Keimfreie Intimpflege

Bei der Verwendung von Intimpflegeprodukten ist Vorsicht geboten. Auch wenn der Trend momentan ein anderer ist. Bild: Getty

Kürzlich erhielt ich ein hübsches Paket von einer PR-Firma. Zuerst dachte ich, es seien neue Beautyprodukte. Die Muster erinnerten auch daran: Es gab ein Peeling, einen Cooling Spray, eine Waschlotion und ein nährendes Öl. Stutzig wurde ich allerdings, als ich einen Mini-Rasierer und ein After-Shave-Deo entdeckte. Ich brauchte einen Moment, bis mir klar wurde: Dieses ganze Produktesortiment ist für die weibliche Intimzone gedacht.

Ich war im ersten Moment etwas überfordert, stamme ich doch aus einer Generation von Frauen, deren Mütter sich mit süsslich riechenden Intimsprays deodorierten – aus Sorge, man könnte «da unten» nicht frisch genug sein. Über diese Einstellung habe ich mich immer lustig gemacht, denn ich bin der Meinung, dass eine regelmässig, sanfte Pflege ohne Parfums und künstliche Duftstoffe vollauf genügt. Und dass ein sauberer «Eigenduft», egal ob bei Frau oder Mann, durchaus seine Vorteile hat. Vor allem, weil inzwischen klar ist, dass Intimwaschlotionen oder parfümierte Duschgels Irritationen auslösen können. Denn normalerweise wirkt der niedrige pH-Wert einer gesunden Scheidenflora als Schutzschild gegen die Besiedelung der Scheide durch Krankheitserreger.

«Leider gibt es auch im Intimbereich masslose Übertreibungen»

«Im Zeitalter des Overall-Waxings ist die Aufmerksamkeit für die Intimregion weiter gestiegen», sagt Professorin Gertrude Beer, Schönheitschirurgin aus Zürich. «Frauen realisieren, auch durch die sozialen Medien inspiriert, dass die Intimregionen sehr unterschiedlich aussehen können, und versuchen, wie bei der Gesichtspflege, ein individuelles Aussehen zu erreichen.» Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis die Schönheitsindustrie hier ein beachtliches Marktpotenzial erkannt habe.

Nun ist die Vorstellung von «gepflegtem Aussehen» Ansichtssache. Während die jüngere Generation dies vorwiegend mit einem haarlosen Körper verbindet, mögen reifere Frauen durchaus noch eine gewisse, wenn auch gepflegte Behaarung. Dies, weil sie der Meinung sind, dass die sogenannte «Lolita-Rasur» nicht unbedingt zu ihrem Körper passt.

«Leider gibt es auch im Intimbereich masslose Übertreibungen, die Gefahr der Vereinheitlichung und der Wunsch, einem unerreichbarem Ideal nachzueifern», sagt Beer. Hier gehe es nicht mehr um Sprays und Öle, sondern um invasive Chirurgie und Intimbleachings. Denn der Schambereich soll, so ein neuer Trend, nicht mehr nur enthaart, sondern auch aufgehellt werden. In verschiedenen Praxen wird darum mit einem IPL-Gerät gearbeitet, dessen Lichtimpulse das Melanin in der Haut zerstören soll. Diese Technik ist eigentlich die gleiche, mit der Muttermale oder andere Pigmentveränderungen per Laser behandelt werden. «Da die Intimregion meist sehr empfindlich ist, kann diese Behandlung risikoreich sein», sagt die Schönheitschirurgin.

Körperpflege, auch an den intimsten Stellen, ist Privatsache. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass die unsachgemässe Anwendung – ja, auch von sehr trendigen Pflegemitteln – zu Hautreizungen, Juckreiz und Pilzerkrankungen führen kann. Und ob eine aufgehellte Intimzone wirklich lebensverändernd ist? Stellt sie ein wirkliches Problem dar, dann gratuliere ich zu einem wirklich sorgenfreien Leben!

Lesen Sie zum Thema auch folgende Postings: Keine falsche Scham Warum die Intimrasur der Gesundheit schaden kann

13 Kommentare zu «Keimfreie Intimpflege»

  • Sophie Nicolle sagt:

    Bidet ist definitiv out ! Eine Dusche und fertig. Natürliche Produkte wie Weleda, Biokosma, usw.

  • Fragezeichen sagt:

    Ich staune immer wieder zu was sich Frauen – von wem/was auch immer, bringen lassen.
    Manchmal kann frau schon am gesunden Menschenverstand einiger jungen und auch älteren Frauen zweifeln
    Manchmal würde auch nur schon das etwas häufigere wechseln der Unterwäsche helfen

  • Widerspenstige sagt:

    Natur pur, nur in der Bikinizone rasiert, ist einer der Wegbereiter zum sexuellen Höhepunkt. Der animalische Geruch ist die Essenz, die das Verlangen weckt… Wie flüsterte Casanova seiner jeweiligen Liebsten ins Ohr: ‚Wasche Dich nicht, denn ich will Dich riechen pur!‘ Frau sollte wieder in alten (gar orientalischen?) Schriften nachschlagen, was da steht oder sich ein Bidet leisten, wie es die Französin so sehr schätzt. Regelmässiges Duschen, sanfte Reinigung mit Teewasser mit zB Jasminduft, bei Reizungen mit Kamille oder Molkosan bei Juckreiz tun ihre Dienste sehr wohltuend pH-neutral und sind erst noch günstig und jederzeit einsatzbereit. Tipps einer reifen Frau 😉

    • Fragezeichen sagt:

      Danke für diese gesunde Einstellung!
      Bidet – etwas was ich leider hier zu Lande meist vermisse. Da baut man lieber eine Wanne und eine Dusche in einem Badezimmer ein, ein Bidet wäre viel Zweckmassiger und ist in anderen Ländern – denen wir uns oft weit überlegen fühlen – meist an der Tagesordnung!

    • Maru sagt:

      Zu Zeiten Casanovas pflegte man sich sowieso nicht zu waschen, höchstens zu parfümieren.

      Aber ja, Sie haben recht, ein Bidet ist wirklich etwas Wunderbares für die Intimhygiene und sollte in keinem Badezimmer kultivierter Menschen fehlen.

  • bela summermatten sagt:

    Liebe Frauen hört bloss auf mit bleachen, rasieren und parfümieren. Wir Männer lieben es nature!

    • Sonusfaber sagt:

      Wozu sich zum Sprachrohr aller Männer aufwerfen? Überlassen Sie es doch bitte jedem einzelnen Mann zu sagen, was er mag. Ich jedenfalls äussere lieber selber meine Wünsche und Vorlieben – und sie stimmen mit den Ihren in Bezug auf das Thema dieses Blogs nicht überein ….

      • Nina sagt:

        Es geht nicht um Deine Wünsche. Frau entscheidet selbst. Wie unterwürfig sich für einen Mann zu verändern, wenn frau es anders haben will als der Kerl.

      • Sonusfaber sagt:

        @ Nina, Herr summermatten hat geschrieben: „Wir Männer lieben es pur“. Meine Zeilen sind eine Antwort auf diese seine Aussage, auf diese seine Verallgemeinerung, denn ich mag es nicht, dass jemand sagt, was ich mag oder nicht mag. Ich brauche keinen Vormund. Verstehen Sie, was ich meine? Mir wäre es lieber gewesen, hätte Herr summermatten nur von sich geschrieben : „ICH liebe es so oder so“. Und ja – es wäre schön, finde ich, würde jeder von uns für sich selbst einstehen, selbstbestimmt leben, würdevoll, ohne sich seinen Mitmenschen zu unterwerfen, ohne sich zu verbiegen. Da haben Sie vollkommen Recht. Aber Wünsche und Vorlieben hat trotzdem jeder von uns, jedes Lebewesen, ohne könnten wir nicht leben. Und daher sage ich es: Ich habe es lieber weniger „pur“ als Herr summermatten …

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