht bewegen können, Mäuse egal sind.

      • Heidi Herrmann sagt:

        @ Nina: Sie wiegen sich in falscher Sicherheit. Auch die Tests von Allergan müssen regelmässig evaluiert werden. Und das passiert mit dem „gold standard“ der Tierversuche. Vergl. den Bericht vom Kassensturz vom 20.3.2018. Da hat das die Firma selber gesagt. Zudem werden längst noch nicht alle Präparate mit diesem Test kontrolliert. Dass es auch für medizinische Zwecke gebraucht wird ist mir bekannt. Aber viel weniger häufig und ich finde schon, dass es einen Unterschied ist, ob man Tierversuche macht für die Kosmetik oder für ein Medikament.

  • Zora sagt:

    Botox – ein anderer Name für Leichengift. Botox verringert auf Dauer das Selbstwertgefühl. Wie das? Es zeigt sich, dass Menschen mit (durch Botox) teilgelähmten Gesichtsteilen keine adäquate Gefühlsverarbeitung mehr haben. Denn unsere Mimik hilft uns durchaus auch zur besseren Wahrnehmung der Gefühle bzw. die Mimik bewirkt eine Hormonausschüttung im Körper. So kann auch erlebte Freude etc. nur vermindert Oxytocin, Dopamin, Serotonin etc. ausschütten. -> Dann muss man wieder botoxen… ein Teufelskreis. Entspannung zu lernen wären sinnvoller. Die gestaute Wut hinter den Zornesfalten erkennen, die Trauer in den herabgezogenen Mundwinkeln usw. Und dann: go for ist! Sei dich selbst und handle danach! Das einzige, das nachhaltig Selbstwertgefühl gibt. Und entspannte Gesichtsmuskeln.

  • maia sagt:

    Mir fehlt ein Hinweis darauf, was Botox ist und wie es hergestellt wird.

    • Maike sagt:

      Der fehlt ganz einfach deswegen, weil das ein Artikel über die Verwendung und nicht über die Herstellung von Botox ist ! Wenn Du wissen willst, wie Botox hegestellt wird, empfehle ich eine diesbezügliche Suche im Internet !

  • Maria Müller sagt:

    Ich werde nie begreifen, dass sich Menschen eines der stärksten Gifte, die es überhaupt gibt, freiwillig spritzen lassen, um (angeblich) besser auszusehen. Die Selbstwahrnehmung ist eventuell manchmal nicht die beste, jünger macht auch das Gift nicht. Und was ist überhaupt so schlimm daran, wenn man die gelebten Jahre sieht? Der Vergleich von Nelson Mandela und Donatella Versace von „Sonusfaber“ stimmt perfekt.

    • Astrid Meier sagt:

      Die Dosis macht das Gift. Sie klnnen sich auch an Rüeblisaft zu Tode trinken. Das Botox so toxisch ist bedeutet schlicht, dass es ganz wenig davon braucht. Es wird übrigens auch verwendet, um hyperaktive Schweissdrüsen zu lähmen.

      • Maria Müller sagt:

        Das ist mir bekannt, Frau Meier. Aber trotzdem – es werden freiwillig Nerven gelähmt und Muskeln geschwächt. Sooo winzig kann die Dosis nicht sein, da dann keine Wirkung.
        Unbewegliche Mimik, dafür keine Falten?
        Es fehlt mir einfach das Verständnis dafür, wie man sich das antun kann.

  • sophie sagt:

    Wie negativ all diese Kommentare ! Mir ist es egal ob Frauen sich botoxen lassen oder nicht, jedem das seine. Warum immer kritisieren ?

  • Sonusfaber sagt:

    Der alte Nelson Mandela ist der unwiderlegbare Beweis dafür, dass man, sofern man auf Botox, Silikon und Gift verzichtet, auch im hohen Alter wunderbar aussehen kann. Ein Gegenbeispiel? Donatella Versace …

  • Anh Toàn sagt:

    „Man will nicht unbedingt anderen besser gefallen, sondern vor allem sich selber.“

    Um sein Gesicht zu sehen, muss man sich vor einen Spiegel stellen: Also frau spritzt sich Botox und steht dann den halben Tag selbstgefällig vor dem Spiegel.

    Würden sich Frauen auch auf einer einsamen Insel (mit einem Spiegel) Botox spritzen um sich zu gefallen? Würden die sich schminken um sich zu gefallen? Würden die High Heels und Push up BH’s tragen, um sich zu gefallen?

    Wer sagt, sowas zu tun um sich selber zu gefallen, lügt sich selber etwas vor. Das ist viel einfacher als ehrlich zu sein mit sich selber.

    • Paolo Martinoni sagt:

      Diese als unantastbare Wahrheit verkaufte Behauptung, dass Frauen sich aufhübschen, um sich selbst und nur um sich selbst zu gefallen, ist so was von unehrlich! Aber unehrlich ist kein schönes Wort, es ist abwertend, das sehe ich ein. Daher lieber: Wunschvorstellung – sie wünschen sich, die Frauen, dass dem so wäre. Wofür ich auch Verständnis habe. Mich selber stört es, dass ich Frauen gefallen möchte. Es ist eine Art Abhängigkeit …

    • Maike sagt:

      Immer wieder schön zu lesen, wie Männer meinen, uns Frauen zu verstehen, warum wir einiges tun, anders nicht tun – und dabei ihre eigenen Massstäbe ansetzen.
      Wir tragen nun mal gerne nette Kleidung, zumal es da für uns ja auch viel mehr Variationsmöglichkeiten gibt als bei Euch armen Männern. So werdet ihr selten bis nie das Gefühl haben, wie das Tragen von HighHeels einer Frau ein anderes Selbstwertgefühl geben kann. Es ist natürlich ein positiver Nebeneffekt, wenn das eigene Outfit nicht nur mir selbst gefällt, sondern auch bei anderen Aufmerksamkeit erregt.
      Und ein dickes abschleissendes Ja zu Anh Toan, WIR würden auf einer einsamen Insel auch einen Push BH etc. tragen, HighHeels wegen dem Sand eher nicht. Männern reicht vermutlich nur ein Trainer und Feinripp-Unterhemd… bah

  • Pitt sagt:

    Wie kann boTOX, Toxic, also Gift, ein Wohlfühl-Elexier sein?!

    • Maike sagt:

      Ich gebe dir gerne die Adresse meines Bruders, wo ihm Botox hilft, seine Spastik zu bändigen. Da kannst Du Dich dann gerne mal nach dem Wohlfühleffekt erkundigen !

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.