7 Mythen rund ums Sonnenbaden

Von Kopf bis Fuss

Nur mit einem guten Sonnenschutz lässt sich die Gefahr von Hautschädigungen durch die Sonne minimieren. Foto: iStock

Die Sonne ist unsere Freundin: Sie verleiht uns ein gutes Körpergefühl und einen schönen Teint. Und sie sorgt für gute Laune. Wenn man sich richtig verhält. Obwohl wir glauben, alles Wichtige zum Thema Sonnenschutz zu wissen, ist die Unsicherheit, was die Gefahren betrifft, gross. Dr. med. Liv Kraemer, Fachärztin für Dermatologie in Zürich, erklärt, was richtig ist und was falsch.

Mythos 1: Ein UV-B-Lichtschutzfaktor 30 oder 50 einmal am Tag aufgetragen, schützt mich rundum.

Falsch! Wir unterscheiden zwischen organischen (chemischen) und mineralischen (physikalischen) UV-Filtern. Ein UV-B-Filter kann zwar einen Teil der UV-Strahlen abblocken und die Zeit verlängern, bis ein Sonnenbrand entsteht. Er schützt vor allem vor der kurzwelligen UV-B-Strahlung, die hauptsächlich für den Sonnenbrand und den Hautkrebs verantwortlich ist. Genauso wichtig ist allerdings auch der UV-A-Schutzfaktor, der vor Pigmenten, Rötungen und Falten schützt. Doch ein totaler Schutz existiert nicht. Ausser, wenn man im dunklen Keller lebt. Aber wer will das schon!

Liv Kraemer, Dr. med., ist Dermatologin, Skincare- und Skinfood-Expertin und Personal Skincoach.

Mythos 2: Auch Wärme kann der Haut schaden.

Unklar. Mittlerweile wird diskutiert, ob auch der kurzwellige Anteil der Infrarotstrahlung (IR-A) des Sonnenlichts die Hautalterung beschleunigt. In Bezug auf die Sonne würde dies bedeuten: Rötet sich die Haut, hat die Haut bereits Schaden genommen. Dann hilft nur noch, mit speziellen Aftersun-Produkten oder auch mit Hausmitteln wie Quark für Linderung in Form von Kühlung zu sorgen. Antioxidantien könnten helfen, diesen sogenannten oxidativen Stress in der Zelle zu minimieren.

Mythos 3: Mehrfaches Eincremen erhöht den Lichtschutzfaktor.

Falsch! Der Sonnenschutz addiert sich nicht. Zweimal mit Lichtschutzfaktor (LSF) 20 eingecremt, ergibt nicht LSF 40, sondern bleibt bei 20. Wobei Menschen sowieso dazu neigen sich zu dünn einzucremen – vor allem an Stellen, die man schwer erreicht, wie der Nacken, die Schulterblätter oder die Rückseite der Oberschenkel. Und: Die Ohren nicht vergessen! Ein weiterer Irrtum ist, dass ein Sonnenschutz 100 viermal mehr schützt als ein Schutzfaktor 25.

Mythos 4: Mit Ernährung lassen sich die körpereigenen Schutzmechanismen aktivieren.

Richtig! Polyphenole, Vitamin E, Beta Carotine und Vitamin C sind bei Prozessen wie der Zellerneuerung wichtig, die sich in der Haut abspielen. Ausserdem sind Antioxidantien gefragt, um freie Radikale abzufangen, die durch die Sonneneinwirkung und die Abwehrmechanismen entstehen. Mit grünem Tee, Blaubeeren und buntem Gemüse kann man den Hautschutz von innen etwas unterstützen.

Mythos 5: Helle Kleidung schützt mehr vor der Sonne als dunkle.

Falsch! Schwarze Kleider absorbieren mehr als 90 Prozent der UV-Strahlung, während weisse rund 40 Prozent des UV-Lichts durchlässt. Wer ganz sichergehen will, kauft sich am besten Kleidung mit UV-Schutz. Und auch auf die Beschaffenheit der Stoffe kommt es an. Je engmaschiger der Stoff, desto höher ist der Schutz vor der Sonne. Und, ja, auch im Schatten oder unter dem Sonnenschirm kann man ungeschützt einen schweren Sonnenbrand bekommen. Denn die meisten Schirme haben keinen UV-A-Schutz.

Mythos 6: Richtig braun wird man nur mit einem tiefen Schutzfaktor.

Falsch! Viele, die unbedingt so richtig braun aus den Ferien zurückkommen wollen, greifen zu einer Creme mit niedrigem Schutzfaktor. Damit steigt das Risiko eines Sonnenbrandes und des Hautkrebses und vor allem der Hautalterung, denn Bräune bedeutet bereits eine Schädigung der Haut. Ein hoher LSF verhindert die Ferienbräune nicht. Natürlich kommt es auch auf den Haut- und Haartyp an und darauf, zu welchem Zeitpunkt man an die Sonne geht. Hellhäutige Menschen und Kinder müssen diesbezüglich am vorsichtigsten sein. Aber auch Menschen, die bereits vorgebräunt sind, sollten im Sommer mindestens einen Schutzfaktor 30 verwenden.

Mythos 7: Wasserfesten Sonnenschutz muss man nach dem Schwimmen nicht erneuern.

Falsch! Obwohl viele Hersteller mit «wasserfester» Sonnencreme werben, kann sich der Schutz nach dem Kontakt mit Wasser um bis zu 50 Prozent verringern. Beim Abtrocknen mit einem Badetuch kann der Schutz sogar ganz verschwinden. Da die Schutzwirkung durch Schwitzen, Reibung oder Wasserkontakt reduziert wird, ist ein wiederholtes Auftragen erforderlich, um den Schutz aufrechtzuerhalten.

Mehr Tipps von Dr. Liv Kraemer zu Sonnenschutz hier.

12 Kommentare zu «7 Mythen rund ums Sonnenbaden»

  • anni sagt:

    komisch, ausgerechnet in der CH mit ihrem sonnenschutzhype ist die hautkrebsrate europaweit am höchsten. und das ausgerechnet bei den jüngeren die schon als Baby mit hohe LSF eingeschmiert worden sind! früher gab es LSF 3, 5 oder 7 und die hautkrebsrate war niedriger. wenn die intensität der sonne tatsächlich dermassen höher ist, müssten wir längst verkohlt sein! ein riesiges pharmabusiness mit der angst. und wir alle bezahlen mit den krankenkassenprämien die folgen…

  • Tobias sagt:

    Lichtjahre ist keine Zeitangabe, sondern eine Entfernungsangabe. Ähnlich verwirrend verhält es sich mit dem LSF (Lichtschutzfaktor). Diese bezeichnet NICHT die Stärke einer Sonnenschutzlösung, sondern lediglich die Dauer. Kleines Beispiel: Ein normaler Europäer (nicht rothaarig oder britisch, he he) kann ohne Sonnenschutz ca. 10-15 Minuten bedenkenlos in der Sonne verbringen. Mit Schutzfaktor 25 multipliziert sich diese Zeit x25, also ca. 4-6 Stunden (je nach Hauttyp). Mit Schutzfaktor 100 könnte man also mit einmaligem Einreiben 16-24 Stunden an der Sonne verbringen (wenn man nicht schwitzt, nicht duscht, nicht badet, sowie einen Ort findet der 24 Stunden Sonne hat). Also lieber ein billigeres Produkt kaufen mit weniger LSF, dafür mehrmals einreiben.

  • Stefan Fink sagt:

    ….und kein Wort über die problematischen Inhaltsstoffe und Nanopartikeln in Sonnencremes. Auch kein Wort darüber, dass auf Mineralien basierende Sonnencremes weit aus unproblematischer – auch für die Umwelt.

  • Simon sagt:

    Ich habe kürzlich gelesen, dass es garnicht so klar ist, ob Sonnencreme wirklich vor Hautkrebs schützt, resp. ob der erhöhte Schutz nicht durch die verlängerte Exponierung wieder kompensiert wird. Haben Sie dazu noch irgend welche Informationen?

    • Fernand Rohner sagt:

      Genau! Auch die „beste“ Sonnenschutzcreme schützt höchstens 30%, auch bei dunkelfarbigen Leuten.
      Der beste Schutz: Schatten…

      • Maike sagt:

        Und das ist auch so ein Mythos – Im Schatten holt man sich keinen Sonnenbrand. Auch da ist man durchaus gefährdet.

  • lukas sagt:

    mersi, so betrachtet stimmts 🙂

  • lukas sagt:

    verstehe den satz “ Ein weiterer Irrtum ist, dass ein Sonnenschutz 100 viermal mehr schützt als ein Schutzfaktor 25″ nicht ganz: der lichtschutzfaktor sollte ja theoretisch angeben, wie viel man länger als mit der eigenschutzzeit der sonne exponiert sein kann, ohnen einen sonnenbrand zu bekommen. das wäre ein scheuer widerspruch.

    • Tobias sagt:

      Eben. Ein Sonnenschutz 100 schützt nicht „viermal mehr“ als ein Schutzfaktor 25, sondern viermal länger. Daher alles korrekt und kein Widerspruch.

    • Marcus Ballmer sagt:

      Ein Lichtschutzfaktor 25 hält bereits 95 Prozent der Strahlung ab. Ein LSF 50 dürfte somit nahe bei 100 Prozent liegen – und mehr geht ja nicht. So jedenfalls mein Verständnis. Meines Wissens gibt es gar keine Sonnencrème mit LSF 100.

      • marsel sagt:

        Wir kommen je länger desto mehr zum Schluss, dass es kaum einen spürbaren Unterschied gibt zwischen 30 und 50. Und dass man nicht mal mit der 50 den ganzen Tag an der Sonne bleiben kann – was doch eigentlich seltsam ist, dauert ein Sonnentag ja kaum länger als 10 Stunden, mit Faktor 50 also theoretisch nur 12 Minuten.
        Will sagen: Ich traue den Zahlen nicht mehr. Das einzige, was hilft, sind Schatten und Kleider/Hut.

    • Andy sagt:

      Gemäss dem verlinkten Artikel von Dr. med. Liv Kraemer und Wikipedia folgt der LSF einer umgekehrten Exponentialkurve. Der Unterschied zwischen LSF 6 und 30 ist riesig, aber der zwischen 30 und 50 klein und noch grössere LSF machen nicht mehr viel mehr aus. Wenn ich den englischen Wikipedia-Artikel richtig verstanden haben, macht es in der Praxis doch etwas mehr aus ob LSF 30 oder 50 angewendet wurde, weil die wenigsten die vom Hersteller empfohlene Menge von 2mg/cm^2 auftragen.
      Nach meinem Verständnis sollte man, bevor LSF 100 gekauft wird, lieber das Geld in grosse Mengen LSF 30 oder 50 investieren und richtig „dick“ auftragen (zwei Esslöffel ins Gesicht ist viel).

Kommentar

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