Der Krieg gegen die eigenen Kurven

Ob dick oder dünn: Die meisten Frauen sind mit ihrem Körper alles andere als zufrieden. Foto: Maurício Mascaro (Pexels)

Ob dick oder dünn: Die meisten Frauen sind mit ihrem Körper alles andere als zufrieden. Foto: Maurício Mascaro (Pexels)

«Viele Frauen führen einen regelrechten Kampf gegen ihren Körper. Ich würde nie zugeben, dass ich eine von ihnen bin. Wenn es bei Gesprächen mit Kolleginnen um Diäten, Abnehmen, Cellulite und Co. geht, tue ich sehr cool. Schliesslich bin ich diszipliniert und habe mich und meinen Körper im Griff. Allerdings geniesse ich das Essen und Trinken schon lange nicht mehr. Und falls ich mal ein bisschen über die Stränge gehauen habe, dann gehts zur Strafe am nächsten Tag auf eine extra Joggingrunde, oder es wird  gefastet.»

Diese Aussage stammt nicht von mir, sondern von einer 39-jährigen, gut aussehenden und selbstbewussten Juristin, die ich für mein neues Buch «Bye-bye, Traumfigur. Willkommen im eigenen Körper» interviewt habe. Diese Härte gegen sich selber findet man bei den unterschiedlichsten Frauen immer wieder: bei der 13-jährigen Jugendlichen, bei der jungen Mutter oder der 56-Jährigen in den Wechseljahren.

Natürlich führt nicht jedes weibliche Wesen diesen Kampf gleich verbissen. Aber ich kenne kaum eine Frau, die sich in Phasen ihres Lebens nicht zeitweise oder immer wieder mit der Frage beschäftigt: «Bin ich zu dick?», «Bin ich zu dünn?», «Sieht mein Po in dieser Hose dick aus»?, «Wäre ich mit einem grösseren Busen attraktiver?».

Silvia Aeschbach: Bye-bye, Traumfigur. Willkommen im eigenen Körper. Wörterseh, Gockhausen 2018. 192 S., 24.90 Fr.

Eigenen Ansprüchen genügen

Ich habe diesen Kurvenkrieg mal verbissener und mal entspannter geführt. Einsichten gewonnen und wieder über Bord geworfen. Nach Phasen der Zufriedenheit bin ich wieder unsicher geworden, habe gezweifelt und war manchmal sogar verzweifelt, weil ich es nicht schaffte, meinen Ansprüchen zu genügen. Oder jenen, denen ich glaubte, genügen zu müssen.

Dabei war meine Figur gut proportioniert. Halt mehr Richtung Kim Kardashian als Kate Moss. Leider ging meine Idealvorstellung mehr in Richtung Kate. Allerdings ging mein Mantra «sehr schlank = glücklich» nie auf. Am dünnsten war ich in den schwierigsten Phasen meines Lebens: nach Krankheiten, bei Liebeskummer oder bei persönlichen Verlusten.

Selbstvertrauen gewinnen

Das Streben nach körperlicher Perfektion fängt immer früher an. Teenager wollen so aussehen wie ihre Insta-Stars. Natürlich sind auch schnell Schuldige gefunden: Die Influencerinnen, TV-Formate wie «Germany’s Next Top Model», die Modemagazine usw. Selbst wenn Eltern versuchen, ihren Mädchen ein gutes Selbstvertrauen bezüglich ihres Aussehens zu vermitteln: Es gibt leider keine Garantie für eine gute und gesunde Entwicklung.

Was ich während des Schreibens des Buches für mich gelernt habe? Ich suche einen Mittelweg: Ich akzeptiere, dass in meinem Alter die Tage der Traumfigur gezählt sind, bin aber durchaus noch eitel genug, dass ich (immer wieder) auf meine Linie achte, mir Grenzen setze. Aber das Wichtigste: Ich weiss inzwischen, ohne Selbstakzeptanz, Grosszügigkeit und Fürsorge mir selbst gegenüber werde ich nie mit meinem Körper zufrieden sein. Egal ob ich Grösse 36 oder 42 trage.

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Veranstaltungstipp: Buchvernissage von «Bye-bye, Traumfigur – willkommen im eigenen Körper». Diesen Montag, 11. Juni in der Barfussbar am Stadthausquai 12 in Zürich. Türöffnung: 20 Uhr. Eintritt CHF 15.–, mit CARTE BLANCHE CHF 10.–