So schlagen Sie Erkältung und Grippe ein Schnippchen

Gesunder Galgenhumor: Bemalte Schutzmaske gegen die Schweinegrippe im Sommer 2009. Foto: neys fadzil (Flickr)

Gesunder Galgenhumor: Bemalte Schutzmaske gegen die Schweinegrippe im Sommer 2009. Foto: neys fadzil (Flickr)

«Ich habe die Grippe», tönt es jetzt wieder überall. Wenn man nachfragt, unter welchen Symptomen die Betroffenen leiden, heisst es: «Ich habe Temperatur, Halsschmerzen und Schnupfen.» Doch der Arzt Christian Sigg sagt: «Viele Patienten haben das Gefühl, sie hätten eine Grippe, das ist in vielen Fällen allerdings nicht so. Die meisten haben Erkältungen, die nie so schwer verlaufen wie die klassische Grippe.»

Wie unterscheiden sich die beiden Krankheiten? Gemeinsam ist beiden, dass sie durch Viren, allerdings durch verschiedene Virentypen, ausgelöst werden. Eine Erkältung kann einen mehrmals im Jahr erwischen, sie vergeht in der Regel schnell wieder (auch ohne Medikamente). Eine Grippe ist eine ernst zu nehmende Krankheit, die schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen kann.

Mitte Februar erreicht die Grippewelle ihren Höhepunkt

Anders als bei der Erkältung können die Nachwirkungen einer Grippe oft wochenlang anhalten. Die Intensität der Grippewelle variiert zwar von Jahr zu Jahr, doch laut dem Bundesamt für Gesundheit ist Mitte Februar (in der Kalenderwoche 7) mit der höchsten Zahl an Grippefällen zu rechnen (siehe Grafik).

Anzahl wöchentliche Konsultationen aufgrund grippeähnlicher Erkrankungen, hochgerechnet auf 100'000 Einwohner. Grafik: BAG

Anzahl wöchentliche Konsultationen aufgrund grippeähnlicher Erkrankungen, hochgerechnet auf 100’000 Einwohner. Grafik: BAG

Lohnt es sich jetzt überhaupt noch, sich zu impfen? Christian Sigg sagt Ja: «Auch kurz vorher kann eine Grippeimpfung noch sinnvoll sein, sie schwächt zumindest den Verlauf der Erkrankung ab und schützt bis sechs Monate lang.» Am sinnvollsten sei es aber, sich zwischen Oktober und November impfen zu lassen. Wenn man sich prinzipiell für den Schutz durch eine Impfung entscheidet, muss man sie jährlich wiederholen. Denn die Grippeviren ändern immer wieder ihre Struktur und tricksen so das menschliche Immunsystem aus.

Warum einer allerdings krank wird und der andere nicht, ist ein grosses Geheimnis des Infektionsgeschehens. 25 Prozent der (glücklichen) Menschen, die sich infizieren, zeigen keinerlei Symptome. Es kann also sein, dass das Erbgut vor einer Ansteckung schützt. Es lässt sich weder genau voraussagen, welche Viren in welcher Häufigkeit auftreten, noch wie viele Menschen sich infizieren – und schon gar nicht, wie viele der Infizierten dann auch krank werden.

Händewaschen! Und zwar 20 bis 30 Sekunden lang

Unser Immunsystem leistet jeden Tag Schwerstarbeit für unsere Gesundheit – da ist jede Unterstützung gefragt: viel Bewegung, Vitalstoffe und Entspannung. Von allergrösster Bedeutung aber ist die Hygiene – vermehrtes und korrektes, das heisst 20 bis 30 Sekunden langes Händewaschen verringert das Ansteckungsrisiko erheblich. Häufiges Lüften tut der Nasenschleimhaut gut. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt drei- bis viermal täglich mindestens zehn Minuten Frischluft. Auch guter Schlaf ist wichtig. Das Spurenelement Zink – als Sirup oder Lutschtablette – kann die Dauer der Erkältung reduzieren, wenn es innerhalb von 24 Stunden nach Symptombeginn eingenommen wird. Dies fanden Forscher der Cochrane Collaboration heraus. Die Studienautoren empfehlen als Tagesdosis 75 mg Zink. Für einen längeren Gebrauch ist diese Menge allerdings zu hoch. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt 15 mg.

Ob Leute, die regelmässig mit Bus, Tram oder Zug unterwegs sind, häufiger krank werden, ist nie untersucht worden. Doch mit je mehr Menschen man Kontakt hat, desto wahrscheinlicher ist es, dass man eine Infektion erwischt. Ob Erkältung oder Grippe: «Lieber mal ein paar Tage zu Hause bleiben, als das ganze Büro anstecken», sagt Arzt Christian Sigg. Diesbezüglich herrsche nämlich oft ein falsches Arbeitsethos: «Man will sich zusammennehmen und keine Schwäche zeigen, dafür steckt man aber seine Arbeitskollegen an.»