Flatulenzen und Turbulenzen

Furzen, bis die Polizei kommt: Starke Blähungen im Flugzeug sind lästig und provozierend. Foto: iStock

Manchmal höre ich Meldungen, die ich zuerst nicht glauben kann – sie scheinen mir einfach zu skurril, um wahr zu sein. So erging es mir, als ich vor ein paar Wochen las, dass ein Flugzeug der niederländischen Airline Transavia auf dem Weg von Dubai nach Amsterdam, kurz vor dem Ziel, in Wien notlanden musste. Der Grund: ein Passagier, der unter starken Blähungen litt. Dieser liess seinen Winden, gut hörbar und ebenso riechbar, ihren sehr freien Lauf. Anscheinend beschwerten sich Mitpassagiere lautstark bei der Crew über den Geruch. Diese verwarnte allerdings nicht den Verursacher des Gestanks, einen alten Mann, sondern die Beschwerdeführer. Als ein lautstarker Streit unter den betroffenen Passagieren ausbrach, wurde der Flug abgebrochen.

Beinahe hatte ich diese amüsante Begebenheit vergessen, als ich letzte Woche mit meinem Mann von London nach Zürich flog. Wir hatten etwa die Hälfte unseres Weges zurückgelegt, als ich einen Geruch wahrnahm, der mir im wahrsten Sinn den Atem raubte. Und der innert weniger Sekunden immer stärker wurde und mir beinahe den Magen umdrehte.

Überforderte Passagiere und Luftdüsen

Vorwurfsvoll schaute ich zu meinem Mann, doch dieser schaute gleichermassen entsetzt und blass um die Nase zurück. Er konnte also nicht der Übeltäter sein. Der Gestank liess sich kurz danach auch orten: Er stammte klar von einem Mann, der schnarchend vor uns sass. Scheinbar merkte er nicht, was ihm entfuhr.

Im Verlauf unseres Flugs wallte etwa alle drei Minuten ein neuer Schwall nach hinten, in einer solchen Intensität, wie ich ihn nur von meinem Hund Louis kannte. Und dies auch äusserst selten. Aber in diesem Fall reisse ich jeweils einfach das Fenster auf oder flüchte aus dem Zimmer. Aber im voll besetzten Flugzeug fühlte ich mich gefangen. Und dieses Gefühl löste leichte Panik aus. Wir stellten unsere Luftdüsen aufs Maximum, fächelten uns Luft zu, doch alles half nichts. Ich fühlte mich einer Ohnmacht nahe.

Dann, zehn Minuten vor der Landung – wir waren bereits im Sinkflug – hörte der Spuk plötzlich auf. Meine Erleichterung war grenzenlos. Beim Aussteigen muss eine Flugbegleiterin meinen leidenden Blick richtig gedeutet haben und flüsterte. «Sorry, der Passagier vor Ihnen hat nach dem Start einige Becher Cola getrunken. Ich nehme an, dass seine Beschwerden davon rührten.»

Was tun gegen «Boeing belly»?

«Boeing belly» wird dieses Phänomen genannt. Der Grund: Über den Wolken leiden wir stärker unter Blähungen als am Boden. Und das liegt scheinbar am verringerten Luftdruck. Ab etwa 3500 Metern Höhe sammeln sich Gase im Darm. Und je höher das Flugzeug steigt, desto stärker wird das Bedürfnis, Luft abzulassen. Cola mit viel Kohlensäure, Kohlgemüse, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch, Peperoni können dies noch verstärken.

Was also tun, wenn es während des Flugs im Bauch rumort? Blähungen zu unterdrücken, soll nicht gesund sein. Wissenschaftlern der Universität Kopenhagen zufolge kann das Zurückhalten von Blähungen sogar zu entzündlichen Ausstülpungen der Darmwand führen. Also: Wenn Luft wegmuss, dies bitte auf der Flugzeugtoilette machen!

Nach der Notlandung in Wien nahm die Polizei übrigens die vier Passagiere, die sich lautstark beschwert hatten, in Gewahrsam. Der Furzer durfte weiterfliegen.

16 Kommentare zu «Flatulenzen und Turbulenzen»

  • Sandra sagt:

    Fürze kann man gar nicht zurückhalten, das ist physisch nicht möglich. Und immer gleich auf die Toilette rennen wenn’s gerade etwas bläh(s)t?? Und wenn denn auf der Toilette gerade jemand vor dem Spiegel steht, wieder rausrennen? Oder die Person bitten, sich zu entfernen? Am besten noch schriftlich und mit Knicks?

  • Jessas Neiau sagt:

    Frau Aeschbacher, wo lassen Sie denn sonst Ihre Winde, wenn nicht auf der Toilette? Anständige Menschen tun das selbstverständlich nicht nur in der Luft, sondern auch auf dem Boden. Und daran sieht man einmal mehr, wieviel Anstand wert ist und wohin er führt.

  • Peter Huber sagt:

    Weshalb serviert man Gästen auf Flügen blähende Getränke? Weshalb nur? Kann irgend ein Cola-Hersteller so starken Druck auf die Cateringfirmen ausüben, dass sie solche Getränke anbieten müssen? Dass die Leute rund um die Betreuung von Passagieren umprofessionelle Ignorantinnen und Ignoranten sind, kann ich einfach nicht glauben. Durch Erfahrung gewitzigt bin ich aber auch skeptisch gegenüber diesem Argument.

    • Peter Sieber sagt:

      Die Caterer kriegen Geld von den Blöterliwasserfirmen für jede Dose und es sind nicht die Caterer, welche das Getränkeangebot festlegen, sondern die Airlines. Von Wasser über Cola bis Bier und Wein sagen die Airlines, was serviert wird.

  • Juliette sagt:

    Es gibt auch Angstfurze

  • UWS sagt:

    Das ist eine sogenannte Reziproke Proportinalität. Das Gasgesetz von Boyle-Mariotte sagt, dass unter gleicher Temperatur bei Abnahme des Drucks (nimmt ab bei steigender Höhe) das Volumen von Gas proportional zunimmt. Gas im Darm dehnt sich daher auf in größerer Höhe.

  • Robert sagt:

    Der Luftdruck im Innern eines Passagierflugzeugs wird beim Flug etwa auf denjenigen auf 2500 müM abgesenkt. Dabei macht der menschliche Körper einen Druckausgleich durch – ansonsten hätte das schlimme Folgen.
    Anders gesagt: Wer im Flugzeug furzt, hätte am Boden auch gefurzt.
    Von Cola rülpst man, das hat damit nichts zu tun.

    • Alexander Wetter sagt:

      meines Erachtens weitgehend eine Frage des Anstandes und Respekt für andere Menschen, in einem Flugzeug, Bus, oder beim Einkaufen, also auf Cola und ander Kohlensäure Getränke und Produkte verzichten

      • Otto Guldenschuh sagt:

        Wetter: Würde mal behaupten über 90% der Bevölkerung weiss gar nicht, dass Cola die Flatulenz im Flugzeug so dermassen verstärkt, also können Sie auch nicht auf Anstand pochen!

    • Norbert Vogel sagt:

      Der Druckausgleich passiert aber nicht sofort, sondern braucht etwas Zeit. Das Gas, was zu dem Zeitpunkt im Darm ist dehnt sich aus. Irgendwann muss es raus.

      Das schlimmste was man machen kann ist Blähungen zurückzuhalten. Bauchschmerzen und ggf. sogar Übelkeit können die Folge sein. Alles raus was keine Miete zahlt!
      Toilette ist eine Möglichkeit, aber wenn’s wirklich alle 3 Minuten drückt auch keine Lösung. Wenn im Flugzeug jemand alle 3 Minuten aufstehen und zur Toilette rennen würde wäre das noch deutlich lästiger als der Geruch.
      Sonst halt einfach leise rauslassen, dann kann man den Verursacher nicht so ohne weiteres finden 😉 Notfalls hilft auch ein strenger Blick und ein „oh das macht doch nichts, hätte mir auch passieren können“ zu einem Nachbarn…

  • Thomas Müller sagt:

    Ursache für den erbärmlichen Gestank sind die tierisch basierten Nahrungsmittel (Fleisch). Das ist Verwesung. Bei Veganern richt es auch nicht angenehm (ähnlich wie beim Pferd), aber dieser Magenkrampf bleibt aus. Das dieser Gestank nicht gesund sein kann, ist ja wohl hoffentlich jedem klar.

    • Beni Klarer sagt:

      Das stimmt nicht.

    • Peter Sieber sagt:

      Aus dem Artikel: „Cola mit viel Kohlensäure, Kohlgemüse, Hülsenfrüchte, Zwiebeln, Knoblauch, Peperoni können dies noch verstärken.“ Alles Fleisch, richtig? Ich habe noch nie einen Magenkrampf im Flugzeug gehabt, kann Ihnen aber garantieren, dass Leute aus gewissen vorderasiatischen Ländern himmeltraurig riechen, wenn sie furzen, das kommt von den Gewürzen und anderen nicht-tierischen Beimengungen. Auch eine volle Babywindel eines Babys, welches noch nie Fleisch ass, schlägt locker alle Fleischesser.

  • Werner Boss sagt:

    Wobei anzumerken wäre, dass Bierfürze überhaupt nicht besser riechen, und zudem oft auch aus den „oberen“ Öffnungen unangenehme Dinge entweichen!

Kommentar

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