Mit Robbie Williams Kilos killen?

Für seine Gewichtsschwankungen bekannt: Robbie Williams. Foto: Keystone

Als ich kürzlich die neue TV-Werbung von WW sah – der US-Konzern nennt sich seit letztem Herbst ja nicht mehr Weight Watchers –, traute ich meinen Augen nicht. Da sauste tatsächlich Talk-Queen (und Grossaktionärin) Oprah Winfrey auf einem Bike durch die Landschaft. Und Robbie Williams posierte gut gelaunt im Boxring.

Mit diesen Clips will der 1963 in New York gegründete Anbieter von Abnehmprogrammen neue Wege gehen. Prominente, die für ihre Gewichtsschwankungen bekannt sind, sollen zu Vorbildern werden. Auch wenn Winfreys Stern schon lange nicht mehr so hell glänzt wie zu jenen Zeiten, als sie bei einem missglückten Handtaschenkauf in einer Zürcher Luxusboutique Schlagzeilen machte, und auch wenn Williams mehr oder weniger seriös geworden ist und seine musikalischen Höhenflüge hinter sich hat: Beide Promis haben noch immer zahlreiche Fans.

Wellness statt Kasteiung

Williams, neues Gesicht der WW-Kampagne. Foto: WW

Es ist mir durchaus bewusst, dass viele Menschen mit dem WW-Programm nicht nur erfolgreich Gewicht verloren, sondern dieses auch gehalten haben. Aber irgendwie mutet es für mich seltsam an, dass in unserer aufgeklärten Welt, in der schon Teenies über Kalorien, Nährwerte, Unverträglichkeiten und Veganismus Bescheid wissen, viele Menschen immer noch Richtlinien für ihr Essverhalten brauchen.

Natürlich wird bei den meisten Kampagnen das böse Wort «Diät» schon lange nicht mehr verwendet. Mit der Verkürzung des Firmennamens von Weight Watchers, also wörtlich übersetzt «Gewichts-Beobachter», soll die Verbindung mit dem Begriff Wellness erreicht werden – Wohlbefinden und nicht die persönliche Kasteeiung ist angesagt. Und die Aussage: «Ich stelle meine Ernährung um und bewege mich mehr», tönt doch sehr viel selbstbewusster und moderner als «ich zähle Kalorien».

Selbst Grossaktionärin Oprah Winfrey konnte den Kurseinbruch nicht stoppen. Foto: Keystone

Die eigenen Bedürfnisse verstehen

Vielleicht bin ich momentan etwas zynisch, weil viele meiner Kolleginnen zurzeit ihr Abnehmprogramm durchziehen. Sich mit der gehypten 16:8-Methode ernähren, eine ganze Woche lang nur Nährstoffwürfel snacken, ausschliesslich giftgrüne Shakes und Proteindrinks zu sich nehmen, und, natürlich, alle Arten von «bösen» Kohlenhydrate meiden.

Jedem das Seine. Ich versuche – nicht nur, wenn es ums Abnehmen geht –, mehr auf meinen Körper zu hören. Um so zu verstehen, warum er in gewissen Situationen oder zu gewissen Zeiten nach bestimmten Nahrungsmitteln verlangt. Weil es beim Essen ja nicht nur darum geht, den Hunger zu stillen, sondern auch um die Erkenntnis, welch andere Bedürfnisse gestillt werden wollen. Und ich habe durchaus auch meine Erfolgserlebnisse: Wenn ich nach einem üppigen Znacht am nächsten Morgen spüre, dass ich wenig Appetit habe, ess ich einfach weniger. Und ärgere mich nicht darüber, dass ich geschlemmt habe, um mit dem Gedanken «Jetzt spielts eh keine Rolle mehr» weiterzufuttern. Denn nichts macht bekanntlich mehr Appetit als ein schlechtes Gewissen.

PS: Scheinbar geht die klassische Abnehmstrategie von WW trotz des Staraufgebots nicht wie gewünscht auf. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, ist die Aktie des Konzerns um 30 Prozent abgestürzt.

9 Kommentare zu «Mit Robbie Williams Kilos killen?»

  • Annette Streit sagt:

    Liebe Frau Aeschbach
    Offensichtlich haben Sie kein Problem mit dem Essen oder mit Ihrer Figur, das ist doch schön, dass Sie alles im Griff haben, seien Sie froh! Anderen gelingt dies etwas weniger gut und diese Menschen brauchen Hilfsmittel wie zB WW. Ihren Artikel empfinde ich als Frau der zweiten Kategorie als überheblich.
    Freundliche Grüsse

  • Regina sagt:

    Ich habe mir einen brauchbaren Ernährungsplan besorgt und mich streng an diesen gehalten.
    Ich war zuerst skeptisch, da ich ein ebook für run 20.- kaufte und war mir nicht sicher ob das auch hällt was es verspricht. Doch mit viel Disziplin hab ich es geschafft und habe bislang 6 Kilos runter.
    Ich denke wenn man wirklich will findet man einen weg. Für die, dies interessiert, ich arbeite mit diesem Programm hier https://bit.ly/2Ea08bA

    • Barbara V.E. sagt:

      Wenn man massives Uebergewicht hat (ich rede von 30 kg und mehr), dann braucht es mehr als Disziplin. Ich weiss nicht, wie oft ich einen Neuanfang gemacht habe: Diäten mit Kalorienreduzierung, Lauftraining, Overeater anonymous, Ernährungsumstellungen, Shakes, Fitness-Center… Und immer wieder die Rückfälle, Fressattacken etc. Es ist eine Tortour. Und mit jedem Neuanfang die Angst, wieder eine Rückfall zu erleben. 10 – 15 Kilo abnehmen schaffe ich (am Anfang locker und dann wird es zäh). Somit sind 6 kg für die Regina ein Super-Ergebnis. Für mich ist es noch nichts. Es ist der Anfang eines mehrjährigen Prozesses…
      Ich gönne es echt jedem, der seine Ziele erreicht, aber es ist eben nicht für jeden gleich einfach und Disziplin alleine ist nicht der Schlüssel.

  • nowhere sagt:

    Es ist immer einfach zu behaupten, dass es doch ganz einfach sei abzunehmen, wenn man doch nur ‚auf seinen Körper‘ hören, genug Sport machen, ‚vernünftig‘ etc.

    Einfach ist es eben für diejenigen, die kein wirkliches Gewichtsproblem haben, schön für sie.
    Andere brauchen eben eine Methode, die für ihre Bedürfnisse passt, für die einen WW oder Lowcarb, für andere, wie zb mich 16:8

    • Heidi Herrmann sagt:

      Auch die Methoden die Sie aufzählen funktionieren nicht. 85% jener, die starten sind nach 5 Jahren wieder gleich schwer oder sogar schwerer als beim Start. Da bildet bisher keine einzige Methode eine Ausnahme.

      • nowhere sagt:

        Das ist bei allen Abnehmversuchen so.
        Dennoch kenne ich Leute, die mit WW langfristig abgenommen haben.
        16:8 ist nicht direkt eine Diät, sondern eine Ernährungsweise, die man auf Dauer leben kann. Vor allem Menschen, die sowieso am Morgen keinen Hunger haben können das gut lebenslang durchhalten. Ist auch für den Insulinstoffwechsel sinnvoll.
        Natürlich muss man dennoch auf die Menge achten und Sport ist hilfreich, verbraucht aber kaum Kalorien.

  • Peter sagt:

    Das einzige was hilft ist mehr Bewegung. Regelmässig so viel, das der innere Schweinehund problems überwunden werden kann. Und genau soviel, das es einem ansch….., wenn man keinen Sport machen kann. Lieber weniger und dafür regelmässig. Spätestens wenn man bemerkt, dass sich der Stoffwechsel umstellt und die schwabblige Pfunde in Muskel verwandeln, dann ist man auf dem richtigen Weg. Das Wohlbefinden ist ein ganz anderes und man ist z. Bsp nie mehr erkältet. Der ganze Körper ist eben doch eine kleine Chemiefabrik die am laufen gehalten werden muss. Übrigens kann man, wenn man sich im Trott befindet, essen was man will, das Gewicht bleibt immer gleich.

    • Barbara V.E. sagt:

      „Übrigens kann man, wenn man sich im Trott befindet, essen was man will, das Gewicht bleibt immer gleich.“
      Das stimmt definitiv nicht.
      Meine Tochter hat meinen Stoffwechsel geerbt und muss ständig aufpassen, nicht übergewichtig zu werden. Sie ernährt sich bewusst gesund (viel Gemüse, Früchte, Vollkornprodukte, gutes Fleisch), meidet Alkohol, Süssigkeiten und JunkFood und treibt regelmässig Sport. Sobald sie die Zügel nur ein wenig locker lässt, nimmt sie sofort zu. Damit sie nicht so wird wie meine Mutter, meine Schwester und ich, muss sie ständig die Kalorien-Bilanz im Auge behalten. Das Gewicht bleibt definitiv nicht immer gleich.

  • Barbara V.E. sagt:

    WW funktioniert nicht mehr, nach meiner Meinung, weil die ursprüngliche Idee war: man trifft sich einmal die Woche zum gemeinsamen wäge und erzählt sich, wie es gelaufen ist in der Woche (deshalb Weight Watchers, weil man sich gegenseitig beobachtet hat und gegenseitig Rechenschaft abgelegt hat). Da die Gesellschaft damals räumlich distanzierter, gesellschaftlich näher war und jeder über jeden Bescheid wusste (oder meinte Bescheid zu wissen), war dies eine Möglichkeit in einem geschützten Raum mit Leidensgenossen sich auszutauschen.
    Heute sind wir in einer Gesellschaft, wo keiner mit dem anderen was zu tun haben will. Mich geht der Nachbar nichts an und ich gehe ihn nichts an. Jeder ist ein Individuum, eine Welt für sich. Deshalb läuft das Konzept WW aus. Denke ich.

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