Die Schönheit zum Schlucken boomt

Sind Beautypillen bald in aller Munde? Foto: Thinkstock

Cremen, Lotionen, Sprays und Ampullen: Die Zeiten, in denen Pflegeprodukte nur äusserlich angewendet werden, scheint vorbei. Jetzt muss stärkeres Geschütz her, um gesund und schön zu bleiben. «Nutricosmetics» sind gefragt wie noch nie.

Und so sind Zink, Lycopen, Algenextrakte und Biotin so etwas wie das neue Botox. Sie kommen in Form von Drinks, Kapseln, Pulver und Pillen, verpackt in stylische Behälter, in unsere Badezimmer, wo sie der teuren Anti-Aging-Creme Gesellschaft leisten. Bei regelmässiger Anwendung sollen die Beautypillen kleine Wunder bewirken. Also Fältchen glätten, das Bindegewebe straffen, Nägel und Haare kräftigen, das Gewicht im Zaum halten und natürlich den Alterungsprozess verlangsamen.

«Boost» für die Kollagenproduktion der Haut

Natürlich wurden in Drogerien und Bioläden schon früher Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Und unsere Mütter schwärmten von Kieselerde und Biotin als natürliche Schönmacher. Doch seit ein paar Jahren haben die Schönheitsmedikamente den Aufstieg in die hippen Shops, in Concept- und Onlinestores gefunden.

Alleine im Luxus-Online-Warenhaus Net-à-porter gibt es zurzeit mehr als 70 Produkte, die Schönheit und Wohlbefinden versprechen. Und dies mit so vielversprechenden Namen wie «Welleco The Super Elixir», «Herbalore Catalyst Gold Supplement», «The Beauty Chef» oder «Collagen Inner Beauty Boost». Letzteres kombiniert organische Maqui-, Açaí-, Goji– und Blaubeeren, Granatapfel, Traubenkernextrakte, Zink, Vitamin C. All dies soll laut den Vertreibern die Kollagenproduktion der Haut «boosten».

Stars und Sternchen als Vorbilder

Die Zielgruppe für diese Nahrungsmittelkosmetik scheint klar: urbane Menschen, für die die Grenzen zwischen Schönheit und Gesundheit immer stärker verschmelzen, die regelmässig detoxen, Kokoswasser trinken, Mediations-Apps verwenden und coole Sportklamotten tragen. Kurz, die ihr Äusseres, ihre Leistung und ihren Lebensstil optimieren wollen. In Zeiten des Perfektionswahns ist dieses Streben nicht verwunderlich.

Natürlich kommt der Beautypillen-Trend aus den USA. Karen Grant, Beauty-Analystin des US-Marktforschungsinstitutes NPD, sagte letztes Jahr zur «Süddeutschen Zeitung», dass sich das Angebot dieser Schönmacher binnen zwei Jahren verdoppelt habe. Weltweit würde mit den Beauty-Supplements ein Umsatz von 133 Milliarden US-Dollar gemacht, Tendenz steigend.

Reese Witherspoon setzt auf den UV-Schutz per Tablette, Anne Hathaway schwört auf Slimming-Smoothies, und Naomi Campbell will mit Fischöl-Vitaminkapseln das Altern aufhalten. Und was den Stars in Hollywood recht ist, soll uns nur billig sein.

Beauty-Supplemente sind keine Medikamente

Die meisten Produkte, die momentan auf dem Markt sind, enthalten Kollagen, Beerenextrakte, Vitamine und Antioxidantien. Da diese Beauty-Supplemente nicht als Medikamente gelten, werden sie auch nicht staatlich kontrolliert. Natürlich gibt es Anbieter, die genau auflisten, was ihre Produkte beinhalten. Bei vielen Produkten aber ist unklar, woher die Inhaltsstoffe kommen und wie hoch ihre Konzentration ist. Eine weitere offene Frage ist auch die Wechselwirkung mit gewissen Medikamenten.

Über Sinn und Unsinn von Beautypillen lesen Sie am Montag an dieser Stelle ein Interview mit der Dermatologin und Fachärztin Dr. Liv Kraemer.

9 Kommentare zu «Die Schönheit zum Schlucken boomt»

  • rachel Tanner sagt:

    Der Verbrauch von Fischölkapseln weltweit zerstört ein ganzes Ökosystem im Südpazifik. Dort wir nach und nach der gesamte Fischbestand leergefischt, um Omega-3-Fischöl-Kapseln zu produzieren. Wenn diese Kapseln weiterhin einen dermassen hohen Verbrauch haben, ist es dann in wenigen Jahren vorbei und der Pazifik wird definitiv nur noch als Müllkippe brauchbar. Dabei gibt es nicht einen wissenschaftlichen Nachweis, dass Fischöl wertvoller sein soll als z.B. Leinöl. Viele pflanzliche Öle sollen sogar mehr Omega-§-Säuren enthalten als Fischöl.

  • Claude Fontana sagt:

    Man nennt es Mimik,es hilft dabei sich auszudrücken, wer sich nicht ausdrücken will nimmt Botox dagegen. @Frau Villa. Genau das ist das Problem. Natürlichkeit zu verteufeln.

  • Claude Fontana sagt:

    Hier die Rote, hier die Blaue Pille, wenn sie die Rote Pille nehmen werden sie Lieb, kriegen ein grosszügiges, verzeihendes herz, und werden die beste Frau der welt. Wenn sie die Blaue nehmen werden Sie Hübsch. arrogant und lästern über alle, die sie nicht hübsch finden, oder die Blaue Pille nicht geschluckt haben. wenn sie die rote schlucken, werden sie Ausgenutzt. wenn sie die Blaue nehmen, Nützen Sie alle Aus. Mir Scheissegal, für welche sie sich entscheiden, ich verkaufe nur Pillen. Zu Risiken und Nebenwirkungen: Sie werden von Beiden Pillen Arm, denn ich bestimme den Preis. Ansonsten ist es kein Medikament, deswegen spare ich mir gesundheitliche Warnungen.

  • Jürg sagt:

    @Villa: Schlechte Gewohnheit? Also ich spreche lieber mit Menschen, die ihre Emotionen (auch im Gesicht) zeigen, als mit solchen, die ständig eine starre, gefühllose Maske auf haben. Ich will mit Menschen sprechen, nicht mit Robotern.

  • Esther Villa sagt:

    Es gibt kein Wunder das die Haut jünger aussehen lässt ! Seit jahrzenten brauche ich nur Weleda cremes welche natürlich sind. Mit 60 habe ich noch keine Falten und ich sehe jünger aus. Also, keine Wunder mit Chemie ! Und dann noch extrem teuer dazu.

    • Valentina sagt:

      @Villa: Ich glaube Ihnen sofort. Wundermittel, die die Haut jünger machen, gibt es nicht, und Weleda Produkte sind sehr gut. Aber ich frage mich immer, wieso alle (und zwar wirklich ALLE) Menschen, die mir begegnen, sagen, sie sähen jünger aus. Vielleicht ist es so. Nur, wir müssen heute weder den ganzen Tag auf dem Acker arbeiten, noch Wäsche waschen am Fluss, und wir haben Sonnenschutz, gute Nahrungsmittel, freie Wochenenden und Ferien und Zugang zu Medikamenten/Ärzten und wir können viel schlafen. All das trägt dazu bei, dass viele Menschen gesund sind und bleiben und folglich auch langsamer altern. Vermutlich haben wir heute wirklich alle weniger Falten als unsere Grossmütter und Grossväter, aber für unsere Zeit sehen wir mit 40, 50, 60 etc. dem Alter entsprechend aus.

      • Esther Villa sagt:

        Frauen und auch Männer welche ständig die Stirne runzeln beim reden habe viele Fältchen, und schon mit 30 ! Es braucht eine gewisse Diziplin nicht die Stirne und (manchmal) das ganze Gesicht (!) zu verziehen aus lauter Gewohnheit ! Ausserdem ist es nicht angenehm mit solchen Leute zu sprechen. Es ist eine schlechte Gewohnheit.

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