Wie viele Kleider brauchen Sie wirklich?

Glücklich, wer seinen eigenen Stil gefunden hat: Model Caroline de Maigrets. (Foto: Getty Images)

Der Wunsch nach einem übersichtlichen und geordneten Alltag ist weit verbreitet. Auch darum landen immer mehr ausgemistete Kleider in den Läden der Caritas, in Brockenhäusern und Secondhand-Läden. Was auf den ersten Blick durchaus positiv scheint – schliesslich ermöglicht dies auch Menschen mit kleinerem Budget, sich modisch einzukleiden –, hat seine Kehrseiten. Denn auf diese Weise wird die Kleiderflut nicht eingedämmt, sondern es wird weiterhin konsumiert.

«Ich kann den Modetrends nur folgen, wenn ich in günstigen Kleiderläden einkaufe.» Das höre ich vor allem von jungen Frauen immer wieder, und ich kann es durchaus nachvollziehen. Es ist verführerisch, wenn grosse Modeketten es ermöglichen, dass man einen Style schon wenige Wochen, nachdem er von exklusiven Designern auf den Laufstegen gezeigt wurde, bereits günstig kaufen kann. Seit ich zunehmend Wert auf die faire und nachhaltige Herstellung von Kleidern lege, sehe ich modische Trends nüchterner. Selbst wenn das Hippie-Blüschen, welches das braun gebrannte Model im Werbeclip trägt, der im Warenhaus nonstop über die Monitore flimmert, durchaus auch meine Sehnsüchte wecken könnte, lasse ich mich nicht mehr so schnell verführen. Denn ich weiss, dass es an mir nicht einmal halb so gut aussehen würde. Und dass ich bei näherer Betrachtung keine Freude am Stoff und dessen Verarbeitung hätte. Ein Teil, das keine 30 Franken kostet, kann einfach keine Qualität bieten.

Übersichtlich muss nicht langweilig bedeuten

Stilsicher: Caroline de Maigret. (Instagram)

Glücklich darum, wer seinen eigenen Stil gefunden hat. Zu wissen, dass einem die klassische, schmal geschnittene, dunkelblaue oder weisse Jeans, kombiniert mit einem lässigen Pulli oder einem hochwertigen T-Shirt, einfach am besten steht, spart nicht nur Zeit und Geld. Es ist auch die einfachste Möglichkeit, der Kleiderflut Einhalt zu gebieten. Stilsichere Frauen wissen, dass sich selbst ein noch so schlichtes Outfit mit einer aussergewöhnlichen Tasche oder eben solchen Schuhen aufwerten lässt. Und, dass es durchaus möglich ist, auch mit einer relativ übersichtlichen Basis-Garderobe immer wieder neue Kombinationen zu kreieren: Weniger Kleiderstücke zu besitzen, bedeutet ja nicht, dass das Outfit langweilig ist.

Wie erleichternd ist es hingegen, wenn man nicht vor dem überfüllten Schrank stehen und klagen muss: «Ich habe nichts anzuziehen!» Weil man quasi vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht. Weil nichts wirklich zueinanderpasst und viele der oft unüberlegt gekauften Stücke zerknittert und auch sonst in schlechtem Zustand sind. Weil man diese nicht wirklich mag, hat man auch wenig Lust, sie zu hegen und zu pflegen. Und so wird der Billigblazer mit den abgerissenen Knöpfen Dauergast im Kleiderschrank.

Outfits zu tragen, die bewusst ausgesucht wurden – statt im Kaufrausch drei Billigkopien zu shoppen, die nach dreimal Waschen bereits in den Kleidersammlungssack wandern –, macht nicht nur Freude, sondern hilft auch, der Kleiderflut Einhalt zu gebieten. So kann man sich auch guten Gewissens all die Ordnungsvideos von Marie Kondo und Co. sparen.

Und hier noch ein inspirierendes Video, das dabei helfen könnte: